Altes Zeiss Mikroskop ca. 1940 // Bitte um Reparaturhinweise

Begonnen von schorschmeier, Januar 07, 2026, 17:44:51 NACHMITTAGS

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schorschmeier

Liebes Forum,

ich habe ein altes Zeiss Mikroskop - ich würde schätzen ca. 1940 - nach meinen Recherchen mit Stativ LG. Die Beschriftung auf dem Stativ lautet "Carl Zeiss Jena Nr. 272663". 
Das Mikroskop hat wohl ziemlich gute Objektive - alles Apochromate. Ich habe das Gerät von einem alten Schulfreund bekommen - es stammt aus einem Krankenhauslabor.

Folgende Probleme gibt es:
1. der Objektivrevolver sitzt sehr locker (Spalt von einigen mm) in der Aufnahme. Von innen sieht man, daß da zwei kleine Schrauben an der rechten Schwalbenschwanzführung sind. Ich vermute, da fehlt eine Metallschiene. Kann man die selber erstellen? Hat jemand Tipps oder vielleicht sogar Maße? Worauf muss man achten?
2. der Kreuztisch ist ziemlich mitgenommen und hat Spiel. Ausserdem fehlt eine zweite Spange, um den Objektträger zu halten. Frage(n): Kann man das Spiel durch irgendwelche Tricks loswerden? Oder ist die Mechanik nach so langem Gebrauch einfach abgenudelt und es macht wenig Sinn zu restaurieren? Die Beschriftung zeigt: "Nr. 49788"
3. Das Objektiv mit größter Vergrößerung ist ein "HI 90x/0,8 – 1,25" mit Irisblende. Leider lässt sich das nicht mehr drehen. Kann man da was machen? Oder ist das gar nicht notwendig? Soweit ich das verstanden habe, braucht man die Irisblende nur für die Justierung beim Dunkelfeld.


Über jegliche Info und Hilfe würde ich mich sehr freuen!

Vielen Dank,
Matthias Woltering

Gerd Schmahl

Hallo Matthias,
willkommen im Forum!
Ja, das ist ein frühes Lg-Stativ.
Was die Reparaturen angeht, kommt es darauf an, was Du mit dem Gerät vorhast. So wie es aussieht, ist das eher was für die Vitrine und nicht unbedingt, um damit noch zu arbeiten. Im Fall "Vitrine" würde ich nicht unbedingt mit Fremdteilen ergänzen. O.k. den fehlenden Streifen aus Federstahl, den man ohnehin nicht sieht, das kann man machen, aber das fehlende Teil von der Objektträgerklemme wird man wohl nicht so einfach bekommen, jedenfalls nicht aus dieser Zeit und wenn Du was Jüngeres dran baust, sieht man das.

Das Spiel des Tisches sollte man eventuell wieder hinbekommen, wobei ich bisher nur jüngere Modelle aus DDR-Zeiten überholt habe.

Hier findest Du eine "Bastelanleitung" für viele Probleme am Lg, aber Deine beiden Probleme sind da nicht dabei.

Die Maße von dem Federstahlstreifen kann ich nach dem Abendbrot mal nehemen und auch ein Foto machen, aber jetzt koche ich erst eine Gemüsesuppe. :)

Beste Grüße
Gerd
Man sagt der Teufel sei, im Detail versteckt,
doch hab' ich mit dem Mikroskop viel Göttliches entdeckt.

Gerd Schmahl

Hallo Matthias,
so, nun mit warmer Suppe im Bauch, habe ich Fotos gemacht von der Klemmfeder, die den Objektivrevolver in die Schwalbenschwanzführung drückt:
Lg-Stativ-Revolverschlitten-Klemmfeder.JPG

Wie Du siehst, erübrigt sich hier das Messen, denn das Ding ist so lang und so breit wie die Führung selbst. Wichtig ist, dass es Federstahl ist und das Ding in der Mitte über der Schraube (gelber Pfeil) aufgewölbt ist. Beim Aufschieben des Revolvers wird die Feder an diese Schraube gedrückt. Mit der Schraube kann man also einstellen, wie straff die ganze Sache wird. Im entspannten Zustand ist die Feder ca. 2mm aufgewölbt (vom Schwalbenschwanz bis zur Oberkante der Feder).

