Olmypus CH-2 - Lohnt Wechsel von Immersionsöl n=1,482 auf n=1,518?

Begonnen von p0lym3r423, April 01, 2024, 11:36:08 VORMITTAG

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Peter V.

#15
Hallo,

natürlich kann man - wie immer - aus allem eine große Wissenschaft machen. Martin Kreutz und auch Michael Plewka gehören ja wohl zu den besten Mikrofotografen (zumindest im Bereich der Tümpelei) und verwenden ganz pragmatisch das Öl von Merck, das ich auch gerne einsetze. Es ist einigermaßen preiswert (100 ml ca. 50 EUR) und hat eine RI von 1.516. Und es ist angenehm niedrig viskos, sodass man nicht (wie bei manchen anderen Ölen) das ganze Deckglas beim Fokussieren oder Verschieben des Kreuztischen "mitschleppt".

https://www.medplus24.de/Immersionsoel-100ml-zur-Ausschaltung-der-Lichtbrechung-Merck


Herzliche Grüße
Peter

Dieses Post wurde CO2-neutral erstellt und ist vegan. Für 100 Posts lasse ich ein Gänseblümchen in Ecuador pflanzen.

purkinje

#16
Hallo an alle Connaisseure (s.u.) der homogenen Immersion,

wer würde Dir,  Peter Reil nicht Recht geben "Es zählt was hinten raus kommt".
Nur, das Fehlen eines Unterschieds zu belegen ist mit einzelnen Beobachtungen schlicht nicht möglich, hier sind Hinweise aus der Theorie (um welche Größenordnungen handelt es sich in etwa) und Erfahrungsberichte wie von Oli schlicht das womit man sich begnügen muss.

Bei meiner Suche nach Quellen zu diesem Thema stieß ich auf einen Beitrag von Rimas Juškaitis "Characterizing High Numerical Aperture Microscope Objective"* zum Thema Temperaturabhängigkeit des Brechungsindex bei Immersionsöl. Auch wenig Temperaturdifferenz hat schon Einfluss auf den Brechungsindex und die primäre und sekundäre sphärische Aberration (Geraden mit Quadraten und Kreisen): dn/dT = 3–4 ×10−4.

Juškaitis Tabh RI Oel.jpg

Zur Relevanz des Ganzen will ich Euch die Kapitelüberschrift mit den einleitenden Worten des Autors nicht vorenthalten  ;)

Juškaitis Esoterica.jpg

Beste Grüße Stefan

*P.Török F-J Kao, Optical Imaging and Microscopy, Springer 2007

Nachtrag: ursprünglich, ich hatte mich verrechnet, dachte ich der Unterschied zw. den Immersionsölen würde in 10° Temperaturunterschied aufgehen, was nicht stimmt, es ist nur 1/10 der RI-Differenz der beiden Öle, es bleibt also weiterhin kein marginale RI-Differenz.

Lupus

Hallo,

Zitat... und verwenden ganz pragmatisch das Öl von Merck, das ich auch gerne einsetze. Es ist einigermaßen preiswert (100 ml ca. 50 EUR) und hat eine RI von 1.516
was ist daran nur pragmatisch, es klingt so als wäre das Öl qualitativ schlechter?
Das Merck-Öl entspricht genau den Normen, die übrigens dazu dienen dass Mikroskophersteller ihre Objektive optimal konstruieren können.
Jetzt mal ganz pingelig: Das Merck-Öl hat nach Angabe n=1.515, Zeiss n=1.518. Die sind aber identisch, weil Merck für die Spektrallinie D (589.3 nm), Zeiss für Spektrallinie e (546.1 nm) angegeben wird. Und bei der Frage ging es ja um einen deutlichen Unterschied (n=1.482).

Hubert

Peter V.

#18
Hallo Hubert,

mit "pragmatisch" meine ich, dass sie sich nicht den Kopf über Öle zerbrechen, sondern eben ein "durchschnittliches" Öl zum durchschnittlichen Preis nehmen. Das heißt ja um Himmels Willen nicht, dass es schlecht(er) ist, aber meist doch deutlich preiswerter als die Öle, die die Mikroskophersteller und ihrem Namen verkaufen. Sicherlich gibt es manchmal im Labor (beonders bei Fluoreszenzanwendungen) Anforderung an spezielle Eigenschaften der Öle, die diese dann auch sehr teuer machen. Die wird aber de normale Hobbymikroskopiker nicht benötigen.

Herzliche Grüße
Peter

Hier noch ein kurzer Vergleich der Viskositäten:

https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=35370.msg259114#msg259114
Dieses Post wurde CO2-neutral erstellt und ist vegan. Für 100 Posts lasse ich ein Gänseblümchen in Ecuador pflanzen.

Jakob_Wittmann

Hallo zusammen,

zu diesem Thema durchaus gut zu wissen wäre, ob Hersteller von Immersionsölen unterschiedlicher Eigenschaften eventuell äußerst minimale Mengen der Öle als kostenlose Proben zur Verfügung stellen.

Wenn ich mir allerdings die erfreulich detailreichen Ausführungen hier durchlese, denke ich mir eher, dass beispielsweise für einschlägige, schlüssige Experimente in diesem Gebiet – z. B. genau temperierbare Versuchsanordnungen bzw. eine Situation wie in einem Labor für physikalische Optik – vonnöten sein dürfte.


Es mag sein, dass man auch mit unterschiedlichen Mikroskopen/Objektiven/Kontrastmethoden interessante Ergebnisse erhält.

