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Zeiss Mikroskop fit machen

Begonnen von Tunnelblick, August 21, 2024, 15:13:28 NACHMITTAGS

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Tunnelblick

Moin,
Vielen Dank für die Antworten!
Also trocken bzw. Ohne Immersion zu arbeiten ist für mich keine Option. Alleine die Organismen ohne Verteilung in Wasser auszuzählen Stelle ich mir als unmöglich vor.
Mein Plan ist es im kommenden Jahr einen Kurs / "Fernstudium" zu machen und es wurden gewisse Anforderungen an das Mikroskop gestellt. Die Tipps kommen von einer ehemaligen Professorin, die sich seit Jahrzehnten in dem Bereich austobt, entsprechend steckt da ein bisschen etwas hinter.
Trotzdem möchte ich natürlich verstehen, was ich da an meinem Mikroskop aufrüste.   Ich möchte es für einen langfristigen Gebrauch ausrüsten, gerne mit möglichst wenigen frustrierenden Fehlkäufen. Als Mensch mit vielen Hobbies habe ich einfach schon zu viel Geld für Technik ausgegeben, die am Ende im Schrank verstaubt, weil ich es einfach nicht schaffe es wieder veräußern.

Klingt für mich so, als müsste ich auf Dauer wirklich einen Kondensor mit NA 1,2 anschaffen, Weitfeldokulare mit einer Vergrößerung von 10 und mindestens ein Objektiv mit 4-facher Vergrößerung.

K. B.

#31
Hallo Niko,

mit Immersion ist nur das Öl zwischen Objektiv Bzw. Kondensor und dem Präparat gemeint.
Die Mikroorganismen liegen fast immer in Lösung vor, werden aber meistens stark runterverdünnt damit sie überhaupt zählbar werden.
Immersionsöl macht bei den großen Vergrößerungen auf jeden Fall sinn, ich persönlich würde auch ein 40x oder 63x Immersionsobjektiv empfehlen, dann kann man gemütlich nochmal vom 100er zurückwechseln ohne das Öl zu entfernen.

Den Kondensor immergieren ist eigentlich nie nötig, außer für sehr lichthungrige Methoden wie z.B. Dunkelfeld und wenn man bei hohen Vergrößerungen Stacking oder Stitching-Aufnahmen machen möchte, bei der normalen Nutzung hat man selten den Bedarf und die Zeit für diese unnötige Sauerei.

Weitfeld-Okulare machen auf jeden Fall sinn und wenn du erstmal welche genutzt hast möchtest du garantiert auch keine Klassischen mehr nutzen.

Viele Grüße
Kay
Mikroskop: Olympus BH-2 BHTU/ BHS mit Trino (DL; PH; Fluo; DF; AL)
                  Zeiss GFL Trinokular (DL; PH; Fluo; AL)
                  Olympus CK2 Invers Trino (DL; PH; Fluo)
                  Olympus GB (DL; PH)
Mikroskopkamera: Canon EOS 550D; EOS RP

Peter_le

Hallo,

es gibt viele Meinungen.

Ein Kondensor mit höherer Apertur als 0,9 scheint mir nicht nötig zu sein. Ob ein Objektiv mit N.A. von 1,25 vollständig ausgeleuchtet wird, hängt auch vom Präparat ab.

Wenn man einen Kondensor mit einer Apertur höher als 0,9 hat und nicht vorhat ihn zu immergieren, braucht man auch keinen.


Es sind, wenn ich das erste Bild richtig interpretiere, schon Weitfeld-Okulare verbaut, es sind wohl Cpl 10x/18 Okulare. Schickst du mal ein Foto von denen? Ich finde die haben einen schlechteren Ruf als sie verdienen.

Dass ein Trockenobjektiv mit einer N.A. höher als 0,65 vorgeschlagen wird, wundert mich ein bisschen. Da ist die Deckglas- und Präparatdicke wichtig und die Objektive von Zeiss West mit Deckglaskorrektur sind ziemlich teuer, meine ich. Aber gut, ich arbeite gerne mit Öl.

