Botanik: Drüsiges Springkraut (Impatiens glandulifera) *

Begonnen von Hans-Jürgen Koch, Oktober 18, 2026, 10:42:12 VORMITTAG

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Hans-Jürgen Koch

Ein Eindringling aus dem Himalaya.

Sein ursprüngliches Verbreitungsgebiet liegt auf dem indischen Subkontinent. Im Norden wird das Gebiet durch den Himalaya, den Hindukusch und das Karakorum abgegrenzt, im Westen durch das Arabische Meer und im Osten durch den Golf von Bengalen.
Diese  Art wurde 1839 aus Kaschmir erstmals nach England importiert und gelangte von dort als Zierpflanze auf den europäischen Kontinent. Sie gehört damit zu den sogenannten hemerochoren Pflanzen, die ethelochor – also gezielt – eingeführt wurden.
1937 säten Gärtner diese Pflanze erstmals in Dresden  aus.
Beim Drüsigen Springkraut handelt es sich um einen Therophyten, der in kürzester Zeit Wuchshöhen von über 2,5  Meter erreicht und so andere Pflanzen schnell überdecken kann.
Das Drüsige Springkraut heißt so, weil es kleine, rotspitzige Drüsen besitzt-

Bild 01 Habitus, Drüsiges Springkraut (Impatiens glandulifera)

Foto: H.-J_Koch

Das Drüsige Springkraut (Impatiens glandulifera)  gehört zu den zweikeimblättrigen Pflanzen (Dicotyledoneae / Eudikotyledonen) und zur Familie der Balsaminengewächse.
Das Drüsige Springkraut (Impatiens glandulifera)  besitzt zwittrige Blüten.
Jede einzelne Blüte der Pflanze trägt sowohl männliche Staubblätter als auch weibliche Geschlechtsorgane (Stempel/Fruchtknoten).
Diese einjährige Pflanze hat aufrechte, meist unverzweigte Stängel.

Systematik:

Ordnung: Heidekrautartige (Ericales)
Familie:    Balsaminengewächse (Balsaminaceae)
Gattung:    Springkräuter (Impatiens)
Art:    Drüsiges Springkraut
Wissenschaftlicher Name: Impatiens glandulifera
Trivialnamen:  Indisches Springkraut, auch Rotes Springkraut oder Himalaya-Balsamine, früher auch Bauernorchidee
Syn.: Balsamina macrochila, Balsamina roylei
Englische Bezeichnung: Glandular balsam

Das Drüsige Springkraut (Impatiens glandulifera) wurde im Jahr 1834 zuerst von dem britischen Botaniker John Forbes Royle  (1798 – 1858) (in seinem Werk Illustrations of the Botany and other Branches of the Natural History of the Himalayan Mountains).beschrieben.

Die Pflanze besitzt einen Verbreitungsmechanismus, bei dem die reifen Samenkapseln unter anderem durch mechanischen Reiz aufspringen und die Samen weit herausgeschleudert werden.
Dabei  rollen sich die 5 Klappen nach oben auf, und die reifen Samen werden ziemlich weit weggeschleudert; die noch nicht reifen Samen bleiben an der Mittelsäule haften und fallen später ab.
Daher stammt auch der Gattungsname Springkraut. Die vielen Drüsen geben der Art das Epitheton glandulifera = drüsig. Die andere Bezeichnung Indisches Springkraut ist auf das ursprüngliche ostindische Verbreitungsgebiet zurückzuführen.

In Europa wird das Drüsige Springkraut vielerorts als invasiver Neophyt bekämpft, da es als Bedrohung für andere Pflanzenarten oder ganze Pflanzengesellschaften in deren Lebensraum betrachtet wird.

Invasiver Neophyt: Die Art gilt in Europa als invasiv, da sie sich rasant entlang von Gewässern ausbreitet und einheimische Ufer- und Auenvegetation verdrängt.

Lehrreicher Versuch im Biologieunterricht:

Die Demonstration des Wasseranstiegs im Stängel gelingt beim Drüsigen Springkraut (Impatiens glandulifera) besonders eindrucksvoll, da die Pflanze über einen glasig-durchscheinenden (translucenten), stark wasserhaltigen Stängel verfügt. Im Gegensatz zu den meisten anderen Pflanzen lässt sich der Transport des gefärbten Wassers durch die Leitbündel hier direkt von außen mit bloßem Auge beobachten, ohne dass der Stängel aufgeschnitten werden muss.
Der  "Aha-Effekt".

