Cyanobakterien aus den unwirtlichsten Gegenden der Erde

Begonnen von Siegfried, Oktober 20, 2026, 15:27:57 NACHMITTAGS

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Siegfried

Hallo zusammen,
Wie ich in diesem Beitrag schon angekündigt hatte
https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?msg=397554
hat mir Dr. Patrick Jung von der Hochschule Kaiserslautern außer einer Probe der Alge des Jahres 2026,
auch noch andere Proben aus seinem Forschungsgebiet zukommen lassen. Danke dafür.
Heute möchte ich das Cyanobakterium Kalymmatonema sp. Fundort, Atacama Wüste in Chile hier zeigen.
https://www.selectedplants.de/kopie-von-publications?pgid=mer9v2jm-57cbf860-3578-4cbb-b584-7ce043979550

Ich bin zwar hoch interessiert an allem was die Natur geschaffen hat ,speziell die kleinen Dinge, und beobachte sie mit meinem Mikroskop. Große Freude habe ich daran, das Gesehene auf ein Foto zu bannen. Die wissenschaftlichen Hintergründe sind in der angehängten PDF, die mir Dr. Jung hat zukommen lassen, nachzulesen. Auch habe ich im Netz einen Dokumentarfilm gefunden in dem Dr.Patrick Jung maßgeblich mitgewirkt hat.
https://www.zdf.de/play/dokus/katastrophen-der-erdgeschichte-wie-unser-planet-entstand-100/katastrophen-der-erdgeschichte-planet-aus-eis-100

Der ganze Film ist hochinteressant. Ab Minute 7:00 und Minute  25:50  dann später noch einmal ist er und Kollegen zu sehen. Ich habe mich in erster Linie mit der fotografischen Dokumentation befasst. Hier meine Fotos. Aufgenommen an meinem Jenaval Kontrast. Zur besseren Ansicht bitte Grafik in neuem Tab öffnen.
Andere Cyanobakterien folgen später.
  Gruß von Siegfried

hebi19

"Wohw" .... oder IRRE ... oder wie man da seine Bewunderung ausdrücken möchte.

Bewunderung sowohl für die Biologie wie auch für die Forschenden...


Und herzlichen Dank für das Einbringen hier ins Forum !!
Grüße von
Martin alias hebi19

Motic BA-300, div Lomo, Stereo-Mikroskop noname

Spectrum

Hallo Siegfried,
Was für ein hochinteressanter Beitrag.
Die hier beschriebenen Lebewesen die diese Bodenkrusten an einem so extremen Standort bilden, bzw andere die sich als Flechten behaupten, sind absolut faszinierend.
So oder so ähnlich stelle ich mir die ersten Pioniere vor, die zu Urzeiten die trockenen Bereiche der Kontinente erobert haben.

Deine Aufnahmen sind wunderschön!

Die gezeigte Kalymmatonema lebt in diesen "Bio-krusten" nicht in Flechten, richtig?
Und noch eine Frage hätte ich:
Sind das Proben direkt aus dem Lebensraum, oder wurden die gezielt vermehrt, bevor sie auf deinem Objektträger so wunderbar in Szene gesetzt wurden?

LG Holger
Holger
Duzen und meine Bilder (auch ungefragt)  bearbeiten, mit eigenen Aufnahmen ergänzen und weitergeben erwünscht!

Siegfried

#3
Hallo Martin und Holger,
danke für euer Interesse an meinem Kleinen Beitrag. Noch ein kleiner Nachtrag, die Bilder eins und vier sind mit dem Objektiv GF Planachromat HI 100/1,25 aufgenommen und die Bilder zwei und drei mit dem
GF Planachromat HI50/1.0. So konnte ich in der Ölimmersion immer umschwenken.
Holger- ja Kalymmatonema sp. wurde vor allem in biologischen Bodenkrusten in trockenen und Wüstenumgebungen gefunden, die Sympiose mit Flechten war bei Trebouxia sp.   in meinem vorherigen Beitrag.
So habe ich es auch verstanden. Zu deiner Frage nach der genauen Herkunft von Kalymmatonema sp., ob direkt aus der Atakama Wüste nach Hasenthal eingeflogen  ;)  oder aus einer gezielten Vermehrung der ursprünglichen Probe im Labor von Dr. Jung, tippe ich auf zweites. Aber ich frage nach.
   Gruß von Siegfried

anne

Lieber Sigi,
toller Beitrag, der mich als Kaiserlautrerin besonders interessiert.
Wie hast Du denn das schöne Dunkelfeld in Bild 3 und 4 hinbekommen?
lG
anne

