Die Leiden des jungen (?) Mikroskopikers

Begonnen von Peter T., Dezember 04, 2024, 02:02:12 VORMITTAG

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Peter T.

Das wird, ich habe es mir fest vorgenommen, kein Jammerbeitrag.
Aber ich möchte einfach mal schildern, wie es mir ergangen ist.

Zum Titel: Gut, jung bin ich nicht mehr an Jahren, aber als Mikroskopiker dann eben doch.

Ich bin so etwa vor einem Vierteljahr diesem Forum beigetreten. Mein Fazit habe ich ja hier gezogen

https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=50203.0

Einer der wichtigsten Punkte ist die Auswahl eines geeigneten Mikroskops. Ich habe mich nach sehr langer Recherche (auch hier im Forum) dazu entschieden, weder eins der gängigen und empfohlenen Geräte (Zeiss, Leica, Olympus) zu kaufen, noch ein "Billiggerät".
Für die "alte Garde" fehlte mir die Erfahrung, ich wusste nicht, wonach ich mich richten sollte und ganz ehrlich, dafür war mir das auch alles zu teuer, denn:

Ich wusste ja gar nicht, ob mir die Mikroskopie Spaß machen würde.

Deshalb habe ich bei Bresser mein Nexcope 620T gekauft. Ein Mittelweg, ich fand das Teil wirklich sehr ansprechend und den Preis von ca 1600€ eben auch so mittendrin.

Es hatte (und hat) LED, Köhler, infinity Objektive, ein Trinokular. In der Grundausstattung natürlich Hellfeld. Ausbaufähig, so hieß es, für Dunkelfeld, Polarisation, Phasenkontrast und Fluoreszenz.

Damit, so dachte ich, kann ich auf einem guten Niveau mal schauen, wie das so ist mit den zahlreichen Möglichkeiten beim Mikroskopieren.

Ich bereue meinen Entschluss nicht und halte das Nexcope 620T für ein wirklich ideales Gerät, um sich das Ganze mal in Ruhe anzuschauen. Dunkelfeld und Polarisation habe ich upgegradet, bin fasziniert von Tümpelproben und liebe meine Pflanzenschnitte (auch wenn sie manchmal noch zu dick geraten).
Ein erster Wermutstropfen war die Erkenntnis, dass DIC schon ziemlich cool ist und ich das auf meinem Nexcope nie würde realisieren können.

Dann aber vor etwa vier Wochen der Schock: Heimlich, still und leise hat Bresser den Vertrieb von Nexcope-Mikroskopen eingestellt. "Trotz qualitativ hochwertiger Geräte" sei das ein "schwieriges Preissegment". Es gibt deshalb keinen Phasenkontrast mehr, keine Fluoreszenz und wie es mit dem Support für mein Mikroskop ausschaut, habe ich gar nicht mehr gefragt.

Also bin ich da in der Sackgasse gelandet.
Wie gesagt, ich bereue meine Wahl nicht, ich liebe mein Gerät, ärgere mich aber darüber, dass man mir ein Mikroskop (für nicht wenig Geld) verkauft hat, das sozusagen ein Rohrkrepierer ist. Sie werden das nicht gewusst haben und ich mache niemandem einen Vorwurf.
Die ganze Sache beschleunigt vielleicht meinen Entschluss zum Upgrade, mal sehen. Es gibt für mich ja noch so viel zu üben.

Warum schreibe ich das überhaupt?

Vielleicht liest das mal ein Einsteiger, dem es ähnlich geht wie mir damals.
Meine (sehr subjektive) Empfehlung, um das Mikroskopieren richtig kennen zu lernen und sich nicht zu früh auf ein System (endlich, unendlich ...) oder eine Marke (Zeiss, Leica, Olympus ...) festzulegen, ist aus eigener Erfahrung durchaus die Wahl eines guten neuen Geräts, vielleicht von Euromex (das wäre die Alternative zum Nexcope gewesen) und natürlich der Beitritt zu diesem Forum.
Ich habe mit dem Nexcope in puncto Zukunftsfähigkeit wohl einfach Pech gehabt.
Es hat mich aber der Mikroskopie näher gebracht und mir gezeigt, dass das langfristig das Richtige für mich ist.

