Botanik: Rispen - Hortensie Hydrangea paniculata, ein durstiges Wesen. *

Begonnen von Hans-Jürgen Koch, Januar 01, 2026, 15:16:04 NACHMITTAGS

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Hans-Jürgen Koch

Die Hortensie oder Wasserstrauch (Hydrangea) ist ein in Italien sehr verbreitetes Gewächs.

Die Japaner bauten sie bereits vor Jahrhunderten an und hatten aus der Sand – Hortensie (Hydrangea maritima) oder Bauernhortensie (Hydranea macrophylla var. normalis) aus der Gegend von Yokohama und von der Gesägtblättrigen Hortensie (Hydrangea serrata), die in Wäldern wächst, zahlreiche Varietäten gezüchtet.

In Europa waren die Hortensien bis zum Jahre 1712 völlig unbekannt, bis Kaempfer, einer der ersten Forscher der japanischen Flora, in seinem Werk ,,Amoenitates exotica" Zeichnungen von der Hortensie veröffentlichte.

Engelbert Kaempfer (1651 – 1716) war ein  deutscher Arzt und Forschungsreisender.

Wenig später brachte Commerson getrocknete Exemplare nach Europa.
Philibert Commerson (1727 - 1773) war ein französische Naturwissenschaftler .

In Europa bekannt wurde die Rispen - Hortensie um 1830, als der deutsche Arzt und Naturforscher Philipp Franz von Siebold sie während eines mehrjährigen Aufenthalts in Japan entdeckte und erstmals beschrieb.

Philipp Franz von Siebold (1796 – 1866) war ein bayerischer Arzt, Japan- und Naturforscher, Ethnologe, Botaniker und Sammler.


Bild 01 Habitus,Rispen – Hortensie, Sorte 'Grandiflora'

Quelle: von KENPEI - KENPEI's photo, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2438697

Die Rispen - Hortensie (Hydrangea paniculata) ist eine zweikeimblättrige (Dicotyledonae) Pflanze. Sie gehört innerhalb dieser Gruppe zur Ordnung der Hartriegelartigen (Cornales) und zur Familie der Hortensiengewächse (Hydrangeaceae).

Die laubabwerfende, recht schnellwüchsige Rispen-Hortensie bildet 1 bis 5 Meter hohe, halbkuglige  Sträucher oder kleine Bäume mit dunkel- bis graubraunen, angedrückt behaarten und später verkahlen Zweigen, die mit ovalen Korkporen besetzt sind.

Bild 02 Prächtiger Blütenstand und Blätter, Rispen – Hortensie der Sorte 'Grandiflora'

Author: KENPEI
Quelle: von KENPEI - KENPEI's photo, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2438698

Bei der Rispen – Hortensie snd die sterilen Blüten ebenfalls weiss, stehen aber in dicken, länglichen Rispen.

Gärtner – Trick:
Blaue Blüten entstehen durch Ansäuern der Erde mit Aluminiumsulfat oder Kalialaun zustande.
Wer die Blumen trocknen und die Farben fixieren möchte, mischt für die Vase einfach zwei Drittel Wasser mit einem Drittel Glycerin.

Bemerkenswert ist der Umstand, dass die Blütenstände der Pflanze zweierlei Blüten aufweisen.
Die zentral gelegenen sind klein, fast rundlich, haben einen unterständigen Fruchtknoten, einen Kelch mit 4 oder 5  Zähnen, eine mehr oder weniger verkümmerte Blütenkrone aus 4 oder 5 Kronblättern und 8 oder 10 Staubblätter.

Diese Blüten entwickeln Samen, sind also fertil (bedeutet, dass Blüten fruchtbar sind und sich fortpflanzen können).

Sie werden umgeben von einem Kranz von Außenblüten, die einen verlängerten Kelchtubus haben, der sich zu 4 großen Lappen erweitert, die meist ungleich sind; ihre Farbe ist wie die der Kelchblätter rosafarben oder blau. Die Korn-und Staubblätter fehlen, und der Fruchtknoten ist verkümert.

Es sind also unfruchtbare Blüten, die als ,,Schauapparat" dienen und die Aufgabe haben, die Insekten anzulocken.
Die heute gezüchteten Arten weisen nur noch sterile Blüten auf.
Die Pflanzen werden heute durch Stecklinge vermehrt.

Die Laubblätter  haben einen 1 bis 3 Zentimeter langen Stiel. Die leicht ledrige Blattspreite ist einfach, 5 bis 14 Zentimeter lang und 6 bis 6,5 Zentimeter breit, elliptisch bis eiförmig, spitz oder zugespitzt, mit gerundeter oder stumpfer, bis spitzer Basis und gesägtem Rand.
Die Blattoberseite ist kahl bis leicht striegelhaarig, die Unterseite entlang der Nerven angedrückt zottig behaart. Es werden sechs bis sieben Nervenpaare gebildet.

