Mikroskopie trifft Astronomie

Begonnen von sushidelic, Februar 14, 2026, 18:46:20 NACHMITTAGS

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sushidelic

Hallo,

ich bin gerade dabei, die Schmidt Kamera von Hans Vehrenberg zu restaurieren, mit der er die Bilder aus "Mein Messier Buch" fotografiert hat.

Leider zeigt die Schmidtplatte eine Trübung, deren Ursache und dementsprechend das weitere Vorgehen nicht ohne weiteres zu bestimmen war.
Angehängt ein Bild, das den Schaden mit der kompletten Schmidtplatte überdeutlich in der Reflektion zeigt.

Nachdem stellenweise Behandlung mit Isopropanol, Essigsäure, Aceton, Zitronensäure und Wasserstoffperoxid keine Auswirkung hatte, habe ich die Platte unter das OP Mikroskop (Wild M650) gepackt. Das angehängte Bild liess eine Verätzung durch Glaspilz vermuten.

Eine weitere Inspektion unter dem Olympus BX52 im schrägen Auflicht mit dem 100x Objektiv ergab dann aber recht sicher, dass es sich nicht um Ätzungen, sondern um eine sich lösende Linsenbeschichtung handelt (nächstes Bild).

Nun bin ich auf der Suche nach einem Dienstleister, der die alte Beschichtung entfernen kann und eine Neuvergütung vornimmt. Hierzu würden mich auch über Tipps sehr freuen.

Mich hat es sehr gefreut, dass meine beiden Hobbys mal Hand in Hand gehen.

LG Michael

mare

Hallo Michael,
ohne Erfahrung zu haben wie die Qualität ist: http://www.alluna-optics.de/ .
Die Uni Hamburg hat früher auch verspielt. Vielleicht machen die es immer noch.
Schöne Grüße
Martin

AlexS

hallo Michael,
frag mal im Astrotreff Forum , dort sind viele die auch selbst Optiken fertigen und sich entsprechend auskennen.
vG Alex

Werner

Die Schicht könnte MgF2 sein, weil das in normalen Vakuumbedampfanlagen thermisch verdampfbar ist. (Für heute verwendeten Quarz braucht man Elektronenkanonen zur Verdampfung).
Ist die Schicht auf der planen oder asphärischen Fläche?
Reparaturversuch durch Abpolieren der Planfläche bzw. Polierpech-Abdruck der asphärischen Fläche anfertigen, diesen facettieren und damit nachpolieren. Dann wieder mit MgF2 bedampfen.
(Im Bodenseewerk Überlingen wurden mißlungene Bedampfungen von Toroidspiegeln durch mechanisches wegpolieren mit den vorhandenen Toroid-Polierwerkzeugen und Neubedampfen repariert. Es gibt kein Lösungsmittel für MgF2, das Glas nicht auch angreift)

Für die Neufertigung der Schmidtplatte braucht man eine Scheibe dieser Glassorte und eine Planpolier-Anlage mit Vakuumeinrichtung zum "Verbiegen" der Platte.

Gruß - Werner

sushidelic

#4
Hallo,

@Martin: Alluna und Uni Hamburg stehen auch auf dem Zettel, aber für das Ablaugen und Neubelegen des 400mm Hauptspiegels, soweit ich weiß, machen die aber keine Linsenbeschichtungen, nur Spiegel. Danke trotzdem!

@Alex - da bin ich auch aktiv, und werde vermutlich auch mal nachfragen. Aber etwa wie oben gilt, da sind eher die Spiegelschleifer unterwegs, Linsen und Beschichtungen sind eher selten ein Thema. Selbiges gilt für Astronomie.de. Die versiertesten Chemiker sind eindeutig hier unterwegs ;).

@Werner - Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit handelt es sich um eine MgF2 VIS AR Beschichtung, und BK7 als Trägermaterial. Das war zumindest zum Herstellungszeitpunkt der Optik gängig (60er Jahre), es gibt hierzu leider keine Aufzeichnungen. Durch die vermutliche Einbaurichtung der Optik habe ich zunächst auf eine fehlerhafte Beschichtung auf der asphärischen Seite getippt. Ein Test gegen einen (leider viel zu kleinen, 15cm) Planspiegel lässt aber nun in Anbetracht der Interferenzringe darauf schliessen, dass doch eventuell die plane Seite in Mitleidenschaft gezogen wurde, was natürlich günstig wäre. Ich bin dabei, das herauszufinden. Leider ist laut OSLO die maximale PTV des Schliffs der Schmidtplatte bei diesem System etwa 13µm, nichts was man so einfach sehen kann, und weswegen jegliche Politur vermieden werden sollte. Eine passende Vakuumform für die Platte zu finden ist quasi unmöglich, eine Neuerstellung deswegen unrealistisch.
Da die Beschichtung schon ordentlich angegriffen ist, könnte durchaus ein längeres Bad in warmen Aceton funktionieren, so zumindest die Auskunft eines ehemaligen Mitarbeiters von Schneider Kreuznach aus der Beschichtungsabteilung. Er hat mir aber wärmstens empfohlen, entweder die defekte Beschichtung zu behalten, oder neu zu vergüten. Ein reines Entfernen der defekten AR Beschichtung und die unvergütete Verwendung der Linse sei mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Verschlechterung.

Mal sehen, am allerbesten sollte ich erstmal alles im Ist-Zustand aufbauen und testen, dann kann ich mich immer noch entscheiden, was ich mache. Eine passende Plankonvexlinse zur Feldebnung (beugungsbegrenzt auf Kleinbild!) ist auf jeden Fall schon zu mir unterwegs.

Danke an alle für die Hilfe!
Michael

AlexS

hallo Michael,
400mm ist schon stramm , der größte Planspiegel den ich geschliffen und poliert habe war 205mm .
Da ist ruckzuck die Kurve versaut.....
Ich würde die Schmidtplatte erst mal vermessen wollen , ob sich hier so ein Aufwand überhaupt lohnt.
Ob das im RC Aufbau gegen den Hauptspiegel als Prüfspähre geht weis ich aber leider nicht.
Aber würde mich schon mal interessieren ob die Beschichtung chemisch entfernbar ist.
Bin gespannt wie es weiter geht....
vG Alex