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Blick in die Kinderstube

Begonnen von G. Helbig, November 25, 2010, 23:00:46 NACHMITTAGS

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Manfred Melcher

Hallo Gerald,

auch von mir ein ganz großes Lob zu dieser phantastischen Aufnahme!
Der Bildeindruck ist so realistisch, dass man jeden Moment mit einer Bewegung rechnet.

Liebe Grüße

Manfred

G. Helbig

Hallo zusammen,

da ich Freitag bis Montag früh nicht online war, hat mich heute morgen die Resonanz fast erschlagen  ;)

Vielen Dank für die vielen, lobenden Worte. Eigentlich war das Bild ein Nebenprodukt und für mich nicht ganz optimal (Überstrahlung in der Mitte und unscharfer Augenfleck). Ich habe mich an diesem Abend mit dem Fotografieren von Scenedesmus beschäftigt und msste immer warten, bis das Präparat die richtige Schichtdicke hatte. So habe ich mir die Daphnien angeschaut, welche ich im Laufe des Tages in eine dichte Scenedesmus-Kultur gegeben habe.

Ein paar Worte zu der Fotografiertechnik:
Aufgenommen am Axioskop mit einem 2,5-er Objektiv. Ein Dunkelfeld mit einer Dunkelfeldblende führte zur starken Überstrahlung der Wasserflohmitte. Also erzeugte ich das Dunkelfeld mit zwei Blitzgeräten, welche parallel zur Objektebene  einstrahlten. Ich fotografierte die Wasserflöhe ohne Deckglas, um die Bewegungsfreiheit nicht einzuschränken. Um den schwarzen Hintergrund noch zu verbessern, klebte ich auf einen Objektträger eine schwarze Folie und gab hierauf den Tropfen mit den Daphnien. Doch die Oberflächenspannung in Verbindung mit der schwarzen Folie erzeugte einen "hohen" Wasserwassertropfen und der Wasserfloh warf beim Blitzen durch das leichte Streulicht einen Schatten auf den Hintergrund. Auf einer reinen, fettfreien Glasfläche verläuft der Wassertropfen flacher. Also klebte ich eine schwarze Folie auf einen Objektträger und legte auf diesen einen weiteren, blanken Objektträger und gab hierauf den Wassertropfen. So hatte der Wasserfloh einen Abstand zum Hintergrund und konnte sich nur in einem dünnen Wasserfilm bewegen.

Ein paar Worte zu Wasserflöhen:
Millionenfach habe ich sie an meine Fische verfüttert und nie beachtet. Auch ärgerte ich mich beim Planktonfangen immer um den Beifang, welchen man extra nochmals absieben musste. Da ich mich seit einiger Zeit mit der Kultur von Mesostoma ehrenbergi beschäftige, kommt man um die Kultur von Daphnien als Futter nicht umhin. Inzwischen faszinieren mich die kleinen Hüpferlinge: sie sind sehr filigran und doch robust, extreme Filtrierer (1,5l Scenedesmus-Kulturlösung ist innerhalb von einem Tag glasklar) und eine hohe Vermehrungsrate zeichnen sie aus. Aber dazu demnächst mehr.

Viele Grüße

Gerald

Jan Kros

Hallo Gerald,

Ich möchte gerne wissen wie Du eine Kultur von Daphnien ansetzt und woher bekommt man so viele Scenedesmus als Futter
Ich bitte um etwas mehr Auskunft

Herzlichen Gruss
Jan

G. Helbig

Hallo Jan,

Kultur Wasserflöhe:
Es gibt viele Anleitungen zur Kultur von Wasserflöhen. Doch haben die meisten Ansätze das Problem, daß sie nach einiger Zeit stark riechen (besser gesagt grausam stinken). Es sind die Schalen und Futterrückstände, welche sich zersetzen. Eine Anleitung fand ich, wo Quellblasenschnecken mit zum Kulturansatz gesetzt werden. Sie vertilgen die Schalen ect. Der Ansatz ist fast geruchslos.
Und so kultiviere ich die Daphnien: eine flache Schale mit 5 l Inhalt mit abgekochtem Teichwasser (oder Volvic, ist aber auf die Menge kostspielig) auffüllen, ca. 15 Haferflocken und 2-3 Quellblasenschnecken dazu. Mit Daphnien beimpfen. Hell und kühl stellen. Ca. 1x pro Woche gebe ich noch ein Teil meiner Scendesmus-Kulturen dazu. Nach ca. 10 Tagen sind die Haferflocken zersetzt und ich gebe neu hinzu. Die Wasserflöhe vermehren sich rasch und stetig. Je nach Bedarf Wasserflöhe entnehmen und Kultur nach ca. 6 Wochen wieder neu ansetzen. Sicherer ist es, mehrere Ansätze zeitversetzt zu betreiben. Bei dieser beschriebenen Methode ist mir noch kein Ansatz plötzlich umgekippt - bei anderen Anleitungen ist es mir öfters passiert.

Quellblasenschnecken (Physa marmorata)
Diese kleine, flicke Schnecke ist absolut anspruchslos bezüglich Wasserqualität und Temperatur. Sie frisst Algen, Aas und Rückstände. Selbst grausam umgekippte Kulturansätze überlebt sie problemlos. Größe ca. 11mm.

Kultur Scenedesmus:
einfach zu kultuvierende, aber lichthungrige Alge. Dient als Futter für Daphnien, Rotatoria, Bryozoa ect.
250ml Volvic, 5ml Erdabkochungsextrakt, 1 Tropfen handelsüblicher Blumenflüssigvolldünger (kein Hydrokulturdünger) in ein Glasgefäß geben. Mit Scenedesmus beimpfen. Sehr hell stellen (Südfenster) oder Beleuchtung (12-14 h/Tag). Ca. alle 4 Tage umrühren oder Aufschütteln. Nach ca. 10 Tagen ist der Ansatz dunkelgrün. Hälfte entnehmen und verfüttern. Mit neuer Kulturlösung auffüllen.

Viele Grüße

Gerald


Jan Kros

Hallo Gerald,

Herzlichen Dank für diese ausführliche Beschreibung, ich habe den gleich ausgedruckt.
Gruss
Jan

Lothar Lammfromm

Boah!! Ist DAS geil!

(so sprach ich vor einer Minute vor meinem Notebook-Monitor - fast fassungslos wegen der unglaublich schönen Aufnahme)

Mehr DF-Fotos von dir bitte! Bitte - bitte- bitte! ;D

Florian Stellmacher

Lieber Gerald,

auch ich bin futsch und weg!

Deine Blitztechnik ist absolut überzeugend und an diesem Motiv perfekt ausgenutzt.

Damit man vielleicht noch besser erkennen kann, wie schön Dein Bild ist, hier einmal ein uraltes Dia von mir zum Vergleich:

Der Daphnien-Nachwuchs wird zur Welt gebracht.


Hund H500, Achromat 10x, DF-Einlegeblende (~ 10 DM), 20 W Halogen, analog mit Minolta SRT am trinokularen Fototubus von LOMO und ganz furchtbar langer Belichtungszeit aufgenommen und später digitalisiert

Dein Bild ist 10.000x besser!

Herzliche Grüße,
Florian
Vorwiegende Arbeitsmikroskope:
Zeiss Axioskop 2
Olympus BHS (DL, Pol, Multidiskussionseinrichtung)
Zeiss Axiophot (DIK und AL-Fluoreszenz)
Zeiss Axiovert (Fluoreszenz)
Wild M400 Fotomakroskop (DL, DF, AL, Pol)