Botanik: Japanische Stechpalme (Ilex crenata) *

Begonnen von Hans-Jürgen Koch, Heute um 08:15:40 VORMITTAG

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Hans-Jürgen Koch

Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet umfasst die Japanischen Inseln, Taiwan und Sachalin sowie die koreanische Halbinsel, China, Myanmar, Vietnam und Tibet.
Inzwischen ist sie in Mitteleuropa (Insbesondere Deutschland und Belgien) sowie in Teilen Nordamerikas eingeführt und verwildert.

Die Japanische Stechpalme wächst strauchförmig und erreicht eine Wuchshöhe von etwa 2 bis 7 Meter (maximal 10 Meter).

Ilex crenata ist ein verzweigter Strauch mit abspreizenden Zweigen. Junge Zweige sind stielrund und fein behaart.

Bild 01 Habitus, Japanische Stechpalme (Ilex crenata)

Quelle:  Photo by David J. Stang - source: David Stang. First published at ZipcodeZoo.com, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=61105216

Systematik:
Ordnung:        Stechpalmenartige (Aquifoliales)
Familie:    Stechpalmengewächse (Aquifoliaceae)
Gattung:    Stechpalmen (Ilex)
Art:            Japanische Stechpalme
Wissenschaftlicher Name: Ilex crenata
Trivialnamen: Buchsbaumblättrige Stechpalme, Kerbblättrige Hülse, Berg-Ilex, Löffel-Ilex
Englische Bezeichnung: Japanese holly

Lat. "crena" = Kerbe, "crenatus" = gekerbt.

Nach Europa kam die Japanische Stechpalme erst Mitte des 19. Jahrhunderts, und zwar 1864 durch den britischen Botaniker Robert Fortune, der auch viele Pfingstrosen, Azaleen und Rhododendren, Chrysanthemen und die Kumquat bei uns einführte.

Robert Fortune (1812–1880) war ein bedeutender schottischer Gärtner, Botaniker und Forschungsreisender, der vor allem als ,,der Mann, der den Tee aus China stahl" bekannt wurde.
Fortunes bekannteste Tat war sein Auftrag für die Britische Ostindien-Kompanie im Jahr 1848. Zu dieser Zeit hielt China ein streng gehütetes Monopol auf die Teeproduktion.

Tarnung: Um in das für Ausländer verbotene Landesinnere Chinas vorzudringen, verkleidete sich Fortune als chinesischer Mandarin. Er rasierte sich den Kopf kahl und trug einen falschen Zopf.

Der Schmuggel: Er schaffte es, über 20.000 Teepflanzen und Samen sowie Wissen über die Verarbeitung nach Indien zu schmuggeln.
Er nutzte dafür den Wardschen Kasten – eine Art tragbares Mini-Gewächshaus, das das Überleben der Pflanzen auf See ermöglichte.

Folgen: Dieser Erfolg brach das chinesische Monopol und legte den Grundstein für die riesigen Teeplantagen in Darjeeling und Assam, was Indien zum größten Teeproduzenten der Welt machte.

Bild 02 Stamm, Japanische Stechpalme (Ilex crenata)


Quelle: KENPEI - KENPEI's photo, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1888757

Bild 03 Blätter, Japanische Stechpalme (Ilex crenata)

Quelle: KENPEI - KENPEI's photo, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1888762

Die meist immergrünen, wechselständigen, kurz gestielten, rundspitzigen bis stumpfen und ledrigen, fast kahlen Laubblätter sind elliptisch bis eiförmig oder verkehrt-eiförmig.
Die Oberseite der Blätter ist dunkelgrün und die Unterseite ist dunkel punktiert,.
Die Blätter sind 10 - 30 mm lang, gestielt, 10 - 17 mm breit,
gezähnter Rand, manchmal stachelig,  unterseits mit durchscheinenden, punktförmigen Drüsen.

Bild 04 Blüte. Japanische Stechpalme (Ilex crenata)

Quelle: Meneerke bloem - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=70113088

Die Japanische Stechpalme ist zweihäusig diözisch. Die männlichen und weiblichen Blüten stehen einzeln oder zu wenigen achselständig.
Diözische Pflanzen (zweihäusige Pflanzen) sind Arten, bei denen männliche und weibliche Blüten auf getrennten
Individuen wachsen. Das bedeutet, es gibt rein männliche und rein weibliche Pflanzen.
Die kleinen, funktionell eingeschlechtlichen und kurz gestielten Blüten mit doppelter Blütenhülle haben vier weiße Kronblätter.
Blütezeit. Mai – Juni.

