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Der Weg zum DIK am IM35

Begonnen von Gambrinus, Februar 20, 2026, 15:57:38 NACHMITTAGS

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Gambrinus

Servus,

vor kurzem habe ich meinem Zeiss Standard 18 eine Erweiterung zum "DIK neu" spendiert.
Die Komponenten dafür hatte ich erfreulicherweise relativ schnell zusammen:

  • Kondensor 465285-9901 Inko mit Frontlinse 1,4
  • Objektivrevolver mit Stühlchen 47 31 51
  • Prismenschieber für
    • Plan  16/0,35
    • Plan  40/0,65
    • Plan 100/1,25 OEL
  • Polarisator:  auf die Leuchtfeldblende aufgelegtes Hama-Polfilter (linear)
  • Analysator:  Knicktubus mit eingeschraubtem Polfilter, der mal irgendwo als Beifang dabei war (siehe Bild Nr. 1)

Die Objektive hatte ich bereits, alle die neueren mit der Artikelnummer-990X und dem gravierten Zeiss-Logo.



Also alles zusammengesetzt - Polfilter gekreuzt - ein Mundschleimhautpräparat zum Testen hergestellt - und durch  die Okulare geschaut.
Zu meiner Überraschung zeigte sich sofort ein annehmbares Bild.
Ich bin vorsichtshalber mit einer gemäßigten Erwartungshaltung an die Sache heran gegangen, aber wurde positiv überrascht.
Nach einigem Herumspielen mit verschiedenen Objektiv-Schieber-Kombinationen, war ich begeistert, dass bei vielen Objektiven, die von Zeiss nicht für DIK vorgesehen sind, trotzdem ein annehmbares Bild entsteht. Oft mit stärkerem Gradienten, aber der stört mich persönlich wenig.



Der Wunsch, das Verfahren auch am IM35 nutzen zu können, ließ nicht lange auf sich warten. So habe ich mir noch ein einzelnes DIK-Stühlchen besorgt, das ich zum Testen auf den sechsfach-Revolver des IM35 schrauben konnte.

Bekannterweise muss hierfür der Objekttisch um 11 mm höher gelegt werden. Die benötigten Distanzstücke wurden aus Edelstahl auf meiner kleinen Drehbank hergestellt. Die Materialwahl habe ich zwischendurch immer mal wieder bereut - die kleine Maschine ist einfach nicht für Niro-Stahl gedacht, aber irgendwie geht es mit viel Geduld dann doch immer (siehe Bild Nr. 2).

Also Tisch aufgebockt - DIK-Stühlchen montiert - Polfilter im Beleuchtungsstrahlengang platziert und mit dem Analysatorschieber unterhalb des Revolvers gekreuzt.
Leider war dieser erste Versuch enttäuschend. Wie ich das Stühlchen und den Kondensor auch drehte, es wollte sich kein vernünftiges Bild einstellen.

Ich hatte bald den Analysatorschieber im Verdacht. Dieser ist aus Metall gefertigt, silberfarben, hat einen runden Griff und trägt weder ein Zeiss Logo noch eine Zeiss Artikelnummer (siehe Bild Nr. 3 rechts und Bild Nr. 4). Er war bereits beim IM35 dabei, als ich es erworben habe, aber auf Fotos im Internet und und Abbildungen in Zeiss-Anleitungen war immer ein schwarzer Schieber mit der Artikelnummer 47 36 68 zu sehen (siehe Bild Nr. 5 unten).

Nach ein wenig Nachforschen war klar, warum das ganze nicht funktioniert hat. Die Polarisationsrichtung des Schiebers ist zu der am Standard um ca. 45° verdreht. Der Schieber lässt leider nur eine Verdrehung des Filters um 120° zu, deshalb hab ich ihn nachgezeichnet und drucken lassen (siehe Bild Nr. 3 links). Bestückt mit einer Polfilter-Folie in der richtigen Orientierung entsteht nun auch ein schönes Bild (siehe Bild Nr. 6).

