Mikroskop-Kurs am Gymnasium

Begonnen von ortholux, Heute um 12:10:40 NACHMITTAGS

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Gerd Schmahl

#15
Hallo Wolfgang,
um mit dem Mikroskop sinnvoll arbeiten zu können, sind nicht nur grundlegende Kenntnisse im Umgang mit den konkret zur Verfügung stehenden Geräten notwendig (Einführung dauert ca. 1h). Von den konkreten Geräten und eventuell vorhandenem Zubehör hängt es auch ab, ob man außer Hellfeld auch weitere Kontrastverfahren anwenden kann. Es könnte ja nicht nur um das "Was gucken wir an?" gehen, sondern auch um Beleuchtungsverfahren (Bastelecke Rheinbergbeleuchtung, Polfilter aus Folie bauen, "Kreutzblende" für schiefe Beleuchtung oder Dunkelfeld-Zentralblenden aus Centstücken bauen, die auf Münzschachtelhälften geklebt werden)

Die zweite wichtige Sache sind grundlegende Präparationstechniken. Dergleichen lässt sich gut an Stationen vermitteln. z.B. je eine Station an der
- Oberflächenabdrücke mit Fingernagellack (farbloser Finish)genommen werden. Klassische Objekte sind Blätter, es geht aber z.B. auch mit Haaren sehr gut, um deren Oberflächenstruktur zu ergründen. Hier braucht es kein Fachpersonal, wenn eine gute Arbeitsanleitung vorliegt (Leseanlass).
- (Hand-)Schnitte (mit Rasierklinge oder Cutterklinge - Gefährdungsbeurteilung!) z.B. von Efeu Stängeln und Blättern (ganzjährig verfügbar) oder von einer Kartoffel-das sollte aber schon mal jemand zeigen. Die Schnitte müssen nicht, können aber gefärbt werden, z.B. mit FCA (ist unproblematisch), sollen aber nur frisch betrachtet werden, da Dauerpräparate zu zeitaufwendig und chemikalienlastig. Im Efeu gibt es auch schöne Oxalatkristalle (Polarisationsmikroskopie) und in der Kartoffel die Stärkekörner, die mit der gleichen Technik zum Leuchten gebracht werden können (typisches Stärkekreuz)
- Austrich-Technik z.B. Zahnbelagsbakterien entweder lebend (wenn man verschieden Kontrastverfahren vermitteln möchte wäre das die Gelegenheit für Dunkelfeld und/oder die schiefe Beleuchtung) oder in Tusche eintrocknen. Die Bakterienformen (Kokken, Streptokokken, Bazillen, Spirillen) sind dann leuchtend aus dunkler Umgebung zu sehen.
-Kristallpräparate durch Kristallisation aus Lösungen oder Sublimation (Coffeinkristalle aus erhitztem Kaffeepulver). Spannend ist auch den Kristallen beim Wachsen zuzusehen, wenn sich am Rand des Lösungstropfens erste Kristalle bilden und auch die Auflösung, wenn man einen Tropfen Wasser an den Rand des vollständig eingetrockneten Tropfens gibt.

Weitere grundlegende Arbeitstechniken findest Du in Form von bebilderten Arbeitsblättern im Einführungskurs Mikroskopie von Martina und Günther Zahrt.

In meiner Mikroskopie-AG verbinde ich gerne eine Präparationstechnik (z.B. Kristallpräparate herstellen) mit einer technischen Komponente bzw. einem Kontrastverfahren (in diesem Fall Polarisationsmikrokopie).
Mir geht es dabei darum, den Kindern/Jugendlichen grundlegende Arbeitstechniken zu vermitteln, mit denen sie sich dann die Sachen, die sie interessieren, selber erschließen können. Das klappt mit jüngeren Schülern nur sehr bedingt ("Was gucken wir heute Schönes an?") mit älteren aber schon ("Ich möchte mir die Spaltöffnungen meiner Kakteen ansehen").

Eine schönes Hilfsmittel, die Aufmerksamkeit der Menschen (egal ob Kind oder Erwachsener) etwas zu bündeln ist es, einen Faden in eine Wiese zu legen oder über einen Strauch und entlang des Fadens mit einer Lupe das Gras/den Strauch genau anzusehen. Dann kann sich jeder interessante Bereiche herausgreifen (z.B. ein Blatt mit Insekteneiern, die er sonst nicht gefunden hätte) um sie mit Stereolupe und/oder Mikroskop noch näher zu betrachten.

Beste Grüße
Gerd
Man sagt der Teufel sei, im Detail versteckt,
doch hab' ich mit dem Mikroskop viel Göttliches entdeckt.

Stuessi

#16
Lieber Wolfgang!

Sei vorsichtig mit diesem Thema und vergiss alles, was Dein Sohn schon weiß!

Als Thema würde ich "Die Welt im Kleinen" wählen.

Einige Kinder können kleine Gegenstände aus nächster Nähe sehen, andere benötigen dafür eine Lupe.

Wie hält man eine Lupe?
Was kann man damit sehen?
Wieviel vergrößert sie?
Was bedeutet "vergrößern"?
Becherglas mit Lupe basteln ...

Stereo Lupe, weil die Handhabung so bequem ist. Oben, unten- rechts links bleiben erhalten.
Auflicht / Durchlicht
(Die Bibel auf einem Objektträger.)

Dann kommt der Wunsch nach stärkerer Vergrößerung: Mikroskop

Mikroskop ohne Bino:

seitenverkehrt

(Bis zu diesem Zeitpunkt sollte der Physiklehrer mitwirken.)

Durchlicht
Präparation

Stereo würde ich ganz der Kunstlehrerin und dem Physiklehrer anvertrauen.

Was bedeutet räumliches Sehen?
Parallelblick
Hilfsmittel zum Betrachten basteln.

Perspektive in der Kunst.

Liebe Grüße,
Rolf

p.s.

2 Stereolupen Wild M1 kann ich Dir leihen. Komm mal vorbei!

mhaardt

Ein Tropfen aus stehendem Regenwasser auf einen Objektträger, ein Deckglas drauf, und man kann eine Menge entdecken, ohne Schnitt und ohne Chemie.

Ich weiß nicht, ob es schon welche gibt, aber Grasmilben (heißen mit Sicherheit anders) sind unter dem Mikroskop sehr interessant. Man fängt sie, indem man abends ein weißes Blatt auf den Rasen legt. Aus irgendeinem Grund krabbeln sie da drauf und sind als dunkle Punkte zu sehen. Man kann sie im Dunkeln dann mit einem Tesastreifen vorsichtig abnehmen. Auf einen Objektträger und ein Monster erscheint.

Für eine Projektwoche wäre es nicht schlecht, die verschiedenen Aspekte der Mikroskopie strukturiert zu bearbeiten, d.h. Benutzung (Vergrößerung durch Objektiv/Okular, Scharfstellen, etwas finden), Optik (warum braucht man das Deckglas, Beleuchtungsarten, warum kann man nicht endlos vergrößern, Tiefenschärfe), physikalische und biologische Objekte ... Wenn man das unstrukturiert angeht, wird es bestensfalls unterhaltsam, vielleicht aber auch nur sinnlos und langweilig.

Michael