Botanik: Kanadischer Judasbaum (Cercis canadensis)

Begonnen von Peter T., Heute um 15:38:17 NACHMITTAGS

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Peter T.

Judasbäume sind Mitglieder der großen Familie der Hülsenfrüchtler (Fabaceae). Wie der Name vermuten lässt, reifen die Samen in Hülsen heran.

Eine Eigenschaft der Judasbäume ist die Kauliflorie: Die Blüten wachsen vor dem Austrieb der Blätter an alten Zweigen und Stämmen. Das verleiht dem Baum ein märchenhaftes Aussehen. Ich bin fasziniert davon, welch schöner und ungewohnter Anblick so ein Judasbaum im Frühling ist, wenn auf dem kahlen Holz die Blüten geradezu explodieren.

Bild 1

Bild: Peter Teuschel

Bild 2

Bild: Peter Teuschel

Woher kommt der Name "Judasbaum"?
Nach einer weit verbreiteten mittelalterlichen Überlieferung soll sich Judas Ischariot – der Apostel, der Jesus verriet – aus Reue an einem solchen Baum erhängt haben (Mt 27,3–5) Den Blüten wurde deshalb angedichtet, dass sie "vor Scham errötet" seien. In der Bibel wird der Baum übrigens nicht erwähnt.

Der Kanadische Judasbaum hat seine Verbreitung in Nordamerika vom Süden Kanadas bis zum Norden Mexikos. Meinen Baum habe ich in New York gefunden.

Da ich zur Blütezeit um Ostern dort war, konnte ich nur ein einziges und dazu noch kleines Blatt erbeuten:

Bild 3

Bild: Peter Teuschel

Aufgrund seiner Winzigkeit wurde das Blättchen zum Schneiden in eine eben so kleine Karotte eingebettet und mit dem Schlittenmikrotom geschnitten. Schnittdicke war durchgehend 30 µm, gefärbt habe ich mit FCA nach Etzold.

Zunächst zum Blattstiel

Bild 4


Bild 5


Hier ist schön zu sehen, wie die Leitbündel nach dem Austritt aus dem Spross sich formieren, um sich in die Adern des Blattes zu verzweigen.
Im polarisierten Licht erkennt man eine Vielzahl an (wahrscheinlich Calciumoxalat-) Kristallen.

Bild 6


Schon die Blattstiele tragen Spaltöffnungen, die sich sehr prominent aus der Epidermis erheben.

Bild 7


Hier noch eine Detailaufnahme des zentralen Leitbündelbereiches.

Bild 8


Das invertierte Bild zeigt manche Details noch eindrucksvoller.

Bild 9



Das Blatt selbst hat durch seine Herzform sehr schnell eine große "Spannweite".

Bild 10


Man erkennt die Hauptader, die beiden unmittelbar abgehenden Seitenadern und zwei weitere, die aufgrund des vom Stiel seitlich wegstrebenden Verlaufs schräg angeschnitten sind.
Im Verlauf sind die Leitbündel dann schon weiter voneinander entfernt getroffen, durch das seitlich Wegstreben auch wieder schräg.

Bild 11


Der Querschnitt der Blattspreite zeigt eine eindrucksvolle Epidermis und ein einlagiges Palisadenparenchym mit dicht geschichtetem Schwammparenchym. In der Regel ist das Schwammparenchym ja deutlich lockerer mit großen Interzellularräumen zum besseren Gasaustausch. Ich habe gelesen, dass dieses kompakt erscheinende Mesophyll ein Kennzeichen noch junger Blätter sein kann (was in meinem Beispiel stimmen würde).

Bild 12 (DIC)



Wie immer freue ich mich über Kommentare, Berichtigungen und Ergänzungen.

Liebe Grüße
Peter

M Beier

Hallo Peter,
ein sehr interessanter Querschnitt und eine schöne Färbung.
Da muss ich wohl in ein paar Wochen meinem Baum im Garten mal ein paar Blätter abpflücken. Die Blätter sind bei mir rötlich und werden im Herbst intensiv rot. Die Blüten sind immer sehr üppig aber es scheinen sich keine Insekten dafür zu interessieren.
Gruß
Maria

Siegfried

Hallo Peter,
aus meiner absoluten Pflanzenschnitte Laiensicht, kann ich deinen Schnitten dieser weit gereisten Proben nur ein großes Lob zukommen lassen. Die Mikrofotos finde ich ebenfalls sehr schön und ästhetisch ansprechend.
   Gruß von Siegfried

Wutsdorff Peter

Guten Abend  Peter,
das ist wieder ein sehr informativer Beitrag.
Auch Bibelkunde kann man bei Dir lernen!
Gratulation.
Wunderbare Fotos!
Gruß Peter W