Bild 05 Stein - Frucht, Japanische Stechpalme (Ilex crenata)

Quelle: Yoshio Kohara, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=55977919

Die kleine, kugelige Steinfrucht besitzt einem Durchmesser von etwa 6 bis 8 Millimeter mit vier Kerne.
Fruchtreife: September – Oktober.


Teil 1
Spross, Querschnitt
30 Mikrometer

Bild 06 Schnittstellen, Japanische Stechpalme (Ilex crenata)

Foto: H.-J_Koch

Bild 07 Übersicht, Negativaufnahme, ungefärbter Schnitt, Japanische Stechpalme (Ilex crenata)


Spross mit Ansatz von einem Seitentrieb.

Bild 08 Detailaufnahme, ungefärbter Schnitt, Autofluoreszenz, Japanische Stechpalm (Ilex crenata)

LED Modul 455 nm
Reflektormodul FL mit Filtersatz 67
Erregerfilter: BP 470 nm
Strahlenteiler: FT 477 nm
Emission (Sperrfilter): LP 485


W-3A-Färbung nach Wacker (Acridinrot-Acriflavin-Astrablau)

Arbeitsablauf:
1.Pflanzenprobe liegt in 30 % Ethanol.
2. Aqua dest. 3x wechseln je 1 Minute.
3. Vorfärbung Acridinrotlösung 7 Minuten
4. 1x auswaschen mit Aqua dest. .
5. Acriflavinlösung (differenzieren bis gerade keine Farbwolken mehr abgehen - Lupenkontrolle) ca.15 Sekunden !!
6. 2 x auswaschen mit Aqua dest..
7. Nachfärbung Astrablaulösung 1 Minuten
Bei der Nachfärbung mit Astrablau eine Mischung aus Astrablau und Acriflavin im Verhältnis 3 : 1 verwendet (blau + gelb = grün).

Tipp:
Eine schöne Variante erhält man, wenn man in der letzten Färbestufe eine Mischung aus Astrablau und Acriflavin im Verhältnis 3:1 verwendet. (3 Tropfen Astrablau und 1 Tropfen Acriflavin separat ansetzen und Gemisch mit der Pipette übertragen.
8. Auswaschen mit Aqua dest. bis keine Farbstoffreste verbleiben.
9. Entwässern mit 3x gewechseltem Isopropylalkohol (99,9 %)
10. Einschluss in Euparal.

Ergebnis:
Zellwände blaugrün bis grün, verholzte Zellwände leuchtend rot, Zellwände der äußeren Hypodermis orangerot, Cuticula gelb, Zellwände der innenliegenden Hypodermis tiefrot.
Bei der Betrachtung wird eine Kontrastverbesserung bei Verwendung eines BG 38 Filters (blaugrün, 3 mm dick) erreicht.
Fotos: Nikon D5000, Sony Alpha 6000

Bild 09 Übersicht, Japanische Stechpalme (Ilex crenata)


Bild 10 Detailaufnahme mit Beschriftung, Japanische Stechpalme (Ilex crenata)

MP = Markparenchym, XY = Xylem, SK = Sklerenchymring, K = Kambium, PH = Phloem PE = Preriderm, RP = Rindenparenchym

Bild 11 Detailaufnahme, Japanische Stechpalme (Ilex crenata)


Bild 12 Markparenchym, Japanische Stechpalme (Ilex crenata)


Bild 13 Übersicht, Auflichtbeleuchtung Fluoreszenz, Japanische Stechpalme (Ilex crenata)

Reflektormodul FL mit Filtersatz 67
Erregerfilter: BP 470 nm
Strahlenteiler: FT 477 nm
Emission (Sperrfilter): LP 485

Bild 14 Detailaufnahme, Auflichtbeleuchtung Fluoreszenz, Japanische Stechpalme ( Ilex crenata)


Bild 15 Detailaufnahme, Auflichtbeleuchtung Fluoreszenz, Japanische Stechpalme ( Ilex crenata)


Bild 16 Detailaufnahme, Auflichtbeleuchtung Fluoreszenz, Japanische Stechpalme ( Ilex crenata)



Teil 2
Spross, Längsschnitt
30 Mikrometer

W-3A-Färbung nach Wacker (Acridinrot-Acriflavin-Astrablau)

Bild 17 Übersicht, Japanische Stechpalme (Ilex crenata)


