Pegmatit Cap de Creus, Spanien

Begonnen von Florian D., Oktober 07, 2024, 22:42:19 NACHMITTAGS

Vorheriges Thema - Nächstes Thema

Florian D.

Das Präparat habe ich jetzt mit der polierten Seite aufgeklebt und dann dünngeschliffen.
Hier die Bilder im LPL:
IMG_0133.JPG
IMG_0134.JPG

Die Farben sind natürlich wegen Überstrahlung schwer sichtbar.
Viel besser sieht man sie im XPL:
IMG_0135.JPG

Schönen Abend
Florian

Holger Adelmann

Hallo Florian, vielleicht kann Olaf M etwas zu den roten Körnern sagen?

Gruß,
Holger

Florian D.

Hallo Holger,

Der Punkt ist, dass ich in diesem Gestein ja Columbit-Tantalit erwarte:
https://link.springer.com/article/10.1007/BF01162579
https://link.springer.com/article/10.1007/s00710-016-0455-1

Nach dem Vergleich mit dem Material von Linuxpenguin, bin ich da jetzt auch zuversichtlich.
Eine letztgültige Bestätigung könnte wohl nur die Mikrosonde bringen,
Anbei noch 2 Bilder des Schliffs im LPL und XPL. Auf der linken Seite oberhalb der Mitter erkennt man 2 grössere, langgestreckte Kristalle, bei denen es sich um Columbit handeln könnte.

IMG_0136.JPG
IMG_0138.JPG

Viele Grüsse
Florian

olaf.med

#18
Lieber Florian,

um noch mehr Spekulationen über Dein Problem der Interferenzerscheinungen im linear polarisierten Licht vorzubeugen: das liegt ohne Zweifel an polarisierenden Elementen im Abbildungsstrahlengang. In aller Regel sind dies die Teilerelemente die den Fotostrahlengang auskoppeln. An deren Teilerflächen gibt es Polarisationseffekte und dann die eigenartigen blassen und pastellfarbenen Töne der ansonsten in linear polarisiertem Licht farblosen Komponenten (z.B. Quarz und Feldspat). Daher muss bei einem solchen Aufbau ein Depolarisator zwischengeschaltet werden, und zwar HINTER dem Analysator und VOR dem Teilerelement. Dieser fehlt offensichtlich bei Deinem Gerät.

Florian, das mit der Ausleuchtung kriegst Du doch besser hin, gib' Dir mal Mühe  ;D  8)

Herzliche Grüße,

Olaf
Gerne per Du!

Vorstellung: http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=4757.0

... und hier der Link zu meinen Beschreibungen historischer mineralogischer Apparaturen:
https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=34049.0

Florian D.

Lieber Olaf,

Der Schliff ist halt zu gross für den Fuss des Makroskops, bzw. ich benutze letzteres ausserhalb seiner Spezifikationen. Ich schau mal, ob ich stattdessen ein altes Handy als Leuchtpanel benutzen kann.


photo_5219887339713716882_y.jpg

Viele Grüsse
Florian


Florian D.

Ich habe jetzt die Möglichkeit, den Schliff am REM mit EDX vermessen zu lassen. Daher habe ich den Tag heute weitgehend damit verbracht, zu versuchen, den Schliff zu polieren. Da die Columbitkörner recht randnah sind und der Schliff dort auskeilt, war es spannend, ob überhaupt noch was übrigbleibt. Bis auf einen kleinen Ausbruch hat es jedoch geklappt!

Schliff übersicht. Die interessanten Körner sind eingekreist.
Uebersicht_final.JPG

Grosses Korn im Durchlicht (Objektiv 16), LPL und XPL:
Rosas_LPL_16_1d40_3.JPG
Rosas_XPL_16_1d5_3.JPG

Kleines Korn:
Rosas_LPL_16_1d20_4.JPG
Rosas_XPL_16_0d3_4.JPG

Grosses Korn im Auflicht (Objektiv 10x) LPL und XPL:
Rosas_LPL_10_1durch13_3.JPG
Rosas_XPL_10_5_3.JPG

Kleines Korn (Objektiv 50x):
Rosas_LPL_50_1durch13_4.JPG
Rosas_XPL_50_3d3_4.JPG




Florian D.

