Botanik: Bärlauch (Allium ursinum)

Begonnen von Peter T., März 22, 2025, 17:06:31 NACHMITTAGS

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Peter T.

Ausgehend von Kurts Beitrag über den Bärlauch, in dem über die Wasserabweisung der Blätter diskutiert wurde, und für den ich Bilder von der Cuticula beigesteuert habe,

https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=51218.msg373821#msg373821

habe ich die Chance genutzt und gleich einen Botanik-Beitrag draus gemacht.

Bärlauch ist wahrscheinlich allen bekannt als allerorten im Frühling sprießendes Gewächs, das sich gut für Salat und Pesto eignet. Der Bärlauch gehört zur Familie der Amaryllisgewächse.

1024px-Allium_ursinum_Ketscher_Rheininsel_1.jpg
(Quelle Wikipedia Commons. Urheber 4028mdk09)

Ich hatte etwas Bedenken, wie sich die schnell wachsenden und sehr weichen Blätter würden schneiden lassen, aber das war gar nicht so das Problem. Vielmehr hat mich der Blattstiel (der beim Bärlauch nicht aus einer Sprossachse, sondern direkt aus der Zwiebel im Erdreich entspringt) gefuchst. Aus einem mehrere Zentimeter langen Blattstiel habe ich gerade mal zwei Schnitte (30µm) bekommen, die halbwegs vorzeigbar sind.

Zunächst die Übersicht über den Querschnitt

Au 3.jpg

Man erkennt die halbkreisförmig angeordneten kollateralen Leitbündel und die aus einer einzelnen Schicht aus großen Zellen bestehende Epidermis.

Hier ein Detail eines der Leitbündel. Es handelt sich wie bei Monokotyledonen (einkeimblättrigen Pflanzen) üblich um geschlossen kollaterale Leitbündel, d.h. es gibt hier keine Kambium-Schicht. Das Leitbündel liegt locker im es umgebenden Parenchym.

Au 4.jpg

Als nächstes ein Blick auf die Cuticula. Hier war die Frage, ob die wasserabweisende Natur der Bärlauchblätter Form oder Dicke der Cuticula beeinflusst. Dies ist nicht der Fall, möglicherweise ist die chemische Zusammensetzung des Cuticula-Wachses eine andere als bei nicht so hydrophoben Blättern. Die Zellschicht der Epidermis ist prominent.

Au 1a.jpg

Jetzt ein Überblick über einen Querschnitt des Blattes. Er zeigt die übliche Form mit nach innen gerollten Blattseiten. Diese fallen schon makroskopisch auf. Je weiter man am Blatt Richtung Blattstiel nach unten geht, desto mehr sind die Seiten nach innen gerollt.

Au 5a.jpg

Die Blattspreiten selbst zeigen keine Aufteilung in Palisaden- und Schwammparenchym, sondern bestehen aus relativ homogenen und meist in Längsrichtung gelagerten Zellen, die durchaus dicht gepackt sind.

Au 7.jpg

Hier noch eines der zahlreichen Stomata. Der Bärlauch ist hypostomatisch, die Spaltöffnungen liegen in der Regel nur auf der Blattunterseite.

Au 6.jpg

Und jetzt noch ein Bild mit DIK. Hier kann man sehen, warum ich bei der Präparation die Zellinhalte nicht vernichten will. Ich finde sie einfach faszinierend.

Au 9.jpg

Wie immer freue ich mich über Kommentare, Berichtigungen und Ergänzungen.


Liebe Grüße
Peter