Warum Auflicht-DIK ohne Fehlinterpretationen wie im Durchlicht-DIK

Begonnen von mikrohelmi, Juli 20, 2024, 22:28:27 NACHMITTAGS

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mikrohelmi

Liebe Mikro-Forum Expertinnen und Experten,

für einen Vortrag hätte ich gerne gewußt, warum beim Auflicht-DIK keine Pseudoerscheinungen auftreten. Berge sind also Berge und Täler sind Täler und keine optische Täuschung. Hat das damit zu tun, weil nur ein Wollaston Prisma verbaut ist? Beugung und Interferenz sind doch im Prinzip nicht anders als im Durchlichtverfahren.

Vielen Dank voraus für jede Antwort.

Freundliche Grüße

Helmut

ChristianS

Ich bin sicher kein Experte, weiß aber, dass beim Differenzkontrast-Verfahren mit Hilfe der Prismen genauso wie bei der Verwendung entsprechender Filter das Licht polarisiert wird. Man hat beides Mal jeweils einen innerordentlichen und einen außerdordentlichen Strahl mit unterschiedlicher Ausbreitungsgeschwindigkeit.

Durch die Interferenz beider Strahlen wird dann der Kontrast gesteigert. Keine Ahnung ob das deine Frage beantwortet.
Verwendete Geräte:

Leitz Orthoplan

Kameras:

Canon Eos 650d
Nikon Z5

Jürgen Boschert

Hallo Helmut,

Zitat... Berge sind also Berge und Täler sind Täler und keine optische Täuschung.  ...

Bist Du da sicher? Das ist mir so nicht bekannt. Bei Mikro-Chips hat man es doch im Prinzip mit einer ebenen Fläche zu tun.
Beste Grüße !

JB

ChristianS

Verwendete Geräte:

Leitz Orthoplan

Kameras:

Canon Eos 650d
Nikon Z5

mikrohelmi

Zitat von: Jürgen Boschert in Juli 20, 2024, 22:48:26 NACHMITTAGSHallo Helmut,

Zitat... Berge sind also Berge und Täler sind Täler und keine optische Täuschung.  ...

Bist Du da sicher? Das ist mir so nicht bekannt. Bei Mikro-Chips hat man es doch im Prinzip mit einer ebenen Fläche zu tun.

Vielen Dank für die ersten raschen Antworten, aber bitte, es geht hier nur um Auflicht-DIK und nicht um Durchlicht-DIK! Das kenne ich bereits praktisch und theoretisch.

Jürgen, mein Mikro-Chip ist im Auflicht-DIK keine völlig ebene Fläche sondern weist geringe Erhebungen bei 500-facher Vergößerung auf. Ich glaube einmal gelesen zu haben, dass im Auflicht-DIK die Betrachtung real ist- also keine Pseudoerscheinungen vorhanden sind. Aber man kann sich auch mal irren. Gruß Helmut

olaf.med

Hallo Helmut,

ZitatBerge sind also Berge und Täler sind Täler und keine optische Täuschung

Das ist definitiv falsch! Der Auflicht-DIC funktioniert exakt wie der Durchlicht-DIC, er kommt aber mit einem realen Wollaston-Prisma aus, das prinzipiell die Funktion der beiden Prismen im Durchlicht übernimmt. Der Beleuchtungsstrahl wird auf dem Hinweg durch das Prisma lateral aufgespalten und nach der Reflektion auf dem Rückweg durch dasselbe Prisma wieder zusammengeführt, sodass die beiden Teilstrahlen interferieren können. Die sichtbaren Effekte sind reale Höhenunterschiede auf der Oberfläche der Probe, aber man kann KEINE Aussage darüber machen, ob es sich um ein positives oder negatives Relief handelt, es sei denn man Referenzen, wie z.B. Kratzer mit bekanntem Relief zum Vergleich.

Herzliche Grüße,

Olaf
Gerne per Du!

Vorstellung: http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=4757.0

... und hier der Link zu meinen Beschreibungen historischer mineralogischer Apparaturen:
https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=34049.0

Florian D.

Der Kontrast beruht freilich im Auf- und Durchlicht auf unterschiedlichen Mechanismen. Gemeinsam ist beiden, dass die beiden unterschiedlich polarisierten Teilstrahlen einen Phasenunterschied erfahren. Bei Durchlicht ist dieser, bei normalerweise konstanter Präparatdicke, auf einen Brechungsindexgradienten zurückzuführen. Im Auflicht ist der Unterschied tatsächlich meistens auf einen Laufwegunterschied zurückzuführen, das Licht bewegt sich ja in Luft, die nur einen ganz geringen Brechungsindex haben. Natürlich sind auch hier Störungen möglich. Der Phasenunterschied hängt ja vom Gradienten des Laufwegs ab und ist zudem keine monothone Funtkion desselben, sondern periodisch. Ist der Gradient also zu gross, kann es sogar zu einer Umkehr des Kontrastes kommen. Weiterhin nimmt man stillschweigend an, dass sich der Brechungsindex des reflektierenden Materials nicht aprupt ändert. Bei der Reflexion treten nämlich auch Phasenunterschiede auf, die materialabhängig sind. Der einfachste Fall ist folgender: Der Phasenunterschied bei Reflexion am Übergang vom optisch dichteren ins optisch dünnere Medium tritt im Vergleich zum Übergang vom dünneren ins dichtere Medium ein Phasensprung von 180 Grad auf. Auch das Reflexionsvermögen hängt vom Brechungsindexunterschied ab. Das kann natürlich auch einen Kontrast erzeugen.

mikrohelmi

Lieber Olaf, lieber Florian,

vielen Dank für eure professionelle Antwort. Ich gehe also davon aus, dass auch im Auflicht-DIK mit Fehlinterpretationen zu rechnen ist.

Viele Grüße und noch einen schönen Sonntag. Helmut

3D Alfons

Hallo Helmut, 
Räumliches Sehen ist eine Leistung des Gehirns. 
Beim Bino, ob Mikroskop oder Teleskop ist das aktiv, und führt bei unterschiedlichsten Menschen zu individuellen Ergebnissen. 
Deshalb wird in der Literatur nachhaltig darauf verwiesen den DIK nur als Kontrast zu sehen. 
Räumliche Struktur gibt es auch beim Mikroskop. 
Durch unterschiedliche Beleuchtung mit Pol inzwischen auch Schutter hat zeiss seine 3d Verfahren gemacht. 
Ich setze hingegen auf vollständige Bildaufspaltung wie beim Stereomikroskop. 
In der Astronomie haben manche Berichtet mit Bino Sterne vor oder hinter Gasnebeln zu sehen. 
Ist also sehr umfangreich. 
Grüße von der Mosel. 

mikrohelmi

#9
gelöscht

mikrohelmi

Zitat von: 3D Alfons in Juli 21, 2024, 17:57:02 NACHMITTAGSDeshalb wird in der Literatur nachhaltig darauf verwiesen den DIK nur als Kontrast zu sehen.

Danke Alfons, die Literatur hat Recht. Sinn und Zweck von DIK ist, Phasenobjekte für das menschliche Auge sichtbar zu machen. Das räumliche Sehen ist bei DIK verführerisch aber nicht die Realität.
Aber was ist schon Realität.

Ich wünsche dir noch eine schöne Woche. Liebe Grüße Helmut