Moostierchen als Lebendkultur/Haustier

Begonnen von rlu, Mai 09, 2026, 10:03:39 VORMITTAG

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rlu

Hallo,

wir haben im Verein das Thema Lebendkulturen gestreift und sind auf unser ehemaliges Mitglied(welches wir gerne wieder in unseren Reihen hätten) gestoßen.

Trotz ständiger Planktonfischerei, habe ich bis jetzt noch kein lebendes Moostierchen gesehen. Naheliegend, weil diese ja fest sitzen und nicht treiben.

Als Grundlage braucht das Moostierchen Nahrung. Hier hat uns Gerald Chilomonas empfohlen. Mit der Impflösung, einer Erdabkochung und den Chilomonas passierte erst einmal nichts. Wirft man aber da noch ein Reiskorn dazu, dann explodiert das Leben.
https://lebendkulturen.de/kulturen/chilomonas-paramecium


Die Moostierchen sind nicht im Programm. Zum Glück hatte Gerald noch welche im Tiefkühlschrank. Was so nicht richtig ist, weil es ja die Dauerstadien, die Flottoblasten sind.

Obwohl die ja so groß sind, lassen sie sich extrem schwer fotografieren. Unters Deckglas - zu groß, Stacking unmöglich, Kontrast schwierig. Die Lösung war das Rundlicht vom Stemi umgedreht nach unten zu legen und die Probe auf ein großen Rundglas darauf und Abstand.

Ein Moostierchen mit Flottoblasten
Moostierchen mit Flottoblasten_05.jpg


Dann kam es noch zu einem Notfalleinsatz, weil mir beim Blick durchs Mikroskop auffiel, da ist zu wenig Wasser drin. Also ertaste ich die Volvic-Flasche und gab einen kräftigen Schuß dazu, bis mir auffiel, dass es die Flasche mit dem 70% Alkohol war. Sofort zum Waschbecken, 2x das Wasser gewechselt. Es sind noch alle fit.
Das war eine kurze und intensive Party.  ;)
Moostierche_Angel_005.jpg
::)

Liebe Grüße
Rudolf



Spectrum

#1
Hallo Rudolf,
Glückwunsch zum Schlupf und deiner ersten kleinen Christatella Kolonie.
Moostierchen sind wirklich außergewöhnlich schöne Lebewesen, wie ich finde.
Wichtig damit Christatella weiterhin wächst und gedeiht, wäre es jetzt den Kolonien die Möglichkeit zu geben, sich irgendwo kopfüber anzuheften.
Schau mal hier (Falls noch nicht bekannt):

https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=52890.0

Was die Beleuchtung angeht, hast du sehr gut improvisiert, was man an deiner schönen Aufnahme sieht.
Moostierchen sind prädestiniert für dunkle Hintergründe, sprich Dunkelfeld.
Aufnahmen bei schwachen Vergrößerungen unter dem aufrechter Mikroskop gehen auch. Dazu musst du aber dann für einen sehr großen Abstand des Deckglases sorgen, z.b. mit Objektträger Splittern. Dann zeigen sich auch die Flimmerhärchen an der Tentakelkrone.

Folgenden Satz verstehe ich nicht:
Zitat von: rlu in Mai 09, 2026, 10:03:39 VORMITTAGZum Glück hatte Gerald noch welche im Tiefkühlschrank. Was so nicht richtig ist, weil es ja die Dauerstadien, die Flottoblasten sind.
Ich lager meine Statoblasten, sowohl die von Christatella als auch Plumatella, ebenfalls im Gefrierschrank, und die schlüpfen im Anschluss zuverlässig.
Im Gegensatz zu wärmer gelagerten Exemplaren.
In freier Natur frieren die doch auch im Winter ein. Gut möglich, dass eine Kälteperiode sogar nötig ist um einen guten Schlupf zu gewährleisten.
(Übrigens, wer mag dem schicke ich gerne auch Statoblasten zu, ich hab sowohl von Christatella mucedo, als auch von Plumatella fruticosa noch etwas hier.)

LG Holger

Holger
Duzen und meine Bilder (auch ungefragt)  bearbeiten, mit eigenen Aufnahmen ergänzen und weitergeben erwünscht!

rlu

#2
Hallo Holger,

vielen Dank, so was sollte jeder zu Hause haben.
Schön zu beobachten, weil etwas größer und sie lassen sich dauernd von kleinen Wimperntierchen ärgern, somit ist viel Bewegung drin. Ein Stemi erzeugt einen dreidimensionalen Eindruck und das ganze Tier kann ganz abgebildet werden, nicht nur Schichten wie beim Durchlichtmikroskop.

Es gibt so viele Blasten, da verliert man den Überblick. Die aus dem Gefrierschrank sind die Flottoblasten. 8)
Statoblast ist der Überbegriff für die verschiedenen Arten von Dauerstadien.

