Bibliothek > Mikro-Know-How

Handschnitte mit der Möhrenmethode - Karottenmethode

(1/3) > >>

Fahrenheit:
Liebe Pflanzenschnibbler,

nach dem Hinweis von Klaus möchte ich die Beschreibung zum Zuschneiden von Möhren für den Einschluss von Blättern aus dem Strandhafer-Thread hier noch mal im "Wissensbunker" ablegen.

Lieber Eckhard, vielleicht stellst Du noch die von Dir entwickelte "Bohrlochmethode" für Sprosse und andere runde Pflanzenteile dazu, die Du uns auf der letzten Kornrade gezeigt hast, das würde das Thema abrunden.

Um flache Proben, wie zum Beispiel Blätter mit dem Handzylindermikrotom oder auch freihand zu schneiden, eignet sich die Möhre gut als Einschlussmittel, das die Probe stützt und einen sauberen Schnitt ermöglicht.

Wichtig ist es dabei, die Probe nicht zu quetschen, aber doch in der Schnittebene sicher zu halten. Dazu verwende ich den folgenden kleinen Trick:

Aus der Mitte der Möhre wird ein Quader passender Größe geschnitten und diesen mittig geteilt. Wichtig ist, dass der Quader nicht nur aus dem Zentralzylinder besteht, sondern auch umliegendes Gewebe enthält. Lässt man die beiden Stücke eine Weile liegen, krümmen sie sich durch den verdunstungsbedingten unterschiedlichen Volumenverlust der beiden Gewebearten nach außen. Der stabilere Zentralzylinder schrumpft dabei weniger als das umliegende Gewebe. Das Prinzip ist dabei das gleiche, wie bei den Rollblättern des Strandhafers.  :)
Nun legt man beide Stücke mit den Außenseiten nach innen zusammen. Zwischen diesen kann nun die Probe eingelegt und ins Mikrotom geklemmt werden.
Durch die Krümmung wird gerade an der Schnittstelle immer ein wenig Druck auf die Probe ausgeübt, ohne das Material zu quetschen.
Dabei fallen Krümmung und Druck um so stärker aus, je mehr Parenchym der Quader enthält.

Zur Verdeutlichung schnell ein paar Bilder:

Bild 1: ein passendes Stück aus der Möhre schneiden, auf senkrechte Schnittführung achten.


Bild 2: den Quader in der benötigten Größe zuschneiden, auch hier wieder auf senkrechte Schnittführung achten. Dies erleichtert später das Ausrichten der Probe zwischen den beiden Backen bzw. im Mikrotom.


Bild 3: in der Mitte teilen und einige Minuten liegen lassen. Ja, auch hier soll der Schnitt senkrecht geführt werden.  ;)


Bild 4: nun beide Teile umgedreht zusammenlegen. Man kann die leichte Krümmung erkennen. Im Beispiel bestand der Quader hauptsächlich aus dem Zentralzylinder der Möhre, es hat sich also nur eine geringe Krümmung für den Schnitt empfindlicher Probematerialien gebildet.


Bild 5: Die Probe in den beiden "Mörhrenbacken" eingespannt im Zylindermikrotom

Um die Lage deutlicher darstellen zu können, ragt die Probe weiter aus den "Möhrenbacken" hinaus, bei einem tatsächlichen Schnitt würde man sie tiefer platzieren.
Auch das gesamte Päckchen muss dann weiter unten in den Klemmbacken des Mikrotoms eingespannt werden, um kein Material zu verschwenden und den Anschnitt nicht unnötig zu erschweren. .

Herzliche Grüße
Jörg

Fahrenheit:
Liebe Pflanzenschnibbler,

Joachim hat darauf hingewiesen, dass ein Bild des fertigens 'Päckchens' im Mikrotom sinnvoll wäre.
Ich habe nachgeliefert.  :)

Herzliche Grüße
Jörg

Jan Kros:
Hallo Jörg,
Herzlichen Dank für das Einstellen dieser Mohrenmethode.
Ich habe sie gleich ausgedruckt.
Ich werde diese Methode bei uns im Verrein gleich vorstellen.
Wir arbeiten meistens mit Hollundermarke.

Herzlichen Gruss
Jan

Alfons Renz:
Liebe Schnippler,

   Was die Möhre für die Pflanzenschnippler, ist das (gekochte) Kalbshirn für die zoologisch Interessierten. In den Schlitz eines Würfels aus diesem Material nann man z.B. einzelne Abschnitte eines (natürlich zuerst fixierten) Wurmes stecken und das Ganze dann in Paraffin einbetten. So lassen sich Serienschnitte auch durch sehr lange Würmer auf einem einzelnen Objektträger unterbringen.

Andere Histologen verwenden für ähnliche Zwecke (Gefrierschnitte) die eingerollte Bauchmuskulatur einer Labormaus, die den winzigen Probestücken Halt verleiht.

Man sieht: Botaniker und Zoologen bleiben gerne in ihrem 'Reich', wenn sie sich biologischer Hilfsmittel bedienen.

Auf Bilder verzichte ich hier lieber.

Einen schönen Sonntag,

Alfons

Fahrenheit:
Lieber Jan,

gerne.  :)

Der Vorteil der Möhre liegt in meinen Augen darin, dass man nass schneiden kann, was bei Holundermark nicht geht, da es dabei aufweicht.
Für ganz zarte Proben wird man aber mit Holundermark besser zurecht kommen.

Lieber Alfons,

danke für Deine Ergänzung. Da es ja darum geht, bei möglichst ähnlicher Konsistens des Umschließungsmaterials der Probe den nötigen Halt zu geben, ist es nachvollziehbar, das jeder in "seinem Reich" wildert.  :)

Herzliche Grüße
Jörg

Navigation

[0] Themen-Index

[#] Nächste Seite

Zur normalen Ansicht wechseln