Sonnen- und Schattenblätter

Begonnen von Gerd Schmahl, April 21, 2025, 19:56:59 NACHMITTAGS

Vorheriges Thema - Nächstes Thema

Gerd Schmahl

Hallo,
ich bin von unserer Biologielehrerin gebeten worden, Dauerpräparate von Sonnen- und Schattenblättern der Rotbuche herzustellen. Liege ich richtig in der Annahme, dass die beiden Blatt-Typen sich erst im Laufe des Sommers differenzieren oder kann man jetzt schon beide Formen finden? Momentan sehen für mich alle Blätter gleich aus, egal wo sie wachsen.
LG Gerd
Man sagt der Teufel sei, im Detail versteckt,
doch hab' ich mit dem Mikroskop viel Göttliches entdeckt.

Stuessi

Hallo Gerd,

hier die Antwort von chatGPT:

Man findet Sonnen- und Schattenblätter der Rotbuche (Fagus sylvatica) vor allem in der Sommerzeit, etwa von Mai bis September, wenn der Baum voll belaubt ist.

Schattenblätter wachsen im Inneren der Krone oder im unteren Kronenbereich, wo weniger Licht hinkommt. Sie sind typischerweise dünner, größer und dunkler grün, damit sie möglichst viel Licht aufnehmen können.

Sonnenblätter entwickeln sich eher an den äußeren Zweigen und oben an der Krone, wo viel Licht ist. Sie sind kleiner, dicker und haben eine hellere Farbe, um sich besser gegen zu starke Sonneneinstrahlung zu schützen.

Wenn du also im Sommer unter einer großen Rotbuche stehst und genau hinschaust, kannst du den Unterschied an Ort und Stelle entdecken!

Viele Grüße,
Rolf

Gerd Schmahl

Hallo Rolf,
ein Hoch auf die KI! Leider ist es genau umgekehrt: Sonnenblätter erscheinen dunkler, weil sie dicker sind und mehr Chloroplasten enthalten. Das ist hier einleuchtend erklärt. Aber das war ja nicht meine Frage, sondern, ob ich eher im Sommer gucken sollte oder jetzt schon gucken kann. Ich werde mich dann wohl mal mit Versuch selber schlau machen und jetzt und später Blätter der Rotbuche sammeln und nicht nur die Sonnen- und Schattenblätter erforschen, sondern auch, wie sie sich ausdifferenzieren.

LG Gerd
Man sagt der Teufel sei, im Detail versteckt,
doch hab' ich mit dem Mikroskop viel Göttliches entdeckt.

Oecoprotonucli

Hallo Gerd,

Zitat von: Gerd Schmahl in April 21, 2025, 19:56:59 NACHMITTAGSMomentan sehen für mich alle Blätter gleich aus, egal wo sie wachsen.

Das erscheint doch auch ziemlich logisch und normal.

Zitat von: Gerd Schmahl in April 22, 2025, 17:34:17 NACHMITTAGSIch werde mich dann wohl mal mit Versuch selber schlau machen und jetzt und später Blätter der Rotbuche sammeln und nicht nur die Sonnen- und Schattenblätter erforschen, sondern auch, wie sie sich ausdifferenzieren.

...wenn Du Dir diese Mühe machen willst ...natürlich hören wir hier gerne Deine Ergebnisse  ;)  . Wie kommst Du denn am besten an die Blätter, vor allem die Sonnenblätter? Hast Du eine hohe Leiter oder eine kleine Buche?

Übrigens gibt es das natürlich auch als Fertigpräparat. Ich habe es ja bisher nicht zum routinierten Lehrer gebracht, aber als ich mal als Lehrer gearbeitet hatte, hätte ich keine Zeit dafür gehabt. Ein "Nebenbei" gab es da nicht, im Gegenteil, zu viel unbezahlter Zeitaufwand vom Abwaschen der Chemieversuch-Überbleibsel (Chemieunterricht war ja eh schon zeitlich zu wenig und das mit dem selbst Abwaschen durch die Schüler und Schülerinnen klappte da auch nicht so gut) bis zur Unterrichtsentwicklung von Kursen, für die es keine vorgefasste Literatur gab, und Alles am besten von heute zu morgen.

