Autor Thema: Botanik: Gewöhnliche Traubenkirsche (Prunus padus) *  (Gelesen 7069 mal)

Hans-Jürgen Koch

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Botanik: Gewöhnliche Traubenkirsche (Prunus padus) *
« am: Juli 18, 2010, 11:01:39 Vormittag »
Hallo Pflanzenfreunde,

Systematik
•   Abteilung: Bedecktsamer Magnoliophyta
•   Klasse: Dreifurchenpollen-Zweikeimblättrige Rosopsida
•   Unterklasse: Rosenähnliche Rosidae
•   Ordnung: Rosenartige Rosales
•   Familie: Rosengewächse Rosaceae
•   Gattung: Prunus
•   Art: Gewöhnliche Traubenkirsche
•   Rosengewächse
•   Padus avium MILL.
•   padus (lat.) = historische Name des Po in Oberitalien; avis (lat.) = Vogel
•   bis 10 m hoher Strauch oder Baum,
•   weiche, oberseits durch vertiefte Nerven etwas runzlige, scharf gesägte, elliptische
•   Blätter
•   Blütezeit: 4 - 5
•   reichblütige, meist hängende, 8 - 15 cm lange Trauben
•   weiße, besonders abends einen aufdringlichen betäubenden Geruch ausströmende
•   Blüten, Kronblätter länglich, etwa doppelt so lang wie die Staubblätter
•   erbsengroße, glänzend schwarze, 6 - 8 mm dicke Steinfrucht, Steinkern
•   grubig gefurcht
•   Heimat: Europa, Sibirien
•   Rinde riecht beim Zerreiben nach bitteren Mandeln, früher medizinisch verwendet,
•   Ziergehölz


Bild 01
Prunus padus: Illustration


Beschreibung

Die Gewöhnliche Traubenkirsche (Prunus padus) ist eine Laubbaumart aus der Gattung Prunus in der Familie der Rosengewächse (Rosaceae). Der Name kommt von den Fruchttrauben. Sie wird auch Ahlkirsche, Sumpfkirsche oder Elsenkirsche genannt.
Die Gewöhnliche Trauben-Kirsche, fälschlicherweise manchmal auch Faulbaum genannt, blüht Mitte bis Ende April. Die Früchte sind allerdings wegen ihres bitteren Geschmacks nicht essbar.
Die Rinde ist glatt und dunkelgrau; bei Verletzung der Rinde verströmt das Holz einen unangenehmen, scharfen Essiggeruch. Die Borke bildet nur bei sehr alten Bäumen flache, längliche Risse aus.
Bild 02
Makroaufnahme Stängel


Schnitt:
Stängel, quer
Schlittenmikrotom Reichert-Jung Hn 40 mit schräg gestelltem Messer, 25 µm.
Original Färberezept siehe Seite von Herrn Armin Eisner   http://www.aeisner.de/

W-3A-Färbung nach Wacker (Acridinrot-Acriflavin-Astrablau) modifiziert

Arbeitsablauf :
1. Schneiden des frischen Stängels mit 70 % Ethanol
2. Fixieren in 70 % Ethanol  3 Tage
3.  Alkoholreihe bis zum 30%igen Ethanol
4. Wasser entmin. 3x wechseln je 1 Minute
5.  Vorfärbung  Acridinrotlösung      20 Min.
6. Auswaschen mit Aqua dest.  15 Sek.
7.  Acriflavinlösung     15 Sekunden
8. Auswaschen mit Aqua dest.  15 Sek.
9.  Nachfärbung  Astrablaulösung   mit Wasser  verdünnt    1 : 2         3 Min.
10.  Auswaschen mit Aqua dest. bis keine Farbstoffreste auf dem Objektträger verbleiben
11.  Entwässern mit 2x  gewechseltem Isopropylalkohol    
12.  Als letzte Stufe vor dem Eindecken Xylol einzusetzen
13.  Einschluss  in Entellan

Ergebnis :
Zellwände blaugrün bis grün, verholzte Zellwände leuchtend rot. Zellwände der äußeren Hypodermis orangerot
Zellwände der innenliegenden Hypodermis  tiefrot, Suberin und Cutin hellrosa.