Also der "Proof of Concept", wie es so schön auf Neudeutsch heißt, ist erfüllt.

Allerdings bleiben noch ein paar Fragen offen, die ich mir bisher noch nicht selbst beantworten konnte...



Fragen:

  • Kennt jemand von Euch den Zweck des silbernen Analysatorschiebers?
    Antwort: Ein alter Analysatorschieber für das Phomi und das Universal, wie sich dank Harald, Jürgen und Peter herausgestellt hat.
  • Ist die Polarisationsrichtung des schwarzen Zeiss-Schiebers 47 36 68 eine andere als die des silbernen? Würde mir ungerne einen zulegen und dann feststellen, dass es mit diesem auch nicht funktioniert.
    Antwort: Der Schieber für die inversen Mikroskope (47 36 68) ist horizontal polarisiert im Gegensatz zum Phomi / Universal-Schieber, der im 45° Winkel orientiert ist (danke Jürgen)
  • Ich habe im Forum gelesen, dass man die DIK-Prismen im Kondensor für die aufrechten Großgeräte (Universal, Phomi usw.) mittels eines Spezialwerkzeugs verdrehen kann. Ist das für das IM35 auch nötig?
  • In der Anleitung des IM35 wird für DIK ein fünffach-Wechselrevolver mit DIK-Stühlchen beschrieben. Abgebildet ist jedoch meiner Meinung nach ein sechsfach-Revolver, voll mit DIK-Stühlchen. Weiß jemand, was es damit auf sich hat? Kann man den sechsfach-Revolver auch nutzen, oder bekommt man Platzprobleme? (siehe Bild Nr. 5 oben)
    Antwort: Man kann auch den sechsfach-Revolver mit DIK-Stühlchen voll machen, ohne Platzprobleme zu bekommen (danke Jürgen)



  • Bild 1: Knicktubus mit eingeschraubtem Analysator
  • Bild 2: Mit Distanzstücken angehobener Tisch, Revolver mit einzelnem DIK-Stühlchen und Plan 40
  • Bild 3: links: selbst gedruckter Analysatorschieber mit Polfilterfolie / rechts: silberner Analysatorschieber ohne Bezeichnung. Auffällig ist, dass in der ausgeschalteten Position eine Glasscheibe ein Depolarisator (danke Peter) sitzt.
  • Bild 4: Glasscheibe Depolarisator in der Leerposition des silbernen Schiebers
  • Bild 5: Auszug aus der Anleitung des IM35. Zu sehen, der Revolver und der Schieber
  • Bild 6: Mundschleimhautzellen s/w am IM35


Ich hoffe, dass ich Euch mit meinem "Geschwafel" nicht gelangweilt habe und hoffe auf einige Antworten auf meine Fragen.

Ansonsten wünsche ich Euch schon einmal ein schönes Wochenende  :)

Gruß
Andi

Bild 1:
Bild 1 Analysator Tubus.jpg

Bild 2:
Bild 2 Distanzstücke und Revolver IM35 DIC.jpg

Bild 3:
Bild 3 Analysatorschieber.jpg

Bild 4:
Bild 4 Glasscheibe in Leerstellung.jpg

Bild 5:
Bild 5 IM35 Anleitung Auszug.jpg

Bild 6:
Bild 6 Mundschleimhaut SW.jpg
https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=43687.0
Leitz Ortholux (AL)
Zeiss IM 35 (DL, Ph, Pol)
Zeiss Standard 16/18 (DL, Ph, Pol, DF, DIK)
Zeiss Stemi 305
Zeiss Stemi 2000
Canon EOS 5D mkII
Canon EOS R8

Dr. Jekyll

Beste Grüße
Harald

Dr. Jekyll

#2
Jetzt klappt's  ;) aber nur bei Bild1.
Ich denke deine Bilder sind etwas zu groß.
Ob 5fach oder 6fach-Revolver ist egal.
Beste Grüße
Harald

Gambrinus

Servus Harald,

ich sehe sie selbst noch nicht alle ;D
Glaube bei einem neuen Beitrag dauert es manchmal einen Moment, bis man die Fotos sehen kann. Ist mir schon öfter aufgefallen.

