Kontrastverfahren im Auflicht

Begonnen von Eckhard, November 26, 2010, 17:26:20 NACHMITTAGS

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Eckhard

Hallo,

auch für Auflicht gibt es unterschiedliche Kontrastverfahren, Hellfeld, Dunkelfeld, Phasenkontrast, Pol und DIK. Wer kann mir sagen, für welche Anwendungen sich diese Kontrastverfahren im Auflicht eignen?

Herzliche Grüsse
Eckhard
Zeiss Axioscope.A1 (HF, DF, DIK, Ph, Pol, Epifluoreszenz)
Nikon SE2000U (HF, DIK, Ph)
Olympus SZX 12 (HF, DF, Pol)
Zeiss Sigma (ETSE, InLens SE)

www.wunderkanone.de
www.penard.de
www.flickr.com/wunderkanone

A. Büschlen

Hallo Eckhard,

Ich gebe hier zu einigen Kontrastverfahren im Auflicht aus folgender Quelle: "Praktische Makro- und Mikrophotographie von Wild Heerbrugg" Erläuterungen weiter.

Auflicht im Hellfeld:

Die Auflicht / Hellfeld-Beleuchtung (Spiegel hell) kommt vor allem für die Kontrolle von integrierten Schaltungen, für die Metallographie und andere Anschliffpräparate in Frage und ist mit Polarisationsfiltern ergänzbar.

Auflichtbeleuchtung im Dunkelfeld:

Mit Auflicht / Dunkelfeld-Beleuchtung beobachtet man vor allem Präparate mit unregelmässiger und stark lichtstreuender Oberfläche. Dies gilt für Teile von Pflanzen und Tieren - unter diesen vor allem Insekten, aber auch für rauhe technische Oberflächen.

Auflichtbeleuchtung für fluoreszierende Objekte:

Primär- und Sekundärfluoreszenzmethoden bereichern die Mikroskopie beträchtlich. Besonders Protozoen-, Bakterien- und Virusnachweise mit Hilfe von Immuno-Fluoreszenz-Reaktionen bedingen eine starke und entsprechend gefilterte (UV-Violett/Blau/Grün) Auflicht / Hellfeld- oder Dunkelfeld-Beleuchtung.
Soweit die Erläuterungen aus der oben erwähnten Schrift die 1979 erschienen ist. Sie sind nicht vollständig.

Freundliche Grüsse Arnold Büschlen

Schwerpunkt z.Z.:
- Laub- und Lebermoose.
- Ascomyceten als Bryoparasiten.

Eckhard

Hallo Arnold,

vielen Dank für die Erläuterung.

Herzliche Grüsse
Eckhard
Zeiss Axioscope.A1 (HF, DF, DIK, Ph, Pol, Epifluoreszenz)
Nikon SE2000U (HF, DIK, Ph)
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Frank D.

#3
Zitat von: Eckhard in November 26, 2010, 17:26:20 NACHMITTAGS
Hallo,

auch für Auflicht gibt es unterschiedliche Kontrastverfahren, Hellfeld, Dunkelfeld, Phasenkontrast, Pol und DIK. Wer kann mir sagen, für welche Anwendungen sich diese Kontrastverfahren im Auflicht eignen?

Herzliche Grüsse
Eckhard

Hallo Eckhard,

die Beleuchtung in linear polarisierendem Auflicht unter Verwendung eines Analysators wirkt bei vielen Materialien (auch Metallen) reflexmindernd und kontrastverstärkend.
Dabei wird eines der Filter so verdreht, dass die gerade interessante Beobachtungsstelle von umliegenden Reflexen befreit wird, oder das reflektierte Licht der Beobachtungsstelle so weit unterdrückt wird, dass ein höherer Kontrast zur Umgebung entsteht.

Zur Phasenkontrastmethode kann ich nur ein, mir unbekanntes, Stichwort aus
H.+L. Moenkes Buch (Optische Bestimmungsverfahren und Geräte für Mineralogen und Chemiker) nennen. Dort steht:
"Phasenkontrasteinrichtungen gibt es nicht nur für Durchlichtbeobachtung sondern auch für Auflichtmikroskopie. Man kann mit ihrer Hilfe die Oberflächenfeinmodellierung darstellen."

Hab doch noch was zu Interferenz- und Phasenkontrastverfahren in der Auflichtmikroskopie gefunden!
http://www.npshare.de/files/3315843a/CZJ%20Interferenz-%20und%20Phasenkontrastverfahren%20in%20der%20Auflichtmikroskopie%20Applikationsinformationen.pdf

Herzliche Grüße
Frank

Jürgen Boschert

Hallo zusammen,

Zitat... "Phasenkontrasteinrichtungen gibt es nicht nur für Durchlichtbeobachtung sondern auch für Auflichtmikroskopie. Man kann mit ihrer Hilfe die Oberflächenfeinmodellierung darstellen." ...

Und diese Funktion hat später der Dic übernommen, d.h., mit der Auflicht-Interferenz kann man sehr gut die Oberflächenbeschaffenheit beurteilen.