Viele Grüße

Sebastian
Ich benutze privat:
Leitz SM-Lux mit (LED-) Durchlicht und Phaco-Ausrüstung (ca. 1975-77)
Hensoldt Wetzlar Stereomikroskop DIAMAL (1950er Jahre)

Gerd Schmahl

Hallo Sebastian,
an die verschiedenen Blätter zu kommen halte ich nicht für zu schwer. Ich habe einen Garten direkt am Wald. Einer der Bäume, die ein wenig über den Garten ragen, ist eine Buche. Alle Außenblätter bekommen volle Sonne. Ich würde mir da mit der 4m-Astsäge einen Zweig von so weit oben wie möglich besorgen. Schattenblätter gibt 's natürlich noch leichter ein paar Meter waldeinwärts in Augenhöhe.

Natürlich gibt es die Präparate fertig zu kaufen, aber das Budget Freier Schulen ist i.d.R. sehr begrenzt. Aus der etwas längeren Liste habe ich 3 Präpatate-Typen ausgeschlossen, die ich nicht mit vertretbarem Aufwand selber als Dauerpräparate herstellen kann: Nervenzellen aus dem Rückenmark, Mitose an der Wurzel von Küchenzwiebeln (die einfachen Färbungen sind nicht in Dauerpräparaten haltbar) und Süßwasserpolypen. Diese werden wir tatsächlich kaufen. Die Blattquerschnitte (Mais als C4-Pflanze, Oleander als Xerophyt, Seerose als Hydrophyt sowie die hier thematisierten Sonnen- und Schattenblätter der Buche) will ich aber gerne selber machen. Macht mir ja auch Freude! Und: Ich bin Hausmeister, kein Lehrer. Meine Arbeitszeit ist weit weniger streng getaktet als die der Lehrer, wobei ich diese Präparate in meiner Freizeit zu Hause mache. Den Oleander habe ich gerade eingedeckt  :)
LG Gerd
Man sagt der Teufel sei, im Detail versteckt,
doch hab' ich mit dem Mikroskop viel Göttliches entdeckt.

CMB

Moin Gerd,

vielleicht hilft auch folgende Überlegung weiter:
Pflanzen, die im Winter im Gewächshaus stehen, müssen im Frühjahr an die Sonneneinstrahlung ohne Glas gewöhnt werden... jedenfalls ist das bei meinem Hibiskus so. Das führt regelmäßig- wenn man es zu spät macht - zu ,,Sonnenbrand" an den Blättern, die im Gewächshaus während des Winters nachgewachsen sind. Die Blätter aus der Aussensaison des letzten Jahres sind da unempfindlich.

Da liesse sich ein Vergleich relativ einfach herstellen.. zwar nicht mit Licht  und Schatten, aber mit Glas geschützt oder nicht.

Berichte von Deinen Beobachtungen
Matthias

Oecoprotonucli

#6
Hallo Gerd,

Danke für Deine Erklärungen! Du musst ein toller Hausmeister sein, ich bin sicher, Du könntest die ein oder andere Biologiestunde halten - Praktikum sowieso! ;)

An die Blätter kommst Du wohl auch ganz gut.

Das Beispiel von Matthias zeigt ja auch, dass es ein Anpassungsprozess ist, bei dem die Pflanze auf die Umwelt reagieren muss und das braucht natürlich Zeit. Beim ersten Tag im Fitnesscenter wird man auch nicht die größten Gewichte heben können und am nächsten Tag wie ein Bodybuilder aussehen. Es ist ja eben im Bio-Unterricht ein Beispiel für eine sogenannte Modifikation. Ich weiß ja nicht, wie weit die Blätter in Deiner Gegend inzwischen schon sind, aber das sind sozusagen auf das Beispiel bezogen Kinder im Fitnesscenter. Die sind ja noch zart und jung ;) . Wenn Du die gesamte Entwicklung dokumentieren willst, ist es wohl am besten, die Blätter immer vom selben Baum von ähnlichen Stellen zu nehmen und wenn Du nicht zu viel Arbeit haben willst, einen zeitlich nicht zu kurzen Abstand zu nehmen. Vielleicht monatlich? Andererseits könnte es sein, dass Du dann eine entscheidende Phase, wo es schneller geht, verpasst.

Das Sonnenbrand-Beispiel erinnert mich an meinen Geldbaum auf dem Balkon, der in der Sonne deutlich rötliche Blätter bekommt. Das gibt es wohl bei der Buche nicht, aber teilweise werden - quasi wie bei uns Menschen, die bräunen - zusätzlich zum Chlorophyll gewisse Pigmente, vermutlich als Sonnenschutz, gebildet.