Die sommergrünen Blätter der Rispen - Hortensie sind meist gegenständig, manchmal sitzen an einem Nodium (Blattknoten) auch drei Blätter in quirlartiger Anordnung.
Die Laubblätter stehen in Dreierquirlen. Sie haben einen 1 bis 3 Zentimeter langen Stiel.

Die holzigen, vielsamigen Kapselfrüchte mit beständigen Griffeln sind elliptisch und haben Durchmesser von 3,0 bis 3,5 Millimeter. Die flachen Samen sind braun, spindelförmig, bis 3 Millimeter lang und an beiden Enden kurz geflügelt. Die Kapselfrüchte enthalten jeweils zwischen 30 und 100 Samen.

Bild 03 Sterile Blüte, Rispen – Hortensie der Sorte 'Grandiflora'

Quelle: von KENPEI - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=11026006-

Eine sterile Blüte ist eine Blüte, die funktionslos ist und keine Pollen oder Samen produzieren kann.

Die Art blüht von Juli bis August, die Früchte reifen von Oktober bis November.

Systematik:

Ordnung: Hartriegelartige Cornales
Familie: Hortensiengewächse Hydrangeaceae
Unterfamilie:    Hydrangeoideae
Gattung:    Hortensien Hydrangea
Art:    Rispen-Hortensie
Wissenschaftlicher Name: Hydrangea paniculata
Trivialname: Wasserstrauch
Englische Bezeichnung: Panicle Hydrangea

Die deutsche Bezeichnung Hortensie geht auf die Tochter des Prinzen von Nassau, Hortense de Nassau zurück. Sie war Teilnehmerin der Bougainville– Expedition.
Der Botaniker Louis – Antoine de Bougainville, sollte vor allem Pflanzen aus aller Welt sammeln und für Frankreich zu Geld machen.

Weltweit gibt es ca. 70 Hortensien-Arten.

Bild 04 Illustration. Rispen - Hortensie Hydrangea paniculata

Quelle: Philipp Franz von Siebold and Joseph Gerhard Zuccarini - Flora Japonica, Sectio Prima (Tafelband)
http://www.biolib.de

Teil 1
Spross, Querschnitt
30 Mikromete

Bild 05 Schnittstellen, Rispen - Hortensie Hydrangea paniculata

Quelle, Foto: Allgäu-Stauden GbR, Leitkirch

Bild 06 Übersicht, ungefärbter Schnitt, Rispen - Hortensie Hydrangea paniculata


Bild 07 Detailaufnahme, ungefärbter Schnitt, Rispen - Hortensie Hydrangea paniculata



Bild 08 Detailaufnahme, ungefärbter Schnitt, Rispen - Hortensie Hydrangea paniculata


Bild 09 Jahresringgrenze, ungefärbter Schnitt, Rispen - Hortensie Hydrangea paniculata


Bild 10 Übersicht, ungefärbter Schnitt, Autofluoreszenz,  Rispen - Hortensie Hydrangea paniculata

LED Modul 455 nm
Reflektormodul FL mit Filtersatz 67
Erregerfilter: BP 470 nm
Strahlenteiler: FT 477 nm
Emission (Sperrfilter): LP 485

Bild 11 Korkporen, ungefärbter Schnitt,  Autofluoreszenz, Rispen - Hortensie Hydrangea paniculata

(Korkporen – Bild unten-links9

Bild 12 Detailaufnahme mit Beschriftung, ungefärbter Schnitt,  Autofluoreszenz, Rispen - Hortensie Hydrangea paniculata

MP = Markparenchym, XY = Xylem

W-3A-Färbung nach Wacker (Acridinrot-Acriflavin-Astrablau)

Arbeitsablauf:
1.Pflanzenprobe liegt in 30 % Ethanol.
2. Aqua dest. 3x wechseln je 1 Minute.
3. Vorfärbung Acridinrotlösung 7 Minuten
4. 1x auswaschen mit Aqua dest. .
5. Acriflavinlösung (differenzieren bis gerade keine Farbwolken mehr abgehen - Lupenkontrolle) ca.15 Sekunden !!
6. 2 x auswaschen mit Aqua dest..
7. Nachfärbung Astrablaulösung 1 Minuten
Bei der Nachfärbung mit Astrablau eine Mischung aus Astrablau und Acriflavin im Verhältnis 3 : 1 verwendet (blau + gelb = grün).

