Zusatzoptik für ein fest verbautes Projektiv.

Begonnen von Jürgen Boschert, August 18, 2025, 22:37:06 NACHMITTAGS

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Jürgen Boschert

Hallo zusammen,

das ist heute meine zweite Frage, die ich der Kompetenz des Forums anvertraue, meine erste wurde schon sehr erfolgreich beantwortet.

Problem: Das Zeiss-West IM35 hat ein im Fotostrahlengang fest installiertes Projektiv verbaut, das für Kleinbildformat 24x36mm berechnet ist.
Ist es möglich, eine Zusatzoptik zu installieren, die denselben Bildausschnitt auf einen Chip ABS-c bringen kann?
Beste Grüße !

JB

Lupus

Hallo Jürgen,

man müsste die Brennweite des Projektivs verkürzen, indem man zwischen Projektiv und Kamera eine langbrennweitige Linse montiert. Voraussetzung ist aber dass man den Kameraabstand entsprechend verringern kann.

Hubert

Lupus

Hallo Jürgen,

eine Ergänzung: Ich kenne das Mikroskop und dessen Fotoanschluss nicht. Falls es wie auf dem Foto links aussieht, mit dem Projektiv unmittelbar über einen T2-Kameraadapter an der Kamera befestigt, wird es bezüglich einer Abstandsänderung natürlich schwierig. So wie ich es sehe lässt sich wohl nicht - wie beim Zeiss-Kamerasystem MC 63 links - der Kameraaufbau relativ zum Projektiv einstellen. 

Bei einer modernen spiegellosen APS-C Kamera wäre aufgrund des etwa 24-26 mm geringeren Auflagemaßes möglich, den Kameraabstand etwas über die Adapterhöhe anzupassen.

Zeiss IM.jpg

Hubert

HCLange

Hallo Jürgen,

es gibt mittlerweile einige Varianten von "brennweitenverkleinernden" Optiken für Systemkameras, die das Gegenteil von Telekonvertern darstellen. Sie haben Faktoren von etwa 0,7x bis 0,64x.

Herzliche Grüße
Christoph

Jürgen Boschert

Hallo Hubert und Christoph,

herzlichen Dank, dass Ihr Euch mit dem Thema auseinandersetzt.

@Hubert: Das Projektiv ist fest verbaut, die Kamera ist über einen ein T2-Anschluss verbunden. Es ist so, wie Christoph das sagt. Da der Anschluss ursprünglich für SLRs gedacht war, hat man mit spiegellosen Kameras tatsächlich wegen deren geringem Auflagemaß einige cm Spiel. Habe mal zwei Bilder angehängt, einmal eine Schema aus der Zeiss-Broschüre und einmal ein Foto mit geöffnetem Gehäuse. Die im Schema mit 3.6 bezeichneten drei Elemente sind das Projektiv.

@Christoph: Meinst Du die sog. Weitwinkelkonverter, die vorne aufs Kameraobjektiv geschraubt werden?
Beste Grüße !

JB

Daniel Scheibenstock

Nein die Dinger heißen speedboster, zb von metabones. Sie adaptieren alte Objektive an moderne Spiegelosekameras

Lg Daniel
Leica DMRB HC (DL, Pol)
Motic BA310 LED (DL: PH; DF;POL, AL: POL)
Zeiss Universal (DL: Fluo; POL AL: Fluo,POL. DIC)
Zeiss IM35 (DL; PH; Fluo;POL)
Bresser Stereolupe

Vorstellung: https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=48126.0

Lupus

Hallo Jürgen,

dann ist der optische Aufbau deutlich komplexer als in meiner gezeigten Dokumentation für das andere Zeiss-Modell IM.

Prinzipiell wäre so eine Zusatzoptik dann einfach zu bestimmen wenn man die Brennweite eines kompakten Projektivs kennen würde, da man den vorhandenen und gewünschten Abbildungsmaßstab etwa kennt. Dann wäre für eine Verkleinerung des Bildkreises auf das APS-C Format (Durchmesser 27 mm) eine Linse mit etwa 150 mm Brennweite hinter dem Projektiv erforderlich.

Durch den komplexen mehrteiligen Aufbau ist die optimale Linsenposition leider nicht erreichbar, bei der sogar eine nichtachromatische Linse reichen würde. Man müsste die Verkleinerungsoptik unmittelbar hinter das Projektiv montieren. Die dabei entstehende Verkürzung des Strahlengangs könnte wahrscheinlich durch Verkürzung des T2-Anschlusses erreicht werden. Ein zusätzliches technisches Problem wäre, dass der T2-Anschluss dann fein einstellbar sein müsste.