Beste Grüße !

JB
Beste Grüße !

JB

Dieter Stoffels

#5
Hallo Eckard,

ich möchte noch etwas Gernerelles zu den Auflichtverfahren sagen. Die Mehrzahl der Auflichtverfahren werden zur Untersuchung von Materialproben eingesetzt. Bei vielen dieser Proben schätzt man die topografische Wiedergabe von Oberflächenstrukturen. Mikroskope, die für diese Verfahren gebaut werden, verfügen häufig über einen Drehtisch. Im Auflicht-Pol lassen sich zum Beispiel Anschliffe von Betonproben, Keramiken, Gesteinen, usw. untersuchen. Wie bereits beschrieben, kann das Pol analytisch, aber auch zur Reflektionsminderung eingesetzt werden. Das Auflicht-DIC und vor allem das farbige Auflicht-DIC eignet sich besonders zur Untersuchung von Oberflächen metallischer Körper, deren Legierungen oder galvanischer Schichtstrukturen (für die Metalluntersuchung und die Untersuchung von Erzproben ist das DIC  meines Wissens primär entwickelt worden). Diese können als "frei" Partikel oder in Form von Anschliffen/Ätzpräparaten vorliegen.  Beim Auflicht-Dunkelfeldverfahren wird das Licht durch HD-Objektive schräg auf die Probe geführt. Es eignet sich besonder für Proben, die das frontal auftrefende Licht  stark reflektieren  (z.B. ein Zellstofftuch),  so dass keine Oberflächentopografie erkennbar ist. Im schiefen Auflicht wird hingegen ein Reliefbild erzeugt, dass sich beobachten und mikrofotografisch dokumentieren lässt. Der Einsatz des Auflicht-Hellfeldes wird häufig durch das Reflektionsverhaltens des jeweiligen Präparates eingeschränkt. Als Beispiel für eine Auflicht-Hellfeldanwendung sei eine Partikeluntersuchung eines Metallic-Autolackes genannt. Diese Lacke enthalten häufig eine Schicht, die mit anorganischen oder metallischen Effektkörpern versehen ist. Effektkörper zeigen ihr typisches Farbenspiel im Weißlicht (Tageslicht). Würde man eine derartige Schicht im Auflicht-Pol untersuchen, treten die Effektkörper kaum in Erscheinung oder zeigen ein farbfalsches Bild. Im Hellfeld hingegen, zeigt sich die ganze Schönheit der Effektkörper. Wird eine Untersuchung im Auflicht-DIC angeschlossen, kann entschieden werden, ob es sich um metallische oder anorganische Effektkörper handelt.

Diese Beschreibungen sollen zeigen, dass die Mehrzahl der Auflichtverfahren zu Untersuchung von Materialproben gedacht sind. Für die Untersuchung biologische Präparate hat nur die Auflicht-Fluoreszenz und in geringem Maße das Auflicht/Schieflicht-Dunkelfeldverfahren eine Bedeutung erlangt. Auflicht-Phasenkontrast ist wohl ein Relikt und wird meines Wissens von keinem namhaften Mikroskophersteller mehr angeboten.

Herzliche Grüße!

Dieter

Eckhard

Guten Morgen,

vielen Dank für die ausführlichen Antworten. Mir ging es nur um biologische Fragen, keine Materialuntersuchungen.

Zitat von: DieterDiese Beschreibungen sollen zeigen, dass die Mehrzahl der Auflichtverfahren zu Untersuchung von Materialproben gedacht sind. Für die Untersuchung biologische Präparate hat nur die Auflicht-Fluoreszenz und in geringem Maße das Auflicht/Schieflicht-Dunkelfeldverfahren eine Bedeutung erlangt. Auflicht-Phasenkontrast ist wohl ein Relikt und wird meines Wissens von keinem namhaften Mikroskophersteller mehr angeboten.

Wie sieht denn z.B. eine Blattoberfläche bei hoher Vergrösserung im Auflicht/Schieflicht-Dunkelfeldverfahren aus? Ich kann mich nicht erinnern, hier solch ein Foto gesehen zu haben.

Einen schönen Sonntag wünscht
Eckhard

Zeiss Axioscope.A1 (HF, DF, DIK, Ph, Pol, Epifluoreszenz)
Nikon SE2000U (HF, DIK, Ph)
Olympus SZX 12 (HF, DF, Pol)
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Dieter Stoffels

Hallo Eckhard,

die Untersuchung einer Blattepidermis wäre ein typische biologischer Fall der Verwendung des Auflicht-Dunkelfeldes. Aber auch cuticuläre Strukturen oder Anhänge von Arthropoden lassen sich gut im Auflicht-Dunkelfeld untersuchen. Da für das schiefe Auflicht-Dunkelfeld HD-Objektive erforderlich sind und der biologische Anwendungsbereich im Vergleich zu den Durchlichtverfahren eingeschränkt ist, arbeiten wohl nur wenige "Biologen" mit diesem Verfahren.

