Interessante Pilz- und Flechtenfunde 159 – Helle Kuchenflechte

Begonnen von Bernd Miggel, Juli 03, 2024, 16:06:40 NACHMITTAGS

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Bernd Miggel

Helle Kuchenflechte (Lecanora chlarotera)

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Text in Anlehnung an KIRSCHBAUM & WIRTH 2010 sowie an WIRTH & KIRSCHBAUM 2024.

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Bild 1Lecanora chlarotera am Fundort, Apfelbaumast, Streuobstwiese. Foto: Liss Hoffmann.


Einführung, Lebensweise und Verbreitung

Die Helle Kuchenflechte (Lecanora chlarotera), eine häufige, an Apothecien reiche, epiphytische Krustenflechte, lässt sich kurz so beschreiben: zahllose, oft dicht an dich liegende Becherchen (Apothecien) mit meist hellbrauner Scheibe und weißem Rand, auf weißlichem bis grauweißem Lager (Thallus). Sie wächst auf der Rinde freistehender Laubbäume, wobei eutrophierte Luft und eutrophiertes Substrat gut vertragen werden. Wir fanden mehrere Lager auf der Rinde von Zweigen eines morschen Apfelbaumes auf einer Streuobstwiese im Schwarzwaldrandgebiet bei Karlsbad-Spielberg, Baden-Württemberg.

Bild 2 - M250, (A,R8,S4)hell_b, 800x.jpg
Bild 2 – Helle Kuchenflechte auf Apfelbaumrinde: Apothecien mit hellbrauner Scheibe und weißem Rand, auf graulichweißem bis grünlichweißem Lager. Foto: Bernd Miggel.

Bild 3 - MSN202, (B,R8,S4)hell, BM, 800x_b.jpg
Bild 3 – Ausschnitt aus Bild 2. Foto: Bernd Miggel.


Morphologische Merkmale

Lager weißlich, auch mit grauer oder grünlichgrauer Nuance, nicht sorediös.  Apothecien bis 1,5 mm im Durchmesser, zahlreich, teils dicht an dicht, dem Lager dicht anliegend. Scheibe meist hellbraun (Bilder 2 und 3). Rand schwach gekerbt, weiß. Das Epihymenium, also die oberste Schicht, ist braun gefärbt (Bilder 4, 5, acht). Es enthält winzige Kristalle, die im polarisierten Licht hell aufleuchten (Bild 5). In Kalilauge lösen sich die braune Färbung und auch die Kristalle auf (Bilder 6 und 7). Im Apothecienrand und unter dem Hymenium zeigen sich große, im pol. Licht hell leuchtende Kristalle (Bild 5). Diese lösen sich in Kalilauge nicht auf.
In den Sporenschläuchen (Asci) befinden sich jeweils acht Sporen (Bild acht). Die Sporen (BIld 9) sind hyalin (durchscheinend), farblos, glatt, einzellig, etwas dickwandig und messen 11-13 x 6-7,5 µm (eigene Messung: 10,5-14 x 5,1-7,8 µm).

Bild 4 - IMG_0001, Breite 1mm, x10, 800x.JPG
Bild 4 – Manueller Längsschnitt durch ein Apothecium des Fundes. Auffällig ist das braun gefärbte Epihymenium. Mikroskopiert in Wasser. Foto: Bernd Miggel.

Bild 5 - IMG_0027, Pol, x10, 800x.JPG
Bild 5 – In polarisiertem Licht erkennt man hellaufleuchtend: a) im Epihymenium (oberste Schicht) unzählige, winzige Kristalle, b) im Apothecienrand und unterhalb des Epitheliums große Kristalle. Foto: Bernd Miggel.

Bild 7 - KOH20, x40-Öl_b, 800x.JPG
Bild 6 – In Kalilauge verschwindet die Braune Färbung des Epihymeniums. Foto: Bernd Miggel.

Bild 8 - Pol, KOH20, x40-Öl_b, 800x.JPG
Bild 7 – In polarisiertem Licht sieht man, dass sich in Kalilauge auch die winzigen Kristalle des Epiyymeniums auflösen. Foto: Bernd Miggel.

Bild 6 -  x40-Öl_b, 800x.JPG
Bild 8 – Asci achtsporig. Foto: Bernd Miggel.

Bild 9 - Sporen, H2O, BM, 800x.jpg
Bild 9 –. Sporen in Wasser. Foto: Bernd Miggel.

Makrochemische Farbreaktionen (K: Kalilauge 10-20%, C: Natrium-Hypochlorit, KC: erst K dann darauf C, P: para-Phenylendiamin)
K+ gelb, C-, KC-, P- (oder P+ schwach gelblich).

Ähnliche Flechtenarten

• Bei der Silbrigen Kuchenflechte (Lecanora argentata) ist die Apothecienscheibe nicht hellbraun, sondern rotbraun oder dunkelbraun. Das Epihymenium ist ebenfalls braun gefärbt, enthält aber keinerlei Kristalle. Die Braunfärbung bleibt bei Zugabe von Kalilauge erhalten. Außerdem ist L. argentata eher eine Flechte des Waldesinneren und verträgt keine hohe Eutrophierung der Luft bzw. des Substrats.

Literatur
• KIRSCHBAUM, U. & WIRTH, V. (2010): Flechten erkennen – Umwelt bewerten: 109.
• Wirth, V. (1995): Die Flechten Baden-Württembergs, 2. Aufl., 1006 S.; Ulmer, Stuttgart: 469.
• Wirth, V. et al. (2011): Rote Liste der Flechten und flechtenbewohnende Pilze Deutschlands.
• WIRTH, V. & DÜLL, R. (2000): Farbatlas Flechten und Moose: 162.
• WIRTH, V. et al. (2013): Die Flechten Deutschlands: 592-593.
• WIRTH, V. & KIRSCHBAUM, U. (2024): Die Flechten Mitteleuropas. Bestimmung und Beschreibung der wichtigsten Arten: 58, 143.
https://italic.units.it/index.php?procedure=taxonpage&num=1189
https://www.thm.de/lse/ulrich-kirschbaum/flechtenbilder-la-leca
http://www.norbert-kuehnberger.de/pilzbildergalerie/D_Flechten-Lichenes_-_226_Arten/pilzbilder-lecanora_chlarotera_1jpg-stopp.htm


Viel Freude beim Anschauen!
Bernd

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