Nikon D5000


Bild 03
Übersicht über den Aufbau des Stängels  (Prunus padus)



Bild 04
Vergrößerung (Prunus padus)


Bild 05
 Vergrößerung eines Leitbündels (Prunus padus)


Bild 06 starke Vergrößerung (Prunus padus)


Bild 07 Fluoreszenz (Prunus padus)


Viele Grüße
Hans-Jürgen



« Letzte Änderung: November 07, 2014, 22:03:12 Nachmittag von Fahrenheit »
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Klaus Herrmann

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Re: Gewöhnliche Traubenkirsche (Prunus padus)
« Antwort #1 am: Juli 18, 2010, 11:13:50 Vormittag »
Hallo Jürgen,

wieder mal eine deiner sorgfältigen Dokumentationen mit einem gelungenen Schnitt und sehr schöner Färbung.

 Die scharf gezeichete intensiv gelb leuchtende Kutikula gefällt mir besonders!

Und das schöne Fluoresenzbild zeigt doch die gesuchte Acriflavin-Fluoreszenz perfekt!
Mit herzlichen Mikrogrüßen

 Klaus


ich ziehe das freundschaftliche "Du" vor! ∞ λ ¼


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Roderich Römhild

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Re: Gewöhnliche Traubenkirsche (Prunus padus)
« Antwort #2 am: Juli 18, 2010, 12:17:30 Nachmittag »
Hallo Jürgen! Sehr schöne Bilder.

Auch mir gefällt v.a die leuchtend-gelbe Cuticula. Auch die Lentizelle im Übersichtsschnitt ist gut gelungen. Hast du davon vielleicht ein Detailbild?

Gruß,

Rodi

Hans-Jürgen Koch

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Re: Gewöhnliche Traubenkirsche (Prunus padus)
« Antwort #3 am: Juli 18, 2010, 14:20:44 Nachmittag »
Hallo Rodi,
hier zwei  Detailbilder. Ob es sich um Lentizellen handelt, kann ich nicht sagen.





Lentizellen oder Korkporen sind Bereiche der Borke von Holzpflanzen, in denen eine durch Aufreißen der obersten Zellschicht entstandene Öffnung mit darunterliegenden abgestorbenen, nicht fest miteinander verbundenen Korkzellen einen Gasaustausch zwischen der Atmosphäre und dem lebenden Gewebe unterhalb der Lentizelle ermöglicht. Lentizellen sind an Stämmen und Zweigen von Sträuchern oder Bäumen als kleine, rundliche oder längliche Ausstülpungen („Korkwarzen“) erkennbar.
 
Gruß
Hans-Jürgen
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liftboy

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Re: Gewöhnliche Traubenkirsche (Prunus padus)
« Antwort #4 am: Juli 18, 2010, 20:47:50 Nachmittag »
Hallo Hans-Jürgen,
mit Interesse habe ich Deine Veröffentlichungen im Forum verfolgt.
Der Aufbau hat mich dermaßen fasziniert, dass ich mir erlaubt habe, -Dein Einverständnis vorausgesetzt, diese Arbeiten zu speichern.
Gerne würde ich sie für Unterrichtszwecke einsetzen.
Ich würde mich freuen, wenn Du den Einsatzzweck abnicken würdest.
Freundliche Grüße
Wolfgang

Hans-Jürgen Koch

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Re: Gewöhnliche Traubenkirsche (Prunus padus)
« Antwort #5 am: Juli 18, 2010, 22:15:46 Nachmittag »
Guten Abend Wolfgang,

deine Projekte - Interessierten die Mikroskopie näher zu bringen - unterstütze ich sehr gerne.

Gruß
Hans-Jürgen
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Re: Gewöhnliche Traubenkirsche (Prunus padus)
« Antwort #6 am: Juli 19, 2010, 20:24:29 Nachmittag »
Hallo Hans-Jürgen,
vielen Dank, ich werde Dich auf dem Laufenden halten.
viele Grüße
Wolfgang