"Mondlandschaft" auf der Frontlinse

Begonnen von regulus56, April 24, 2024, 08:18:29 VORMITTAG

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regulus56

Hallo in die Runde.
Ich habe da mal eine Frage zu einem sehr günstig im Net erworbenen CZJ 40/0.65 Objektiv.
Mit bloßem Aug erscheint die Optik ok. Was auch den Verkauf als optisch guter Zustand erklärt.
Bei genauer Betrachtung, besonders bei seitlicher Beleuchtung jedoch ist die Frontlinse ein Totalschaden.Der Anblick durch das Objektiv erscheint wie der Blick durch eine beschlagene Scheibe. So weit so gut.
Was mich interessieren würde ist die mögliche Ursache für den merkwürdigen Befund.
Dem alter entsprechend unbeschädigte Oberfläche der Fassung und dann eine wahre Kraterlandschaft auf der Frontlinse.
Was also hat die Linse so ramponiert ohne das Metall anzugreifen???
Mir fallen da nur agressive Flüssigkeiten ein, aber warum blieb das Metall verschont?
Auf eure Antworten bin ich gespannt...
Grüße vom Klaus
,,Ich weiß, dass ich nichts weiß"
Und gern per Du.

mikropit

Hallo Klaus, hast Du mal die Oberfläche zu reinigen versucht. Zuerst mit Spucke oder Wundbenzin. Vielleicht ist da der Vorbesitzer nur mit Immersionsöl schlampig umgegangen. Das hatte ich auch schon bei einem Kauf und nach der Reinigung alles ok.
Peter Mikropit
mikropit

purkinje

Hallo Klaus,
derartige Schadensbilder kenne ich leider auch bei Leitz-Objektiven (eher die aus den 70er Jahren), auch von inneren Linsen. Ich konnte da mit einem Holzzahnstocher die "Pocken" regelrecht abhebeln. Es gibt halt leider nicht nur Linsenkittschäden sondern auch echte Glasalterung im großen Formenkreis der "Delamination".
Beste Grüße Stefan

ortholux

Hallo Klaus,

ich kenne mich mit "Jena" nicht aus. Ich vermute mal, dass das ein AUflicht-Objektiv ist. Solche Schäden habe ich bei etlichen Leitz'schen Auflicht-Objektiven gesehen. Das sieht mir nach Lochfraß durch irgendwelche Substanzen aus. Vielleicht geätzte Proben, die nicht sorgfältig gereinigt wurden?

Wolfgang

Peter V.

Hallo,

ich vermute auch, dass es evetuell nur stark eingetrocknetes Immersionsöl ist, zumindest habe ich bei einem Deiner Bilder des Eindruck, dass es nicht nur Pocken sind, sondern man einfach eine weitere "Schicht" auf der Frontlinse sieht.
Neben den üblichen Lösungsmitteln Benzin, Xylol würde ich mal mit einem leicht angestumpften Zahnstocher aus Holz versuchen, die Schicht abzukratzen.

Herzliche Grüße
Peter
Dieses Post wurde CO2-neutral erstellt und ist vegan. Für 100 Posts lasse ich ein Gänseblümchen in Ecuador pflanzen.

jochen53

Hallo Klaus,
meine Vermutung: Fungus (Glaspilz). Die Ausscheidungen dieser Mikroorganismen greifen Glas an. Gerade weiche optische Gläser sind dafür besonders anfällig. Abhilfe: Keine.
Besonders in dunkler, schlecht belüfteter, feuchter Umgebung (z.B. in hölzernen Mikroskop-Schränken in solcher Atmosphäre) gedeihen diese Pilze besonders gut. In tropischem Klima von Burma im 2. Weltkrieg wurden z.B. Optiken von Entfernungsmessern, Zielfernrohren und Ferngläsern oft nach 2 Wochen bereits unbrauchbar. Spezielle Innenlackierungen mit Quecksilber-haltigen Lacken (z.B. Thiomersal) konnten dem etwas abbhelfen.
Viele Grüße, Jochen