Herzliche Grüße!

Dieter

Eckhard

Hallo Dieter,

kannst Du nicht mal ein Blatt mit diesem Kontrastverfahren aufnehmen und ein Bild hier einstellen?

Herzliche Grüsse
Eckhard
Zeiss Axioscope.A1 (HF, DF, DIK, Ph, Pol, Epifluoreszenz)
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Dieter Stoffels

Hallo Eckhard,

mit dem Auflicht-Dunkelfeld arbeite ich selber nicht, da ich keine HD-Objektive besitze. Ich bin mir aber sicher, dass jemand des forums hier aushelfen könnte.

Herzliche Grüße!

Dieter

peter-h

Liebe Auflichtgemeinde,

da ich nun endlich glücklicher Besitzer einer richtigen Auflichteinrichtung BH2-UMA für mein Oly BH-2 bin (erst mal nur Hellfeld und Pol), würde mich eine Erklärung von schiefe Auflicht-Dunkelfeldbeleuchtung schon interessieren.
Auflicht-Dunkelfeld mit NEO-DPlan Objektiven wird vermutlich auch bald bei mir möglich sein (wenns Christkind mitspielt).
Aber wie erzeuge ich denn dabei noch Schieflicht? Oder ist nur eine Sektorbeleuchtung gemeint? Wo kann ich diese, für mich neue Version nachlesen?

Viele Grüße
Peter

Klaus Herrmann

Hallo Peter,

da muss ich auch ganz schief kucken

Zitatschiefe Auflicht-Dunkelfeldbeleuchtung

Hab ich noch nie gehört, aber vielleicht muss man im AL-Beleuchtungsstrahlengang eine Sektorenblende einsetzen? Oder den Reflektorspiegel der HD-Objektive in Sektoren schwarz anmalen?

Also bei mir ist es schlicht ringförmig!
Mit herzlichen Mikrogrüßen

Klaus


ich ziehe das freundschaftliche "Du" vor! ∞ λ ¼


Vorstellung: hier klicken

TPL

#12
Lieber Peter,
Auflicht-Dunkelfeld ist - wenn keine weiteren, strahlbegrenzenden Hilfsmittel (Blenden) verwendet werden - gleichbedeutend mit einer allseitig schiefen Auflicht-Beleuchtung, zumindest würde ich das nach der Michel-Lektüre so deuten. Um die Reliefwirkung zu steigern gibt es z.B. Azimut- oder Sektorblenden, mit denen man ansonsten homogen im Vollkreis ausleuchtende Dunkelfeld-Objektive einseitig "abdunkeln" kann. Das sind oft ganz schlichte schwarze Metallblenden.
Mit Hellfeld-Objektiven wird das aber nicht ohne Weiteres machbar sein. Stattdessen kannst Du - bei genügend langem Arbeitsabstand - durch eine externe Lichtquelle eine ein- oder mehrseitige Dunkelfeldbeleuchtung erzeugen. Das ist dann im Grunde nichts Anderes als ein Ringblitz in der Fotografie...

Viel Spaß damit, Thomas

Peter V.

#13
Lieber Peter (H.),

ich meine, gestern gelesen zu haben, dass Du gerne ein Beispiel für Auflicht-Dunkelfeld sehen wolltest.

Hier habe ich den Effekt bereits einmal an einem Wafer gezeigt:

http://www.mikroskopie.de/mikforum/read.php?1,43758,43798#msg-43798

Hier jetzt ganz quick und noch more dirty ein Vergleich an der Pflanzenepidermis und einer Münze, leider hatte ich nicht mehr Zeit, das Blatt zu "glätten". Das Bild ist nicht optimal, aber den Effekt sieht man schon. Aufgenommen mit HF-DF-"NEO"-Objektiven am Olympus Vanox.

Epidermis AL-HF:



AF-DF:



Münze AL-HF:



AL-DF



Herzliche Grüße
Peter


Dieses Posting ist frei von kultureller Aneigung, vegan und wurde CO2-frei erstellt. Für 100 Posts lasse ich ein Gänseblümchen in Ecuador pflanzen.

Herne

#14
Hallo zusammen!
Aufnahmen im Auflicht-Dunkelfeld habe ich vor kurzem mal hier eingestellt ("Ein Randgebiet, Mikroskopie im Auflicht mit niedriger Vergrößerung", Insektenportraits).
Ich benutze dazu ein speziell für diese Verwendung ausgestattetes Mikroskop, das Vertival von CZJ, und das Ganze klappt prima.  Versuche mit Sektorenblenden führten bei mir nicht zum erwünschten Effekt ...
Auch eine schiefe Beleuchtung ist möglich, man kann die Leuchtfeldblende mit ihrem Schieber dezentrieren. Aber auch hier hält sich die Wirkung in Grenzen.
Welche rezenten Geräte für´s Auflicht-DF gibt entzieht sich meiner Kenntnis.

m.f.G.
Herbert
Die animalcula infusoria sind Blasen mit Neigungen.
G. Chr. Lichtenberg