Zum Vergleich der Columbit von Linuxpenguin im Auflicht (50x) LPL und XPL:

Coltan_LPL_50.JPG
Coltan_XPL_50.JPG

Florian D.

Gestern war ich an der Ludwig-Maximilians Universität in München und habe eine REM-EDX Analyse anfertigen lassen.
Diese hat die Diagnose Columbit-Tantalit bestätigt! Die Kristalle sind zoniert und je nach Zone überwiegt Niobit oder Tantalit. Auch das Verhältnis von Mangan zu Eisen variiert je nach Zone und ist mal grösser, mal kleiner 50 %.
Der grössere Kristall ist deutlich tantalreicher als der kleine.
Der hochbrechende "Blob" neben dem grösseren Columbitkristall wurde als Zirkon identifiziert. Das Hf/(Zr+Hf) Verhältnis ist mit 9% recht hoch (Hf ist Hafnium, das schwerere Homolog von Zirkonium im Periodensystem.). Ein kleiner Teil des Zirkoniums ist auch durch Niob und Tantal substituiert.
Rosas_Crystal_1.jpg
Rosas_Crystal_2.jpg

Viele Grüsse
Florian

Florian D.

Erik W. hat mir die berechtigte Frage gestellt, ob man die Zonierung, die man im REM sieht, auch im Auflicht sehen kann. Anscheinend ist das möglich! Aufnahme mit dem 125x Ölobjkektiv.

Florian D.

Hier jetzt zum Vergleich das REM Bild. Ich habe es um 180 Grad gedreht und den relevanten Bereich mit Pinsel markiert. Irgendwie kriege ich das mit der Pinselfarbe nicht hin. Man sieht, dass die Zonierung gut wiedergefunden wird, aber negativ.
Rosas-_No0004.jpg

hugojun

#25
Hallo Florian,
Tapiolit ist ein Polymorph mit der Zusammensetzung des Columbit aber tetragonaler Symmetrie, sollte also konoskopisch
1-achsig sein ( Columbit 2-achsig) , vielleicht findest du ja ein passendes Korn um den Unterschied zu belegen?

LG
Jürgen

hugojun

Hallo Florian,

wenn du die komplette Analyse hast, kannst du vielleicht deine Proben hier in Tabelle 2 finden:

Nb-Ta-minerals from the cap de creus pegmatite field, eastern Pyrenees:
distribution and geochemical trends

https://www.researchgate.net/publication/226705856_Nb-Ta-minerals_from_the_cap_de_creus_pegmatite_field_eastern_Pyrenees_distribution_and_geochemical_trends/link/0c96051ae1ed45003b000000/download?_tp=eyJjb250ZXh0Ijp7ImZpcnN0UGFnZSI6Il9kaXJlY3QiLCJwYWdlIjoicHVibGljYXRpb24ifX0

LG
Jürgen


Florian D.

#27
Hallo Jürgen,

ja, das Paper kenne ich! Es gibt auch ein paar schöne Doktorarbeiten dazu.
https://www.researchgate.net/publication/306070162_U-Pb_geochronology_on_zircon_and_columbite-group_minerals_of_the_Cap_de_Creus_pegmatites_NE_Spain
Anbei noch ein Bild der Region, wo die EDX Analysen gemacht wurden. Die Region ist etwas angetoastet und man erkennt kleine Krater. Columbit ist eigentlich ein sehr hochschmelzendes Mineral. Möchte nicht wissen, was die Elektronensonde mit Holgers Sulphosalzen macht.

Viele Grüsse
Florian

IMG_0171.JPG

Florian D.

Vielleicht zum Abschluss noch zwei Bilder von makroskopischen Ferrocolumbit- und Mn-Tantalitkristallen, die ich heute auf der Münchener Mineralienmesse erstanden habe. Das Reflexionsvermögen nimmt mit steigendem Tantal- und Mangangehalt ab, so dass im Mn-Tantalit, deutliche rote Innenreflexe zu sehen sind.
IMG_0172.JPG
IMG_0173.JPG