Übrigens könnte bei Deinen Forschungen erschwerend hinzukommen, dass vielleicht auch Bäume Individuen sind und gewisse Unterschiede aufweisen könnten. So wie bei uns die verschiedenen Hauttypen von den Rothaarigen über Blonde bis Dunkle. Allerdings vermute ich, dass die Buchen hier nicht ganz so auffällige Unterschiede haben.

Viele Grüße

Sebastian

Ich benutze privat:
Leitz SM-Lux mit (LED-) Durchlicht und Phaco-Ausrüstung (ca. 1975-77)
Hensoldt Wetzlar Stereomikroskop DIAMAL (1950er Jahre)

Peter T.

Hallo Gerd,

was ist eigentlich aus diesem Projekt geworden?
Konntest Du schon unterschiedliche Blattvarianten finden?

Liebe Grüße
Peter

Gerd Schmahl

#8
Hallo Peter,
ich habe schon ein wenig Material gesammelt. Das wartet fixiert auf weitere Verarbeitung. Um die echten Sonnenblätter muss ich mich noch kümmern. Ich glaube ich werde mir mal eine Steinschleuder ("Zwille") bauen, um ein paar Blattfetzen aus der Krone zu schießen. Einen alten Fahrradschlauch habe ich noch und ich glaube mich noch zu erinnern wie das ging...
LG Gerd
Man sagt der Teufel sei, im Detail versteckt,
doch hab' ich mit dem Mikroskop viel Göttliches entdeckt.

Siegfried

Hallo Gerd,
da ich den Thread von Florian nicht stören will, deshalb hier in deinem Thread.

bezugnehmend auf deine Antwort
https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?msg=377487

habe ich eine Frage. Ich bewundere dich und deine Lieder, angefangen von "Menschenrecht auf Lagerfeuer" bis
"Verkenntnis und Küchentisch", die ich schon vielfach in Youtube mir angeschaut habe.
Ist das Lied oder Gedicht "Gebet eines Mikroskopikers" auch im Netz zu finden??
   schönes Wochenende wünscht Siegfried

M Beier

Hallo Gerd,
als ehemalige Lehrerin kenne ich das Problem mit den Sonnen- und Schattenblättern der Buche. Es gab immer ganz schreckliche Präparate - auch die gekauften.
Viele besser gehen Sonnen- und Schattenblätter beim Efeu. Hat Jörg Weiß schön gezeigt:
https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=24169.0
Es geht ja ums Prinzip und nicht um Buchen.
LG
Maria

Peter T.

Toller Link!

Da würde ich selbst eher auf den Efeu zurückgreifen. Für die Demonstration im Unterricht ist die Pflanze ja wahrscheinlich wirklich zweitrangig.
Liebe Grüße
Peter

Werner

Hallo Gerd!
Viel besser als ein Fahrradschlauch für die Zwille ist ein Silikonschlauch 8mm!
Den Griff aus 6-mm-Draht biegen und an den Enden einige Kerben mit einer Dreikantfeile anbringen, die Enden rund feilen. Diese Teile leicht nach hinten biegen. Schlauch drüber und mit Kabelbinder fixieren.
Habe gerade im Wiki gelesen, daß Armstützen in D neuerdings verboten sind! Muß ich meine jetzt bei der Polizei abliefern?
Bald werden wohl auch Fahrräder verboten. Wegen der Kette (gefährliche Schlagwaffe).
Und Schraubenzieher. Tödliche Stichwaffe.

Gruß - Werner

Peter T.

Der Besitz einer Steinschleuder mit montagefähiger Stütze (am Handgelenk oder Unterarm) fällt unter das Waffengesetz. Er ist strafbar und kann mit Geldstrafen oder Freiheitsentzug bis zu drei Jahren geahndet werden.
Deutschland ist da übrigens ziemlich humorlos, wie ich aus dem eigenen Bekanntenkreis weiß. Also Vorsicht.
Liebe Grüße
Peter

Gerd Schmahl

Hallo,
ich danke Euch für den erneuten Input, besonders Maria für den Link zum Efeu.
Ich werde auch ganz sicher keine Waffe bauen, sondern nur ein Y-förmiges Holt mit einem Gummi versehen und das Ding nach erfolgreicher (Blatt-)Jagt wieder verschwinden lassen.
In den Lehrbüchern ist i.d.R. das Buchenblatt das Paradebeispiel, weshalb an mich auch der Wunsch nach diesen Präparaten herangetragen wurde.
LG Gerd
Man sagt der Teufel sei, im Detail versteckt,
doch hab' ich mit dem Mikroskop viel Göttliches entdeckt.