Autor Thema: Menoidium pellucidum  (Gelesen 2351 mal)

Martin Kreutz

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Menoidium pellucidum
« am: April 14, 2010, 19:53:38 Nachmittag »
Liebes Forum,

kürzlich habe ich mich nochmal an einem schönen Flagellaten versucht, den ich früher schon öfters fotografiert habe und der auch recht häufig im Simmelried ist. Es handelt sich um die sichelförmige Euglenophycee Menoidium pellucidum. Das Objekt ist vermeindlich einfach, da es nicht sehr schnell schwimmt und recht groß ist (mein Exemplar immerhin 72 µm). Die Schwierigkeit liegt im Flagellum. Immer wenn man die Schichtdicke so weit reduziert hat, dass das ganze Objekt in einer Schärfenebene liegt, wird meist das Flagellum abgeworfen oder eingeschmolzen. In einem Präparat, in dem Menoidium eigentlich als Beifang enthalten war, hatte ich jedoch Glück.

Man kann M. pellucidum nicht nur an der typischen Sichelform erkennen, sondern auch an der vorgeschobenen "Unterlippe", des halsartig verjüngten Vorderendes. Interessant ist die "duale Verteilung" der Vorratskörper. Im Vorderende (vor dem Zellkern) befinden sich immer dicht gepackte, stab- oder zylinderförmige Paramylonkörner. Im Hinterende meist jedoch nur kleine Kugeln, ohne Struktur, deren chemische Natur unbekannt ist. Der Zellkern in der Mitte zeigt ein angedeutetes Stahlenmuster. Fokussiert man auf die Pellikula, erkennt man eine zarte, im DIK schwer zu kontrastierende Längsstreifung.

ZK = Zellkern
RE = Reservoir
St = Längsstreifung der Pellikula
PA = Paramylon
RK = Reservekörner




Viel Spass beim anschauen!

Martin Kreutz

Michael Plewka

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Re: Menoidium pellucidum
« Antwort #1 am: April 14, 2010, 21:01:36 Nachmittag »
hallo Martin,
Du stellst uns ja hier immer sehr exotische Lebewesen vor! Auch diesen Flagellaten habe ich  noch nie gefunden. Da das Simmelried dermaßen speziell ist, gehe ich mal davon aus, dass diese Fotos somit eine einmalige Chance sind, diese Viecher überhaupt zu sehen, und das auch in Deiner unvergleichlichen Bildqualität.

Vielen Dank und beste Grüße Michael


steffenclauss

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Re: Menoidium pellucidum
« Antwort #2 am: April 15, 2010, 07:15:31 Vormittag »
Hallo Martin,

in einer meiner Eimer in denen ich meine alten Proben entsorge, treffe ich gelegentlich auf diesen mir bis dato unbekannten Flagellaten. Da sich das Vieh in seiner Bewegung um die Längsachse Dreht, wirkt er (am besten im Dunkelfeld) wie ein "Blinker" und ist somit schon bei geringer Vergrößerung gut zu erkennen.
Nun hat das Objekt endlich einen Namen,

vielen Dank!

viele Grüße
Steffen Clauss