Volksmedizin & Äußerliche Anwendungen:

Frisch zerriebener Pflanzensaft oder daraus hergestellte Extrakte werden traditionell bei leichten Hautirritationen, Insektenstichen oder Brennnessel-Berührungen genutzt.

In der Bachblütentherapie (Impatiens) wird die Pflanze bei Ungeduld, Nervosität und innerer Unruhe eingesetzt.

Meine Pflanzenprobe habe ich an der Innerstetalsperre im Harz gesammelt.
Die Innerstetalsperre ist ein Stausee im Nordwesten des Harzes zwischen Langelsheim, Wolfshagen und Lautenthal in Niedersachsen.

Bild 02 Blüte mit Blättern, Drüsiges Springkraut (Impatiens glandulifera)

Foto: H.-J_Koch

Die Blüten hängen an 2 – 20 cm langen Stielen in lockeren Trauben in den Achseln der oberen Blätter.
Die Blütezeit des Drüsigen Springkrauts (Impatiens glandulifera) reicht von Juni bis Oktober (gelegentlich bis zum ersten Frost im November).

Bild 03 Nahaufnahme einer Blüte von vorn mit Ober- und Unterlippe, Drüsiges Springkraut (Impatiens glandulifera)

Foto: H.-J_Koch

Die Blüten tragen an der Rückseite einem gekrümmten Sporn. Bei Berührung platzen die länglichen Fruchtkapseln explosionsartig auf und schleudern die Samen bis zu sieben Meter weit weg.
Eine Pflanze produziert 4000 Samen.

Bild 04 Blattoberseite, Drüsiges Springkraut (Impatiens glandulifera)

Foto: H.-J_Koch

Die Blätter werden 6 bis 25 cm lang und etwa 1,8 bis 6,5 cm breit. sind eiförmig, lanzettlich scharf gezähnt, an den Blattrandzähnen und am den Blattstielen  sitzen  zahlreiche rötliche Drüsen.

Bild 05 Blattunterseite, Drüsiges Springkraut (Impatiens glandulifera)

Foto: H.-J_Koch

Bild 06 Früchte, Drüsiges Springkraut (Impatiens glandulifera)

Foto: H.-J_Koch

Die Frucht ist 3 – 5 cm lang , keulenförmige, reife Früchte platzen bei Berührung auf.

Bild 07 Untypisch dünner Stängel und typischer dreizähliger Blattquirl des Drüsigen Springkraut  (Impatiens glandulifera)

Auttor:  Mnolf

Bild 08 Aufgesprungene Kapselfrucht,  Drüsiges Springkraut (Impatiens glandulifera)

Quelle: Von Rasbak - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=344336

Bild 09 Samen, Drüsiges Springkraut (Impatiens glandulifera)

Quelle: Von Stefan.lefnaer - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=116045721


Teil 1
Spross, Querschnitt
30 Mikrometer

Bild 10 Schnittstellen,  Drüsiges Springkraut (Impatiens glandulifera)

Foto: H.-J_Koch

Der Spross ist hohl, die Zellwände sind dünn.
Den Hohlraum habe ich mit Gießseife ausgegossen.
Die Seife läßt sich sehr gut mit Wasser entfernen.

Bild 11 Übersicht, ungefärbter Schnitt,  Drüsiges Springkraut (Impatiens glandulifera)


Bild 12 Detailaufnahme, ungefärbter Schnitt,  Drüsiges Springkraut (Impatiens glandulifera)


Bild 13 Detailaufnahme, ungefärbter Schnitt,  Drüsiges Springkraut (Impatiens glandulifera)


Bild 14 Detailaufnahme, ungefärbter Schnitt,  Drüsiges Springkraut (Impatiens glandulifera)


Bild 15 Detailaufnahme, ungefärbter Schnitt, Drüsiges Springkraut (Impatiens glandulifera) Autofluoreszenz,

LED Modul 455 nm
Reflektormodul FL mit Filtersatz 67
Erregerfilter: BP 470 nm
Strahlenteiler: FT 477 nm
Emission (Sperrfilter): LP 485

