Autor Thema: Botanik: Wiesen-Sauerampfer (Rumex acetosa) *  (Gelesen 7131 mal)

Hans-Jürgen Koch

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Botanik: Wiesen-Sauerampfer (Rumex acetosa) *
« am: Juni 02, 2010, 11:33:40 Vormittag »
Guten Tag zusammen!

Der Wiesen-Sauerampfer (Rumex acetosa), auch Großer Sauerampfer oder nur Sauerampfer genannt, ist eine Pflanzenart, die zur Familie der Knöterichgewächse (Polygonaceae) gehört. Er ist ein Wildgemüse.
Inhaltsverzeichnis
•   1 Geschichte
•   2 Beschreibung
•   3 Inhaltsstoffe
•   4 Verwendung
•   5 Anbau
•   6 Bestäubung
Geschichte
Bereits im Altertum verwendeten die Ägypter, Griechen und Römer Sauerampfer als Ausgleich für die zu reichliche Aufnahme von fetten Speisen bei ihren Festmahlen. Im Mittelalter war der Sauerampfer vor allem auf den britischen Inseln weit verbreitet und man schrieb ihm - wahrscheinlich fälschlicherweise - eine fiebersenkende Wirkung zu. Außerdem war Sauerampfer den Seefahrern des Mittelalters bereits als Mittel gegen Skorbut bekannt.
Beschreibung
Er wächst mehrjährig als krautige Pflanze. Der Sauerampfer liebt nährstoff- und stickstoffreiche und lehmige Böden. Die Blütezeit erstreckt sich von Mai bis August. Die kleinen roten Blüten befinden sich an blattlosen Stängeln als Rispe ausgebildet. Die Pflanze wird 30 bis 100 cm hoch.
In der intensiven Grünlandwirtschaft ist der Sauerampfer ein Problem, da seine Samen (tausende pro Pflanze) nicht nur mehrere Jahre im Boden überleben, sondern auch in der Gülle keimfähig bleiben. Er gilt als Zeigerpflanze für vornehmlich durch Gülle gedüngter Grünländer. Er ist unerwünscht, da er sich in Silage oder Heu schlecht konservieren lässt und vom Vieh gemieden wird. Dadurch kann er sich auf zusagenden Standorten massenhaft ausbreiten und Futtergräser verdrängen. Seine Bekämpfung stellt ein großes Problem dar, da seine bis zu 1,5 m tiefen Speicherwurzeln auch noch in kleinen Teilen regenerationsfähig bleiben und neue Pflanzen bilden.
Inhaltsstoffe
Der Sauerampfer enthält  sehr viel Vitamin C, weswegen er als Wildgemüse gekocht oder roh gegessen werden kann. Allerdings enthält er Oxalsäure, welche, in größeren Mengen für den Menschen gesundheitsschädlich ist, besonders für Nierenkranke.

Blütenstand


Verwendung
Beim Sammeln des Sauerampfers darauf achten, dass er nicht von überdüngten Wiesen stammt. Ausgewählt werden sollten nur Exemplare mit makellosen Blättern. Ältere Exemplare mit rostbraunen Löchlein im Blatt sind in größerer Menge besonders unbekömmlich.
Man kann den Sauerampfer ähnlich wie Spinatzubereiten, bzw. ihn mit diesem mischen, damit ein etwas würziger Geschmack entsteht. Auch als Salatoder als cremige Suppe wird er verwendet.
Bei Verdauungsbeschwerden kann Sauerampfer als Heilmittelgenommen werden; und weil er einen sehr hohen Anteil an organischen Eisenverbindungen enthält, kann er auch bei Blutarmut gegeben werden.
Anbau
Mittlerweile wird der Sauerampfer auch gelegentlich im Garten kultiviert. Die Aussaat erfolgt dann im Frühjahr (ca. Mitte März) auf feuchtem Boden in Reihen, später werden die jungen Pflanzen auf 20 cm vereinzelt. Gepflückt werden die jungen, zarten Blätter; wenn man dies regelmäßig vornimmt, dann bilden sich relativ schnell neue Blätter nach, es ist also eine lange Erntezeit gewährleistet.
Bei der Bildung von Blüten sollten diese entfernt werden. Auf diese Weise geht die gesamte Kraft der Pflanze in die Blattbildung.
Es ist ebenfalls eine Spät - Saat im August möglich; die Ernte beginnt dann im darauffolgenden Jahr.

