Vorsicht themenfremd! Ein Beitrag zu "crosspost" u.ä.

Begonnen von Gunther Chmela, März 06, 2010, 22:30:58 NACHMITTAGS

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Gunther Chmela

Wir wissen nicht, was wir wollen, aber das mit ganzer Kraft.

Hier ein schönes Beispiel für modernes Deutsch, wie es ja möglicherweise bald auch "in anderen Foren" üblich sein wird, falls es das nicht schon ist. Ich finde, wir sollten wirklich einmal "über den Tellerrand schauen"! Es wird im Folgenden sehr deutlich, wie arm unsere deutsche Sprache bisher war. Wie haben wir das nur früher geschafft, uns einigermaßen verständlich auszudrücken?

«. ..jeder muss im job permanently seine intangible assets mit high risk neu relaunchen und seine skills so posten, dass die benefits alle ratings sprengen, damit der cash-flow stimmt. Wichtig ist corporate-identity, die mit perfect customizing und eye catchern jedes Jahr geupdatet wird!»

Der Text stammt aus einem Vortragsmanuskript. Der Autor ist mir bekannt, ich werde ihn aber verständlicherweise nicht nennen. Es handelt sich aber - so viel sei gesagt - um eine Persönlichkeit des öffentlichen Lebens.

Beste Grüße!
Gunther Chmela

Johannes R.

#1
Hallo,

gegen den Trend kann man sich stemmen, aber ihn nicht aufhalten.

Ich spreche und schreibe beruflich Englisch und Deutsch fifty-fifty.  ;) Die Firma hat eben Büros in München,
in der Nähe von London und in den USA. Vielleicht aus diesem Grund schmeiße ich in meiner deutschen "EPost"
englische Begriffe gnadenlos raus. Ist aber nicht immer ganz einfach, da wir uns mit IT (Informationstechnologie) beschäftigen.

MfG

Johannes R.

Klaus Herrmann

Lieber Gunther,

das passiert mir in letzter Zeit immer öfter, dass da wohl Menschen rumlaufen die viel intelligenter sind wie ich: ich versteh nicht mal "Bahnhof"  :(

Nimms leicht, es gibt auch noch andere!

herzlich Klaus
Mit herzlichen Mikrogrüßen

Klaus


ich ziehe das freundschaftliche "Du" vor! ∞ λ ¼


Vorstellung: hier klicken

Hugo Halfmann

Armes Deutschland.

Mehr fällt mir zu solch einem Gestammel nicht ein.

Ich geh´ jetzt ins Bett und les´ ein Buch. In guter deutscher Sprache. Von Bruno Kremer.  ;D

Gute Nacht !
Viele Grüße aus dem Bergischen Land

Hugo Halfmann

Gunther Chmela

Zitat von: Johannes R. in März 06, 2010, 22:39:01 NACHMITTAGS
gegen den Trend kann man sich stemmen, aber ihn nicht aufhalten.

Obwohl ich Beamter bin (war!) - vorauseilender Gehorsam ist mir fremd!

Grüße!
Gunther Chmela

Gunther Chmela

Zitat von: Klaus Herrmann in März 06, 2010, 22:41:11 NACHMITTAGS
Nimms leicht, es gibt auch noch andere!

Lieber Klaus,

sooo schwer nehm ich das gar nicht! Aber vielleicht ist es doch nicht so ganz verkehrt, da und dort zu diesem Thema die Stimme zu erheben.

Herzliche Grüße!
Gunther

Johannes R.

#6
Zitat von: Gunther Chmela in März 06, 2010, 22:48:01 NACHMITTAGS
Obwohl ich Beamter bin (war!) - vorauseilender Gehorsam ist mir fremd!

Grüße!
Gunther Chmela

Hallo,

ich bin das Gegenteil von einem Beamten und vorauseilender Gehorsam ist mir  auch fremd. Es gefällt mir auch nicht,  ich habe
aber auch einen Blick für Realität ...

Mich stört übrigens auch schon, wenn in der Münchner S-Bahn die Ansage an manchen Stationen wie am Hauptbahnhof jetzt auch auf Englisch erfolgt  (mit Münchner Akzent). Obwohl das für Touristen schon praktisch ist.

Aber Ihnen geht es ja in erster Linie um die unschöne Vermischung von Deutsch und Englisch.

MfG

Johannes R.