GerhardL

Hallo Siegfried,
sehr interessant und sehr schöne Bilder.
LG
Gerhard

Siegfried

#6
Liebe Anne und Gerhard, danke für euer Feedback,
Anne- ja in Kaiserslautern wird man bei der Suche nach besonders seltenen Species im Wassertropfen anscheinend oft fündig. Das sieht man ja bei dir, Euglena sanguinea, Lacunastrum gracillimum, Teuthophrys trisulca usw. ,und so habe ich ja auch die Alge des Jahres Trebouxia sp. von Dr. Jung aus Kaiserslautern bekommen. 8)
Zu den Bildern 3 und 4.   Bild 3 ist ja eigentlich Dunkel DIK. Das kann ich bei mir einstellen, dann wird der Hintergrund sehr dunkel, allerdings die Plastizität leitet. Ich habe halt aus sehr dunkel, schwarz gemacht. Nun will ich aber gleich dazu sagen, Bildbearbeitung ist nach meiner Auffassung nicht KI, also mit einem normalen Bildbearbeitungsprogramm wie in diesem Fall noch das alte PS CS2., das bei mir auf Windows 11 noch ganz gut läuft. So dann zu Bild 4, hier habe ich mein Bild 1 welches ich mit dem 100er Objektiv aufgenommen und so auch unbearbeitet hier gezeigt habe, genommen. Ich habe einige Zwischenräume und den Hintergrund mit dem Zauberstab markiert und schwarz gefüllt um nur die Cyanos besser hervorzuheben. Meine Vorgehensweise ist in diesem Fall sicher  Ansichtssache. Nochmal, das Foto eins ist Original.
   lG von Sigi

Peter T.

Lieber Siegfried,

beeindruckender Beitrag. Ich finde es immer besonders toll, wenn Kontakte über das Forum hinaus entstehen. Meist ist ja die Hilfsbereitschaft groß.
So etwas wie Deine Cyanos bekommt man ja sonst nie unter das Objektiv.

Schöne Grüße

Peter

reblaus

#8
Hallo Siegfried -

Summa cum laude - Gratuliere!

Rolf

Michael L.

Hallo Siegfried,

vielen Dank für diesen interessanten Beitrag und die tollen Fotos! Die Atacama ist ein faszinierender Ort, war selber mal da. Neben den unglaublichen terrestrischen Extrem-Lebensräumen gibt es dort auch noch faszinierende, aquatische Biotope wie zum Beispiel das El Tatio Geysir Feld bei San Pedro de Atacama, wo eine diverse, extremophile Mikroorganismengemeinschaft vorkommt. Auch die Salzpfannen bieten extremophilen Mikroben interessante Lebensräume. Wer sich weiter dafür interessiert findet im Internet reichlich Lesestoff. Hier zwei Arbeiten die ich auf die schnelle in meiner Ablage ausgekramt habe:

Gong et al Formation and Preservation of Microbial Palisade Fabric in Silica Deposits from El Tatio, Chile Astrobiology · October 2019 DOI: 10.1089/ast.2019.2025

DEMERGASSO Microbial mats from the Llamará salt flat, northern Chile RA 485 Revista Chilena de Historia Natural 76: 485-499, 2003

Gruß
Michael

Siegfried

#10
Hallo Peter T., Rolf und Michael L.,
vielen Dank für euer Feedback. Ja Cyanobakterien aus anderen Gegenden unserer Erde sind schon mal was besonderes. Michael vielen Dank für das Teilen deiner zusätzlichen persönlichen Erlebnissen aus der Atacama Wüste. Nun ein kleiner Sprung zu dem Cyanobakterium Gloeobacter sp. aus einer Höhle in Spanien. Die Gattung Gloeobacter repräsentiert die evolutiv ursprünglichste und älteste Linie aller uns bekannten Cyanobakterien. 
Gloeobacter ist ein lebendes Fossil. Die Erforschung ihres Genoms hilft Wissenschaftlern zu verstehen, wie die oxygene Photosynthese vor Milliarden von Jahren auf der Erde entstanden ist, bevor sich komplexe innere Zellstrukturen entwickelten. (Hinweise von Dr. Patrick Jung und aus den Netz)
Hier ein erstes Foto mit dem 100er Objektiv. Ja die Farbe der Kolonien schwankt zwischen violett und manchmal rötlich.
   Gruß von Siegfried