Grüße
Peter L.

Peter_le

Danke Stefan für den Hinweis der N.A. eines nicht immergierten Immersions-Kondensor, das habe ich mich auch schon gefragt. 0,7 ist weniger als ich dachte.

@Peter: Ich schätze das hängt mit dem Abstand zum Präparat ab, der Schnittweite. Bei starken Trockenobjektiven mit N.A. 0,95 ist der Arbeitsabstand oft 0,09 mm. Dazu kommen idealerweise 0,17 mm Deckglas.
Während der Kondensor 1 mm Objektträger und z.B. 0,09 mm Präparat ausleuchten müsste, das ist einiges mehr.

Gibt es eigentlich Trockenkondensoren mit 0,95 für biologische Durchlichtmikroskope?

Grüße
Peter

Tunnelblick

#34
Praktische Frage:
Soll das so oder sind die Gewinde richtig hart missbraucht worden?
Ich frage, weil ich einen Kondensor gefunden habe, der an einem Zeiss LG montiert war, jetzt Frage ich mich ob er überhaupt passt und sich der Ausbau vom ursprünglichen lohnt.

Welche dicke meine Maße und Eigenschaften meine Deckgläser und Objektträger haben weiß ich gerade nicht, aber vielleicht erkennt ihr da etwas auf den ersten Blick?

(Siehe nächster Post)

Tunnelblick

Ok hier noch mal die Bilder separat, war zu groß für den Post...

purkinje

Hallo Peter (Reil),

vor einiger Zeit hatte ich mal die Gelegenheit die Trocken-Aperturen einiger meiner Immersions-Kondensoren zu messen (±5%): der einfache zweilinsige 1,2er kam auf ca. 0,7, der Aplanatische 1,25 auf 0,8 und der hochwertige achromat-apl. 1,4er auf 0,9 n.A.(trocken!); dies deckte sich in etwa mit einer Literaturstelle, die ich gerade nicht mehr im Kopf habe.
Evtl weiß jemand hierzu noch etwas?

Hallo Niko,
bitte nicht verwirren lassen, eigentlich wollte ich Dir nur sagen dass ich einen Immersionskondensor 1,2 mit deinem 100/1,25 er Objektiv für nicht so erforderlich halte, meines Erachtens reicht der trockene 0,9er Kondensor. (Nach Baker 1952, s.u.* sind das ca. 8% Auflösung die Du verlieren könntest bei dem Trocken-Kondensor, viel mehr verlierst Du wenn die Kondensorhöhe bzw die Beleuchtung nicht stimmt). Zudem streuen Immersionskondensoren geölt oft bei maximaler Apertur, dann muss die Aperturblende eh etwas zugezogen werden um Überstrahlung zu vermeiden und den Kontrast zu heben, dann bist Du von den 0,9 nicht mehr weit entfernt.
Aber wenn die Professorin... da halt ich mich raus  ;D

*Wir hatten das Thema übrigens erst jüngst:
Einfluss v. Kondensorapertur / Immersion auf Auflösung
Beste Grüße Stefan

K. B.

Hallo Niko,

welches Gewinde genau? Um den Kondensor auszubauen musst du ihn nur mit beiden Händen etwas nach vorne schieben und kannst ihn dann hinten hoch kippen um ihn aus der Halterung zu nehmen, die beiden hinteren Schrauben sind nur zum einstellen der Position, eine Anleitung oder ein Video findest du sicher schnell im Internet falls meine Angaben zu ungenau sind.
Ob der Kondensor vom LG kompatibel ist weiß ich nicht.
Der verbaute Kondensor ist eigentlich für alle normalen Anwendungen ausreichend, ich würde erstmal mit diesem arbeiten und den Umgang und das Köhlern lernen, dann kannst du noch immer einen speziellen dazu kaufen wenn dir dieser nicht ausreicht, auserdem sind die Objektive schon nicht auf absolute Spitzenleistung ausgelegt weshalb der leistungsfähigste Kondensor auch kein viel besseres Bild liefern wird.

