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Bezugsquellen

Begonnen von Abrakadabra, Juni 01, 2026, 18:29:42 NACHMITTAGS

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Alf


Lupus

#16
Hallo Peter,

Zitatder Besitz z.B. welcher Chemikalie ist in Deutschland verboten und strafbar? Könntest Du mal ein konkretes Beispiel aus dem besagten Shop und die Quelle, die das Verbot des Besitzes und die Strafbarkeit belegt, nennen?

z.B. das dort angebotene 30%ige Wasserstoffperoxid  (EU-Verordnung 2019/1148  https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=CELEX:32019R1148)

Und der zugehörige Straftatbestand  https://www.gesetze-im-internet.de/ausgstg/__13.html

Hubert

liftboy

Hallo erstmal,

ZitatWasserstoffperoxid 
wenn ich nachdenke, hat das Zeug früher beim Frisör im "Eimer" rumgestanden; halt ein ganz normales Bleichmittel.
Mit Trichloräthylen haben wir uns die Hände gereinigt; Kaliumpermanganat war ein ganz gebräuchliches Desinfektionsmittel, etc.
Na ja, nobel geht die Welt zu Grunde!

Grüße
Wolfgang
http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=785.msg3654#msg3654
LOMO-Service
Das Erstaunen bleibt unverändert- nur unser Mut wächst, das Erstaunliche zu verstehen.
Niels Bohr

Lupus

Hallo,

ich finde den Verweis auf "früher", wie toll es da bezüglich der Chemikalienzugänglichkeit war, nun wirklich nicht zeitgemäß. Und ganz so schlimm ist es auch nicht, man bekommt viele Stoffe in Kleinmengen, wenn auch mit Aufwand, immer noch wenn man sie wirklich braucht.

Es gibt auch gute Gründe dass ein Mindestaufwand damit verbunden ist, denn es geht meist nicht so sehr z.B. um die Eigengefährdung, sondern auch um die vorsätzliche oder grob fahrlässige Umweltverschmutzung. Ich möchte nicht wissen wie viele Gefahrstoffe die man noch als alten Beständen "geerbt" hat, aus reiner Bequemlichkeit einfach ins Abwasser gegossen werden/wurden.

Für Privatpersonen absolut verbotene Stoffe (auch dessen Besitz) gibt es ja nicht so viele, es geht primär um Explosivstoffe bis hin zum Schwarzpulver, und Betäubungsmittel (sprich Rauschgifte). Und die zu deren Herstellung notwendigen Stoffe. Die absolut verbotenen Stoffe wegen Drogenherstellung (sog. Kategorie 1) sind entweder so exotisch dass sie wohl kaum jemand braucht, oder es gibt hohe Mengenschwellen (sog. Kategorie 2 und 3) z.B. Kaliumpermanganat 100 kg. Und bezüglich der Hilfsstoffe für die Herstellung von Explosivstoffen gibt es z.B. Konzentrationsobergrenzen für genehmigungsfreien Erwerb von u.a. Salpeter- (3%) und Schwefelsäure (15%) sowie Wasserstoffperoxid (12%) und diverser Chlorate.

Im Übrigen gelten für potentiell gefährliche Stoffe "lediglich" diverse Regelungen für den Verkauf, wie etwa persönliche Registrierung, Sachkundenachweis oder auch nur die Angabe des Verwendungszwecks. Es ist aber kein Händler verpflichtet - auch aufgrund des damit verbundenen Aufwandes - an jeden beliebigen Privatkunden zu verkaufen. Es gibt Händler, denen genügt es dass man beim Kauf bestätigt, die entsprechenden Merkblätter gelesen zu haben.

Hubert

Peter V.

#19
Hallo,

na ja, der Verweis auf "früher haben wir..." ist natürlich nicht immer passend. Früher sind "wir" im VW-Käfer mit zwei Kindern auf dem Rücksitz und dem kettenrauchenden Vater am Steuer über den Brenner in Urlaub gefahren und ohne einen ordentlichen Sonnenbrand ist man nicht wirklich im Urlaub gewesen...  8) Und in Benzol und Tri würde ich mir auch nicht mehr die Hände waschen wollen.

