Autor Thema: Färbekörbchen für lose und empfindliche Proben  (Gelesen 4914 mal)

Fahrenheit

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Färbekörbchen für lose und empfindliche Proben
« am: März 19, 2010, 21:34:47 Nachmittag »
Liebe Mikroskopiker,

hier eine kurze Anleitung zum Bau kleiner Färbekörbchen zum Bearbeiten loser und empfindlicher Proben.

Aus Einwegspritzen (gibt es für ein paar Cent beim Apotheker des Vertrauens) mit geringem Durchmesser (2 ml Spritze etwa 8 mm und 10 ml Spritze etwa 13 mm) lassen sich mit der groben Siebdruckgaze (Maschenweite ca. 70µm) einfach Färbekörbchen bauen, in denen Proben mit einer Größe oberhalb der Maschenweite der Gaze verarbeitet werden können.

Reste der Siebdruckgaze kann man in Druckereien erhalten - einfach nachfragen.

Zunächst muss die Spritze vorbereitet werden. Dazu erhitzt man eine Rasierklinge oder eine gebrauchte Einweg-Mikrotomklinge ein wenig (Spiritusbrenner oder Feuerzeug) und trennt die Spritze ca. 2 cm unterhalb des oberen Randes ab. Der untere Teil und der Kolben werden nicht gebraucht. Die Schnittfläche muss ggf. etwas entgratet und/oder begradigt werden.

Bild 1: Vorbereitung der Einwegspritzen


Nun bedeckt man eine Herdplatte mit Backpapier und schaltet kurz ein (hier muss man ein wenig probieren, die Platte darf nicht zu heiß werden). Jetzt kommt die Siebdruckgaze auf das Backpapier und anschließend wird der Spritzenstumpf mit der Schnittfläche vorsichtig auf diese aufgegedrückt.
Durch die Hitze schmilzt der Kunststoff der Spritze (während die Gaze fest bleibt, da deren Material einen höheren Schmelzpunkt hat) und die beiden Teile verbinden sich fest miteinander. Das Backpapier schützt die Herdplatte und verhindert ein Festbacken unserer Konstruktion auf der selben.
Wichtig ist, zu prüfen, ob der Rand komplett mit der Gaze verschmolzen ist. Ist dies nicht der Fall, werden die betroffenen Stellen noch mal kurz auf die Platte gedrückt.
Jetzt kann man die Siebdruckgaze großzügig ausschneiden und anschließend die Ränder sauber rund schneiden.

WICHTIG: Nach dem Aufschmelzen der Siebdruckgaze mit einer 10er Lupe prüfen, ob sich ggf. Verschmutzungen darauf befinden und bei Bedarf gründlich reinigen.  

Bild 2: Spritzenstumpf mit aufgeschmolzener Siebdruckgaze


Bild 3: Nun mit der Schere ein wenig begradigen ... und fertig sind die Färbekörbchen  :)


Bild 4: Später dienen gläserne Teelichthalter als Auffangschälchen für die Reagenzien

Diese gibt es recht günstig z.B. bei Ikea.

Die einzelnen Reagenzien eines Rezeptes können von oben in das Körbchen getropft werden.

Soll eine längere Einwirkzeit realisiert werden, stellt man es in einen Teelichthalter. Durch die Oberflächenspannung der Reagenzien fließen diese nur recht langsam durch, was den Verbrauch gerade an Färbemitteln in Grenzen hält.

Wenn es schneller gehen soll (zum Beispiel beim Entwässern), kann man den Durchlauf beschleunigen, in dem man ein Papiertaschentuch oder ein Kosmetiktuch von unten leicht gegen die Gaze drückt.  

Bild 5: Eine Färbung läuft - der Farbstoff läuft nicht aus.


Bild 6: Durchziehen von Wasser zur Spülung nach dem Färben. Man kann gut erkennen, wann überschüssige Farbe ausgezogen wurde.


Herzliche Grüße
Jörg    

Edit 08.06.2015:
Leider waren hier die Bilder verschwunden, da der verwendete Bilderhoster aufgegeben hat.
Danke für den Hinweis, der Beitrag ist restauriert. :)

Bild 7: Hier noch ein Ergebnis der Färbung im Körbchen: Sternhaar von der Blattunterseite des Runzeligen Schneeballs
« Letzte Änderung: Juni 08, 2016, 08:50:01 Vormittag von Fahrenheit »
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Arbeitsmikroskop: Leica DMLS
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