Autor Thema: Ferrogabbro  (Gelesen 7409 mal)

Holger

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Ferrogabbro
« am: April 16, 2010, 15:11:26 Nachmittag »
Hallo Freunde des Gesteinsdünnschliffs,

der Brocken, der die untenstehenden Bilder geliefert hat, hatte das Pech, mir an einem stürmischen Nachmittag an der Nordseeküste in die Hände zu fallen, und er tat das hauptsächlich aufgrund seines bemerkenswerten Äußeren: Ein Stein, der mit Rostflecken überzogen war wie mit Pockennarben. Eigentlich wollte ich nur ein Stückchen mitnehmen, aber er widersetzte sich seiner Destruktion mit dem Hammer auf äußerst bemerkenswerte Weise. Also kam er als Ganzes mit.

Als erste bemerkenswerte Eigenschaft fiel das magnetische Verhalten auf: Der Stein war zwar nicht selbst magnetisch, wurde aber von Magneten angezogen (bzw. vice versa).

Im Dünnschliff zeigte sich dann eine eher eintönige Natur, denn das Gestein besteht hauptsächlich aus drei Bestandteilen: Plagioklas, Klinopyroxen und nicht weiter bestimmbaren Erzmineralien...









Die Auslöschungsschiefe sowie der recht hohe Brechungsindex des Klinopyroxens deutet auf einen stark eisenhaltigen Diopsid (Hedenbergit).

In den wenigen Zwickeln finden sich schöne Verwachsungen, die ich - mangels besseren Wissens - als Perthit ansprechen möchte:



Und schließlich finden sich, meist in der Nähe von Erzkörnern mit lamellaren Strukturen (Ilmenit?) grünliche Mineralien, die man evtl. als Amphibole ansehen könnte:



Andere Mineralphasen (Biotit, Quarz) waren sehr selten und unscheinbar.

Makroskopische wie mikroskopische Merkmale gestatten meiner Meinung nach, das Material als stark eisenerzhaltigen Gabbro (Ferrogabbro) anzusprechen. (Aufgrund der geringen Korngröße könnte man das Stück evtl.auch als Mikrogabbro bezeichnen.)

Gruß,
Holger

bewie

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Re: Ferrogabbro
« Antwort #1 am: April 16, 2010, 15:51:53 Nachmittag »
Hallo Holger,

schöne und informative Bilder. Aber eines ist meinem laienhaften Blick nicht klar geworden: Die tiefschwarzen und offenbar völlig lichtundurchlässigen Teile in den ersten beiden Bildern - was ist das? Bitumen oder Metall oder etwas ganz anderes?

Beste Grüße
Bernd

Holger

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Re: Ferrogabbro
« Antwort #2 am: April 16, 2010, 18:19:26 Nachmittag »
Hallo Bernd,

die undurchsichtigen Teile des Schliffs sind die (nicht näher zu bestimmenden) Erzminerale. Deren optische Bestimmung würde ein Auflichtmikroskop und einen polierten Dünnschliff erfordern, wobei ich das eine nicht habe und das andere nicht herstellen kann... ;D

Gruß,
Holger

olaf.med

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Re: Ferrogabbro
« Antwort #3 am: April 16, 2010, 19:31:39 Nachmittag »
Hallo Holger,

schöner Schliff! Deine "Perthite" sind aber eher myrmekitische Verwachsungen. Ich habe z.Zt. keine Zugang zu Literatur um mehr Details darüber herauszufinden - ich sitze in Rochester, NY in den USA fest und beobachte im Internet die Aschewolke, die mir die Heimreise versperrt. Schöne Sch.... :( :(

Herzliche transatlantische Grüße, Olaf
Gerne per Du!

Vorstellung: http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=4757.0

... und hier der Link zu meinen Beschreibungen historischer mineralogischer Apparaturen:
https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=34049.0

Holger

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Re: Ferrogabbro
« Antwort #4 am: April 16, 2010, 21:01:39 Nachmittag »
Hallo Olaf,

danke für den Hinweis: Also eher Verwachsungen zwischen Quarz und Feldspat (Myrmekit) als solche zwischen zwei Feldspäten (Perthit bzw. Antiperthit)?