Tipp:
Eine schöne Variante erhält man, wenn man in der letzten Färbestufe eine Mischung aus Astrablau und Acriflavin im Verhältnis 3:1 verwendet. (3 Tropfen Astrablau und 1 Tropfen Acriflavin separat ansetzen und Gemisch mit der Pipette übertragen.
8. Auswaschen mit Aqua dest. bis keine Farbstoffreste verbleiben.
9. Entwässern mit 3x gewechseltem Isopropylalkohol (99,9 %)
10. Einschluss in Euparal.

Ergebnis:
Zellwände blaugrün bis grün, verholzte Zellwände leuchtend rot, Zellwände der äußeren Hypodermis orangerot, Cuticula gelb, Zellwände der innenliegenden Hypodermis tiefrot.
Bei der Betrachtung wird eine Kontrastverbesserung bei Verwendung eines BG 38 Filters (blaugrün, 3 mm dick) erreicht.

Fotos: Nikon D5000

Bild 13 Übersicht mit Beschriftung,  Rispen - Hortensie Hydrangea paniculata

PE = Periderm, RP = Rindenparenchym, PH = Phloem, XY = Xylem, J = Jahresringgrenze, HST = Holzstrahl, MP = Markparenchym, FH = Frühholz, SH = Spätholz, offene kollateraleLeitbündel.

Im Bereich ihrer Sprossachse liegen offene kollaterale Leitbündel, die in einer charakteristischen Ringform angeordnet sind.
Die Leitbündel liegen ringförmig um ein zentrales Markgewebe. Dies unterscheidet sie von einkeimblättrigen Pflanzen, bei denen die Bündel verstreut im Gewebe liegen.

Aufbau von einem offenen  kollateralen Leitbündel:

Xylem (Holzteil): Liegt auf der Innenseite und transportiert Wasser und Mineralien nach oben.

Phloem (Siebteil): Liegt auf der Außenseite und transportiert Photosyntheseprodukte (Zucker).

Kambium: Zwischen Xylem und Phloem befindet sich eine hauchdünne Schicht aus Teilungsgewebe (Kambium). Dieses ermöglicht das für Sträucher wie die Rispenhortensie typische sekundäre Dickenwachstum, bei dem die Pflanze im Laufe der Jahre verholzt und an Umfang gewinnt.

Bild 14 Detailaufnahme mit Beschriftung,  Rispen - Hortensie Hydrangea paniculata



Bild 15 Detailaufnahme,  Rispen - Hortensie Hydrangea paniculata


Bild 16 Übersicht, Auflichtbeleuchtung Fluoreszenz,  Rispen - Hortensie Hydrangea paniculata

Reflektormodul FL mit Filtersatz 67
Erregerfilter: BP 470 nm
Strahlenteiler: FT 477 nm
Emission (Sperrfilter): LP 485

Bild 17 Detailaufnahme, Auflichtbeleuchtung Fluoreszenz,  Rispen - Hortensie Hydrangea paniculata


Bild 18 Leitbündel, Auflichtbeleuchtung Fluoreszenz,  Rispen - Hortensie Hydrangea paniculata


Teil 2
Spross, Längsschnitt
25 Mikrometer


W-3A-Färbung nach Wacker (Acridinrot-Acriflavin-Astrablau)

Bild 19 Übersicht,  Rispen - Hortensie Hydrangea paniculata


Bild 20 Übersicht  Rispen - Hortensie Hydrangea paniculata


Bild 21 Detailaufnahme,  Rispen - Hortensie Hydrangea paniculata


Bild 22 Detailaufnahme, Auflichtbeleuchtung Fluoreszenz, Rispen - Hortensie Hydrangea paniculata 


Teil 3
Spross  mit Ansatz von Nodien,  Längsschnitt
25 Mikrometer


In den Blattachseln (dem Winkel zwischen Blatt und Spross) sitzen am Nodus meist Achselknospen, aus denen Seitentriebe oder Blüten entstehen können.
Die mattgrüne Blattoberfläche ist auffallend rau, die Unterseite zeigt einen graugrünen Farbton.

Blattknospen an einer Rispen-Hortensie (Hydrangea paniculata) sind typischerweise kleine, oft unscheinbare, grüne oder bräunliche Knospen, die im Frühjahr aus den letztjährigen Trieben austreiben, meist paarweise angeordnet. Die Rispenhortensie blüht am neuen Holz, daher sind alle Knospen, die im Frühjahr erscheinen, zunächst Blatt- oder gemischte Knospen, die sich im Laufe der Saison zu den charakteristischen Blütenrispen entwickeln.

