Historische Diatomeen-Präparate : Actinosphenia splendens

Begonnen von Carsten Wieczorrek, März 25, 2026, 21:50:33 NACHMITTAGS

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Carsten Wieczorrek

Hallo,
hier kommt noch eins.

Vorab stelle ich hier die Links zu den schon bestehenden Beiträgen ein:


Cole, Arachnodiscus Indicus
Barnett, Arachnodiscus Ehrenbergii
Barnett, Actinosphenia splendens
Wheeler, Aulacodiscus Africanus
Ward, Coscinodiscus bulliens
Cole, Eupodiscus radiatus
Watson & Suns LTD, Plancton Diatoms
Watson & Suns, Triceratium var. septangulatum
Gosden, Asteromphalus senectus var. Humboldtii


Dieser Objektträger hat auch Standardmaße, ist aber deutlich dicker, ich messe hier 1,7 mm (ok, mit dem Papier). Für das Deckgläschen messe ich dann eine Dicke von 0,25 mm. Zur Bearbeitung der Kanten kann ich nichts sagen, da sie umklebt sind. Das verwendte Deckgläschen ist quadtarisch, lediglich die in das Papier gestanzte Öffnung ist rund. Auf dem Objektträger sind zwei Etiketten. Der obere ovale weiße Aufkleber zeigt in handschrift "Actinosphenia splendens". Auf dem unteren ebenfalls ovalen Etikett steht leider nichts, bis auf eine mit Bleistift notierte Zahl, die ich als "12" interpretiere. Hier kommt Bild 1.


20260325_182034.jpg
Bild 1: der Objekttäger

Wenn ich alles richtig recherchiert habe, ist Actinosphenia splendens heute Actinoptychus splendens. Das 100er Objektiv konnte ich nicht verwenden, es läßt sich nicht scharf stellen.

Laut Verkäufer und einer Internetrecherche über die Handschrift hat das Präparat James Barnett erstellt. Er hat alle seine Präparate mit einem gedrukten "JB" im unteren Oval markiert. Leider klebt da ein unbeschrifteter Aufkleber drauf. Der Versuch, ihn mit einer Taschenlampe zu durchleuchten, scheiterte leider.

Viele der professionellen mikrokopischen Präparate, die nicht für Lehre und Vorschung vorgesehen waren (sog. Salonpräparate) wurden in der victorianischen Ära eine Zeit lang von den Präparatoren in Schmuckpapiere gewickelt. Dazu wurde zuerst der Rand des Objekträgers mit einem farbigen Papierstreifen (oder in der Edel-Version in Blattgold) beklebt und dann der Boden und die Oberfläche mit einem Papieretikett überklebt.

James Barnett hat vier verschiedene Paiere verwendet, dass Muster war auf allen gleich, die Farben gab es in Dunkelrot, Dunkelgrün, Dunkelblau und Schwarz (oft mit Golddruck).

James Barnett (ca. 1821 – nach 1891)
ca. 1821: geboren in London (St. Pancras)
1850er: beginnt mit der professionellen Mikroskopie; arbeitet vermutlich zunächst für größere Optikhäuser
1861: gelistet als ,,Pritcher of Microscopic Objects" (Präparator) in Tottenham, London
1865–1885: beliefert Firmen wie Smith, Beck & Beck sowie Watson & Sons mit seinen berühmten ,,Papered Slides"
1870er: perfektioniert die Schichtung der Papiere und das ,,JB"-Monogramm
1881: lebt in der 156 Lordship Lane, Tottenham. Er wird als Witwer und ,,Microscopic Preparer" geführt
ca. 1890: die Produktion wird weniger; er gilt als einer der langlebigsten Vertreter der klassischen ,,Papered Slide"-Ära
nach 1891: letzte gesicherte Erwähnungen in Sammlerkatalogen; sein Stil wird von Nachfolgern oft kopiert, aber selten in dieser Qualität erreicht

Was sehen wir hier? Auch hier starte ich mit einem Übersichtsbild, um den Dreck der Zeit zu zeigen (Bild 2).

_DSC1165.jpg
Bild 2: Actinosphenia splendens im DIK mit dem 10er Planachromaten

Hier kommt noch etwas, aber ich wünsche schon mal eine gute Nacht.
Carsten
Für's grobe : GSZ 1
Zum Durchsehen : Amplival Hellfeld, Dunkelfeld, INKO, Phasenkontrast
Zum Draufsehen : Vertival Hellfeld, Dunkelfeld
Zum Polarisieren : Amplival Pol u Auf-/Durchlicht
Für psychedelische Farben : Fluoval 2 Auflichtfluoreszenz
Für farbige Streifen : Epival Interphako

Carsten Wieczorrek

Nachschlag:

Hier kommt noch ein Bild mit dem 40/0,65 Planachromaten:



_DSC1166.jpg
Bild 3 : Actinosphenia splendens mit dem 40/0,65

Und wie bei den anderen Vorstellungen die Anaylse meines KI Experimentes (ohne Gewähr):

J. Barnett 1

Bestimmung: Actinoptychus splendens (historisch etikettiert als Actinophaenia splendens)
(Größenangabe: 179 µm)

1. Strukturanalyse:

Symmetrie: Radiärsymmetrisch (zentrisch) und kreisförmig. Die Schale ist nicht flach, sondern dreidimensional in abwechselnd erhabene und vertiefte Sektoren ("Tortenstücke") gefaltet.

Rippenstrukturen & Zentrum: Das diagnostische Hauptmerkmal ist das große, hyaline (durchsichtige), sternförmige Zentralfeld. Von den Spitzen dieses Sterns gehen markante radiale Trennlinien (die Knickkanten der Sektoren-Faltung) aus, die im DIK visuell wie massive Rippen wirken und bis zum Rand verlaufen.

Areolenmuster: Die einzelnen Sektoren weisen ein grobes, netzartiges (retikuliertes) Wabenmuster auf, das sich durch die reliefartige Struktur anatomisch deutlich von echten Spinnennetz-Rippen (Arachnoidiscus) unterscheidet.

2. Am besten passende Taxa:

Actinoptychus splendens – 95 % (Das sternförmige, hyaline Zentrum in Kombination mit den deutlich abgegrenzten, gefalteten Sektoren ist das klassische Erkennungsmerkmal dieser Art. Die beeindruckende Größe von 179 µm passt exzellent zu marinen Großformen dieses Taxons).

Actinoptychus senarius – 5 % (Teilt die wellenförmige Faltung der Gattung, besitzt aber typischerweise exakt 6 Sektoren und formt in der Regel kein derart prägnantes, großes sternförmiges Zentrum aus).

Arachnoidiscus / Stictodiscus – 0 % (Scheiden morphologisch final aus, da das sternförmige Zentrum und die abwechselnd gefalteten Sektoren exklusiv für Actinoptychus sprechen).

3. Fazit:
Die historische Handschrift (Actinophaenia splendens) auf dem Präparat führt in direkter Linie zur korrekten modernen Bestimmung Actinoptychus splendens[1]. Das markante sternförmige, hyaline Zentrum und die in Sektoren gefaltete Schalenstruktur sind die unumstößlichen morphologischen Beweise für diese Gattung.

Für's grobe : GSZ 1
Zum Durchsehen : Amplival Hellfeld, Dunkelfeld, INKO, Phasenkontrast
Zum Draufsehen : Vertival Hellfeld, Dunkelfeld
Zum Polarisieren : Amplival Pol u Auf-/Durchlicht
Für psychedelische Farben : Fluoval 2 Auflichtfluoreszenz
Für farbige Streifen : Epival Interphako