Allerdings ist es auch nicht einfach, wie Hubert es darstellt. Und das ist es auch, auf das ich mit meiner Äußerung "Was genau ist verboten und strafbewehrt" ausdrücken wollte. 30prozentiges H2O2 mag unter das Abgabe- und Besitzverbot fallen, vieles aber auch eben nicht. Dennoch ist es für den Privatmann de facto nicht mehr beschaffbar, auch wenn es abgegeben werden dürfte. Warum? Weil alle Unternehmen, die mit Chemikalien handeln, ausschließlich an Gewerbe verkaufen und auch diejenigen, die es beziehen und weiter verkaufen könnten wie z.B. Apotheken, sich aus diesem Geschäft komplett zurückgezogen haben. Nicht nur wegen des geringen Verdienstes, sondern weil sie aus Unkenntnis, Unsicherheit und Angst überhaupt nichts damit zu tun haben wollen.

Ein Farbstoff, der also grundsätzlich auch an Privatpersonen abgegeben werden dürfte, ist trotzdem für den Mikroskopiker nicht mehr beschaffbar, weil er unabhängig von gesetzlichen Vorschriftungen nur noch an registrierte gewerbliche Kunden abgegeben wird und man sich als Privatmann bei allen Händlern schon gar nicht mehr registrieren kann.

Fakt ist, dass deshalb solche weder explosiven noch wirklich gefährlichen Chemikalien, deren Abgabe an den Privatmann nicht verboten ist, wie zum Beispiel Xylol, Formaldehyd, teilweise sogar Aceton, nicht mehr beschaffbar sind. Außer - wenn es das gibt - in technischer Qualität über den Umweg Pinselreiniger (Xylol), Koi-Medikament (Formaldehyd) etc.

Ich zum Beispiel fand es recht ärgerlich, dass ich für die Ätzung eines Metallanschliffs das Ätzmittel "Nital" erwerben wollte, was mir trotz eines Kundenkontos bei Carl Roth verwehrt wurde, weil die Bestellung nicht zu meinem Gewerbe passt. Nital enthält ärgerlichweise exakt(!) die Grenzkonzentration an Salpetersäure, ab der diese nicht mehr ohne weitere Prüfung abgegeben wurde; nicht nur nicht an Privatpesonen, sondern auch nicht an Gewerbe, das nicht typischerweise diese Chemikalie benötigt. Das fand ich schon ziemlich "ätzend"  8)

ZitatIch möchte nicht wissen wie viele Gefahrstoffe die man noch als alten Beständen "geerbt" hat, aus reiner Bequemlichkeit einfach ins Abwasser gegossen werden/wurden.

Das mag so sein! Und woran liegt das? Z.B. daran, dass die Entsorgungsbetriebe eine Riesenaufriss machen, wenn man dort mit einer "Chemikalie" ankommt und man schon fast wie ein Krimineller angesehen wird, wenmn man diese regulär entsorgen möchte. Ein etwas entspannterer Umgang mit gesundem Menschenverstand (und vor allem etwas mehr chemischem Sachverstand) wäre durchaus angebracht.

Herzliche Grüße
Peter
Dieses Posting ist frei von kultureller Aneigung, vegan und wurde CO2-frei erstellt. Für 100 Posts lasse ich ein Gänseblümchen in Ecuador pflanzen.

liftboy

Hallo Peter,

da sind wir wohl alle einer Meinung!
ZitatWeil alle Unternehmen, die mit Chemikalien handeln, ausschließlich an Gewerbe verkaufen und auch diejenigen, die es beziehen und weiter verkaufen könnten wie z.B. Apotheken, sich aus diesem Geschäft komplett zurückgezogen haben.
Meine jetzige Apotheke hat tatsächlich! gesagt:
Wir sind eine Pharmaverkaufsstelle und kein Laborhandel!
Wozu brauchen die dann noch Fachpersonal?