Edit: Jetzt sehe ich alle

Gruß
Andi
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Dr. Jekyll

Jetzt siehe ich auch alle :D .
Gibt es auf der anderen Seite des Schiebers römische Zahlen?
Beste Grüße
Harald

Dr. Jekyll

#5
Wenn nicht ist es vielleicht einfach ein älterer Polschieber. Hat er eine Linse oder nur einen Polfilter?

Sehe eben er hat keine Linse, also nur älterer Polfilter.
Beste Grüße
Harald

Gambrinus

#6
Nein, keinerlei Beschriftungen. Wenn man hindurchsieht und ihn kippt, sieht es so aus, als ob es eine schwache Linse ist. Also zusätzlich zum Polfilter. Habe selbst auch schon an eine Telanlinse gedacht.

Am Besten ich mache noch ein Foto von der Unterseite. Es sind im Pol-Strahlengang definitiv zwei Glasflächen verbaut.
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Dr. Jekyll

Beste Grüße
Harald

Dr. Jekyll

Ich kann gerne heute Abend nachschauen, wie mein Polschieber ausgerichtet ist. Ich habe an meinem IM35 auch DIC montiert.
Jetzt muss ich aber leider erst mal weg.
Beste Grüße
Harald

Jürgen Boschert

Hallo Andi,

was Du ja schon selbst herausgefunden hast: Die Analysatorschieber für Universal und Phomi sind an den IM, IM35 und ICM 405 nicht korrekt orientiert. Grund: An Universal und Phomi steht der Schieber in 45°-Richtung, an den inversen horizontal, Auf den Schiebern ist die Schwingungsrichtung mit einem Strich markiert, leider in derselben Farbe wie der Schieber selbst. Optik Immel hat unter Zubehör einige von den Schiebern für das IM im Angebot (~100.-€). Die drehbaren Analysatorschieber aus dem Universal-/Phomi-Programm passen leider nicht richtig in diese inversen.

Zu den silberfarbenen, festen Analysatorschieber: Die sind für die aufrechten Mikroskope, sozusagen die Luxusvariante aus der älteren Produktion. Aber auch da muss man aufpassen; es gab welche mit einer Linse, die passen dann nur an die Instrumente der frühen Ausführung (Universal und Phomi mit Ringschwalbe am Wechselrevolver), weil dort die untere Telanlinse nicht im Revolver saß sondern in einem Schieber.

Die Glasscheibe in der Leerposition brauchst Du nicht.

Als DIC-Revolver wurde tatsächlich ein 5-facher mit vorinstallierten Stühlchen angeboten. Du kannst aber problemlos einen 6-fachen entsprechend aufrüsten, funktioniert einwandfrei, hab ich auch gemacht. Das korrekte Einstellen der Schlitze in den Stühlchen ist etwas fummelig, muss man halt durch; hast Du die Anleitung dafür?

Die Prismen im Kondensor müssen natürlich auch korrekt eingesetzt sein. Die Prismen haben eine Markierung mit Punkt und Strich. Für die Tubuskopfgeräte müssen sie auf den Strich eingestellt sein, für alle anderen auf den Punkt, d.h., Du wirst sie drehen müssen. Sie sind nur mit einer Rastung und Feder in ihre die Halterung der Revolverscheibe des Kondensors eingedrückt, daher gibt es dafür einen Hohlzylinder mit einem Feingewinde, das in die Prismenfassung eingedreht und das Prisma dann herausgezogen werden kann. Geht auch ohne, ist aber fummelig, da die Klemmung recht fest ist und man ja die Prismenoberfläche nicht verletzen sollte.
Beste Grüße !

