Problem mit Ortholux Panphot Auflicht

Begonnen von Thomas Böder, Juni 02, 2026, 14:06:12 NACHMITTAGS

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Peter V.

Hallo,

ich wiederhole es nochmal: Das zweite Bild ist nicht ,,fürchterlich", sondern absolut erwartungsgemäß. Subjektiv mag man es natürlich als fürchterlich empfinden. Auflicht-Hellfeld ist aber nun einmal eine andere Beleuchtungsmethode als Auflicht-Dunkelfeld und bringt somit auch eine andere Darstellung des Objektes. Ich möchte einmal folgenden Vergleich aus der Durchlichtmikroskopie anbringen, um es hoffentlich verständlich zu machen: Wenn man Mundschleimhautzellen nativ im Hellfeld betrachtet, sind sie kaum zu erkennen, da extrem kontrastarm. Vergleicht man das HF-Bild mit schiefer Beleuchtung oder gar DIK, könnte man auch sagen, dass das Hellfeldbild ,,fürchterlich" ist.
Thomas, Dein Auflichtsystem ist in Ordnung und auch mit einem modernen System sähe es nicht wesentlich anders aus. Das ist einfach so! Methodenbedingt.
Das Anwendungsgebiet - auch hier wiederhole ich mich - der Hellfeld-Auflichtmikroskopie sind plane und polierte Proben wie zum Beispiel Erz- oder Metallanschliffe.

Herzliche Grüße
Peter
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liftboy

Hallo estmal,

wie Peter schon gesagt hat: Anschliffe!
Ich hab hier ein Lomo-Auflicht-Testpräparat (vermutlich Granitanschliff, poliert) unters Epi gelegt:
restauriertes Euromex mit Zeiss/J Epi.Objektiven, hier:
Planacro-HD, 5x 0,10, oo-0A
Bilder: 1 Aufbau, 2 Hellfeld, 3 Dunkelfeld, 4 Pol/Polarisator, 5 Pol/Polarisator+Analysator
(die Polbilder mussten derbe aufgehellt werden und sind auch leider etwas unscharf)

Grüße
Wolfgang
http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=785.msg3654#msg3654
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Das Erstaunen bleibt unverändert- nur unser Mut wächst, das Erstaunliche zu verstehen.
Niels Bohr

olaf.med

#17
... es wurde hier wahrscheinlich schon hundertmal gesagt, aber ich tue es nun zum hundertundeinstenmal, da ich sehe, dass immer noch bei vielen Foristen Unklarheit herrscht...

Das Problem ist, dass der Begriff Auflichtmikroskopie synonym für zwei völlig unterschiedliche Verfahren der Mikroskopie verwendet wird, deren Schnittmenge praktisch gleich Null ist:

  • Die Auflichtmikroskopie im schrägen Auflicht

  • Die Auflichtmikroskooie im engeren Sinne im senkrechten Auflicht

Die normalen Nutzer in diesem Forum verstehen unter dem Begriff Auflichtmikroskopie das erstgenannte Verfahren, bei dem man eine konturierte Probe seitlich beleuchtet und im besten Falle durch zwei getrennte Blickwinkel (im Greenough-Verfahren sogar durch zwei räumlich verschiedene Strahlengänge) ein dreidimensionales Bild des Objekts wahrnimmt.

Die Auflichtmikroskopie im engeren Sinne hat eine ganz andere Zielsetzung und erfordert völlig andere Proben. Hier beobachtet man unter senkrechter Einstrahlung auf eine perfekt ebene und hochpolierte Fläche das reflektierte Licht mit dem Ziel der Diagnose von meist opaken Festkörpern und deren Verwachsung miteinander. Wer also erwartet, dass man z.B. die Details eines Fliegenbeins oder eines anderen dreidimensionalen Körpers mit dieser anspruchsvollen und meist auch viel teureren Apparatur besser und höher vergrößert sieht, wird zwangsläufig eine herbe Enttäuschung erleben (siehe ersten Post in diesem Thread!).

Bei der Auflichtmikroskopie im engeren Sinne beobachtet (und mißt!) man die Wechselwirkung von Licht mit der Probe und benutzt diese Beobachtungen diagnostisch. Die wichtigste Eigenschaft ist das spektrale Reflektionsvermögen, das heißt wieviel des eingestrahlten Lichts bei einer bestimmten Wellenlänge reflektiert wird. Das äußert sich in Farbe und Helligkeit des Festkörpers im mikroskopischen Bild. Diese Größen kann man quantitativ messen und und zur Bestimmung nutzen. Ein zusätzlicher Parameter ist die Mikrohärte, die man relativ an Lichtlinien an Korngrenzen erkennt, oder aber die man durch spezielle Mikrohärteprüfer quantifizieren kann. Weiterhin gibt es noch eine Vielzahl anderer isotroper und anisotroper Bestimmungsmekmale.

Die Auflichtmikroskopie im engeren Sinne ist ein unverzichtbares Hilfsmittel bei vielen technologischen und wissenschaftlichen Problemstellungen.

Mittels der Erzmikroskopie (Auflichtmikroskopie im engeren Sinne im polarisierten Licht) erfolgt die Diagnose der Erzminerale in den Lagerstätten. Die Art der Verwachsung und die Korngröße, die man dabei ermittelt, sind wichtige Parameter für eine gezielte Aufbereitung (z.B. des Mahlgrads, damit die Phasen auch tatsächlich voneinader getrennt werden zur nachfolgenden Flotation (Konzentration durch "Schwimmaufbereitung").