Bestäubung (Blütenbestäubung)
zweihäusige Pflanze, z.B. Wiesen-Sauerampfer oder Weide
Es existieren rein männliche und rein weibliche Pflanzen, Pollen der männlichen Pflanze gelangt zur Blüte der weiblichen Blüte  („-zwei Häuser“)



Präparation:
-   Fixierung in AFE-Gemisch für 48 Stunden
-   Fixiermittel auswaschen in 70 % Ethanol  5 Minuten
Vorbereitung zum Färben: Die zu färbenden Schnitte müssen zunächst von noch aus dem 70 % Ethanol über zwei Stufen (50% und 30%) in Wasser überführt werden.
-    1.Stufe   50% Ethanol 5 Minuten
-    2.Stufe  50% Ethanol  5 Minuten
-    1.Stufe  30% Ethanol  5 Minuten
-    2.Stufe  30% Ethanol   5 Minuten
-    1.Stufe  Wasser entmin.  5 Minuten
-    2.Stufe  Wasser entmin.  5 Minuten



Färben: Etzold grün in Einzelkomponenten
-   1. Rotkomponente bei 60 ° C ca. 5 Minuten
-   2. Grünkomponente bei 60 ° C ca. 2 Minuten
In Wasser entmin. auswaschen, 1x wechseln, je 1 Minute
Differenzierung mit 70% Ethanol war nicht notwendig.
In 100% Isopropylalkohol sorgfältig entwässern
-  1.Stufe – 30 Sekunden
-  2.Stufe – 3 Minuten
-  3.Stufe – 5 Minuten
Einschließen in Euparal

 -   Schnitt mit Reichert-Jung Schlittenmikrotom Hn40, Schnittdicke 40  µm
     Technik:
  -  Nikon Coolpix 995 mit Leitz Periplan 10*/18 Brille M

Bild 01
Stengel quer; Etzold grün Färbung



Bild 02
Stengel quer; Etzold blau Färbung


Bild 03
Fluoreszenz


Herzliche Grüße
Hans-Jürgen

« Letzte Änderung: November 08, 2014, 07:08:56 Vormittag von Fahrenheit »
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Fahrenheit

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Re: Wiesen-Sauerampfer (Rumex acetosa)
« Antwort #1 am: Juni 02, 2010, 19:53:02 Nachmittag »
Lieber Hans-Jürgen,

vielen Dank für die schöne Dokumentation zum Sauerampfer! Schnitte und Färbungen gefallen mir sehr gut.

Ein wenig OT: immer wenn ich Sauerampfer höre, kommen mir zwangsweise die folgenden Zeilen in den Sinn:

Am Bahndamm steht ein Sauerampfer,
der sieht so manche Diesellok,
doch niemals wieder einen Dampfer,
armer Sauerampfer.

 ;)

Herzliche Grüße
Jörg
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Hans-Jürgen Koch

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Re: Wiesen-Sauerampfer (Rumex acetosa)
« Antwort #2 am: Juni 02, 2010, 20:07:47 Nachmittag »
Lieber Jörg,

vielen Dank, für Deinen netten Kommentar. Die Zeilen habe ich noch nie gehört.

Freundliche Grüße

Hans-Jürgen
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Mila

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Re: Wiesen-Sauerampfer (Rumex acetosa)
« Antwort #3 am: Juni 02, 2010, 23:37:09 Nachmittag »
Guten Abend,

es ist für mich immer wieder faszinierend, wie unterschiedlich Sprosse "gebaut" sind.

Schöne Schnitte und Färbungen, auch Bild 03 gefällt mir gut.

Viele Grüße
Mila

Hans-Jürgen Koch

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Re: Wiesen-Sauerampfer (Rumex acetosa)
« Antwort #4 am: Juni 03, 2010, 10:24:43 Vormittag »
Liebe Mila,

auch Dir vielen Dank für Dein Lob!

Gruß

Hans-Jürgen
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Fahrenheit

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Re: Wiesen-Sauerampfer (Rumex acetosa)
« Antwort #5 am: Juni 03, 2010, 10:34:27 Vormittag »
Lieber Hans-Jürgen,

gerne - das kleine Gedicht habe ich von einem Eisenbahnenthusiasten aus meiner Schulzeit. Und im Gegensatz zu vielem Anderen, was ich damals auswendig gelernt habe, blieben mir diese paar Zeilen hängen.  ;D

Herzliche Grüße
Jörg
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Bernhard Kaiser

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Re: Wiesen-Sauerampfer (Rumex acetosa)
« Antwort #6 am: Juni 03, 2010, 15:41:01 Nachmittag »

Zitat
Am Bahndamm steht ein Sauerampfer,

Ringelnatz läßt grüßen.

Fahrenheit

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Re: Wiesen-Sauerampfer (Rumex acetosa)
« Antwort #7 am: Juni 03, 2010, 15:50:32 Nachmittag »
Lieber Bernhard,

schön mit diesem Gedicht von Ringelnatz die Quelle der Inspiration kennengelernt zu haben:

Arm Kräutchen
Ein Sauerampfer auf dem Damm
Stand zwischen Bahngeleisen,
Machte vor jedem D-Zug stramm,
Sah viele Menschen reisen.

Und stand verstaubt und schluckte Qualm
Schwindsüchtig und verloren,
Ein armes Kraut, ein schwacher Halm,
Mit Augen, Herz und Ohren.

Sah Züge schwinden, Züge nahn.
Der arme Sauerampfer
Sah Eisenbahn um Eisenbahn,
Sah niemals einen Dampfer.

Das konnte der Dampflok-vernarrte Bähner wohl nicht auf sich sitzen lassen.
 ;D

Herzliche Grüße
Jörg
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