Botanik: Raue Stechwinde (Smilax aspera)

Begonnen von Peter T., Dezember 29, 2025, 10:42:11 VORMITTAG

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Peter T.

Die Raue Stechwinde ist eine verholzende Kletterpflanze, die ihr Verbreitungsgebiet von Südeuropa bis nach Afrika hat. Sie klettert bis zu 15 m hoch und gehört zur Familie der Stechwindengewächse (Smilacaceae). Der Blattstiel ist oft gebogen oder verdreht. Die Blätter sind herzförmig und ledrig. An der gesamten Pflanze finden sich Stacheln.
Smilax gehört zur Gruppe der Einkeimblättrigen (Monokotyledonen).
Mein Exemplar habe ich in Kroatien gefunden.

Hier zunächst das äußere Erscheinungsbild

Bild 1 (Wikimedia Commons, Autor Robert Flogaus-Faust)


Bild 2 (Wikimedia Commons, public domain)


Für den Beitrag habe ich den Spross und das Blatt angeschaut. Die Schnitte sind 30 bis 40 µm dick und nach Etzold mit FCA gefärbt.
Zunächst die Übersicht über den Spross

Bild 3


Man erkennt sehr deutlich die sklerenchymatisch verdickte Randzone, die der Liane ihren festen, aber auch biegsamen Halt gibt. Zum Schneiden braucht man hier sehr viel Schärfe (am besten eine frische Klinge) und einen ziehenden und nicht zögerlichen  Schnitt. Der Großteil des Querschnitts wird eingenommen von einem gleichmäßig ausgebildeten Grundparenchym mit den für Monokotyledonen typischen verstreut liegenden Leitbündeln. Eine ringförmige Anordnung wie bei den Dikotyledonen findet man hier nicht. Eine Markzone im engeren Sinne existiert ebenfalls nicht. Die rosa getönte Grundfarbe ist wohl ein Hinweis auf vermehrt lignifizierte Zellwände, wie sie für Lianen sinnvoll sind.

Hier ein Detailbild

Bild 4


Auch die Leitbündel haben eine sklerenchymatische Verstärkungszone um sich. Auffällig sind die großen Tracheen (meist zwei pro Leitbündel) und die kleineren Tracheiden. Das Phloem ist nicht sehr ausgeprägt.

Weitere Details aus dem Spross-Querschnitt

Bild 5


Auch hier ist wieder zu erkennen, wie viel Wert die Raue Stechwinde auf Stabilität legt. Der Spross ist dabei aber nicht brüchig, sondern überaus biegsam. Abreissen könnte man ihn nicht, ohne Messer oder Schere bekommt man den Spross nicht von der Pflanze.

Bild 6


Auf Bild 5 schon sichtbar, hier im Detail: Erstaunlicherweise hat Smilax aspera auch am Spross Stomata. Meistens sind Spaltöffnungen nur an den Blättern angelegt.

Hier noch ein Schnitt durch Spross mit ausgebildetem Stachel

Bild 7


Oben die Anlage eines weiteren Stachels. Stacheln sind im Gegensatz zu Dornen

- nicht leitbündelversorgt
- leicht abbrechbar
- ausgehend von der Epidermis und subepidermalem Gewebe
- nicht homolog zu Spross oder Blatt

(Der Spruch "Keine Rose ohne Dornen" ist also falsch, keine Rose hat Dornen, sondern Stacheln. Botanik kann wunderbar nerdig sein. ;) )


Jetzt zum Blatt. Den Blattstiel will ich hier nicht zeigen. Wie eingangs erwähnt, ist er gebogen, gewunden und gleichzeitig sehr ledrig, so dass ich nur schräg angeschnittene "Quer"schnitte bekommen habe, die weder anschaulich instruktiv noch sonstwie des Betrachtens wert wären.

Die Blattspreiten dagegen sind sehenswert.

Bild 8


Man erkennt keine eindeutige Differenzierung in Palisaden- und Schwammparenchym. Das ist für viele Monokotyledonen typisch.

Noch einige Aufnahmen dazu

Bild 9


Hier hat man noch am ehesten den Eindruck einer gewissen Differenzierung, aber nur angedeutet.

Bild 10


Auch die Leitbündel im Blatt sind stark sklerenchymatisch verstärkt.

Jetzt noch einige Aufnahmen im polarisierten Licht.

Bild 11


Bild 12


Bild 13



Wie immer freue ich mich über Kommentare, Berichtigungen und Ergänzungen.

Liebe Grüße
Peter