Bild 16 Detailaufnahme, ungefärbter Schnitt, Autofluoreszenz, Drüsiges Springkraut (Impatiens glandulifera)


Bild 17 Detailaufnahme, ungefärbter Schnitt, Autofluoreszenz, Drüsiges Springkraut (Impatiens glandulifera)



W-3A-Färbung nach Wacker (Acridinrot-Acriflavin-Astrablau)

Arbeitsablauf:
1.Pflanzenprobe liegt in 30 % Ethanol.
2. Aqua dest. 3x wechseln je 1 Minute.
3. Vorfärbung Acridinrotlösung 7 Minuten
4. 1x auswaschen mit Aqua dest. .
5. Acriflavinlösung (differenzieren bis gerade keine Farbwolken mehr abgehen - Lupenkontrolle) ca.15 Sekunden !!
6. 2 x auswaschen mit Aqua dest..
7. Nachfärbung Astrablaulösung 1 Minuten
Bei der Nachfärbung mit Astrablau eine Mischung aus Astrablau und Acriflavin im Verhältnis 3 : 1 verwendet (blau + gelb = grün).

Tipp:
Eine schöne Variante erhält man, wenn man in der letzten Färbestufe eine Mischung aus Astrablau und Acriflavin im Verhältnis 3:1 verwendet. (3 Tropfen Astrablau und 1 Tropfen Acriflavin separat ansetzen und Gemisch mit der Pipette übertragen.
8. Auswaschen mit Aqua dest. bis keine Farbstoffreste verbleiben.
9. Entwässern mit 3x gewechseltem Isopropylalkohol (99,9 %)
10. Einschluss in Euparal.

Ergebnis:
Zellwände blaugrün bis grün, verholzte Zellwände leuchtend rot, Zellwände der äußeren Hypodermis orangerot, Cuticula gelb, Zellwände der innenliegenden Hypodermis tiefrot.
Bei der Betrachtung wird eine Kontrastverbesserung bei Verwendung eines BG 38 Filters (blaugrün, 3 mm dick) erreicht.
Fotos: Nikon D5000, Sony Alpha 6000

Bild 18 Übersicht,  Drüsiges Springkraut (Impatiens glandulifera)


Dieser Schnitt ist 35 Mikrometer dick.
Die Stängel erreichen einen Durchmesser von bis zu 5
Zentimetern (in Ausnahmefällen sogar bis zu 6 Zentimetern).

Bild 19 Detailaufnahme,  Drüsiges Springkraut (Impatiens glandulifera)


Bei diesem Schnittn (25 Mikrometer) gibt es keine Zellüberlagerungen.

Bild 20 Detailaufnahme mit Beschriftung,  Drüsiges Springkraut (Impatiens glandulifera)

EP = Epidernis, XY = Xylem, KP = Kantenparenchym, RP = Rindenparenchym, PH = Phloem, SK = Sklerenchym

Bild 21 Detailaufnahme.  Drüsiges Springkraut (Impatiens glandulifera)


Bild 22  Detailaufnahme,  Drüsiges Springkraut (Impatiens glandulifera)


Bild 23  Detailaufnahme,  Drüsiges Springkraut (Impatiens glandulifera)


Bild 24  Detailaufnahme,  Drüsiges Springkraut (Impatiens glandulifera)


Bild 25  Detailaufnahme,  Drüsiges Springkraut (Impatiens glandulifera)


Bild 26  Detailaufnahme,  Drüsiges Springkraut (Impatiens glandulifera)


Bild 27 Detailaufnahme, Auflichtbeleuchtung Fluoreszenz,  Drüsiges Springkraut (Impatiens glandulifera)

Reflektormodul FL mit Filtersatz 67
Erregerfilter: BP 470 nm
Strahlenteiler: FT 477 nm
Emission (Sperrfilter): LP 485

Bild 28 Detailaufnahme, Auflichtbeleuchtung Fluoreszenz,  Drüsiges Springkraut (Impatiens glandulifera)


Teil 2
Blattstiel, Querschnitt
25  Mikrometer

Nur mit Astrablau gefärbt.

Der Blattstiel des Drüsigen Springkrauts (Impatiens glandulifera) ist 30 bis 35 Millimeter lang, oft auffällig rötlich gefärbt und zeichnet sich anatomisch durch eine kurz geflügelte Struktur aus.