Es mag aber genauso sein, dass ich hinsichtlich brauchbarer Ergebnisse mit den oben genannten Voraussetzungen übertreibe ...  ;)


Liebe Grüße


Jakob
,,Ein Leben mit nur einem schwarzen Mikroskop ist möglich aber sinnlos."


Bernhard-Viktor ,,Vicco" Christoph-Carl von Bülow

Peter Reil

Zitat von: Lupus in April 02, 2024, 10:56:48 VORMITTAGHallo,

ich verstehe die "Aufregung" nicht ganz. Wer für seine Anwendungen keinen Unterschied sieht sollte doch zufrieden damit sein.  ;)

Hubert

Hallo Hubert,

es ist so, ich sehe keinen Unterschied, also keine Aufregung, ich bin zufrieden.  :)

Ich versuche, mal alles oben genannte zusammen zu fassen:
- Theoretisch kann man berechnen, dass es im Hellfeld bei der Betrachtung von Diatomeen mit den "falschen" Immerisonsölen einen "Qualitätsverlust" von ca. 5% geben könnte oder sollte
- Ob dieser "Verlust" im Helldeld wahrnehmbar ist, kann (bis jetzt?) nicht bewiesen werden.

Gruß
Peter


Meine Arbeitsgeräte: Olympus BHS, Olympus CHK, Olympus SZ 30

Lupus

Hallo Peter,

ZitatIch versuche, mal alles oben genannte zusammen zu fassen:
- Theoretisch kann man berechnen, dass es im Hellfeld bei der Betrachtung von Diatomeen mit den "falschen" Immerisonsölen einen "Qualitätsverlust" von ca. 5% geben könnte oder sollte
Das habe ich nicht gesagt. Die 5% bezogen sich auf einen Betrag von Stefan, wo es um die axiale Positionsverschiebung durch die Strahlbrechung ging. Ich habe keine (auch keine theoretische) Qualitätsbewertung vorgenommen, weil die Wirkung auch von der Art des Objektes und der Objektivqualität abhängt. Diatomeen sind durch ihre Kontrastproblematik als dreidimensionales Phasenobjekt hier eine ungünstige Qualitätsreferenz.

Hubert

purkinje

Hallo,
ich gehöre ja was die Frage nach der Sichtbarkeit von Unterschieden bei Verwendung der beiden Immersionsöle (RI 1,482 vs 1,518) auch nicht zu den recht entschiedenen.
Aber ich habe nicht in diesem Fall von 5% Qualitätsverlust gesprochen sondern über einen mir noch aus der Praxis verfügbaren Korrekturfaktor zum Stacking von Fluoreszenzbildern unter Verwendung von Glycerol berichtet. Mit Glycerol ist der Unterschied der Brechungsindizes (zu 1,518) ca 2x höher wie bei den hier erwähnten Ölen.
Beste Grüße Stefan

Beatsy

Hi,

I've only used RI 1.5185 immersion oils so I can't provide comparison photos.

I do know that spherical abberation is the main issue caused by "significant" deviation from the correct RI and that will blur finer details. An exact RI match will produce better images than an inexact one - but if it's a close-ish match, you'll probably only detect unacceptable SA when viewing/photographing near the limits of optical resolution (for the lenses and scope used).

But the brand name oils are very expensive. I've used Zeiss and Olympus. However, I found a MUCH cheaper oil from APC pure (UK) and got 100ml for £11.70 to try it. I could detect no difference between the brands and the generic oil. So I only use the generic one now.

https://apcpure.com/product/immersion-oil-r-i-1-5185-non-toxic/

Note: APCs shipping charges are *very* high for single, low-value items which would make the oil costly on it's own, and they probably only ship to the UK. Perhaps someone can recommend an EU source for generic oil like this?

Cheers
Beats
Knowledge is cheap. Experience is not.

Lupus

Hallo,

es wäre interessant, den realen Brechungsindex des (wohl meist unter dem Namen Euromex vertriebenen) Immersionsöls mit n=1.482 zu vermessen. Seltsamerweise bietet Euromex das gleiche Öl unter der selben Produktnummer aktuell geändert mit einem Brechungsindex n=1.515 an. Entweder wurde das Öl umgestellt, oder die früheren Angaben waren nicht richtig.
https://www.laboratoriumdiscounter.nl/de/immersionsoel-brechungsindex-n-1482-flasche-mit-25.html
https://www.euromex.com/en/products/products/accessories/accessories-miscellaneous-accessories/miscellaneous-accessories/

Hubert

olaf.med

Hallo Hubert, falls Du mir ein Tröpfchen des kostbaren Öls zukommen lassen würdest, kann ich den Brechungsindex leicht und schnell bestimmen.

Herzliche Grüße, Olaf
Gerne per Du!

Vorstellung: http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=4757.0

... und hier der Link zu meinen Beschreibungen historischer mineralogischer Apparaturen:
https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=34049.0

Lupus

Hallo Olaf,

würde ich gerne machen, ich verwende aber nur das korrekte Öl.  ;)
Vielleicht gibt es jemand, der das zur Verfügung stellen könnte.

Hubert

p0lym3r423

Hallo zusammen,

vielen Dank für die vielen Einschätzungen.

Persönliches Fazit:
Bevor ich Geld in ein vom Hersteller empfohlenes Öl stecke, investiere ich das Hobby-Budget lieber in Präparationstechnik und ggf. den Ausbau meines Mikroskops. Ich bleibe also beim günstigen, synthetischen Öl mit n = 1,482.


Beste Grüße
Sönke