Gunther Chmela

#7
Zitat von: Johannes R. in März 06, 2010, 22:55:12 NACHMITTAGS
Mich stört übrigens auch schon, wenn in der Münchner S-Bahn die Ansage an manchen Stationen wie am Hauptbahnhof jetzt auch auf Englisch erfolgt  (mit Münchner Akzent). Obwohl das für Touristen schon praktisch ist.

Aber mit Verlaub! Das ist doch etwas ganz anderes! Warum sollten denn in einer Großstadt (ist München eine?) die Stationen der S-Bahn nicht auch in Englisch ausgerufen werden? Ich denke, das sind wir den Gästen doch schuldig. Schließlich ist Englisch - und dagegen habe ich nichts einzuwenden - inzwischen so etwas wie eine universelle Weltsprache geworden.

@ alle anderen, die hier mitlesen:
Ich liebe die englische Sprache! Das hat aber überhaupt nichts damit zu tun, dass ich mich gegen die Vermischung des Deutschen mit (unnötigen!) englischen Wörtern, Ausdrücken, oder womöglich gar mit englischer Grammatik wende (Hobbies statt Hobbys, gestacked statt gestackt, usw.).

Grüße!
Gunther Chmela

TPL

#8
Zitat von: Johannes R. in März 06, 2010, 22:55:12 NACHMITTAGSEs gefällt mir auch nicht,  ich habe aber auch einen Blick für Realität ...

Mich stört übrigens auch schon, wenn in der Münchner S-Bahn die Ansage an manchen Stationen wie am Hauptbahnhof jetzt auch auf Englisch erfolgt  (mit Münchner Akzent).
(...)
Aber Ihnen geht es ja in erster Linie um die unschöne Vermischung von Deutsch und Englisch.

Hallo Johannes R.,
alles wird so leicht, wenn man die "Realität" erkannt hat, aber ich würde behaupten, dass es in dieser Angelegenheit sehr viele verschiedene "Realitäten" gibt. Mich stört es nicht, dass in Hannover während der Messe die Ansagen auf englisch und auf deutsch sind. Das ist ein höfliches Entgegenkommen gegenüber den Gästen, die wir hier gerne empfangen. Ich ertrage selbst die DB-Ansagen (senk ju for trewweling wiss Deutsche Bahn), weil ich mich gut erinnere, wie dankbar ich für solche Hilfe in Japan war - obwohl sie dort wahrscheinlich schlechter zu verstehen war als mit Münchner Akzent :D.

Für mich ist auch nicht die Vermischung von Deutsch und Englisch das Problem (ich arbeite in einem Fach, in dem englische Begriffe weit verbreitet sind und schreibe beruflich überwiegend auf englisch). Mein Eindruck ist nur, das Leute mit schlechtem Sprachgefühl es nach ein paar fremdsprachlichen Worten oft nicht mehr schaffen, einfachste Sachverhalte allgemeinverständlich auf deutsch zu formulieren. Zu oft habe ich gerade von Leuten, die erhebliche sprachliche Schwierigkeiten haben gehört, den Begriff xy "könne man gar nicht übersetzen". Das ist in fast jedem Falle falsch und überaus albern, denn es offenbart eigentlich nur, wie schlecht das Sprachgefühl desjenigen ist. Viel zu leicht wird dann ein Jargon akzeptiert, der für die Allgemeinheit sogar da unverständlich wird, wo es keinerlei Notwendigkeit gibt (wie z.B. bei einer Fachsprache).

Wichtigstes Ziel von Kommunikation ist aber doch Verständigung! Wer also in einer Gruppe, in der dies unüblich ist, "crosspost" oder ähnlichen Jargon schreibt und statt einer Erläuterung zum "Blick über den Tellerrand" auffordert, der möchte offensichtlich nicht in erster Linie verstanden werden.

Natürlich gibt es auch bei all denen, die sich jetzt - wie ich - darüber mokieren einen durch die spezielle Materie (Mikroskopie und die damit oft zusammenhängenden naturwissenschaftlichen und technischen Fragen) geprägten Jargon, der in manchen Fällen "opak", also für Nicht-Eingeweihte unverständlich ist. Allerdings würde ich mich bemühen, diese "undurchsichtigen" Formulierungen zu reduzieren, um meinem Ziel - der Verständigung - näher zu kommen.