So ein Teil sollte vielleicht noch jemand herumliegen haben. Ich selber habe vor ca. 1 Jahr zwei Stative ausgeschlachtet und entsorgt. Die Dinger habe ich aber leider nicht abgeschraubt, sondern mit entsorgt, weil ich damit noch nie ein Problem hatte. Dafür habe ich mindestens noch 4 Feintriebuhrwerke in meiner Zeiss-Jena-Kiste...

Es ist auch vor ein paar Jahren ein sehr großes Ersatzteilkonvolut auf e-bay gekauft und unter Forenmitgliedern aufgeteilt worden. Vielleicht ist da auch noch was dabei. Am besten mal unter "Suche" im Mikromarkt danach suchen. Kannst dazu gerne mein Foto verwenden oder verlinken.

In den Tiefen meines Rechners habe ich noch eine Tischzerlegung gefunden, die in etwa dem von Dir entsprechen dürfte:
KreuztischCZJ.pdf
Weiß leider nicht mehr, von wem die ist.
Ich hoffe, das hilft weiter.

Beste Grüße Gerd
Man sagt der Teufel sei, im Detail versteckt,
doch hab' ich mit dem Mikroskop viel Göttliches entdeckt.

schorschmeier

Hallo Gerd,

vielen Dank für die schnelle Antwort. Ich habe keine Vitrine (so schön ist es auch nicht) - ich würde das Mikroskop tatsächlich gerne wieder nutzen - bzw. habe ich auch schon. Ich hätte kein Problem mit der Erneuerung einiger Teile oder auch Ersetzen des Kreuztisches.

Deine Bastelanleitung finde ich super. Neu fetten muss ich das Gerät auf jeden Fall.

An das festsitzende Objektiv traue ich mich nicht recht ran. Ich hatte - auch von Dir? - eine Anleitung zu einem Lomo-Objektiv gefunden. Da steht drin, daß man das erwärmen soll +  WD40 + rohe Gewalt mit Zange. Bevor ich das aber mache, wüsste ich gerne, ob ich die Irisblende überhaupt verstellen muss. Vielleicht weisst Du das ja.

Schick mir gerne ein Bild vom Federstahlstreifen. Ich sehe von innen zwei Schrauben. Eine ist glaube ich abgebrochen. Siehe Bilder.

Vielen Dank!
Matthias

schorschmeier

Ach super, Du hast schon geantwortet. Leider kann ich weder das jpg ansehen (ich sehe kein Bild, sondern nur den Bildnamen) noch das pdf (Link liefert 404). Kannst Du bitte nochmal nachsehen?

Gerd Schmahl

#5
Hallo Matthias,
das dauert manchmal etwas mit den Anhangsdateien. Schau morgen noch mal rein, dann werden die Fotos zu sehen sein. Deine kann ich auch noch nicht sehen.
Aber 2 Schrauben sind es bei mir auch. Die vordere (sieht man im ersten Bild von der Draufsicht) hält die Feder, die 2. ist die mit dem gelben Pfeil, die man nur in der Seitenansicht sieht (wenn man sie sieht :-) )

Objektive zerlegen, das sollte man nur machen, wenn man reichlich Erfahrung hat und das WD-40 bitte nicht an ein Objektiv. Das Zeug kriecht Dir, wenn Du Pech hast, bis auf die Linsen.

Ob Du die Blende am HI 90x brauchst oder nicht, hängt davon ab, ob sie offen oder geschlossen ist. Wenn sie geschlossen ist (bei 0,8), dann schränkt das die Apertur erheblich ein. Die Auflösung ist dann schlechter als mit dem Apochromaten 40/0,95. Wenn sie offen ist, hast Du im normalen Hellfeld keine Probleme. Dass das ein Immersionsobjektiv ist, das nur mit Immersionsöl funktioniert, weißt Du aber?

Grüße Gerd
Man sagt der Teufel sei, im Detail versteckt,
doch hab' ich mit dem Mikroskop viel Göttliches entdeckt.

Gerd Schmahl

So, jetzt sehe ich auch Deine Bilder.
Ja, die Halteschraube ist bei Dir abgebrochen und muss sehr vorsichtig ausgebohrt und durch eine entsprechende Senkkopfschraube ersetzt werden.
Grüße
Gerd
Man sagt der Teufel sei, im Detail versteckt,
doch hab' ich mit dem Mikroskop viel Göttliches entdeckt.

schorschmeier

Ich sehe Dein Bild und pdf nun auch. Das ist sehr hilfreich! Ich werde in den nächsten Tagen loslegen und berichte. Kannst Du vielleicht noch die Dicke des Federstahls messen?

