MBS 10 - Augenabstandsverstellung defekt durch gebrochene Führungsplatte

Begonnen von Somerset, April 27, 2026, 10:13:01 VORMITTAG

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Somerset

Hallo zusammen,

ich habe für Micormounts ein altes russisches MBS 10 Mikroskop und folgendes Problem:

Die Augenabstandsverstellung ist mechanisch beschädigt. Die interne Führungsplatte im Schwenkmechanismus ist gebrochen, wodurch die Zwangsführung der beiden Tuben nicht mehr gegeben ist.
Der Mitnehmer (Koppelglied) war zeitweise ausgehängt; aktuell wieder eingesetzt, es klappt nicht wirklich gut (ich weiß nicht, wie es korrekt ist, habe es so bekommen).

Kann man da irgendwas machen? Oder auch provisorisch reparieren oder alternativ die Tuben irgendwie anderweitig manuell auf mich anpassen?

Lieben Dank und Grüße schon jetzt :)
Florian

Gerd Schmahl

Hallo lieber Namenloser (wir reden uns hier gerne mit einem Namen an),
da kannst Du wahrscheinlich nur mit einem 2K-Epoxitharz wie "UHU Endfest 300" noch was retten. Du kannst die beiden Stücke sowohl an den Brüchen, als auch an die jeweiligen Teile kleben, auf die sie geschraubt sind. Lässt sich dann zwar nicht mehr abschrauben, aber das sollte auch nicht nötig sein. Vorher alle Klebeflächen auf jeden Fall gut reinigen, z.B. mit Waschbenzin oder Isopropanol (aber reines Zeug, keine Handdesinfektion, denn die enthält rückfettende Substanzen). Es sollte fettfrei sein.

Grundsätzlich sollten sich aber die beiden Tuben gegeneinander bewegen lassen. Wenn die irgendwie total fest sind, macht es keinen Sinn. Weißt Du, wie das kaputt gemacht wurde? Da hat wohl jemand nicht gewusst, dass man am Rädchen drehen muss und nicht wie bei vielen anderen Geräten einfach die Tuben zusammen- oder auseinanderschieben.

Wie das alles zusammen gebaut werden muss, siehst Du hier: "Prismenjustage am Stereotubus des MBS-10".

Ich habe schon einige von diesen Dingern aufgemacht und justiert. Wenn Fragen auftauchen, nochmal melden!

In welcher Gegend steht denn der Patient?

LG Gerd aus Dresden.
Man sagt der Teufel sei, im Detail versteckt,
doch hab' ich mit dem Mikroskop viel Göttliches entdeckt.

Somerset

Hallo lieber Gerd,

vielen Dank für die Nachricht (habe jetzt auch den Namen im Beitrag ergänzt). Das werde ich mal testen.
Ein Bekannter hat behauptet, ich könne als Notlösung auch einfach die Tuben mit der Hand schieben (das was vielleicht zu dem Schaden geführt hat). Das habe ich mich bisher nicht getraut zu versuchen. Denkst du, das wäre auch eine Option falls das Kleben nicht klappt und es eh schon defekt ist?

Der Patient sitzt in München. Falls du sowas als Profi reparieren könntest, wäre das grandios und ich würde natürlich auch gerne einen Obulus dafür bezahlen. Aber das ist mit dem Transport eventuell schwierig...

Viele Grüße
Florian

Gerd Schmahl

#3
Hallo Florian,
der Transport ist natürlich immer ein zusätzliches Risiko. Verrutschte Prismen sind einer der häufigsten Transportschäden, an dieser Art von Geräten. Ob das mit dem Bewegen von Hand funktioniert, kann ich gerade nicht einschätzen. Es sollte aber zunächst einmal möglich sein. Wie gesagt, wenn das sich nicht bewegt, hat es auch wenig Sinn, die originale Verschiebung zu reparieren. Bewegen sollte es sich schon, die Frage ist nur, ob sich das dann auch einigermaßen gleichmäßig bewegt, wenn die Kopplung fehlt.

Also: Versuche es vorsichtig, aber nicht mit Gewalt! Wenn sich nichts bewegt, müssen wir auf die Fehlersuche gehen. Das Einschicken zu mir wäre die letzte Lösung, wobei ich dir natürlich auch nicht versprechen kann, ob ich es hinbekomme.

Wichtig wäre auf jeden Fall zu testen, ob die beiden Strahlengänge sich in der Mitte treffen, oder da auch schon ein Prisma verschoben ist. Orientiere dich dabei an dem verlinkten Beitrag. Du brauchst dazu nicht unbedingt so ein schönes Kreuz auf Glas. Zur Not tut es Millimeterpapier, auf das du ein Kreuz zeichnest mit sehr feinem Stift. Die Kreuzung muss in die Bildmitte und dann muss sie auch auf der anderen Seite mittig liegen. Da musst du noch nicht einmal gleichzeitig in die Röhren gucken können. Wichtig wäre aber schon, dass beide Bilder auch scharf sind. Also erst rechts scharf stellen und links über den Dioptrienausgleich nachschärfen, wenn es dort nicht genauso scharf ist.

Ich melde mich frühestens morgen Abend wieder. Bin bis dahin offline in meinem Garten, bzw. auf Arbeit. :)
LG Gerd
Man sagt der Teufel sei, im Detail versteckt,
doch hab' ich mit dem Mikroskop viel Göttliches entdeckt.

Somerset

Hallo Gerd,

erstmal ein Kompliment an die ausführliche und gut beschriebene Anleitung. Ich habe es jetzt einfach gewagt und die Tuben mit der Hand bewegt (wovor ich bislang aus Respekt vor dem Gerät bzw. Sorge vor einer Verschlimmbesserung zurückschreckte :D ).

Das ging erstaunlich gut. Mit richtig dosierter Kraft konnte ich es in eine Einstellung bringen, die nun ein schönes klares Bild ohne Überlappung zeigt. An sich ist das Bild auch wirklich scharf (beide Tuben) und gut ausgerichtet, ich hatte vorher ein anderes - sehr gepflegtes - Gerät gleichen Typs beim Micromountertreffen getestet, da war das Bild nicht merklich anders vom subjektiven Eindruck. Insofern würde ich auf eine Ausrichtung wie du sie beschrieben hast erstmal verzichten aus der Abwägung heraus, was es vielleicht minimal verbessert im Vergleich zum Risiko, dass ich als Laie dabei mehr kaputt mache. Würdest du das auch so einschätzen?

Ansonsten komme ich gerne wieder auf dich zu, wenn es eine neue Entwicklung gibt!

Lieben Dank und Grüße in bestenfalls den Garten
Florian