Hubert

Gerd Schmahl

Hallo Jürgen,
am einfachsten löst Du das Problem mit einer Vollformatkamera.
LG Gerd
Man sagt der Teufel sei, im Detail versteckt,
doch hab' ich mit dem Mikroskop viel Göttliches entdeckt.

Jürgen Boschert

Hallo Gerd,

das ist schon richtig; aber die Preise sind immer noch ganz ordentlich. Und außerdem machen solche Fragestellungen ja auch irgendwie Spaß!

Hallo Hubert,

genial! Habe das mal kurz mit einem 150mm-Achromaten probiert (Wechselobjektiv zum SV8): Das Stemi-Objektiv direkt auf das T2-Gewind und die Kamera direkt auf die Fassung des Stemi-Objektives gehalten. Definitiv größerer Bildausschnitt und -soweit bei diesem wort-wörtlich fliegenden Aufbau zu beurteilen- parfokal! Also da geht was. Werde weiter probieren und wieder berichten.
Beste Grüße !

JB

Lupus

Hallo Jürgen,

hier noch eine Rechnung für ein Beispiel Objektiv 40/0.65 und Projektiv f=25 mm (die Optiken sind schematisch vereinfacht als Pfeile). Es soll maßstäblich die geometrischen Verhältnisse demonstrieren.

Oben mit Bildkreis für KB-Format, unten mit Zusatzoptik zur Brennweitenverkürzung des Projektives für das APS-C Format. Der Achromat hat 150 mm Brennweite, die Fokusverschiebung beträgt hier 23 mm, aber abhängig von der Position der Zusatzoptik. Andere Projektivbrennweiten ergeben natürlich wieder andere Maße. Das Beispiel ist aber nicht direkt auf das dreiteilige Projektiv Deines IM35 übertragbar.

Projektiv Bildformatanpassung.jpg

Hubert

Lupus

Hallo Jürgen,

vielleicht wären das geeignete, billige Achromaten zum Experimentieren (falls der Durchmesser ausreicht):
https://astromedia.de/OptiMedia-Achromat-OA61
https://astromedia.de/OptiMedia-Achromat-OA62
https://astromedia.de/OptiMedia-Achromat-OA63
Die müssten m.E. zur Minimierung der optischen Bildfehler unmittelbar nach der letzten Projektivlinse im Rohr platziert werden.

Hubert

Jürgen Boschert

Hallo Hubert,

vielen Dank für die Links, hab ich schon bestellt. Mal sehen, wie ich das umgesetzt bekomme.
Beste Grüße !

JB

Lupus

Hallo Jürgen,

die Frage ist welchen Durchmesser das Rohr hat, an dem außen die Kamera mit T2-Anschluss montiert ist. Der Achromat sollte da eigentlich einschiebbar sein, der mit 31 mm Durchmesser könnte passen. Ich würde ihn zur Positionierung in einem dünnwandigen Rohr montieren.

Und als T2-Anschluss gibt es diverse einstellbare Verlängerungshülsen.

Hubert

Jürgen Boschert

Hallo zusammen,

ich schulde hier noch ein Update: Es funktioniert sehr gut! Der Achromat OA62 von Astromedia (f=147,3mm) hat einen Außendurchmesser von 37mm; damit passt er absolut zentriert und bündig in den Stutzen am IM35. Dieser hat innen noch einen Rand, der wunderbar als Innenanschlag dient. Man könnte die Linse noch mit einem Federring fixieren. Darauf habe ich aber verzichtet, da das Ganze schon so recht fest sitzt, und ich nicht vorhabe, den Brocken von einem Mikroskop mehrmals täglich durch die Gegend zu tragen. Der Achromat ist bikonvex mit einer flacheren Seite; diese muss zur Kamera zeigen, umgekehrt gibt es einen Host Spot. Der verbliebene Crop-Faktor ist m.E. tolerabel: Mit einem 16-er Objektiv liegt die Breite des abgebildeten Objektfeldes bei 620µm, mit einer Vollformatkamera wären es 700µm.
Für die Fokusanpassung habe ich ein Helicoid vom Chinesen verwendet, damit lässt sich problemlos Parfokalität herstellen.

Vielen Dank nochmals an Hubert für den Tip!
Beste Grüße !

JB

Lupus

Hallo Jürgen,

schön dass es mit so einfacher Optik funktioniert, und dass dann auch noch durch Zufall die Maße so perfekt passen.  ;)

Hubert