Das Fett OSIM ML-FTS5 muss ich bestellen, oder reicht da auch Vaseline, wie beim Grobtrieb?

Die Blende beim Objektiv steht leider auf 0,8 - ich werde mal etwas mit Fön erwärmen und schauen, ob sich was rührt.

Gerd Schmahl

Hallo Matthias,
ZitatDas Fett OSIM ML-FTS5 muss ich bestellen, oder reicht da auch Vaseline, wie beim Grobtrieb?
Wofür willst Du das denn benutzen? Für den Tisch? Vaseline ist nur ein Behelf. Das habe ich früher genommen. Ich arbeite heute fast nur noch mit den Fetten von OSIM. Meine "Bastelanleitung" ist schon etwas älter. Die müsste ich eigentlich noch einmal überarbeiten, aber ich habe z.Z. genug Projekte und bin auch allmählich davon weg an alten Zeiss-Jena-Mikroskopen zu schrauben, nur wenn der Zufall mir eines zuspielt oder jemand dringend Hilfe braucht.

Wenn Du den Tisch aufmachst, lege ihn dazu in eine Schale. Es könnte sein, dass Dir zahlreiche Kugeln und Gleitzylinder entgegenkommen, die besser nicht erst vom Tisch rollen sollten  ;)

ZitatDie Blende beim Objektiv steht leider auf 0,8 - ich werde mal etwas mit Fön erwärmen und schauen, ob sich was rührt.
Ich würde ein Objektiv lieber nicht mit dem Föhn traktieren. Die Wärme kommt zu einseitig und ungleichmäßig. Wenn Optiken im Spiel sind und Wärme nötig, dann tue ich das in den Backofen. Da kommt die Wärme gleichmäßig von allen Seiten, was für weniger Spannungen sorgt. Dazu heize ich den Ofen auf 50 Grad hoch (Einstellung am Regelknopf). Real heizt der Ofen ein Stück höher, bevor er aufhört zu heizen. Dann prüfe ich mit dem Infrarotthermometer die reale Temperatur bis sie tatsächlich bei 50 Grad liegt und stelle dann die Optik ein und warte, bis der Ofen das nächste Mal auf Heizen stellt. Dann nehme ich das erwärmte Teil mit Handschuhen heraus und probiere, ob sich was bewegt. Bei der Blende im Objektiv darfst Du aber wirklich keine rohe Gewalt anwenden!!! Die wirklich kritische Temperatur liegt übrigens bei etwa 70 Grad. Dann verflüssigt sich das Kanadabalsam mit dem damals die Linsen geklebt wurden. Ob modernere Dubletten und Triplets, die mit UV-Harzen geklebt sind, diese Kur vertragen weiß ich nicht. Mit einem Stereokopf eines GEZ von Zeiss-Jena hat es gut funktioniert.

Viel Erfolg wünscht
Gerd
Man sagt der Teufel sei, im Detail versteckt,
doch hab' ich mit dem Mikroskop viel Göttliches entdeckt.

schorschmeier

Hallo Gerd,

vielen Dank für die Hinweise. Dann lass ich das mal lieber mit dem Föhn.
Ich habe jetzt den Grobtrieb wie in Deiner Anleitung beschrieben neu gefettet. Der läuft jetzt wieder super. Allerdings hat der Arm nun ganz leichtes Spiel - das merkt man, wenn man den Fuß festhält und am Arm wackelt. Ist das Verschleiß oder kann ich durch Unterlegen von Aluminiumstreifen unter den Zahnstreifen noch etwas ausrichten? Dasselbe Problem habe ich ja auch bei dem Kreuztisch.

Viele Grüße,
Matthias

Gerd Schmahl

#10
Hallo Matthias,
manches ist aus der Ferne schwer zu beurteilen. So weiß ich jetzt ja nicht wirklich (auch wenn ich es ahne), wo der Arm Spiel hat und in welche Richtung er sich bewegen lässt. Du kannst es ja mit Streifen probieren, aber lege schön gleichmäßig unter, nicht nur an den Enden, damit die Zahnstange nicht in der Mitte verbiegt, wenn sie dort hohl liegt. Wenn das nicht gut funktioniert, kannst Du das ja problemlos zurückbauen.