Was will ich mehr?
Liebe Grüße
Peter

K. B.

Hallo Peter,

ein weiterer guter Tip wäre auch vor dem Kauf schon nachzuschauen was die verfügbaren Erweiterungen kosten, ich hatte mal überlegt mir ein Motic BA310E zu kaufen unter anderem weil es auf Fluoreszenz ausgebaut werden kann, dann habe ich gesehen das die Erweiterung für eine einzige Anregungswellenlänge schon so viel kostet wie z.B. ein Olympus BH2 komplett mit Fluoreszenz und Phasenkontrast, da war die Entscheidung dann leicht.
Zum Rumprobieren und Basteln finde ich auch die Endlichmikroskope besser geeignet.
Wenn man aber nur ein neues funktionierendes Mikroskop bis maximal Phasenkontrast haben möchte ist man mit Motic, Bresser etc. sicher gut bedient, vor allem wenn man nicht daran herumbasteln möchte.

Viele Grüße
Kay
Mikroskop: Olympus BH-2 BHTU/ BHS mit Trino (DL; PH; Fluo; DF; AL)
                  Zeiss GFL Trinokular (DL; PH; Fluo; AL)
                  Olympus CK2 Invers Trino (DL; PH; Fluo)
                  Olympus GB (DL; PH)
Mikroskopkamera: Canon EOS 550D; EOS RP

Bob

Hallo Peter,
falls ein Ausbau Deines Mikroskops mit Neuteilen zu Neupreisen üerhaupt noch interessant ist könntest Du gucken, was Bresser da unter diesem Namen verkauft hat. Es gibt ja viele "Bressers" auf der Welt und ein ähnliches Mikroskop wird irgendwo unter anderem Namen angeboten, nebst Zubehör. Ein Problem wird dabei sein, dass auch die anderen Marken wenig Umsatz mit diesem spezielleren Zubehör machen werden und die Verfügbarkeit auch eingeschränkt sein könnte.

Viele Grüße,

Bob

Peter Reil

Hallo Peter,

ich kann deinen "Frust" verstehen. Da kauft man sich ein neues Mikroskop und stellt später fest, dass dieses Modell plötzlich nicht mehr gebaut wird und es keine Ausbaumöglichkeiten mehr gibt.
Tröste dich, das ist bei allen(!) Mikroskopen so. Bei einigen eben sehr viel früher als bei anderen.  ;)

Schön ist, dass du nach wie vor an deinem Mikroskop Freude hast - warum auch nicht!

Der Wunsch "nach etwas Besserem" kommt vor allem bei Leuten, die die Mikroskopie als Hobby für sich entdeckt haben. Mir ist auch niemand bekannt, der nach vielen Jahren sein Erstmikroskop mit Fluoreszenz, Phasenkontrast und DIK ausgestattet hat und dieses noch immer ausschließlich nutzt.
Es ist ein bisschen wie "nach dem Mikroskop ist vor dem Mikroskop".  ;D

Freundliche Grüße
Peter
Meine Arbeitsgeräte: Olympus BHS, BHT, CH2, CHK, Olympus SZ 30, antikes Rotationsmikrotom

Mikroman

Moin,
der wahre Frust kommt aber erst dann, wenn man versucht, so einen Exoten zu verkaufen. Mehr als 300-400 € sind dafür kaum zu erzielen.
Zu sehr auf sich selbst zu beharren,
ist ein unvernünftiges Vergeuden der Weltsubstanz (Juarroz, 9. Vertikale Poesie,1)

Rawfoto

Guten Morgen

An die Beginner: das ist ein Grund bei einer mikroskopischen Vereinigung vorbei zu schauen (wo möglich) oder ein Seminar zu besuchen und sich ein Gerät vor dem Kauf nach Möglichkeit anzusehen und selbst zu versuchen.

