Hauptmenü

Fossile Chara Alge ??

Begonnen von ludo, Juni 22, 2010, 09:53:53 VORMITTAG

Vorheriges Thema - Nächstes Thema

ludo

In meinen fossilen Mergelproben aus dem Miozän finden sich neuerdings bandartige Strukturen millimeterlang, wenige µm breit.

Zu Bild 1 kann ich im "10.Wassertropfen", S. 348 nur den  (allerdings anders gebauten) Hornstrahl einer Vogelfeder finden



Bei den folgenden Bildern vermute ich eine Chara Alge. Die Proben wurden ausreichend mit HCL und H2O2 behandelt, sind also kalkfrei, aber woraus bestehen dann diese vermuteten Algenfäden (wenn sie es denn sind): aus Zellulose ??

Bild 2:



Bild 3:



Bild 4:



Bild 5:



Bin für jeden Hinweis dankbar !

viele grüße

ludwig

TPL

Hallo Ludwig,
das erste Bild erinnert mich an Fledermaushaar.
Characeen kenne ich nur von ihren verkalkten Oogonien, die in einzelnen Epochen (und natürlich faziesabhängig!) Leitfossilien sein können.
Bei Deiner Säure-Aufbereitung wäre deren Erhaltung aber ausgeschlossen. Deshalb vermute ich eher eine Kontamination mit (mir unbekannten, gebleichten) Pflanzenteilen durch Eintrag von der Oberfläche, z.B. durch tiefreichende Trockenrisse, Durchwurzelung oder durch die Probennahme selbst.

Schönen Gruß, Thomas

Klaus Herrmann

Hallo Thomas,

bei Fledermaus bin ich skeptisch, ich denke eher an Botanisches und dann noch an die Haare von so einem Käfer, wurde hier schon 2 mal gezeigt.

Fledermaus (rezent)  ;)

Mit herzlichen Mikrogrüßen

Klaus


ich ziehe das freundschaftliche "Du" vor! ∞ λ ¼


Vorstellung: hier klicken

Lenzenweger

Hallo Ludwig,
neben Kieselalgen und Foraminiferen finde ich in Miozänen Mergelproben mitunter auch solche Fäden wie auf Foto 1 abgebildet. Es ist meiner Meinung daher offensichtlich, dass es sich um ein fossiles und nicht um ein zufällig in die Probe gelangtes Objekt jüngeren Datums handelt. Um die Reste welcher Lebewesen (pflanzlich oder tierisch) es sich dabei handelt, habe ich bisher aber nicht ausfindig machen können.
Mit freundlichen Grüßen
Rupert Lenzenweger     

Jürgen Boschert

Hallo zusammen,

hatte das in anderem Zusammenhang schon einmal gepostet:



Ein Bild eines Strahles einer Daunenfeder.

Beste Grüße !

JB
Beste Grüße !

JB

ludo

#5
Hallo zusammen,

Ganz herzlichen Dank Euch, für die wertvollen Beiträge, die mich allesamt so schnell viel weiterbringen !

Nach den Fotos von Klaus und Jürgen zusammen mit dem Bild im "Wassertropfen" läßt sich resümieren, dass mein Bild 1 wohl ein Hornstrahl einer Vogelfeder ist, wobei sich zeigt, dass diese Hornstrahlen (vielleicht artspezifisch) deutlich verschieden gestaltet sein können.

Dass die anderen Bilder organisches Material zeigen, scheint klar zu sein, möglicherweise nach dem Hinweis von Thomas rezent und pflanzlichen Ursprungs. Da wäre es gut, zu wissen, was denn nach einer HCL und H2O2 Behandlung bei rezenten und fossilen Proben eigentlich übrigbleibt. In der Algenliteratur findet sich ja eine Vielzahl von Substanzen in den verschiedenen Schichten der Zellwände. Was bleibt davon denn übrig nach dieser Behandlung ? Vielleicht hat es schon jemand getestet und ich muß es nicht noch einmal ausprobieren. Oder anders gefragt: Sind die fossilen Algen (außer den geologisch bedingten Sonderfällen) vom Kieselsäure-Typus (von Natur aus oder nachträglich verkieselt) ?

Nochmals vielen Dank für die wertvollen Hilfen

mit herzlichen Grüßen

ludwig

TPL

Hallo Ludwig,
ich denke, es wird am einfachsten sein, bei der nächsten Probenaufbereitung einmal eine Sammlung potenzieller "Kontaminanten" (auch Wurzeln der Pflanzen, die in der Nähe Deiner Aufschlüsse vorkommen) mit zu baden (natürlich als separate Probe) und das Ergebnis mit Deinem Schlämmgut zu vergleichen.

Nach meiner Erfahrung ist es bei der Probennahme in natürlichen Aufschlüssen in unseren Breiten (ob nun in Frankreich oder in Österreich ;)) selbst bei großer Sorgfalt kaum möglich, unkontaminierte Proben zu entnehmen. Wurzeln dringen auch in bindige Unterböden sehr viel tiefer ein, als man sich vorstellt und auf den gar nicht so seltenen Schrumpfungsrissen der Mergel- und Tonsteine kommt auch noch eine Menge anderer Schmodder ins Probengut. Auch ungereinigte Probennahmegeräte (Hammerspitze, Schaufelblatt, Fingernägel!) und der Nachfall von hangaufwärtigen Verwitterungskrusten sind Kontaminationsquellen - Schürfe deswegen immer von unten nach oben anlegen! Bei der Probennahme in Mergeln hat es sich bewährt, überhaupt nur die intakten, größeren, quaderförmigen Stückchen in die Tüte zu packen und unmittelbar vor der Aufbereitung noch einmal kurz abzuduschen, um alle kleineren Partikel zu verwerfen.

Dass auch die fossilen Algen taxonomisch eine komplexe Sammlung sind, muss ich Euch ja nicht erzählen, aber auch was die mineralische Zusammensetzung ihrer Hartteile angeht gibt es eine große Vielfalt. Gerade bei den Charophyta lese ich gerade (Lowenstam, 1981: Minerals formed by organisms. Science, 211: 1126-1131), dass außer dem verbreiteten Kalzit sogar Baryt (Schwerspat, Bariumsulfat) bestimmt wurde!
Daneben gibt es im Flachmeer massenhaft aragonitbildende Algen (Halimeda) und die Rhodophyta produzieren auch noch Vaterit.
Die hier so beliebten Schmuckalgen sekretieren wohl auch Whewellit und dann gibt es noch zahlreiche Taxa die Opal abscheiden.

Fossile Grüße, Thomas

ludo

Hallo Thomas,

ganz herzlichen Dank für Deine Informationen und die guten Tipps. Die werde ich umsetzen. Wenn das so ist, bleibt ja gar nicht viel anderes übrig, als eine "Gegenprobe" mit potenziellen Kontaminanten durchtzuführen.  Ich hatte gehofft, mit HCL und H2O2 als chemischer Keule den allermeisten rezenten Schlunz wegzubekommen.

fossile und rezente Grüße

ludwig