Zitatdass die Entsorgungsbetriebe eine Riesenaufriss machen,

Dem bin ich geschickt aus dem Weg gegangen :-)
Für meine Chemikalienabfälle habe ich einen leeren Plastikbehälter für Scheibenwaschzusatz in dem dann "offiziell" Pinselreiniger drin ist. Hat bis jetzt immer geklappt (den pH bring ich mit Natronpulver in den passenden Bereich).

Grüße
Wolfgang
http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=785.msg3654#msg3654
LOMO-Service
Das Erstaunen bleibt unverändert- nur unser Mut wächst, das Erstaunliche zu verstehen.
Niels Bohr

Lupus

Hallo Peter,

ZitatAllerdings ist es auch nicht einfach, wie Hubert es darstellt.
ich vermute dass Du meinen Text nur sehr oberflächlich gelesen hast, von einfach war nicht die Rede. Ich habe gesagt dass man noch viele Stoffe in Kleinmengen, wenn auch mit Aufwand, bekommen kann.

Zitat
ZitatIch möchte nicht wissen wie viele Gefahrstoffe die man noch als alten Beständen "geerbt" hat, aus reiner Bequemlichkeit einfach ins Abwasser gegossen werden/wurden.
Das mag so sein! Und woran liegt das? Z.B. daran, dass die Entsorgungsbetriebe eine Riesenaufriss machen, wenn man dort mit einer "Chemikalie" ankommt und man schon fast wie ein Krimineller angesehen wird, wenmn man diese regulär entsorgen möchte. Ein etwas entspannterer Umgang mit gesundem Menschenverstand (und vor allem etwas mehr chemischem Sachverstand) wäre durchaus angebracht.
Ich weiß nicht wie chaotisch es in Deinem Bundesland abläuft, aber bei uns gibt es zweimal im Jahr eine Sonderabfall-Abgabetermin beim Wertstoffhof. Das klappt problemlos. Und es ist schon eine ziemlich schräge Argumentation, wenn die Unbequemlichkeit das begründete Argument für eine illegalen Entsorgung wäre, man gleichzeitig jammert dass man nicht alle Gefahrstoffe vom Sofa aus bekommt.   ::)

Hubert

Peter V.

Hallo Hubert,

ZitatIch weiß nicht wie chaotisch es in Deinem Bundesland abläuft, aber bei uns gibt es zweimal im Jahr eine Sonderabfall-Abgabetermin beim Wertstoffhof. Das klappt problemlos. Und es ist schon eine ziemlich schräge Argumentation, wenn die Unbequemlichkeit das begründete Argument für eine illegalen Entsorgung wäre, man gleichzeitig jammert dass man nicht alle Gefahrstoffe vom Sofa aus bekommt.   ::)

Du missverstehst mich immer, vielleicht liegt es aber auch meiner Ausdrucksweise: Ich habe nicht gesagt, dass die illegale Entsorgung damit gerechtfertigt ist, sonndern lediglich erklärt, wieso es eventuell so ist. Das heißt doch nicht, dass ich das gutheiße, rechtfertige oder entschuldige, wenn es gemacht wird.

Aber die Menschen sind wie sie sind. Ich ärgere mich seit Jahren darüber, dass regelmäßig in der Tageszeitungung Berichte über illegale Müllentsorgung an Strassenrändern, in Wäldern oder sonstwo erscheinen. Säckeweise Müll, alte Kühlschränke, Autoreifen... Natürlich finde ich es schlimm, dass Mitbürger so etwas machen - aber sie machen es!! Ich bin mir sicher, dass es nicht so wäre, wenn man diesen Müll jederzeit kostenfrei(!) zum Recyclinghof bringen könnte.

Die Unzufriedenheit mit der Politik ist in meinem Augen auch keine Rechtfertigung, bestimmte extreme Parteien zu wählen - aber es passiert trotzdem.