Bild 18 Übersicht,, Japanische Stechpalme (Ilex crenata)


Bild 19 Detailaufnahme, Japanische Stechpalme (Ilex crenata)


Bild 20 Detailaufnahme, Auflichtbeleuchtung Fluoreszenz,
Japanische Stechpalme( Ilex crenata)


Bild 21 Detailaufnahme, Auflichtbeleuchtung Fluoreszenz, Japanische Stechpalme ( Ilex crenata)


Bild 22 Detailaufnahme, Auflichtbeleuchtung Fluoreszenz, Japanische Stechpalme ( Ilex crenata)


Bild 23 Tangentialschnitt, Auflichtbeleuchtung Fluoreszenz, Japanische Stechpalme ( Ilex crenata)


Teil 3
Blattstiel, Querschnitt
20 Mikrometer

W-3A-Färbung nach Wacker (Acridinrot-Acriflavin-Astrablau)

Bild 24 Übersicht, Japanische Stechpalme ( Ilex crenata)


Bild 25 Detailaufnahme, Japanische Stechpalme (Ilex crenata)


Bild 26 Übersicht, Auflichtbeleuchtung Fluoreszenz, Japanische Stechpalme( Ilex crenata)


Bild 27 Detailaufnahme, Auflichtbeleuchtung Fluoreszenz ,
Japanische Stechpalme( Ilex crenata)


Bild 28 Detailaufnahme, Auflichtbeleuchtung Fluoreszenz, Japanische Stechpalme  (Ilex crenata)


Verzeichnis der benutzten Literatur:

Wikipedia; Freie Enzyklopädie

Dietrich Böhlmann ,,Gehölzbiologie", ISBN: 978-3-494-01547-7

Peter A. Schmidt ,,Taschenlexikon der Gehölze", ISBN: 978-3-494-01448-7

P. Schmidt, U. Hecker ,,Die wildwachsenden und kultivierten Laub- und Nadelgehölze Mitteleuropas, ISBN: 978-3-494-01800-3

,,Botanica" Das Abc der Pflanzen, ISBN: 3-8290-0868-6

Meine Recherche gleicht einer Entdeckungsreise, bei der ein Fakt oft zu weiterführenden Zusammenhängen führt.
Ich folge dem Schneeballprinzip:
Beim Verknüpfen der Informationen stoße ich kontinuierlich auf neue, spannende Aspekte.
Ich exploriere das Thema intensiv und erschließe mir fortlaufend neue Informationsquellen.
Ich arrangiere Informationen aus Büchern und Internet, um sie zu einer in sich geschlossenen Darstellung zu fusionieren.
Ich freue mich über Rückmeldungen jeglicher Art, sei es Lob oder konstruktive Anregungen.

Hans-Jürgen
Plants are the true rulers - Pflanzen sind die wahren Herrscher.

<a href="http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=2650.0" target="_blank">Hier geht es zur Vorstellung</a>

Gerne per "Du"

Wutsdorff Peter

Grüß´ Dich Hans-Jürgen,
wieder ein faszinierender  Beitrag, GRATULATON!!
Wo hast Du die Proben entnommen?
Gruß  Peter W

Hans-Jürgen Koch

Hallo Peter W.,

danke für deine Rückmeldung.

Diese Pflanze habe ich im Arboretum vom Schloss  Erbhof Thedinghausen entdeckt.
Von uns zu Hause nur 22 km entfernt.

Dieser Park ist 11 ha groß, von einer Stiftung getragener Baumpark, ein Arboretum, schließt sich an das Schloss an.

Neben dem Erbhof steht eine gut 400 Jahre alte Eibe, die 2023 zum Nationalerbe-Baum ausgerufen wurde. Mit einem Stammumfang von fast fünf Metern gilt sie als dickste öffentlich zugängliche Eibe in Deutschland. Sie soll im Jahr 1621 als vierjähriger Setzling zur Vollendung des Schlossgartens gepflanzt worden sein.

Gruß nach  Lorsch

Hans-Jürgen
Plants are the true rulers - Pflanzen sind die wahren Herrscher.

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Gerne per "Du"

Peter T.

Lieber Hans-Jürgen,

ausgezeichneter Beitrag mit tollen Bildern. Bild 09 finde ich besonders schön.

Auch die Geschichte von Robert Fortune kannte ich noch nicht, ist ja total spannend!


Die Stechpalme nehme ich gerne in die Liste mit auf.


Schöne Grüße

Peter
Liebe Grüße
Peter