Und mach' Dir nichts aus der Verspätung: Vulkanausbrüche geschehen nicht alle Tage... ;D Ich hatte schon mit dem Gedanken gespielt, die im Norden Deutschlands beheimateten Forumsmitglieder um Aufmerksamkeit und ggf. eine Probe der Vulkanasche zu bitten, falls tatsächlich etwas davon hierzulande herunterkommt... ;D

Gruß,
Holger

TPL

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Re: Ferrogabbro
« Antwort #5 am: April 16, 2010, 22:14:12 Nachmittag »
Zitat
Ich hatte schon mit dem Gedanken gespielt, die im Norden Deutschlands beheimateten Forumsmitglieder um Aufmerksamkeit und ggf. eine Probe der Vulkanasche zu bitten, falls tatsächlich etwas davon hierzulande herunterkommt.

Hallo Holger,
der Wetterbericht sieht nicht nach Regen aus, aber ich habe trotzdem schon Spritzflasche und Gefäße vorbereitet, um den Staub vom Autodach abzuspülen und ein paar Präparate zu machen. In drei Monaten werde ich deutlich näher dran sein, aber wer weiß, ob die Aktivität bis dahin nicht schon abgeklungen ist...

Eruptive Grüße, Thomas

olaf.med

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Re: Ferrogabbro
« Antwort #6 am: April 16, 2010, 23:58:24 Nachmittag »
Hallo Thomas,

....na, hoffentlich klingt das schon bald ab, sonst muß ich mich hier noch um eine greencard bemühen... :'( :'(..

Gruß, Olaf
Gerne per Du!

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TPL

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Re: Ferrogabbro
« Antwort #7 am: April 17, 2010, 00:20:13 Vormittag »
....na, hoffentlich klingt das schon bald ab, sonst muß ich mich hier noch um eine greencard bemühen... :'( :'(..

Wenn einer eine Reise tut...
Lieber Olaf,
ich wünsche Dir ein baldige, aber vor allem sichere Heimkehr - nicht nur, um auch mir einmal zu erklären, was es mit diesem Gestein auf sich hat. Ich musste bei der Bestimmung nämlich schon "passen".
Ich hoffe Du findest es nicht nicht unpassend in Deiner aktuellen Situation, aber als Geologe finde ich es faszinierend, dass wir nicht nur durch schöne Dünnschliffbilder, sondern auch durch solche Ereignisse wie den Eyjafjallajökull-Vulkan gezeigt bekommen, auf was für einem dynamischen Planeten wir leben!

Glückauf! Thomas

Erik W.

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Re: Ferrogabbro
« Antwort #8 am: April 17, 2010, 10:50:48 Vormittag »
Guten Morgen Holger,

eine schöne Dokumentation mit tollen Bildern. Hat Freue gemacht, diese zu lesen.

@Thomas:

Zitat
... aber ich habe trotzdem schon Spritzflasche und Gefäße vorbereitet, um den Staub vom Autodach abzuspülen und ein paar Präparate zu machen ...

Ich werde deinen Spuren folgen.... So etwas ist eigentlich eine tolle Idee für einen Ringversuch im Forum. Staubkörnchen einbetten sollte eigentlich jeder können.

Viele Grüße

Erik
 

Holger

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Re: Ferrogabbro
« Antwort #9 am: April 17, 2010, 11:34:38 Vormittag »
Zitat
... aber ich habe trotzdem schon Spritzflasche und Gefäße vorbereitet, um den Staub vom Autodach abzuspülen und ein paar Präparate zu machen ...

Ich werde deinen Spuren folgen.... So etwas ist eigentlich eine tolle Idee für einen Ringversuch im Forum. Staubkörnchen einbetten sollte eigentlich jeder können.