Schönen Gruß, Thomas

PS: nicht ganz auf dieser bierernsten Linie: http://www.youtube.com/watch?v=uF39MjuY6ug

Peter V.

#9
Zitat«. ..jeder muss im job permanently seine intangible assets mit high risk neu relaunchen und seine skills so posten, dass die benefits alle ratings sprengen, damit der cash-flow stimmt. Wichtig ist corporate-identity, die mit perfect customizing und eye catchern jedes Jahr geupdatet wird!»

Man muss dazu aber anmerken, dass diese Art und Weise, sich ausdrücken, nahezu ausschlißelich von einer ganz speziellen Spezies Mensch verwenedet wird. Nämlich Jenen, die eigentlich überhaupt NICHTS zu sagen haben, dafür aber meistens sehr viel Geld bekommen. Bitte analysiert doch einmal den Inhalt des oben Geschrieben und versucht, daraus eine handfeste Aussage zu destillieren. Es gibt nämlich keine! ZERO! Hauptanwenderkreis: Unternehmensberater und Marketingexperten.
Und es ist verdammt schwierig, unter alleiniger Verwendung der deutschen Sprache zu verschleiern, dass man eigentlich nur heiße Luft zu verkünden hat. Das geht kaum. Mit diese Anglizismen ist das wesentlich leichter!

Herzliche Grüße
Peter
Dieses Posting ist frei von kultureller Aneigung, vegan und wurde CO2-frei erstellt. Für 100 Posts lasse ich ein Gänseblümchen in Ecuador pflanzen.

Johannes R.

#10
Hallo Herr Chmela,

das wusste ich schon, dass Sie diese Ansage nicht stört. Hatte ich ja auch dediziert klar gestellt.  Mich stört sie auch nicht so sehr, nach Lust und Laune nur eben manchmal ein bisschen. (Abgesehen davon, dass ich den Dialekt des Sprechers unmöglich finde.)
(Tante Edith zur Frage: Nein, München ist eben keine ;D Weltstadt, darum passt das nicht ganz.  )

Übrigens ist mir inzwischen eingefallen, dass das Ganze nicht ganz neu ist. Da gab es schon immer den Spruch:
"Das Equipment ist nicht für das Gewerken by das Dummkopfen!".

Am Anfang der Computerzeit hing angeblich in den meisten amerikanischen Computerzentren ein Zettel
mit deutsch-englischem Mischmasch. Ich glaube, die Quellen dafür gehen zurück auf die Zeit, wo in der Seefahrt in der Nordsee manchmal eine Mischsprache gesprochen wurde. Ich habe jetzt im Netz nur eine Stelle gefunden:

"
Achtung!!

Das machiene is nicht fur der fingerpoken und mittengraben. Is easy
schnappen der springenwerk, blowenfusen und poppencorken mit spitzensparken.
Ist nicht fur gewerken by das dumm kopfen. Das rubbernecken sightseere
keepen hands in das pockets. Relaxen und watchen das blinkenlights.
"
http://www.techlists.org/archives/programming/pythonlist/2002-02/msg04367.shtml

Gruß

Johannes

Gunther Chmela

Zitat von: Peter Voigt in März 06, 2010, 23:38:21 NACHMITTAGS
Zitat«. ..jeder muss im job permanently seine intangible assets mit high risk neu relaunchen und seine skills so posten, dass die benefits alle ratings sprengen, damit der cash-flow stimmt. Wichtig ist corporate-identity, die mit perfect customizing und eye catchern jedes Jahr geupdatet wird!»

Man muss dazu aber anmerken, dass diese Art und Weise, sich ausdrücken, nahezu ausschlißelich von einer ganz speziellen Spezies Mensch verwnedet wird. Nämlich Jenen, die eigentlich überhaupt NICHTS zu sagen haben, dafür aber meistens sehr viel Geld bekommen. Bitte analysiert doch einmal den Inhalt des oben Geschrieben und versucht, daraus ein handfeste Aussage zu destillieren. Es gibt nämlich keine! ZERO! Hauptanwenderkreis: Unternehmensberater und Marketingexperten.
Und es ist verdammt schwierig, unter alleiniger Verwendung der deutschen Sprache zu verschleiern, dass man eigentlich nur heiße Luft zu verkünden hat. Das geht kaum. Mit diese Anglismen ist das wesentlich leichter!

