Blutausstrich, ist das ein reaktiver Lymphozyt?

Begonnen von Jakob_Wittmann, Februar 18, 2026, 19:05:57 NACHMITTAGS

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Jakob_Wittmann

Guten Abend, liebe Runde,

zeigt das beigefügte Bild einen reaktiven Lymphozyten oder ist es ein Monozyt?

Sicherheitshalber: Ich erwarte mir selbstverständlich keine Diagnose oder ähnliche Bewertungen, die bei einem Auftreten gewisser Blutzellen in einem Blutausstrich theoretisch möglich wären!

Mir geht es ausschließlich um eine Bestimmung.

Der Ausstrich ist alleine May-Grünwald gefärbt (ohne Giemsa). Verwendet habe ich ein LOMO 90× an einem ZEISS JENA Lg. Kamera war eine QHY183c mit einem Sony 20-Megapixel-Sensor.

Auch weiterführende Kommentare sind sehr willkommen.


Danke im Voraus und herzliche Grüße


Jakob
jakob.wittmann@hotmail.com


,,Ein Leben mit nur einem schwarzen Mikroskop ist möglich aber sinnlos."

Bernhard-Viktor ,,Vicco" Christoph-Carl von Bülow zugeschrieben

Jakob_Wittmann

Vergessen: Natürlich ist das ein Ausschnitt, minimal von wegen Kontrast bearbeitet, nicht geschärft.

Grüße


Jakob
jakob.wittmann@hotmail.com


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rlu

#2
Hallo Jakob,

wie könntest du an die Sache rangehen?
Die roten Blutkörperchen haben eine Größe von 7-8µm.
Wie wahrscheinlich ist es jetzt auf Lymphozyten oder Monozyten zu treffen?
Die schauen gleich aus,
  sind aber von der Größe unterschiedlich, leider überlappen sich die Größen
  kommen mit unterschiedlicher Häufigkeit vor
Lymphozyten, da ist die Zelle durch der Kern stärker ausgefüllt, meist kleiner, sind wesentlich häufiger als
  Monozyten
Monozyten, da ist die Zelle durch der Kern weniger ausgefüllt und sie sind seltener und meist größer.



Dein Beispiel sieht etwas deformiert aus. Wie viele sehen noch so aus und wie häufig sind sie.
Und dann kannst du schon eine Abschätzung machen.

https://flexikon.doccheck.com/de/Blutzelle
2026-02-20 13_24_49-blutzellen größe - Google Suche.jpg


Abschätzen, wie viele Blutzellen man in einem Ausstrich finden könnte
Deckglasfläche: 18 mm x 18 mm = 324 mm²
Umrechnung in µm²: 324 mm² × 1.000.000 = 324.000.000 µm²

2. Dichte der Erythrozyten pro mm²
Wir müssen schätzen, wie viele Erythrozyten (7 µm Durchmesser) auf 1 mm² passen.
Platzbedarf pro Zelle: Wenn man sie sich als Kreise vorstellt, ist die dichteste Packung (hexagonal) etwa bei 90 % der Fläche.
Fläche pro Zelle (Quadrat, grob): 7 µm × 7 µm = 49 µm² pro Zelle.

Packungsdichte-Korrektur: Da sie sich nicht berühren (etwas Plasma dazwischen), rechnen wir mit ca. 60-70 % Belegungsdichte in der Ausstrich-Mitte.
Berechnung: 1 mm² = 1.000.000 µm².
Wenn eine Zelle 49 µm² Platz braucht: 1.000.000 µm² / 49 µm² ≈ 20.400 Zellen/mm² (bei theoretischer Vollbelegung ohne Abstand).
Realistischer (mit Abstand): ca. 15.000 - 18.000 Erythrozyten pro mm².


2026-02-20 13_29_00-Blutzellen Übersicht Tabelle - DeepSeek.jpg



Segmentkernige (ca. 55 % der Leukos) sind die reifen, einsatzfähigen Zellen.
Stabkernige (ca. 4 % der Leukos) sind die fast fertigen Zellen.

Wenn du in einem Befund viele Stabkernige siehst (z. B. 15 %), spricht man von einer "Linksverschiebung" – das ist ein Zeichen für eine akute, meist bakterielle Infektion.



https://www.uniklinikum-leipzig.de/Seiten/blutwerte-lymphozyten-monozyten.aspx


2026-02-20 12_59_42-Abwehr- und Fresszellen – was macht Lymphozyten und Monozyten aus_.jpg

2026-02-20 13_00_10-Abwehr- und Fresszellen – was macht Lymphozyten und Monozyten aus_.jpg

Peter_le

Ich finde das auch rätselhaft.  Aber ich habe nichts mit Blutbilder zu tun.
Das fragliche Objekt hat sehr wenig Cytoplasma, wie es die genannten Lymphos haben. Und steht offensichtlich mit den Erys in Kontakt. Vielleicht ein Artefakt. Der Ausstrich scheint mir gut gemacht zu sein, dünn, das spräche dafür.