Bild 23 Übersicht,  Rispen - Hortensie Hydrangea paniculata



Bild 24 Übersicht,  Rispen - Hortensie Hydrangea paniculata


Bild 25 Übersicht, Rispen - Hortensie Hydrangea paniculata


Bild 26 Detailaufnahme, Rispen - Hortensie Hydrangea paniculata


Bild 27 Detailaufnahmet, Rispen - Hortensie Hydrangea paniculata


Bild 28 Detailaufnahme, Auflichtbeleuchtung Fluoreszenz, Rispen - Hortensie Hydrangea paniculata 


Teil 4
Blattstiel, Querschnitt
20 Mikrometer

Der Blattstiel ist nur 1 -3 mm lang.

W-3A-Färbung nach Wacker (Acridinrot-Acriflavin-Astrablau)

Bild 29 Übersicht,  Rispen - Hortensie Hydrangea paniculata




Bild 30 Detailaufnahme,  Rispen - Hortensie Hydrangea paniculata


Bild 31 Leitbündel,  Rispen - Hortensie Hydrangea paniculata



Bild 32 Detailaufnahme, Auflichtbeleuchtung Fluoreszenz,  Rispen - Hortensie Hydrangea paniculata



Verzeichnis der benutzten Literatur:

Wikipedia; Freie Enzyklopädie
,,Das große illustrierte Pflanzenbuch", 1977

,,Neophyten", ISBN: 978-3-440-16874-5

Peter Koch ,,Das neue Zimmerpflanzenbuch", ISBN: 3-87287-361-X

,,Die 1000  schönsten Pflanzen für ein grünes Zuhause", 02362 2

,,Das große Gartenbuch", ISBN: 978-3-8289-3451-1

Die Informationen für Beschreibungen werden von mir selbst aus verschiedenen Quellen zusammengetragen. Dabei benutze ich sowohl Bücher als auch Internet Quellen.
Ich recherchiere dann weiter, suche die zugrundeliegenden Studien heraus, werte sie aus und verbinde alles miteinander.
Beim Recherchieren öffnet sich oft nicht nur eine neue Tür, sondern gleich mehrere. Dahinter verbergen sich weitere spannende Informationen.

Für konstruktive Kritik bin ich ebenso offen wie für lobende Worte.

Hans-Jürgen

Plants are the true rulers - Pflanzen sind die wahren Herrscher.

<a href="http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=2650.0" target="_blank">Hier geht es zur Vorstellung</a>

Gerne per "Du"

Peter T.

Lieber Hans-Jürgen,

das ist wieder eine traumhaft schöne Dokumentation. Insbesondere die Längsschnitte von den Achselknospen sind wunderbar anzuschauen.
Hierzu eine Frage: In diesen Schnitten wie auch im Querschnitt Blattstiel sind schwarze Elemente erkennbar. Ich würde das für Pflanzenstoffe (z.B. Phenole) halten. Hast Du eine andere Erklärung dafür?

Schöne Grüße

Peter
Liebe Grüße
Peter

Hans-Jürgen Koch

#2
Lieber Peter,

danke für deine netten Worte.

Die Ursache für die dunklen Punkte in der Färbung könnten  Phenole sein.

Reines Phenol ist ätzend, Nervengift.
Im Gegensatz dazu sind Polyphenole (pflanzliche Phenole) jedoch gesundheitsfördernd, wirken als Antioxidantien, schützen vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Entzündungen und verbessern die Darmgesundheit.

Wichtig ist die Unterscheidung zwischen dem reinen Giftstoff und den natürlichen Pflanzenstoffen.

Ich hätte ein Bleichmittel wie Eau de Javel  verwenden sollen.

Einfache qualitative Nachweise (für Schule/Labor):

Eisen(III)-chlorid-Test (FeCl₃-Test)

Extraktion: Bereite  einen Pflanzenextrakt (z. B. mit Wasser, Alkohol oder verdünnter Natronlauge) vor.

Reaktion: Gebe  einige Tropfen einer wässrigen Eisen(III)-chlorid-Lösung zum Extrakt.

Beobachtung: Eine sofortige Farbänderung (grün, blau, violett, rotbraun) deutet auf das Vorhandensein von Phenolen hin.

Meine Pflanzenproben habe ich leider entsorgt.

Gruß
Hans-Jürgen
Plants are the true rulers - Pflanzen sind die wahren Herrscher.

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Gerne per "Du"

Peter T.

Lieber Hans-Jürgen,

Deine Hortensie trinkt jetzt in der Botanik-Liste weiter.
Liebe Grüße
Peter