Herzliche Grüße
Peter


Entschuldigung, lieber Peter Voigt, aber das lenkt vom eigentlichen Problem ab (obwohl Sie in der Analyse grundsätzlich recht haben). Ich habe dies nur als Extrembeispiel der Verwendung von Anglizismen verstanden wissen wollen. Und die Tendenz, auch bei völlig banalen Texten, die nichts mit dem Inhalt Ihrer Analyse zu tun haben, "englische" Wörter zu verwenden, nimmt ohne Zweifel zu. Und das herauszustellen, nichts anderes, war meine Absicht.

Jeder, der sich schriftlich öffentlich äußert (und das Internet ist Öffentlichkeit), sollte sich darüber im Klaren sein, dass sein Text unter Umständen (!) Vorbildfunktion haben könnte für soundsoviele andere, die weniger sprach- und schreib- und lesegewandt sind.

Beste Grüße!
Gunther Chmela


Peter V.

Lieber Herr Chmela,

die Intention Ihres Beitrages war eine andere, das ist mir durchaus bewußt.
Wobei das Eine mit dem Anderen durchaus zusammenhängt, denn oftmals werden solche Anglizismen ja ausschließlich zu dem Zweck verwendet, sprachliche Nebelkerzen zu werfen, was mit der deutschen Sprache so nicht möglich wäre.

Sie wissen sicherlich mittlerweile, dass ich weitestgehend Ihre immer wieder vertretenen Auffassungen zum Thema "Deutsche Sprache" teile.

Allerdings frage ich mich manchmal, ob die Anglizismen nicht einfach die modernere Variante von früher gebräuchlicheren Graezismen und Latinismen waren. Dienten oder dienen die nicht einem ähnlichen Zweck? Warum sprechen wird von "Edukation / edukativ", wenn wir genau so gut "Erziehung" bzw. "erzieherisch" sagen könnten?
Warum sagen wir "mental" statt "geistig", warum "kognitiv" statt "erkenntnismäßig"?
Das hat ebenfalls nichts mit "Fachterminologie" zu tun, vielmehr sind es Begriffe, die in der ( gehobenen ) Allgemeinsprache verwendet werden und für die es ( wie für tausende anderer Fermdwörter ) sehr wohl genau so passende und präzise deutsche Ausdrücke gibt.

Herzliche Grüße
Peter Voigt
Dieses Posting ist frei von kultureller Aneigung, vegan und wurde CO2-frei erstellt. Für 100 Posts lasse ich ein Gänseblümchen in Ecuador pflanzen.

Horst Isele

Zitat von: Peter Voigt in März 07, 2010, 00:25:23 VORMITTAG
Warum sprechen wird von "Edukation / edukativ", wenn wir genau so gut "Erziehung" bzw. "erzieherisch" sagen könnten?
Warum sagen wir "mental" statt "geistig", warum "kognitiv" statt "erkenntnismäßig"?
Das hat ebenfalls nichts mit "Fachterminologie" zu tun, vielmehr sind es Begriffe, die in der ( gehobenen ) Allgemeinsprache verwendet werden und für die es ( wie für tausende anderer Fermdwörter ) sehr wohl genau so passende und präzise deutsche Ausdrücke gibt.

Herzliche Grüße
Peter Voigt


Und hier kommt der gute Vorsatz fürs neue Jahr doch noch zum Tragen.   ;D

Jeden Tag ein Fremdwort weniger !

Gruss  Horst
das freundschaftliche Du ziehe ich vor

±  µ ∞ λ ¼  ½  ¾   ν  δ  π  σ  φ  ψ  Փ ‰  ‱ ℃  Ω   √  ∛  ∜  ∑  ≤  ≥  ⋲  ♀  ♂

Eckhard F. H.

Ich ärgere mich schon sehr lange über die deutsche Manie, möglichst viele Vokabel der Muttersprache durch die englische Entsprechung oder Krüppel zu ersetzen. Meine Schwiegertochter ist Engländerin  und schüttelt immer wieder den Kopf über soviel Unsinn und Würdelosigkeit und ich schäme mich. Geradezu lächerlich, wenn der Vorortfriseur einer Kleinstadt seinen ´Betriebszustand´ mit  ´open´und ´closed´ kennzeichnet. Haßt er seine Muttersprache? Peter Voigt hat Recht, diesen Zustand befördern vorwiegend Dummköpfe, Blender, Großkotze, Betrüger und Kriecher.
Zorniger Gruß - Eckhard N.