Viele Grüße
Kay
Mikroskop: Olympus BH-2 BHTU/ BHS mit Trino (DL; PH; Fluo; DF; AL)
                  Zeiss GFL Trinokular (DL; PH; Fluo; AL)
                  Olympus CK2 Invers Trino (DL; PH; Fluo)
                  Olympus GB (DL; PH)
Mikroskopkamera: Canon EOS 550D; EOS RP

Herbert Dietrich

Hallo Tunnelblick,

wie ich an dem Foto erkenne hast Du ein Zeiss Standard RA Mikroskop,
 vielleicht hilft Dir die Zeiss-Broschüre "Mikroskopieren von Anfang an"
hier kostenlos:  https://files.pulchlorenz.de/Mikroskopieren_von_Anfang_an-pl.pdf
Da werden allerdings die modernen Zeiss Mikroskope beschrieben.
Eine ältere Ausgabe, die auf Dein Mikroskop ausgelegt ist, gibt es oft noch antiquarisch.

Mit Immersionsöl arbeiten ist keine Hexerei, man braucht kein Ölbad, ein Tropfen genügt.
Wie bereits empfohlen, ist ein entsprechendes 40er oder 63er Öl - Objektiv praktisch.

Herzliche Grüße
Herbert

Lupus

Hallo,

ZitatWas meint man mit Apertur? Das Wort ist eine Abwandlung des lateinischen Verbs ,,aperire" (= öffnen) in Richtung eines Hauptworts, nämlich ,,Apertur". In etwa ,,Öffnung". Nimmt man deren Größe mit: ,,Öffnungsweite" und Ist die Öffnung zahlenmäßig bestimmt, bezeichnet man dies nun in der Optik als ,,Numerische Apertur" (NA).
Unter Apertur versteht man in der Optik den freien Öffnungsdurchmesser, z.B. eines Teleskopobjektives. In der Mikroskopie ist der Durchmesser für die Auflösung nicht relevant sondern der Winkel der einfallenden  Strahlen zur optischen Achse. Abbe hat daher den Begriff der "numerischen Apertur" eingeführt (= Sinus des halben Öffnungswinkels). Numerisch heißt nicht dass sie zahlenmäßig bestimmt ist.

Zitatvor einiger Zeit hatte ich mal die Gelegenheit die Trocken-Aperturen einiger meiner Immersions-Kondensoren zu messen (±5%): der einfache zweilinsige 1,2er kam auf ca. 0,7, der Aplanatische 1,25 auf 0,8 und der hochwertige achromat-apl. 1,4er auf 0,9 n.A.(trocken!)
Dass trocken verwendete Immersionskondensoren einfacherer Bauart nicht auf eine NA von etwa 0.9 kommen hängt u.a. von den Restfehlern dieser Kondensoren ab wie insbesondere die sphärische Aberration. Wenn ein Immersionskondensor für eine Immersion berechnet und ohne Immersionsmedium zwischen Kondensorfrontlinse und Objektträger verwendet wird, dann weichen die Randstrahlen (also die mit starkem Neigungswinkel) noch stärker vom richtigen Einfallswinkel ab als es bei diesen einfacher konstruierten Kondensoren ohnehin der Fall ist.

Denn auch ein einfacher, zweilinsiger "Standard"-Trockenkondensor mit NA 0.9 weist durch die sphärische Aberration, speziell bei optimaler Leuchtfeldblendeneinstellung, üblicherweise in der Randzone  des ausgeleuchteten Objektdurchmessers eine geringere NA auf als die nominell angegebene von 0.9. Je nach Kondensor-Höheneinstellung kann auch eine ringförmige inhomogene Ausleuchtung entstehen.
Dieser Effekt wird z.B. hier beschrieben:
http://www.microscopy-uk.org.uk/mag/indexmag.html?http://www.microscopy-uk.org.uk/mag/artapr08/pj-optimal.html
https://www.cambridge.org/core/services/aop-cambridge-core/content/view/352FD4A81D0DBAFF7A3E1DB1F783D5AD/S1551929500051427a.pdf/effects_of_abbe_condenser_spherical_aberration_on_image_quality.pdf

