Autor Thema: Isländische Vulkanaschepartikel  (Gelesen 3092 mal)

Udo Maerz

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Isländische Vulkanaschepartikel
« am: April 23, 2010, 00:04:21 Vormittag »

Nachdem es in der Nacht vom 20. zum 21. April den ersten Regen seit längerer Zeit gegeben hat, habe ich mit einer Klinge - wie schon an anderer Stelle beschrieben - Staub von der Windschutzscheibe unseres Autos geschabt und als Streupräparat in Kanadabalsam eingebettet.

Neben verschiedenen Pollen, Sternehaareresten und Partikeln, deren Ursprung ich in verbrannten Holz aus Kaminfeuerungen (Lage im Ballungsgebiet) vermute, fand sich überraschend viel Material, das sich dem
Vulkanausbruch in Island zuordnen lässt.

Bild 1 zeigt in linear polarisiertem Licht (LPL) neben vielen Pollen in der linken Bildhälfte einen farblos transparenten Kristall und senkrecht darunter einen flaschengrünen Kristall (ohne erkennbaren Pleochroismus).




Bild 1 Ortholux LPL Achr. 13 fach


In Bild 2 erkennt man unter gekreuzten Polarisatoren, dass viele der kleinen Splitter doppelbrechend sind und dass es sich bei dem großen transparenten Kristall vermutlich um einen Sanidin handelt. Die dunkle Eigenfarbe des flaschengrünen Minerals lässt die Interferenzfarben nicht deutlich hervortreten.



Bild 2 Ortholux XPL Achr. 13 fach


Im 3. Bild sehen wir das Bruchstuck eines ähnlichen flaschengrünen Kristalls und seiner splittrigen Umgebung bei höherer Vergrößerung im LPL und in Bild 4 mit XPL



Bild 3 Ortholux LPL Apo 25 fach




Bild 4 Ortholux XPL Apo 25 fach

Insgesamt ist die Identifizierung der einzelnen Mineralphasen nicht einfach; bedingt durch die wechselhafte Korngröße trifft man nicht auf die "gewohnten" Interferenzfarben und die Minerale treten überwiegend nur als Bruchstücke auf, es fehlen Ecken und Kanten zur Feststellung von gerader oder schiefer Auslöschung.

Einige lassen sich anhand ihrer lebhaften Interferenzfarben unter XPL jedoch sehr schnell finden, z.b. in Bild 5; dieser Kristall zeigt eine gerade Auslöschung (hier zur besseren Darstellung leicht gedreht zur N-S-Richtung). Bild 6 zeigt den Kristall in LPL. Möglicherweise handelt es ich um einen Zirkon. In dem Streupräparat war dieses Mineral mit hoher Doppelbrechung und gerader Auslöschung häufiger anzutreffen.



Bild 5 Ortholux XPL Apo 25 fach



Bild 6 Ortholux LPL Apo 25 fach


Ein weiteres, mit regelmäßigen Kristallformen auftretendes Mineral zeigte ebenfalls gerade Auslöschung unter XPL und einen deutlichen, bernsteinfarbigen Pleochroismus (Bilder 7-9).



Bild 7 Ortholux LPL Achr. 13 fach




Bild 8 Ortholux XPL Achr. 13 fach




Bild 9 Ortholux LPL Achr. 40 fach


Leider kann ich dieses schöne Bruchstück nicht identifizieren und habe auch keine Vermutung, was es denn sein könnte.
Insgesamt aber zeigt die Auswahl der Fragmente (Sanidin, Zirkon? und weitere, teilweise idiomorphe Kristalle), dass diese nicht zum gemeinen Straßenstaub, Verbrennungs- oder sonstigen Industrie-Emissionen gehören.

Alle Fotos mit Canon 1000d (geringfügig bearbeitet)


Lust auf Abstauben ???

Viele Grüße
Udo Maerz

 


 

Erik W.

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Re: Isländische Vulkanaschepartikel
« Antwort #1 am: April 24, 2010, 16:13:42 Nachmittag »
Hallo Udo,

eine schöne Bilddokumentation. Von den indentifizierten Kristallen kannte ich fast nichts => du könntest mir praktisch alles dazu schreiben und ich würde keinen Fehler bemerken.

Für die Identifikation von Einzelkristallen, ist sicher ein Spindeltisch prima geeignet. Vorausgesetzt man kann damit umgehen  ;D.

Viele Grüße

Erik


TPL

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Re: Isländische Vulkanaschepartikel
« Antwort #2 am: April 24, 2010, 16:51:11 Nachmittag »
Hallo Udo,
ein schönes Präparat! Danke für diese aussgaefähigen Bilder des Auswurfmaterials - sieht man ja sonst selten.

Vielleicht ist das "flaschengrüne" Korn ja ein Gesteinsglas...

Zitat
Ein weiteres, mit regelmäßigen Kristallformen auftretendes Mineral zeigte ebenfalls gerade Auslöschung unter XPL und einen deutlichen, bernsteinfarbigen Pleochroismus
Spontan fiel mir dazu Rutil ein, aber im Bild 9 sieht das Relief nicht so besonders groß aus (was es aber sein sollte). Außerdem wäre noch die Paragenese in den Vulkaniten problematisch. Andererseits ist Rutil extrem stabil - fast so stabil wie Zirkon. Vielleicht hat er sich nur "dazugesellt".

Schönen Gruß, Thomas