reblaus

Hallo Klaus -

alle Vermutungen hier sind begründet; aber auf Grund eigener Erfahrungen würde ich mich als erstes mal der von Peter anschließen - ist eh die einzige Möglichkeit mit evt. positiver Prognose.
Nimm mal ein feineres Tuch, feuchte mit einem Tropfen Immersionsöl eine Stelle an und rubble mit kräftigem Druck. Falls sich eine Besserung andeutet, mache mit Benzin, Xylol o.ä. brutalen Lösungsmitteln weiter (Alkohole helfen nix).
Warnung: diese Art der Krankensalbung gilt nur für solch hoffnungsarme Fälle, ähnlich wie die Zahnstochertips.

Gruß

Rolf

regulus56

Danke an alle für die Antworten.
Ich habe natürlich bereits im Vorfeld alles mögliche versucht um die Oberfläche zu reiniegen.
Erst mit anhauchen, Wundbenzin, Alkohol, Xylol sogar Nitroverdünnung und immer mit dem Zahnstocher und Augenwatte....
Was soll ich sagen?
Es hat nichts gebracht :-[ aber für 15,-€ kann man schon mal daneben liegen.
Dem Verkäufer kann ich nichts vorwerfen, denn in der Ansicht mit bloßem Auge erscheint die Linse blank und sauber. ERst eine starke Lupe offenbart den Schaden.
Es ist halt Lehrgeld.
Und dabei wollte ich eigentlich nur meinen Objektivsatz mit einem original Zeiss komplettieren, nun muss ich weiterhin 40er von Euromex nutzen.
Eine Besonderheit hat das defekte Objektiv jedoch. Es ist ungefedert.
Mich wunderte nur der massive Schaden an der Glasoberfläche bei intaktem Metall der Fassung.
Die Vermutung liegt nahe das es sich um Fungus handeln könnte.
Euch einen schönen Tag wünscht Klaus
,,Ich weiß, dass ich nichts weiß"
Und gern per Du.

Alfons Renz

Hallo Klaus,

Solche Korrosionsschäden kenne ich auch: Es war bestimmt kein Pilz. Und sie sind irreparabel.

Mit einer Ausnahme: den Immersionsobjektiven! Da bekommt man trotz völlig trüber, d.h. oberflächlich korrodierter Linse dennoch ein brauchbares Bild. Ich hätte dies selbst nicht geglaubt. Bei gleichem Brechungsindex von Linsenglas und Immersionsöl tritt die Trübung kaum in Erscheinung.

Leider ist Dein Objektiv nicht für Immersion geeignet.

Trotzdem wäre es einen Versuch wert: Kleb einen Splitter eines Deckglases mit Immersionsöl vor die Linse: Das bringt zwar die Geometrie der Linse völlig durcheinander, aber möglicherweise doch ein klareres Bild als mit der Trübung. Wenn auch nur im Zentrum des Blickfelds.

Viel Erfolg und Grüße,

Alfons

reblaus

Hallo Klaus & Alfons -

man beachte mein Profilbild, das ich vor einiger Zeit als memento mori eingestellt habe. Es handelt sich um die Frontlinse eines Zeiss PlanApos 100/1,25 Öl an meinem letzten Dienst-Phomi II. Seinen Zweck hat es noch tadellos erfüllt, obwohl ein größeres Glasbröcken im Verlauf des längsten Risses fehlt (schlecht zu erkennen) ...

Tröstliche Grüße

Rolf

purkinje

Hallo Klaus und allen anderen, der Vergänglickeit von Optik Gewärtigen,

nur noch kurz, Klaus schrieb ja von Kratern, genau diese bleiben auch wenn die o.g. "Pocken" sich lösen, ob mit oder ohne Zahnstocher  ;) . Zu diesem Instrument und Glasschäden genau dieser Art, auch an höherwertigen Objektiven, gab es diesen guten Faden: Leitz PL APO 6,3 mit hubbeliger Frontlinse Im 3. Bild erkennt man den hellen Krater nach Entfernung.
Beste Grüße Stefan