In der Kohlepetrographie bestimmt man über das Reflektionsvermögen den Inkohlungsgrad und damit die Qualität der Kohle, in der Metallographie gewinnt man über die Gefüge (Korngröße und Verwachsung der Einzelkristalle im Metall) eine Aussage über die mechanischen Eigenschaften (Festigkeit, Zähigkeit etc.), in der Schadensanalyse erhält man Informationen über die Ursachen von Schäden (z.B. Rißbildung etc.).

Nachfolgend ein Beispiel im senkrechten Auflicht, die sowohl stellvertretend für Erzmikroskopie und Metallographie stehen könnte. Man sieht das Bild einer Probe von gediegen (metallischem) Eisen vom Bühl bei Kassel. Dort hat ein Basaltschlot Braunkohleflöze durchschlagen, wobei ein natürlicher Hochofenprozess Eisenkarbonate zu metallischem Eisen reduziert hat. Das Eisen ist hochreflektierend weiß im Bild, die rundlichen Formen zeigen, dass es aus der Schmelze erstarrt ist. Es ist schammig mit Silikaten aus dem Basalt verwachsen (Feldspäte und Olivin, dunkelgrau bis schwarz). In der Mitte erkennt man einen Ulvöspinell-Kristall (Fe2TiO4) mit nelkenbrauner Färbung. Dieser zeigt einen Zerfall zu Ilmenit (grau, linealförmig) und gediegen Eisen (Fe2TiO4 > FeTiO3 + Fe + 1/2 O2) was auf starke Reduktion während der Bildung hinweist. Im Eisen (Bildmitte, oben) ist ein Einschluß von Troilit (FeS) an seiner gelbbrauner Färbung erkennbar. Um das Eisen hat sich ein unregelmäßiger Saum von Brauneisen (Rost, FeOOH, mittelgrau) durch Verwitterung gebildet. Dies alles ist durch einen Blick ins Auflichtmikroskop für den Fachmann erkennbar!

Bühl.jpg

Die Anforderungen an die optische Qualität der Mikroskope ist z.T. wesentlich höher als in der Durchlichtmikroskopie, es werden z.B. viel bessere Vergütungen der Oberflächen benötigt. Das zeigt eine einfach Überlegung: ein normale unvergütete Glas-Luft-Fläche reflektiert ca. 4% des eingestrahlten Lichts. Damit wird das Bild einer niedrig reflektierenden Probe völlig verschleiert. Das Reflektionsvermögen von Kohle z.B. ist deutlich geringer als 4% und. Daher sind höchstvergütete Linsensysteme zwingend erforderlich. Bei der Erzmikroskopie sind die anisotropen Effekte der Kristalle z.T. nur in der Größenordnung von 1/1.000 der eingestrahlten Lichtintensität, und auch dies muss man erkennen.

Somit ist die Auflichtmikroskopie im engeren Sinne eine in der Technologie und Wissenschaft außerordentlich wichtige Methode und das Auflichtmikroskop (im engeren Sinne!) eine wertvolle Apparatur, aber für denjenigen, der den Vergrößerungsbereich von "Stereomikrokopen" bzw. "Binokularlupen" erweitern möchte, völlig unbrauchbar!

Mit herzlichen Grüßen,

Olaf
Gerne per Du!

Vorstellung: http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=4757.0

... und hier der Link zu meinen Beschreibungen historischer mineralogischer Apparaturen:
https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=34049.0

liftboy

Hach Olaf,

das hast Du wunderbar erklärt (wie immer :-}  )

Grüße
Wolfgang
http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=785.msg3654#msg3654
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Niels Bohr

hugojun

Hallo Olaf,
vielen Dank für deine ausführliche Beschreibung der Verhältnisse in der Auflicht-Mikroskopie.
Das gediegene Eisen vom Bühl ist zudem ein ganz besonders schönes Beispiel, weil hier die Besonderheit der Genese dieses seltene Vorkommen geschaffen hat.
Zum Auflicht-Bild im Allgemeinen und zum Ulvöspinell-Kristall im Speziellen habe ich Fragen.
Sehen wir hier Auflicht – mit Immersion oder Ohne und ist die Kräftige Farbe des Ulvöspinell-Kristalls der Immersion geschuldet, zudem sind Innen Reflexe ohne Streuung erkennbar.
Welche Abmessungen haben die Ulvöspinell-Kristalle in deinem Beispiel?
Liebe Grüße
Jürgen


olaf.med

#20
Lieber Wolfgang,

vielen Dank für die Blumen :)

Lieber Jürgen,

sehr gut beobachtet, es handelt sich tatsächlich um eine Aufnahme mit Ölimmersion, die man ja, anders als in der Durchlichtmikroskopie, nicht nur zur Erhöhung der Apertur, sondern auch zur Erzeugung diagnostischer Effekte nutzt. Der Ulvöspinell zeigt erst dann diese typische nelkenbraune Farbe - in Luft ist er eher grau. Auch werden die Kontraste zwischen transparenten und opaken Phasen größer. Daher sind die Silikate hier so dunkel und zeigen die typischen Innenreflexe.

Der Ulvöspinell ist ca. 100 µm groß.

Herzliche Grüße,

Olaf
Gerne per Du!

Vorstellung: http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=4757.0

... und hier der Link zu meinen Beschreibungen historischer mineralogischer Apparaturen:
https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=34049.0