Hubert

Jürgen Boschert

Hallo Niko,

zu Deinen zwei weiteren Fragen:

1.
Zitat... Soll das so oder sind die Gewinde richtig hart missbraucht worden? ...

Das sind die Zentrierschrauben für den Kondensor; dass sie schräg stehen ist gewollt. Die vom Stativrücken aus linke Schraube scheint bis an den Anschlag eingedreht, d.h., der Kondensor ist stark dezentriert, passt übrigens durchaus zu Deinem ersten Foto, das Du durch das Mikroskop gemacht hast; die Leuchtfeldblende -das ist die im Fuß- ist geschlossen und ganz am Rand des Bildes.

2. Zu den Okularen:

Du hast hier CPL 10x/18-Okulare, die sind von der Abbildungsleistung eigentlich recht gut. Sie verzeichnen etwas kissenförmig, aber das fällt bei der visuellen Nutzung im Alltag nicht auf. Eine Warnung möchte ich hier aussprechen: Reinige die Optik bitte nicht mit Xylol oder ähnlichen Lösungsmitteln; der Kunststoff der Fassung wird davon angedaut!

Zum Kondensor hast Du eigentlich schon alles hier erfahren. Der verbaute sollte für normale Anforderungen vollkommen genügen. Solltest Du mit dem Gedanken spielen, andere Beleuchtungsverfahren, wie z.B. Phasenkontrast, einsetzen zu wollen -was beim Auszählen sehr kleiner Objekte übrigens durchaus sinnvoll sein kann- dann kannst Du nochmal über einen höher korrigierten nachdenken.
Beste Grüße !

JB

Tunnelblick

Moin,

@Stefan: Anscheinend habe ich dich missverstanden, ich dachte du meinst die Flüssigkeit in der Probe, aber du meintest Öl im Kondensor, richtig? Ich bin noch leicht überfordert, aber wurschtel mich langsam ins Vokabular 👍

purkinje

#42
Hallo Niko,

ja dein 100/1,25 Objektiv musst Du immer mit  wenig(=1Tr.)Immersionsöl zwischen Frontlinse des Objektivs und Deckglas verwenden;
Deinen Trockenkondensor 0,9 NIE ölen, genauso mit ÖL nicht zurückschwenken vom 100er aufs 40er Objektiv , da dieses Trockenobjektiv  ;) ;
der eventuell zur Diskussion stehende Kondensor mit 1,2 numerische Apertur könnte mit oder ohne Öl zwischen Kondensorfrontlinse und Unterseite des Objektträgers verwendet werden (das war unsere kleine Diskussion oben)

Beste Grüße Stefan

A. Büschlen

Hallo Niko,

Du schreibst oben:
Zitataber du meintest Öl im Kondensor, richtig?

Das Öl gehört nie in den Kondensor!

Grüsse Arnold Büschlen
Schwerpunkt z.Z.:
- Laub- und Lebermoose.
- Ascomyceten als Bryoparasiten.

Lupus

Hallo,

zur Verdeutlichung des Strahlenganges beim Trockenkondensor und beim geöltem Immersionskondensor: Die grafische Darstellung in diesem Link einer früheren Diskussion zeigt den Unterschied der maximalen Beleuchungs- bzw. vom Objektiv erfassten Beobachtungswinkel und damit des Auflösungsvermögens
https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=26301.msg197754;topicseen#msg197754

Speziell der Unterschied zwischen dem vollständig geölten Immersionskondensor (Öl zwischen Kondensorfrontlinse und Objektträger und zwischen Objektiv und Deckglas) und dem in der Praxis oft ausreichendem "ölen" nur des Objektivs ist hier ersichtlich. 

Hubert