Welches Fett hast Du denn für die Gleitbahnen vom Grobtrieb genommen?

Beim Tisch müsste man das Spiel eigentlich einstellen können. Schau nochmal in die Anleitung, da wird an verschiedenen Stellen das Spiel von Bauteilen eingestellt. Auch hier kann ich natürlich von der Ferne nicht wirklich gut beurteilen, wo der Fehler liegt, da ich ja nicht sehe, wo da was wackelt. Verschleißen tun diese Messinggleitbahnen eigentlich kaum.

LG Gerd
LG Gerd
Man sagt der Teufel sei, im Detail versteckt,
doch hab' ich mit dem Mikroskop viel Göttliches entdeckt.

heri-w

Guten Tag,
ich habe hier die Schwalbenschwanzführung zur Aufnahme des Objektivrevolvers für Zeiss-Jena Lg-Mikroskope in meiner Bastelkiste. Die Andruckfeder is vorhanden. Ich kann sie Ihnen für 6€ überlassen. Das ist also nur der Preis für Versand mit Hermes und Verpackung. Ich will in dem Fall nichts daran verdienen.
Weiterer Kontakt am einfachsten über eMail apocom<at>gmx.de

Hugo Halfmann

Hallo Matthias,

eine schöne Baustelle hast Du da! Ich habe letztes Jahr ein CZJ Universal komplett überholt, auch mit Hilfe von Gerds Anleitung. Das Universal hat den zentrierbaren Kreuz- Drehtisch, der ist nicht mehr oder weniger anspruchsvoll als dein Kreuztisch. Den Kreuztisch habe ich noch nicht zerlegt.

Wichtigster Hinweis: Nimm und lass dir Zeit! Was in Jahrzehnten festgammelt oder ausleiert, ist mit Bordmitteln  nicht in einer Stunde repariert.

Die Tische sind im Prinzip alle gleich aufgebaut: Zwei Achsen, deren Bewegung durch Schrauben begenzt wird, damit nix auseinander fällt wenn man zu weit dreht.

Den Kreuztisch vom L-Stativ habe ich an einem ungenutzten Torso, ich schau heut Abend gern mal nach, wie man das Ding zerlegt.

Objektiv:

Ich weiß das irgendwo im Forum oder im österreichischen Nachbarforum eine Anleitung dazu existiert.
Ich würde das Objektiv erst mal auf die Heizung stellen und warm werden lassen. Vielleicht reicht das ja schon daß der Blendenring sich dreht.
Viele Grüße aus dem Bergischen Land

Hugo Halfmann

Michael L.

#13
Hallo Matthias,

schönes Teil, habe es auch in meiner Sammlung. Erst mal alle Teile reinigen, insbesondere die beweglichen und für das Aussehen auch den Rest. Mit WD40 und anderen Kriechölen vorsichtig sein damit da nichts in die Optiken kommt, aber die lassen sich ja abnehmen. Reinigung des Statives mit Fensterreiniger, Isopropyl und Benzin (für die vernickelten, geschmierten Teile) wirkt Wunder wenn dann wieder nachgefettet. Den stumpfen Lack kann man nach der Reinigung mit Kamelienöl (ideal weil säurefrei) oder Ballistol sehr dünn abwischen und mit einem sauberen Tuch so gut wie davon wieder befreien, das wirkt Wunder für das Aussehen (auch hier darf nichts in die Optik geraten). Es werden hier einige aufschreien kein Öl auf den Lack aber glaube mir hauchdünn wirkt das Wunder, habe ich schon seit zig Jahren erfolgreich gemacht. Es macht einfach Spaß ein teildefektes Gerät wieder zum Laufen zu bringen und benutzen kannst du es danach garantiert auch.

Viele Grüße

PS für das Reinigen der Optiken gibt es von Zeiss eine Anleitung im Internet, musst Du mal googeln

Michael

Gerd Schmahl

#14
Hallo Michael,
ZitatEs werden hier einige aufschreien kein Öl auf den Lack

Die Lacke dieser alten Schätzchen sind meines Wissens Einbrennlacke. Denen kannst Du mit kaum einem Lösungsmittel was anhaben. Insofern ist die kosmetische Behandlung mit Öl kein Problem.

LG Gerd
Man sagt der Teufel sei, im Detail versteckt,
doch hab' ich mit dem Mikroskop viel Göttliches entdeckt.