Und was das Sofa betrifft: Auch hier willst Du mich nicht verstehen. Es geht nicht darum, etwas vom Sofa aus zu bekommen. Aber wenn es ein vernünftig erscheinender Mensch mit einem vernünftigen Grund vorträgt, sollte er doch die Möglichkeit haben, an diese Stoffe zu kommen. Als Jugendlichem wurden mir auch meine Chemikalien nicht frei Haus geliefert (das gab es damals logischerweise noch gar nicht), vielmehr habe ich dem Apotheker meines Vertrauens, der mich und meine Beschäftigung mit der Chemie kannte, meine Wünsche und deren Verwendungszweck vorgetragen und dann alles bekommen, was ich brauchte. Das ist aber heute nicht mehr möglich. Weil es keinen Drogisten mehr gibt, keinen Apotheker im "klassischen Sinne", der sich auch noch mit Chemie auskannte und beschäftigte und der sich heute auch "trauen" würde, eine Chemikalie zu bestellen oder herauszugeben - selbst wenn er es darf!


Herzliche Grüße
Peter
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Lupus

Hallo Peter,

auch Du missverstehst mich offensichtlich, ich habe nicht Dich damit gemeint sondern allgemein alle Leute die es sich eben sowohl bei der Entsorgung als auch der Beschaffung zu einfach machen. Ich weiß dass Menschen so sind wie sie sind, und daher gibt es mittlerweile strengere Regeln.

Dass Apotheker diese Stoffe wie früher nicht mehr anbieten ist halt auch so, auch aus rein wirtschaftlichen Gründen. Schuld ist natürlich auch das Internet, aber es fasse sich jeder an die eigene Nase wenn sogar Cent-Artikel direkt in China bestellt werden. Gestern war ich mal wieder in "meinem" Elektronik Laden um Kleinmaterial zu kaufen (den gibt es seit 50 Jahren), der macht gerade Ausverkauf und schließt weil es wie er sagte 1. keinen Großhändler mehr gibt und er dann 2. wie alle anderen Privatkunden auch seine Waren im Internet kaufen muss mit minimaler Gewinnspanne.

Aber ich wiederhole, es gibt schon noch einiges was man privat über das Internet bestellen kann, aber eben nicht alles.

Hubert

Aljoscha

Zitat von: Lupus in Heute um 12:55:20 NACHMITTAGSHallo Peter,

Zitatder Besitz z.B. welcher Chemikalie ist in Deutschland verboten und strafbar? Könntest Du mal ein konkretes Beispiel aus dem besagten Shop und die Quelle, die das Verbot des Besitzes und die Strafbarkeit belegt, nennen?

z.B. das dort angebotene 30%ige Wasserstoffperoxid  (EU-Verordnung 2019/1148  https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=CELEX:32019R1148)

Und der zugehörige Straftatbestand  https://www.gesetze-im-internet.de/ausgstg/__13.html

Hubert

Hallo,

Der Produktbeschreibung von Biogo kann man entnehmen, dass diese Substanz nur an gewerbliche Verwender mit Nachweis abgegeben wird.

Worauf beruht die Annahme, dass auch Privatpersonen beliefert werden?

Viele Grüße

Alexander

Aljoscha

Zitat von: Peter V. in Heute um 16:21:07 NACHMITTAGSFakt ist, dass deshalb solche weder explosiven noch wirklich gefährlichen Chemikalien, deren Abgabe an den Privatmann nicht verboten ist, wie zum Beispiel Xylol, Formaldehyd, teilweise sogar Aceton, nicht mehr beschaffbar sind. Außer - wenn es das gibt - in technischer Qualität über den Umweg Pinselreiniger (Xylol), Koi-Medikament (Formaldehyd) etc.


Hallo Peter,

Übertreib mal nicht. Alle diese Chemikalien kann ein Privatmann auch heute noch problemlos in labortauglicher Qualität erwerben. Die Bezugsadressen wurden weiter oben in diesem Thread bereits genannt.

Schwieriger wird es bei Sachen wie Fluorezenzfarbstoffen aber auch da führt eine Nachfrage im Forum fast immer zu einem positiven Ergebnis. Und natürlich gibt es Dinge, die nur noch von sehr weit weg zu hohen Kosten beschaffbar sind, wie zum Beispiel Acridinrot. Aber selbst da könnte sich ein Mitforist finden, der etwas abgeben kann.

Viele Grüße

Alexander