Autor Thema: Dünnschliff Lapilli-Tuff vom Ätna  (Gelesen 3140 mal)

Udo Maerz

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Dünnschliff Lapilli-Tuff vom Ätna
« am: Februar 22, 2010, 23:10:20 Nachmittag »
Ein Urlaubsmitbringsel vom Ätna

Feinst zerriebener Staub, Mineral und Gesteinsfragmente mit basaltischem Gefüge haben sich aus einer glutheißen Aschewolke abgelagert und sind zu einem kompakten Gestein versintert und verbacken.

In der feinen braugelblichen Grundmasse fallen im linear polarisierten Licht (LPL) sofort die großen bräunlich-gelben, von Spaltrissen durchzogenen Kristalle (Pyroxene) auf, die ihrerseits noch von vulkanischen Gläsern eingebettet sind. Die sie umgebenden vulkanischen Gläser sind unterschiedlich stark auskristallisiert und enthalten unterschiedlich viele kleine Plagioklasleisten.




Objektiv 3,5 Achr. LPL

Die großen Plagioklasbruckstücke (Mitte oben rechts und Mitte und unten links) enthalten Schmelzeinschlüsse, was als Zeichen für ein sehr schnelles Kristallwachstum gedeutet werden kann.



Objektiv 3,5 Achr. XPL

Unter gekreuzten Polarisatoren (XPL) erkennt man, dass zumindest zwei der wohlausgebildeten Pyroxenkristalle Wachstumszwillinge sind (Bildmitte und Mitte links), die Zwillingsebene verläuft jeweils gerade in der Längsachse der angesprochenen Kristalle mit unterschiedlichen Interferenzfarben zu beiden Seiten (Mitte links nicht so deutlich zu erkennen).


Das nächste Bild zeigt zwei vulkanische Glasfragmente, die unterschiedlich gut auskristallisiert sind, also eine unterschiedliche Temperaturgeschichte hatten. Dieser Lapilli-Tuff bietet so eine bunte Sammlung kleinster, während der Eruption mitgerissener Gesteinspartikel frühererÄtna-Ausbrüche.



Obj. 6 Achr. LPL



Obj. 6 Achr. XPL

 Das linke Fragment ist weitgehend auskristallsiert, das große Plagioklaskristallpaket an seinem Rand zeigt große isometrische Kristalle , die nur am Rand und nur wenig Schmelzeinsschlüsse während ihres Wachstums eingebaut haben. Das in der Schmelze ehemals vorhandene Eisen ist für die Bildung von Erzmineralen (schwarz) oder feinkörnigem Pyroxen in der Grundmasse verbraucht. Deswegen und wegen der vielen kleinen Plagioklasleisten erscheint dieses Fragment im LPL insgesamt recht hell.

Das Gesteinsbruchstück im Bild rechts oben dagegen erscheint dunkel; es enthält ein größeres prismatisches, von Schmelzeinschlüssen durchzogenes Plagioklasbruchstück, außerdem Erz, Pyroxenbruchstücke und kleinere Plagioklasleisten. Für Bildung und Wachstum der Kristalle stand hier weniger Zeit zur Verfügung.

In der Bildmitte sind noch zwei isolierte Pyroxenfragmente zu erkennen (bunte Interferenzfarben unter XPL:

Wer noch mehr sehen will: 14 Sekunden Kurzvideo, aber Achtung! 14 MB




Alle Aufnahmen am Ortholux II mit Monokular-Fototubus und Canon 1000D

viele Grüße an die, die es bunt lieben

Udo Maerz