Ergänzungen zu: Rädertiere in der „Frullania-Lebensgemeinschaft“

Begonnen von A. Büschlen, Februar 22, 2025, 17:48:23 NACHMITTAGS

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Michael Plewka

Hallo zusammen,

hier noch ein paar weitere Informationen zu dem  Frullania-Projekt.

Arnold hatte mir in der Zwischenzeit freundlicherweise die Frullania-Probe geschickt (GANZ herzlichen Dank dafür!), welche ich in den letzten zwei Wochen ziemlich intensiv untersucht habe.

(Es ist im übrigen faszinierend zu beobachten, wie ein Tropfen Wasser von dem trockenen Moos aufgesaugt wird und sich dabei aufgrund der Kapillarkräfte die Form des Polsters ständig verändert!)

Bei der Suche nach den ,,vielen" Rädertieren hatte ich mich zunächst an dem Bild mit den ,,orangen Krümmelchen"  in Arnolds  Beitrag 4 orientiert, das wohl im Aufsicht entstanden ist (ob trocken oder nass, kann ich auf der Aufnahme nicht erkennen).

Ich möchte hier mal ein ähnliches Moospflänzchen im Wasser liegend zeigen, wobei das Bild im Dunkelfeld entstanden ist:



Auch hier sind einige orange Körperchen zu sehen, die ich dann weiter untersucht habe. Dabei  hat sich dann herausgestellt, dass es sich bei diesen Körperchen hier  um etwas völlig anderes als Rädertiere handelt: nämlich um einen parasitischen Pilz:
https://www.plingfactory.de/Science/Atlas/Kennkarten%20Pilze/Ascomycetes/source/Bryocentria%20brongniartii.html


An dessen Charakterisierung ist Arnold übrigens auch beteiligt:
https://ascomycete.org/Journal/Article/art-0399

Diese orangen Körperchen sind praktisch auf allen!! Moospflanzen dieser Probe zu finden gewesen und können leicht mit Rädertier-Tönnchen verwechselt werden!


In den trockenen Moosproben habe ich leider überhaupt keine Rädertiere entdecken können.

Auch die  gewässerten Proben haben sich deutlich unterschieden von derjenigen Probe, die mir Arnold im Jahr 2017 geschickt hatte. Damals habe ich 3 Rädertier-Arten  gefunden, von denen 2 eindeutig in den Wassersäcken (Amphigastrien) zu finden waren:

Mniobia symbiotica und Habrotrocha annulata


Die 3. Art (Mniobia scarlatina) kroch damals zwischen den Blättchen umher und hat damals auch mit dem Räderorgan gestrudelt.
 
In der jetzigen Probe waren nur sehr wenige Rädertiere zu finden; In den Amphigastrien habe ich überhaupt keine Rädertiere entdecken können; die anderen  waren  weitestgehend ziemlich unbeweglich, und gehören nach meinen Beobachtungen alle zur selben Art: Mniobia scarlatina (s.u.).

Bisher habe ich ca 20 Exemplare genauer untersucht; 16 davon hatten Parasiten in unterschiedlichen Stadien, die meisten davon (10) waren schon tot (was  aber für die Kaueranalyse sehr hilfreich war),  2 leben noch, wobei ich dort die Entwicklung der Parasiten weiter beobachten will. Offenbar haben diese Parasiten einen Einfluss auf die Beweglichkeit des Rädertiers, was angesichts der Anzahl (geschätzt: > 100 )   dieser Parasiten nicht verwundert:



Nach jetzigem Kenntnisstand handelt es sich bei dem Parasiten ebenfalls um einen Ascomyceten, es scheint der gleiche zu sein wie derjenige, den ich in Rädertieren aus einer Frullania-Probe aus unserer Gegend gefunden hatte:  Triacutus:
https://www.plingfactory.de/Science/Atlas/Kennkarten%20Pilze/Ascomycetes/source/Triacutus%20subcuticularis.html

Im Nachhinein ist auch klar, dass zumindest das  2. Bild in Arnolds Beitrag 12 ein Tier mit diesen Parasiten zeigt.

Noch was zu der Art M. scarlatina:

artspezifisch sind wohl die ,,Warzen", die (häufig) auf dem Integument des Rumpfs zu finden sind.

Hier mal ein neues Bild:




Teilweise sind diese schon bei schwacher Vergrößerung am Umriss im HF zu sehen.  Das Problem dabei ist, dass diese anscheinend nicht bei allen Tieren in einer Probe zu finden sind. Ein weiteres Merkmal ist bei allen bdelloiden Rädertieren die Kauerformel, welche die Anzahl der großen ,,Zähne" innerhalb des Kauapparates angibt. Jede Abweichung beschreibt nach jetziger Kenntnis eine eigene Art.  Dabei ist das Problem, dass  je mehr ,,große" Zähne vorhanden sind, die Unterscheidung von den kleinen Zähnen immer unsicherer wird. Die Analyse der mazerierten Kauer aus den bereits toten Tieren (s.o.)  ergab eine Übereinstimmung für die Zahnformel 1+7+1 / 1+7+1:



Diese Zahnformel ließ sich auch bei einigen Tieren ohne die o.a.  Warzen feststellen. (Vielleicht junge Tiere?)

Mehr zu Mniobia scarlatina hier:
https://www.plingfactory.de/Science/Atlas/KennkartenTiere/Rotifers/01RotEng/source/Mniobia%20scarlatina.html

Soweit erst mal

Beste Grüße
Michael Plewka


A. Büschlen

Hallo Michael,

danke für das mitteilen deiner Beobachtungen!
Dass ich dich nicht auf das Vorhandensein von B. brongniartii aufmerksam gemacht habe, war keine Absicht! Siehe dazu auch: https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=30211.msg224566#msg224566

Freundliche Grüsse

Arnold
Schwerpunkt z.Z.:
- Laub- und Lebermoose.
- Ascomyceten als Bryoparasiten.