Kristallbildung in einer Abwasserprobe

Begonnen von SamuelReicher, Januar 24, 2026, 17:10:23 NACHMITTAGS

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SamuelReicher

Hallo, ich hoffe ich bin hier richtig. Bei den Geologen  8)

Was könnten das für Kristalle sein?

Hab etwas von Strovit gelesen.

Aufnahme unter Polarisation mit Verzögerungsfolie, 100 bis 400 mal.

Gerd Schmahl

#1
Hallo Samuel,
sehr hübsch, aber anhand der Fotos ist eine Mineralbestimmung nicht ohne Weiteres möglich, allerdings kann Strovit wohl ausgeschlossen werden, da es in charakteristischen "Sargdeckeln" auskristallisiert.

Wie es aussieht, haben sich die Kristalle erst beim Eintrocknen der Probe gebildet, oder?

Lösen sie sich leicht wieder auf, wenn Du Aqua dest. dazu gibst? Dann wäre es auf keinen Fall Strovit, denn das ist sehr schwer löslich.

In Abwässern können alle möglichen Salze gelöst sein. Als Erstes fällt mir da Harnstoff ein. Der kristallisiert meist nadelförmig. Das könnte hinkommen, aber für eine sichere Diagnose bräuchte es wohl chemische oder physikalische Tests.

Die Bestimmung von Mineralen mit dem Polarisationsmikroskop, wie sie von Geologen und Mineralogen an Dünnschliffen praktiziert wird, setzt eine Standarddicke von 30 µm voraus, weil die Interferenzfarben auch abhängig sind von der Dicke des Minerals. Außerdem braucht man einen Drehtisch mit genauer Gradeinteilung, um Auslöschungswinkel ablesen zu können. Mit einer rein qualitativen Polarisationsmikrokopie ohne Messmöglichkeiten ist bei der Mineralbestimmung wenig auszurichten. Auch der Einsatz der Verzöger unterliegt strengen Regeln. Irgendeine "Verzögerungsfolie" sagt gar nichts aus, wenn ihr Wert nicht bekannt ist (Lambda 1/4 oder Lambda 1/2). Außerdem muss der Winkel, in dem der Verzögerer zur Polarisationsrichtung liegt, definiert sein (i.d.R. 45 Grad). Wenn Du die Folie mal drehst, während Du beobachtest, wirst Du sehen, was ich meine.

Aber all das muss die Freude nicht schmälern, die die hübschen kleinen Feuerwerke bereiten können, auch wenn man nicht weiß, was es ist.

Beste Grüße
Gerd
Man sagt der Teufel sei, im Detail versteckt,
doch hab' ich mit dem Mikroskop viel Göttliches entdeckt.

SamuelReicher

Zitat von: Gerd Schmahl in Januar 25, 2026, 17:20:00 NACHMITTAGSHallo Samuel,
sehr hübsch, aber anhand der Fotos ist eine Mineralbestimmung nicht ohne Weiteres möglich, allerdings kann Strovit wohl ausgeschlossen werden, da es in charakteristischen "Sargdeckeln" auskristallisiert.

Wie es aussieht, haben sich die Kristalle erst beim Eintrocknen der Probe gebildet, oder?

Lösen sie sich leicht wieder auf, wenn Du Aqua dest. dazu gibst? Dann wäre es auf keinen Fall Strovit, denn das ist sehr schwer löslich.

In Abwässern können alle möglichen Salze gelöst sein. Als Erstes fällt mir da Harnstoff ein. Der kristallisiert meist nadelförmig. Das könnte hinkommen, aber für eine sichere Diagnose bräuchte es wohl chemische oder physikalische Tests.

Die Bestimmung von Mineralen mit dem Polarisationsmikroskop, wie sie von Geologen und Mineralogen an Dünnschliffen praktiziert wird, setzt eine Standarddicke von 30 µm voraus, weil die Interferenzfarben auch abhängig sind von der Dicke des Minerals. Außerdem braucht man einen Drehtisch mit genauer Gradeinteilung, um Auslöschungswinkel ablesen zu können. Mit einer rein qualitativen Polarisationsmikrokopie ohne Messmöglichkeiten ist bei der Mineralbestimmung wenig auszurichten. Auch der Einsatz der Verzöger unterliegt strengen Regeln. Irgendeine "Verzögerungsfolie" sagt gar nichts aus, wenn ihr Wert nicht bekannt ist (Lambda 1/4 oder Lambda 1/2). Außerdem muss der Winkel, in dem der Verzögerer zur Polarisationsrichtung liegt, definiert sein (i.d.R. 45 Grad). Wenn Du die Folie mal drehst, während Du beobachtest, wirst Du sehen, was ich meine.

Aber all das muss die Freude nicht schmälern, die die hübschen kleinen Feuerwerke bereiten können, auch wenn man nicht weiß, was es ist.

Beste Grüße
Gerd

Dankeschön  ;D  Eine tolle Antwort. Ja wunderschön, haben sich sofort aufgelöst.