Der Großteil des Stielinneren besteht aus großen, dünnwandigen Parenchymzellen. Dieses Gewebe ist extrem wasserreich (turgorgefüllt) und sorgt für die spürbare Brüchigkeit ("Saftigkeit") des Krauts.

Bild 29  Übersicht,  Drüsiges Springkraut (Impatiens glandulifera)


Bild 30 Detailaufnahme,  Drüsiges Springkraut (Impatiens glandulifera)


Bild 31 Detailaufnahme,  Drüsiges Springkraut (Impatiens glandulifera)



Literaturverzeichnis:

Wikipedia; Freie Enzyklopädie

Dietmar Archele ,,Was blüht denn da ?", I035535-5

Alois Kosch ,,Was blüht denn da ?", 1965

Bruno Kremer ,,Waldblumen"

Rita Lüders ,,Grundkurs Pflanzenbestimmung", ISBN: 3-494-10418-3

,,Botanica" Das Abc der Pflanzen, ISBN: 3-8290-0868-6

,,Samenpflanzen"

,,Wildblumen"

,,Was blüht denn da?", ISBN: 978-3-440-11379-0

,,Kosmos Blumenführer für unterwegs", ISBN: 978-6-440-13022-4

,,Das große illustrierte Pflanzenbuch", 1966

,,Neophyten", ISBN: 978-3-440-16874-5

,,Der neue Kosmos Tier- und Pflanzenführer", ISBN: 3-440-07286-X
Der Kosmos ,,Pflanzenführer", ISBN: 978-3-440-16318-4

,,Welche Blume ist das ?", ISBN: 978-3-440-16450-1

Meine Recherche gleicht einer Entdeckungsreise, bei der ein Fakt oft zu weiterführenden Zusammenhängen führt.
Ich folge dem Schneeballprinzip:
Beim Verknüpfen der Informationen stoße ich kontinuierlich auf neue, spannende Aspekte.
Ich exploriere das Thema intensiv und erschließe mir fortlaufend neue Informationsquellen.
Ich arrangiere Informationen aus Büchern und Internet, um sie zu einer in sich geschlossenen Darstellung zu fusionieren.
Ich freue mich über Rückmeldungen jeglicher Art, sei es Lob oder konstruktive Anregungen.

Hans-Jürgen
Plants are the true rulers - Pflanzen sind die wahren Herrscher.

<a href="http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=2650.0" target="_blank">Hier geht es zur Vorstellung</a>

Gerne per "Du"

Daniel Scheibenstock

Lieber Hans Jürgen,

Danke für den Interessanten Artikel 💪 die Sammenkapseln sind dabei besonders☺️ und die Bilder die von den Schnitten zeigst (Gottseidank funktioniert das wieder🥳) besonders schön. Eine Frage: warum hast du Seife verwendet?

Lg Daniel
Leica DMRB HC (DL, Pol, DIC, PH)
Motic BA310 LED (DL: PH; DF;POL, AL: POL)
Zeiss Universal (DL: Fluo; POL AL: Fluo,POL. DIC)
Zeiss IM35 (DL; PH; Fluo;POL)
Olympus SZX12
Bresser Stereolupe

Vorstellung: https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=48126.0

Hans-Jürgen Koch

Lieber Daniel,

danke.

Der Spross ist hohl, die Seitenwände sehr dünn.
Beim Einspannen in den Probenhalter wird die Schnittprobe zerquetscht.
Die Gießseife  wird eingeschmolzen im Wasserbad oder 2 – 3 Min. bei 400 – 500 Watt in die Mikrowelle.
Achtung nicht kochen !

Die flüssige Seife in den Hohlraum gießen.
Die Seife  wird schnell hart.

Jetzt kann man auch dünnere Schnitt herstellen.

Gruß
Hans-Jürgen
Plants are the true rulers - Pflanzen sind die wahren Herrscher.

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Gerne per "Du"

Peter T.

Lieber Hans-Jürgen,

wieder ein sehr schöner und informativer Beitrag über diesen Neophyten!

Natürlich nehme ich ihn gerne in die Botanik-Liste auf.


Herzliche Grüße nach Weyhe

Peter

Jürgen Boschert

Lieber Hans-Jürgen,

einfach wieder ... ein herzliches Dankeschön!
Beste Grüße !

Jürgen