JB

Peter_le

#10
Der alte Polschieber ist in der "Hellfeld-Postition" mit einem Depolarisator ausgestattet. Z.b. für Die mineralogischen Fragestellungen, da Prismen in Binokulartuben etc. auch Polarisierende Effekte haben. Aber auch für die Identifizierung Pleochroitischer Mineralien (Pleochroitische Mineralien sind sozusagen selbst als kleine Polfilter aktiv).

Die Polarisierende Wirkung der Prismen ist auch der Grund warum ein Polfilter mit anderer Orientierung am Inversen Stativ verwendet werden muss. (Das ist entweder zwingend aus Physikalischen Gründen nötig oder aus Gründen der Praktikabilität, damit keine Prismen im Kondensor oder Schieberchen bereits in der Herstellung anderes orientiert werden müssen, dann gab es auch noch eine Norm).

Der Analysatorschieber für den alten DIK ist nicht mit einem Depolarisator ausgestattet. Warum? Ich vermute : Wenn man den DIK mit Phasenteleskop einstellen würde, würde man die Interferenzstreifen des Kondensors nicht sehen oder nicht so gut.

Ob du die Prismen des Inko neu Kondensors drehen musst kommt darauf an. Da ich dieselben Auktionen beobachtet habe, legt das nahe das ein Standard-Stativ verwendet wurde, weil ja auch ein Trinokulartubus angeboten wurde.

Glückwunsch zum Set, und zur gelungenen Selbsthilfe :-)

Grüße
Peter

PS Jürgen war schneller aber ich ändere nichts

Peter_le

#11
Hallo,

ob es ein Depolarisator oder eine Glasscheibe ist habe ich zwar noch nicht ausprobiert. Ich finde es aber witzig, dass bei vielem, das keine oder eine schwache Linse ist, angenommen wird, dass es eine Glasscheibe sei. Siehe Diskussionen zum Plezy. Es gibt ja auch Puristen die möglichst zu viel "Glas" im Strahlengang vermeiden wollen. Zeiss baut ja Mikroskope und keine Orangerien. :D  ;D

Grüße
Peter

Gambrinus

#12
Vielen Dank für Eure Antworten schon einmal. Ich gehe später noch einmal detailliert darauf ein.

Bei der ,,Glasscheibe" scheint es sich wirklich um einen Depolarisator zu handeln.

Aufbau von unten nach oben
Lichtquelle
Polfilter-Folie
Schieber
Hama-Polfilter linear

Wenn ich am oberen Filter drehe, ändert sich an der Helligkeit im oberen Fenster nichts. Ich sehe nur ganz deutlich das Haidinger-Büschel drehen im Licht, das aus der Öffnung kommt.

Das zweite Foto zeigt den Schieber von unten.

Das dritte ist noch ein kleiner Vergleich zwischen dem silbernen Schieber und meinem funktionierenden Eigenbau.

Gruß
Andi


IMG_2941-compressed.jpeg

IMG_2943-compressed.jpeg

IMG_2945-compressed.jpeg

https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=43687.0
Leitz Ortholux (AL)
Zeiss IM 35 (DL, Ph, Pol)
Zeiss Standard 16/18 (DL, Ph, Pol, DF, DIK)
Zeiss Stemi 305
Zeiss Stemi 2000
Canon EOS 5D mkII
Canon EOS R8

ImperatorRex

Hallo Andi,
ich graturliere! Viel Spaß mit Deinem IM35.
Viele Grüße
Jochen

Peter_le

Abend Andi,

danke für die Fotos, gerade das zweite ist mit den 45° didaktisch wertvoll. Von dem silbernen Metall Schieber gab es also mindestens zwei leicht verschieden aussehende Versionen. Meiner hat nicht an den Seiten diese halbrunden Fräsungen in Griffnähe.

Grüße
Peter