Das man als "Anfänger" nicht sagen kann was man nach einem Jahr braucht und ob man überhaupt am Thema dran bleiben möchte, ist zu diesem Zeitpunkt noch vollkommen unbekannt.

Wenn Ihr in eurer Vorstellung schreibt woher ihr kommt, können Euch Tipps auf Vereinigungen gegeben werden. Dort werden immer wieder Gebrauchte verkauft, bzw. Euch kann bei der Überprüfung eines Gebrauchten geholfen werden.

Liebe Grüße

Gerhard

der zusätzlich zum Forum auch in der Mikroskopischen Gesellschaft Wien tätig ist und seit mehr als 30 Jahren auch immer wieder Seminare hält. Ich erinnere mich noch gut wie froh ich war, Beratung zu meinem ersten Gebrauchten zu bekommen, das hätte ich alleine nicht hinbekommen!
Gerhard
http://www.naturfoto-zimmert.at

Rückmeldung sind willkommen, ich bin jederzeit an Weiterentwicklung interessiert, Vorschläge zur Verbesserungen und Varianten meiner eingestellten Bilder sind daher keinerlei Problem für mich ...

jochen53

Hallo Peter,
hier sollte eigentlich eine sehr ausführliche Stellungnahme von mir zu diesem Thema stehen, aber weil, während ich getippt habe, eine neue Antwort reinkam, ging mein Beitrag beim "Abschicken" leider wieder mal verloren. Schade, nochmal tippe ich ihn jedenfalls nicht.
Jochen,
("einer der sehr wenigen, aber immer gleichen - Meckerer")

Peter Reil

Zitat von: jochen53 in Dezember 04, 2024, 12:03:57 NACHMITTAGSHallo Peter,
hier sollte eigentlich eine sehr ausführliche Stellungnahme von mir zu diesem Thema stehen, aber weil, während ich getippt habe, eine neue Antwort reinkam, ging mein Beitrag beim "Abschicken" leider wieder mal verloren.

Hallo Jochen,

ist mir auch schon passiert.
Die Neugier, den neuen Beitrag zwischendrin mal anzusehen, verkneife ich mir seitdem aus diesem Grund.  ;D

Gruß
Peter
Meine Arbeitsgeräte: Olympus BHS, BHT, CH2, CHK, Olympus SZ 30, antikes Rotationsmikrotom

Sourdough

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#8
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Peter T.

Allen vielen Dank für die Anteilnahme und die wirklich guten Tipps und Ratschläge!
Liebe Grüße
Peter

Sourdough

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#10
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MikroMicha

Hallo Peter,

Auch mir tut es sehr leid,  dass Du mit Deinem Bresser-Mikroskop eine "Bauchlandung" hingelegt hast. Wer rechnet auch mit so etwas. Ich stelle mir aber die (Rechts)frage, ob ein Hersteller so mir nichts dir nichts einfach einen Produktsupport einstellen kann. Zumindest müssten Hersteller ja verpflichtet sein, dies zumindest für einen gewissen Zeitraum sicherstellen zu können,  was auch die Lieferfägigkeit von Ersatzteilen betrifft. Im Maschinenbau werden z  B. Für die Bereithaltung von Ersatzteilen 10 Jahre veranschlagt. Zumindest war das mal so. Und rein rechtlich betrachtet fehlt deinem Mikroskop ja jetzt auch eine "zugesicherte Eigenschaft", nämlich die Ausbaufähigkeit. Ich bin kein Jurist, aber eigentlich hättest Du jetzt das Recht, das Gerät Bresser vor die Füße zu pfeffern und Dein Geld zurück zu verlangen. Oder lebe ich auf da in einer Scheinwelt und die Hersteller machen nur noch, was sie wollen? Bresser bezeichnet sich ja selbst als namhafter Hersteller bzw. versucht sich da aus dem mittleren Segment abzuheben. Aber was an diesem Verhalten "namhaft" ist, kann ich nicht ganz nachverfolgen. "Schamhaft" wäre hier treffender. Vielleicht ändert sich ja etwas an deren Verhalten,  wenn mal 1.000 (Hobby)mikroskopiker bei denen vor der Tür stehen und mal anklopfen  ;) .