Ich habe mich gefragt, ob es ein Minigerinnsel ist, aber auf die schnelle nur künstlerische Abbildungen gefunden  ::)

Ralf Feller

Hallo Jakob,
ich (Laborarzt) halte die Zelle wegen der wolkigen Kernstruktur und dem wolkigen Zytoplasma
für einen Monozyten, aber die Zellen sehen bei den Menschen und den unterschiedlichen Färbungen
etwas unterschiedlich aus. Hier soll man das Blut-BILD bildhaft wörtlich nehmen.
Schau dir viele Zellen in dem Ausstrich an, finde typische Lymphozyten und typische Monozyten in
den nicht zu dicken Bereichen deines Ausstrichs und vergleiche mit deiner Zelle.
LG Ralf

Jakob_Wittmann

#5
Hallo zusammen,

ich danke Euch allen für die
hilfreichen und ebenso interessanten Ausführungen!

Was man, wenn man nach Eigenschaften reaktiver Lymphozyten sucht, findet, sind Merkmale wie folgt:

ZitatMorphologie: Deutlich größer als normale, reife Lymphozyten, polymorph (unterschiedliche Formen), oft nierenförmig gebuchtete Kerne.

Zytoplasma: Verbreitert, stark basophil (tiefblau), oft intensiver gefärbt entlang der Zellmembran, gelegentlich Vakuolen oder Azurgranula.

Kern: Weist ein feineres, aufgelockertes Chromatin auf und zeigt häufig einen bis mehrere Nukleolen.

Ähnlichkeit: Morphologisch stehen sie zwischen Lymphozyten und Plasmazellen.

Vorkommen: Typisch für virale Infekte (Mononucleosis infectiosa, Zytomegalie, HIV), aber auch bei Toxoplasmose oder Autoimmunerkrankungen.

Nomenklatur: Oft synonym zu atypischen Lymphozyten oder Virozyten (bei ausgeprägter viraler Assoziation) verwendet.

Abgrenzung: Trotz "atypischem" Aussehen handelt es sich um eine gutartige (reaktive) Veränderung, nicht um maligne Lymphomzellen.

Ich bin an Eigenschaften von insbesondere weißen Blutzellen sehr interessiert, habe aber vor allem bei der pH-Einstellung (Sörensen-Puffer) häufig Fehler gemacht. Nicht zuletzt zeigt sich so etwas durch eigentlich missglückt gefärbte Ausstriche. Oft sind die Erys kräftig rot, aber Leukozyten oft gar nicht bis blass gefärbt.

Ich kehre wieder zu pH_Messstreifen zurück, denn ich vermute, dass mein pH-Meter defekt ist.

Man sieht bei den von mir erstellten Blutausstrichen häufig ,,osmotisch beleidigte" Erys. ;)

Aber ich übe ... ;)  ;D

Die beigefügten Bilder:


1: Monozyt und Lymphozyt (?)

2: Zwei Neutrophile Granulozyten, segmentkernig, ein Eosinophiler Granulozyt (?)


Bild 3 und 4:

Ein Monozyt und die eingangs erwähnte Blutzelle.


Was mein Ihr dazu? Alle Arten von Kommentaren sind sehr willkommen.


Liebe Grüße und Dank



Jakob

jakob.wittmann@hotmail.com


,,Ein Leben mit nur einem schwarzen Mikroskop ist möglich aber sinnlos."

Bernhard-Viktor ,,Vicco" Christoph-Carl von Bülow zugeschrieben

Wutsdorff Peter

Guten Abend  Jakob,
horibile dictu:
Wie wäre die Ansicht im DF.
Ich halte nichts von der DF-Blut-Mikro.
Ich war vor ca. 25a bei einem  Guru in Süd-D.
Nach seiner Diagnose müßte ich inzwischen mausetod sein. Aber mit 86 geht es noch so einigermaßen.
Diese Thema ist schon vor vielen Jahren im Forum diskutiert worden.
Gruß Peter W

Jakob_Wittmann

#7
Servus, Peter!

Ich freue mich nun wirklich eine Reaktion von Dir zu lesen.

Dunkelfeld, für die Betrachtung von Blut, ist mittlerweile ein meiner Meinung nach in gewisser Hinsicht problematisches Thema geworden. Denn wohl jeder Mikroskopiker, der nur ein wenig von Humanmedizin versteht, dürfte wahrnehmen, dass eine leidige, sogar gefährliche Form der Bewertung von ,,Blutanalyse" mit Dunkelfeld, bevorzugt durch Laien, Scharlatanerie existiert.

Persönlich habe ich erst seit kurzer Zeit einen zu immergierenden Kardioid-Kondensor für mein ZETOPAN, aber ICH HABE damit noch keinen Ausstrich beobachtet. Kommt aber ...  :D

In ceterum censeo: Du,lieber Peter, wirst noch sehr lange Zeit Deiner Familie und auch diesem Forum erhalten bleiben. Mach Dir bitte keine Sorgen, ich irre mich NIE! ;)


Liebe Grüße


Jakob
jakob.wittmann@hotmail.com


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