Bin noch am Überlegen wie man das am Besten arrangieren kann, um sie auch noch gleichzeitig zu sehen.
Merci für den Hinweis. Ein Inversmikroskop wäre eine Idee. Auf der Oberfläche schwimmt immer ein leichter Detrius und der Bilck durch die Wasserschichten ist leicht unscharf.

Habe jetzt die Taucherbrille ausgepackt und ein paar Aufnahmen geschossen. Anstatt ein Deckglas aufzulegen, habe ich einen Objektträger aufgelegt. Klare Sicht bis auf den Boden.
Siehe auch: Mikro-Aquarium, Mikroaquarium, Anleitung + 3D-Bilder

2026-05-09 14_58_22-Medienbetrachter.jpg


Es scheint so wie Gerald sagt, dass sie eine Art "Uhr" eingebaut haben. Sie schlüpfen erst nach einer gewissen Periode auf den Flottoblasten. Das macht vmtl. Sinn, weil sie sonst an einem warmen Tag im Winter aufwachen könnten.


Futterüberschuß(CHILOMONAS PARAMECIUM; Bogengeißelflagellat)
2026-04-28 23_57_37-.jpg

Liebe Grüße
Rudolf

"Moosi", na klar es hat auch einen Namen und wir arbeiten, dran, dass es mir die Zeitung bringt ;-)
Moostierchen_17.jpg

purkinje

#3
Lieber Rudolf.
der "akut toxikologische Notfall unter dem Stemi und seine Therapie" ist auch eine noch vernachlässigte Rubrik  ;)
Aber ich teile Deine Begeisterung für diese Tierchen, sie haben schon etwas zauberhaftes.
Beste Grüße Stefan

rlu

#4
Hallo,

dieses Moostierchen befand sich 2,3cm unter dem "Meeresspiegel"
Ein Stack aus 6-Bildern. Weniger ist oft mehr.

Liebe Grüße
Rudolf

2026-05-10 13_25_11-PICOLAY_ pyRL_zax40_pd1_vie3_x0_y0_z0.jpg.jpg

3D [picture is free of KI}
2026-05-10 13_25_00-PICOLAY_ pyRL_zax40_pd1_vie3_x0_y0_z0.jpg.jpg


Und noch etwas Kunst
2026-05-10 13_29_32-.jpg

Liebe Grüße
Rudolf

wejo

Hallo Rudolf,
beGeisternde Bilder!

Herzliche Grüße
Werner

Gerald

Guten Morgen Rudolf,

wunderbar das der Schlupf geklappt hat. Die Flottoblasten sind übrigens noch vom Holger, ich hatte damals nur ca. 10 Stück zum Schlupf angesetzt und den Rest eingefroren (welche Du jetzt hast).

Jetzt heißt es füttern, füttern, füttern. Es sollten sich dann sehr schnell mehr Zooide bilden.

Warum sind Deine Bilder mit so geringer Auflösung?

Ich habe damals zum Fotografieren und Filmen die Kolonien in eine Petrischale mit absolut sauberen Medium (ohne Staub ect. auf der Oberfläche) überführt. Zum Einsatz kam entweder eine Stereolupe oder ein aufrechtes Mik. (kein inverses) 2,5x Objektiv. An der richtigen Beleuchtung habe ich lange probiert: Petrischale etwas erhöht und von schräg unten mit zwei Schwanenhals-Leuchten angestrahlt (oder beim Fotografieren aus der gleichen Position mit zwei Blitzgeräten).

Viel Spass mit den tollen kleinen und viele Grüße

Gerald

rlu

Hallo Gerald,

ja vielen Dank für die Sendung. Die Moostierchen sind schon spektakulär.
Deine Lebendkulturen entwickeln sich super.

Zum Foto, das ist genau der gegenteilige Ansatz.
Unter einem Objektträger ist die Wasserschicht ~10-50µm.
Bei meinem Abstand von 2,3cm zum Objekt durchs Wasser fotografiert wären das 460-2300 Schichten mit Deckglas.
Hinzu kommt die schwächere Apertur von einem Stemi, kein Blitz.
Und was ich gelegntlich erwähne, gestackte semitransparente Fotos sind unschärfer, wenn sie nicht in 3D betrachtet werden. Werden dann aber scharf, wenn man einen 3D-Blick darauf wirft.(Kreuzblick).

Ich wollte die Moosis jetzt nicht versetzen, sondern im Mikroaquarium beobachten.

Deine Bilder sind der Hammer. Und du beschreibst ja auch, dass du dafür einen ziemlichen Aufwand anstellst.
Ja dann auch noch mal einen Dank an den Holger.

Liebe Grüße
Rudolf