Okay, ich fange dann mal an, meine Dachfenster zu putzen, um eine möglichst kontaminationsfreie "Probensammelfläche" zu haben... ;D

Gruß,
Holger

Udo Maerz

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Re: Ferrogabbro
« Antwort #10 am: April 19, 2010, 12:25:41 Nachmittag »
Hallo Holger,

Glückwunsch zu deinem tollen Fundstück, dem gelungenen Dünnschliff und den schönen Bildern!

eine Anmerkung zu deinem letzten Bild bezüglich der Erzphase

Die Art der Verwachsung zwischen dem grünlichen erscheinenden Mineral und dem opaken  Mineral im oberen rechten Quadranten und und dem linken unteren Quadranten scheint auf orientierte Verwachsungsverhältnisse zwischen den beiden Partnern hinzudeuten, wie sie z.B. für Titanomagnetit durchaus üblich sind, nur dass der sich in Lamellen entmischende Partner Ilmenit als Erzmineral ebenfalls opak wäre, somit also keine grünliche Eigenfarbe zeigen könnte.
Wenn sich unter gekreuzten Polarisatoren die grünliche Phase isotrop verhält ( du hattest die Vermutung geäußert, dass es sich um Hornblende handeln könnte-->, die ja Doppelbrechung zeigt), dann könnte es sich dabei um Hercynit handeln, wie Magnetit ein Vertreter aus der variationsreichen Reihe der Spinelle.

viele Grüße
Udo Maerz

Holger

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Re: Ferrogabbro
« Antwort #11 am: April 19, 2010, 19:40:58 Nachmittag »
Hallo Udo,

vielen Dank für Deinen Hinweis. Das grüne Material scheint optisch anisotrop zu sein, wobei es jedoch nicht den für Hornblende typischen Pleochroismus im LPL zeigt. Allerdings scheinen diese grünen Massen jedoch (was in den LPL-Aufnahmen nicht gut zu erkennen ist) auch keine monokristallinen Gebilde zu sein, sondern haben eine faserig erscheinende Struktur. Ich werde versuchen, davon noch eine halbwegs anschauliche Aufnahme zu produzieren.

Gruß,
Holger

olaf.med

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Re: Ferrogabbro
« Antwort #12 am: April 19, 2010, 23:51:18 Nachmittag »
Hallo Holger,

so ganz aus der Ferne - gestrandet in den USA auf unbestimmte Zeit - moechte ich auch eine Vermutung auessern:

das gruene Zeugs ist "Gammel", also einfach sekundaere Umwandlungsprodukte (feinste Schichtsilikate wie Chlorit etc.).

Gruss, Olaf
Gerne per Du!

Vorstellung: http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=4757.0

... und hier der Link zu meinen Beschreibungen historischer mineralogischer Apparaturen:
https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=34049.0

TPL

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Re: Ferrogabbro
« Antwort #13 am: April 20, 2010, 00:25:53 Vormittag »
Zitat
das gruene Zeugs ist "Gammel", also einfach sekundaere Umwandlungsprodukte (feinste Schichtsilikate wie Chlorit etc.)

Hallo Olaf,
Aua, das saß tief! ;D
Mit diesem Begriff hast Du bei mir (als ehemaligem Tonmineral-Dilettanten und Röntgen-Beuger) aber die Erinnerung an die Minerale "Kennmanit", "Woasmanit" und "Schlunzit" geweckt ;).

Hallo Holger und alle Dünnschliff-Freunde,
im Pichler (von dem zwei der oben genannten Namen stammen) sind die hydrothermal in Leukoxen umgewandelten Ilmenite und Titanomagnetit mit solchen Skelettkristallen abgebildet, wie es Udo geschrieben hat. Allerdings würde das noch nicht das anisotrope grüne Mineral erklären. Pleochroitisch ist es auch nicht; da wird es mit Chlorit ja schwierig, oder?
Schönen Gruß, Thomas
« Letzte Änderung: April 20, 2010, 00:55:46 Vormittag von TPL »

Holger

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Re: Ferrogabbro
« Antwort #14 am: April 20, 2010, 07:33:25 Vormittag »
Hallo Thomas,

also, die Namen dieser Minerale werde ich mir gut merken und demnächst ausführliche Fotodokumentationen zu jedem davon vorlegen... ;D ;) :D

Davon abgesehen: Was immer das grüne Zeug ist, ich glaube, dass die Kristalle so klein und so unregelmäßig miteinander verwachsen sind, dass optische Eigenschaften wie Pleochroismus an dieser Probe gar nicht vernünftig bestimmt werden können. Also kann eine endgültige Bestimmung ruhig noch warten...

Gruß,
Holger