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Gastrotrich Chaetonotus sp.

Begonnen von JMB, April 25, 2026, 18:42:59 NACHMITTAGS

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JMB

Liebe Mikroskopierenden,

hier mal mein erster Versuch einen Gastrotrichen abzulichten. Bestimmt habe ich das Tier als Chaetonotus sp.. Das Tier wurde in Moos gefunden. Die Bilder sind mit dem Pl Fluotar 100 (Dik) am Leica DMRB aufgenommen worden. Ich habe die Bilder nicht weiter bearbeitet. Meine Fragen: kann man anhand der Fotos weiter als bis zur Gattung bestimmen? Habe ich wesentliche Strukturen, die man sehen kann vergessen zu beschriften?

M: Mund, VW: Ventrales Wimpernfeld
P: Pharynx, D: Darm
E: Ei
S: Dorsale Stacheln (ich bilde mir ein mit Nebenspitze?)

Ich bin gespannt auf eure Kritik und Anregungen.

Grüße von der Ostsee,

Jens

Michael Müller

Hallo Jens,

toll, dass sich mal wieder jemand mit Gastrotrichen beschäftigt!

Für den ersten Versuch sind Deine Bilder ganz hervorragend! Zur Artbestimmung bräuchte man sie aber größer, als hier gezeigt (bzw. die für die Bestimmung relevanten Details als Ausschnitt). Ich denke, Deine Bilder würden da einiges mehr hergeben.
Zur Artbestimmung bei Gastrotrichen (speziell bei der Gattung Chaetonotus) benötigt man möglichst:

  • die Form der dorsalen Schuppen und der Stacheln
  • die Beschuppung des ventralen Zwischenfeldes (des Bereichs zwischen den Cilien-Bänder)
  • die Form der ventralen terminalen Schuppen vor den "Zehen"
  • wenn möglich die dorsale Beschuppung vor den Zehen, die oft von der übrigen dorsalen abweicht
  • idealerweise (sieht man aber ganz selten) die Form der Sinnesschuppen (die Schuppen, aus denen die hinteren Tasthaare entspringen)

All das ist natürlich nur im Idealfall zu sehen und man muss dann von Fall zu Fall entscheiden, ob durch die sichtbaren Attribute bereits eine sichere Artabgrenzung möglich ist.

Deine anatomischen Beschriftungen sind für die gezeigte Fotogröße und -auflösung recht vollständig. Lediglich die Zellmasse rund um den vorderen Teil des Pharynx würde ich noch als "Gehirn" kennzeichnen. Bei höherer Auflösung und nach ein bisschen Kontrastverstärkung / Bildbearbeitung kann man sicher noch einige zusätzliche Details erkennen.

Wenn Du willst, kannst Du mir ja einige Fotos in voller Auflösung per Mail schicken - vielleicht kommt man dann da bei der Artbestimmung weiter.

Viele Grüße

Michael
Gerne per Du

JMB

Hallo Michael,

erst mal vielen Dank für deine motivierenden Kommentare. Meine heutigen Fotos sind nicht vorzeigbar, daher hier erstmal nichts neues.
In der Probe sind noch Tiere und ich bleibe dran.
Gibt es auch Chaetonotus Arten ohne Schuppen zwischen den Wimpernfeldern? Ich jedenfalls konnte hier nichts finden...

Danke nochmal und in den nächsten Tagen gibt es dann einen neuen Versuch.

Grüße von der Ostsee,

Jens

Michael Müller

Hallo Jens,

ob etwas nicht da ist, kann man leider nicht beweisen.
In den Erstbeschreibungen wimmelt es von "nackten Zwischenfelder". Wenn man genauer hinschaut und die optischen Bedingungen optimal sind, sieht (oder erahnt) man dann doch oft kleine, zarte Schuppen.
Die Beschuppung des ventralen Zwischenfeld stellt jedenfalls mit die größte Herausforderung bei der Gastrotrichenbeobachtung dar!

Viele Grüße

Michael
Gerne per Du

JMB

#4
Hallo Michael,

ich habe nochmal ein paar Bilder gemacht und ich glaube ich habe Schuppen zwischen den ventralen Cilien-Bändern gefunden. Sind aber leider nicht sehr gut zu sehen.
Auch die dorsalen Stacheln habe ich nochmals abgebildet. Ob die Bilder hier allerdings weiterhelfen, musst du beurteilen.

Danke für deine Hilfe.

Grüße aus dem Norden,

Jens

Michael Müller

Hallo Jens,

ja, das sind wohl die Schuppen des ventralen Zwischenfeldes. Leider ist Dein kleiner Freund etwas kontrahiert (ich hätte mich unter dem Deckglas auch nicht wohlgefühlt). Deshalb sind die Schuppen zusammengerückt und überlappen.

Ich denke, bei Deinem Exemplar handelt es sich um Chaetonotus larus, einem recht häufigen Ubiquisten. Ich hänge mal eine Kopie des Eintrags zu H. larus aus dem "Schwank" als Bild an (ich hoffe man kann es lesen). Da sind dann noch ein paar zusätzliche Erkennungsmerkmale angeführt, die Du in Ruhe überprüfen kannst. Bei Gastrotrichen ist die innerspezifische Varianz bedauerlicherweise recht hoch - als erwarte nicht vollständige Übereinstimmung.

Viele Grüße

Michael
Gerne per Du