Der Kreis schließt sich: Cristatella mucedo - Teil 3

Begonnen von Gerald, März 09, 2026, 21:57:36 NACHMITTAGS

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Gerald

Hallo,

inzwischen sind die Kolonien von den Cristatella mucedo über 6 Wochen alt. Von den ursprünglichen 10 Kolonien sind nur 4 übrig geblieben: Eine wurde aus Unachtsamkeit zerdrückt, 5 gingen an Überfütterung ein. Cristatella mucedo ist etwas heikel mit der Wasserqualität und wenn man(n) es zu gut meint und überfüttert, dann verabschieden sie sich recht schnell von der Bühne des Lebens.

Hier ein Bild vom erreichten Maximum der Kolonie unter meinen Kulturbedingungen:
cristatella_flottoblasten_06.jpg
Kolonie mit über 100 Zooiden

Dann nahm meine Fürsoge ab (andere Projekte stehen Schlange)  und es kamen leichte Hungerphasen. Und hier entwickelten sich dann endlich Flottoblasten.

cristatella_flottoblasten_01.jpg
Zwei Kolonien mit ausgebildeten Flottoblasten. Die Kolonien sitzen auf einem Objektträger und von unten fotografiert. Die Flottoblasten befinden sich in einer Art Tasche.

cristatella_flottoblasten_02.jpg
Verschiedene Stadien der Flottoblasten - Foto wieder von unten

cristatella_flottoblasten_03.jpg
Ein ausgelöster Flottoblast (ich kann nicht sagen ob sie sich freiwillig gelöst hat oder unter meinen Aktionen sie herausgedrückt wurde) und daneben nochmals eine kleine Kolonie mit einem Flottoblast. Schön ist hier die Tasche / Schützhülle zu sehen.

cristatella_flottoblasten_04.jpg
Freier Flottoblast noch mit Gallerte

So, das war es von meiner Seite. Ich möchte die Kolonien noch so lange halten bis ich sie in meinen Teich entlassen kann (ich schätze Mitte April).

Hier habe ich noch ein Video (letztes Video auf der Seite) von der Kolonie im Maximum. Die abschließende Kamerafahrt ist etwas ruckelig, aber ich habe sie nicht softwaremäßig gelöst, sondern über meinen Kreuztisch.
Kolonie Cristatella

Viele Grüße

Gerald

Cristatella Teil 1

Cristatella Teil 2







Spectrum

#1
Hallo Gerald,
Chapeau!
Mehr kann man zum Thema Kultivierung ja nicht erreichen!
Zusammenfassend lässt sich zu Christatella (bitte berichtigen wenn du das anders sehen solltest) also sagen:
-Eine Anzucht ist möglich auch wenn Christatella im Vergleich zu Plumatella repens/ Plumatella fruticosa höhere Ansprüche an die Kulturbedingungen stellt.
-Knackpunkt ist es die Kulturen auf einem Substrat (z.b.schwimmendes Deckglas hängend also mit den Zooiden nach unten zu kultivieren.
-Was geeignete Futterorganismen angeht gibt es mehrere Optionen:
Chilomonas, Chlorella, Cryptomonas sind erfahrungsgemäß gut geeignet.
-Als Medium eignet sich mit Volvic verdünnte Erdabkochung.
Bei meinen Versuchen hat auch reines Volvic, und auch verdünntes Heumedium gut funktioniert.

Jetzt noch ein paar Fragen:
1.Wie häufig hast du das Medium gewechselt?
2.Hast du die Futterorganismen ausschließlich aus separaten Ansätzen zugeführt, oder gab es in deinen Christatella Kulturen auch eine zusätzliche Nährstoffquelle (z.b. Reiskorn) um die Futterorganismen "vor Ort" zu vermehren?
3. Wie groß war das Wasservolumen?

Beste Grüße Holger

P.s.: Die Qualität deiner Aufnahmen haut einen mal wieder aus den Socken!

Holger
Duzen und meine Bilder (auch ungefragt)  bearbeiten, mit eigenen Aufnahmen ergänzen und weitergeben erwünscht!

jcs

Hallo Gerald,
sehr eindrucksvolle Arbeit! Ein lehr- und erkenntnisreiches Thema, und zusätzlich noch ästhetisch äußerst gelungene Aufnahmen.
LG
Jürgen

Gerald

Guten Morgen,

@ Holger
Danke für Dein Lob  :)
- im Vergleich zu Plumatella ist Cristatella anspruchsvoller beim Kulturmedium und Futter. Dafür ist Cristatella eindrucksvoller  ;)
- ja, die hängende Kultur ist der Knackpunkt. Anfangs hatte ich sie ja an Zyperngrasstengeln sitzen, wunderbar zum Fotografieren, aber sie sind ständig weggekrochen. Man muss sie dann vorsichtig mit einem Skalpell lösen und wieder umsetzen. Das funktioniert überraschender Weise recht gut, da ihre Unterseite klebrig ist. Zum Schluss hatte ich sie einfach an einen Objektträger geklebt und umgekehrt, schräg in ein Becherglas gestellt. Hier ein Bild vom Aufbau quick&dirty

cristatella_flottoblasten_07.jpg
am schrägen Objektträger hängend sitzen die Kolonien. In der Position haben sie kein Bedürfnis wegzukriechen.

- gefüttert habe ich mit Chilomonas und Cryptomonas (mit Chlorella hatte ich überfüttert...)
- als Medium habe ich reines Volvic verwendet.
- das Medium habe ich alle 5-7 Tage gewechselt (7 Tage ist schon fast zu lange), optimal wären 3-4 Tage.
- eine Co-Kulture (z. Bsp. Chilomonas mit Reiskorn) habe ich nicht eingesetzt wegen der Belastung vom Medium und wegen dem häufigen, kompletten Wasserwechsel.
- Wasservolumen ca. 200ml

@ Jürgen,
merci für die positive Rückmeldung. Der Kulturzyklus hat riesig Spass gemacht und es sind einfach sehr ästhetische Lebewesen.

Viele Grüße

Gerald


Peter V.

#4
Hallo Gerald,

auch wenn ich fachlich nichts dazu beitragen kann, möchte ich dennoch meine Bewunderung der allein unter ästhetischen Aspekten absolut tollen Bilder und Videos zum Ausdruck bringen. Auch die DF-Bilder der Flottoblasten sind Wahnsinn. Ich bin ja nicht der ganz große Tümpler und insofern waren mir diese faszinierenden Mosstierchen bis vor einem halben Jahr quasi unbekannt. Mal schauen, ob ich sie irgendwann mal live zu sehen bekomme. Sie scheinen ja auch eher "selten" zu sein, denn übermäßig viel Erwähnung finden sie im Forum ja nicht (oder sie sind mir nie aufgefallen?).

Herzliche Grüße
Peter
Dieses Posting ist frei von kultureller Aneigung, vegan und wurde CO2-frei erstellt. Für 100 Posts lasse ich ein Gänseblümchen in Ecuador pflanzen.

Peter Reil

Hallo Gerald,

diesem Lob von Peter möchte ich mich anschließen. Es sind einfach ganz tolle Bilder entstanden!

Gruß
Peter
Meine Arbeitsgeräte: Olympus BHS, BHT, CH2, CHK, Olympus SZ 30, antikes Rotationsmikrotom