Vielleicht wendet sich ja für dich das Blatt noch ein wenig und es gibt ein Entgegenkommen der Fa. Bresser. DAS würde das Unternehmen von vielen anderen abheben. Aber so sollte das Unternehmen lieber von der Mikroskopikergemeinschaft boykottiert werden.
Herzliche Grüße sendet

Michael (MikroMicha)

Daniel Scheibenstock

Werte Runde,

Wenn mir meinen Senf dazu erlaubt wird, würde ich wirtschaftliche Interessen von Bresser vermuten die zu der Einstellung dieser Serie geführt haben. In dem oben genannten Preisbereich bekommen die Kunden eben schon die einstiegsgeräte der traditionellen Hersteller. Und es tummeln sich genug Konkurrenten des mittelpreisigen segele ts die unter Umständen einen besseren Ruf genießen als Bresser..... ich schiele da zu Motic, Euromex.

Aber wenn man Dic will gibt es ja im Prinzip ja eh nur eine Handvoll Möglichkeiten, die günstigste wird wahrscheinlich im Moment Zeiss West endlich sein (mein Gefühl!)

Liebe Grüße Daniel
Leica DMRB HC (DL, Pol)
Motic BA310 LED (DL: PH; DF;POL, AL: POL)
Zeiss Universal (DL: Fluo; POL AL: Fluo,POL. DIC)
Zeiss IM35 (DL; PH; Fluo;POL)
Bresser Stereolupe

Vorstellung: https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=48126.0

3nzo

Hallo Peter,
Meiner bescheidenen Meinung nach lohnt es sich, nur bei Top-Marken viel auszugeben. Heutzutage versuchen wir, Kunden mit neuen Produkten zu gewinnen und selbst bei den bekanntesten Marken ist eine lange Lebensdauer für ein bestimmtes Modell nicht garantiert, aber wenn das Unternehmen etabliert ist und viel verkauft hat, ist es ziemlich einfach, das Richtige zu finden Bedarf an Gebrauchtwaren.
An Ihrer Stelle würde ich mir keine Sorgen um morgen machen und versuchen, das Beste aus Ihrem schönen Mikroskop zu machen, das Ihnen viel Freude bereiten wird. Schließlich sind wir keine Sammler, wir brauchen nicht das komplette Zubehör. Oder nicht?   :D
Beste grüße.

Enzo

Peter T.

@Michael:

da hast Du nicht ganz unrecht, ähnliche Gedanken gehen auch durch meinen Kopf. Zumindest eine Anfrage an Bresser sollte ich wirklich mal formulieren.

Danke für den Impuls!

@Daniel: So ähnlich klang auch die Begründung von Bresser. Es sei ein "schwieriges Preissegment". Ist es vielleicht auch, aber das quasi über Nacht einzustellen fand ich schon heftig.

@Enzo: Ich wollte mir halt mal in aller Ruhe die ganzen Verfahren anschauen, das geht jetzt nicht mehr. Selbst wenn ich auf verschlungenen Wegen (die hier ja schon angeklungen sind) doch noch Zubehör ergattern kann, bin ich genau da gelandet, wo ich nicht hinwollte: Bei den Jägern und Sammlern der Mikroskopie.

Aber noch mal: Ich bereue da nichts. Wer weiß, wo ich mikroskopisch gelandet wäre, hätte ich mir ein reines Einsteigergerät gekauft. Vielleicht wäre ich ebenso begeistert wie jetzt, vielleicht nicht. Ist auch müßig, darüber zu spekulieren.
Heute saß ich wieder am Okular und habe eine mittlerweile schon recht alte Tümpelprobe bestaunt. Mein Mikroskop ist mein Freund. Bresser eher nicht (mehr).
Liebe Grüße
Peter