Operation ebay - Patient ( fast ) tot!

Begonnen von Peter V., Dezember 01, 2010, 17:41:02 NACHMITTAGS

Vorheriges Thema - Nächstes Thema

Peter V.

Hallo!

Keine Sorge – ich möchte kein Mitleid erregen. Dazu habe ich schon zuviel Erfahrung mit ebay und rechne immer mit dem Schlimmsten.
Hier nur einmal für Jene, die bislang wenig Erfahrung mit Schwimmübungen in der ,,Bucht" haben, ein klassisches Beispiel, wie es gehen kann:

Da ich für mein Laborvert einen ( seltenen ) Phasenschieber suchte, erstand in ein zweites Laborvert in der ,,Bucht", genauer gesagt in Frankreich. Der Sofortkaufpreis war für das Gerät kein Superschnäppchen, aber moderat, die Beschreibung mehr als dürftig, und der Verkäufer hatte bereits mehrere ,,Negative" bei insgesmt nicht sehr hoher Transaktionszahl. Wie hätte Wim Toelke hier gesagt? RIIIIIISIKOOOOOOO!!!!!! Also habe ich auch als Westfale mit einer ordentlichen Portion rheinischen Optimismus ( Et hätt noch immer jut jejange!!! ) gezockt. Und ( wie eigentlich schon befürchtet ) verloren. Zuvor möchte ich erwähnen, dass ich den Verkäufer in einer Mail intensivst gebeten habe, das Mikroskop sehr gut verpacken, es sehr gut zu polstern, da es sich um ein empfindliches Gerät handelt.

Heute kam das Paket. Wäre es ein Patient, würde man den Zustand so beschreiben:

,,Deutliche Vorwölbung der Bauchdecke mit großem, bereits tastbarem hartem Tumor"






Das konnte nichts Gutes bedeuten. Also: Sofort ab in den OP und mit mulmigem Gefühl das Skaplell geschwungen.


Bereits nach dem ,,Hautschnitt" deutete sich das Drama an:





Sodann Eröffnung der Faszie und der äußerst schwachen Muskulatur.





Vordringen in die Bauchhöhle. Es findet sich der große harte Tumor, völlig mobil infolge Fehlens jedweden polsternden intraabdominellen Fettes.









Fazit:

Patient ( fast ) tot. Man beachte besonders das Fehlen jedweder Polsterung der Okularaufnahmen, die ein richtiges Loch in die Kartonwand geschlagen haben. Das Lampenhaus ist gebrochen, die Okularaufnahme verbogen, sodass das Okular nicht mehr eingeschoben werden kann. Die ( angeblich vorhandene ) zweite Ringblende des Phasenschiebers fehlt zudem auch. Zum Zustand ( Triebe ) brauche ich vermutlich nichts zu sagen – das (leider) Übliche.

Erst im Nachhinein fiel mir die gar nicht so geringe Ähnlichkeit des Paketes mit einem Sarg auf......irgendwie treffend!

Was ich mich nur immer wieder frage: Ist es Ignoranz? Frechheit? BLÖDHEIT??? Was treibt die Menschen dazu, etwas so zu versenden??

Übriegns: Das sind dann jene Ebayer, die typischerweise auf eine Beschwerde eiskalt antworten: Das ist dann eben ein Transportschaden, für den der Transporteur haften muss!!  ;D  ;D  ;D  - eher eigentlich  :'( und  >:( !!!

Hezrliche Grüße
Peter
Dieses Posting ist frei von kultureller Aneigung, vegan und wurde CO2-frei erstellt. Für 100 Posts lasse ich ein Gänseblümchen in Ecuador pflanzen.

reblaus

Hallo Peter -

ich könnte ergänzende Erfahrungen beisteuern!
Z.B. habe ich soeben ein Zeiss Universal aus England bekommen. Das Paket hatte einen Irrweg hinter sich und als es bei mir ankam konnte man mit dem ursprünglich kubischen Paket schaukeln. Auch ich hatte mich bemüht, dem Verkäufer Hinweise zur Verpackung zu geben und er hat sich "bemüht" (wie es in den Arbeitszeugnissen heißt).

Das Hauptproblem ist die fehlende Phantasie der Leute. Ähnlich wie sie sich nicht vorstellen können, das man sich bei einem Zusammenstoß mit 50 km/h nicht mit den Armen am Armaturenbrett abstützen kann, so können sie einsehen, dass auch eine dezimeterdicke Lage von Brustwarzenfolie ein 19 kg schweres Gerät nicht am selbst- und umweltzerstörerischen Umhertorkeln im Karton hindert.
Immerhin konnte ich hier die Schäden weitgehen beheben:

          Mit der Zeit wurd' alles heil,
          nur der Tisch, der hatt' sein Teil.

Früher riet ich alle Teile, wenn's geht, abzumontieren und getrennt zu verpacken.
In zwei Fällen ist es mir nun passiert, dass Objektive ihre Verpackung verlassen hatten und erst am Boden der Kiste zwischen Verpackungsresten aufgefunden werden konnten (u.a. ein Planapochromat 63, der aber noch wie neu ist).
Seither bin ich mit meinen Ratschläge vorsichtig, wenn Leute ein Mirksokop verschicken für die das eine einmalige Angelegenheit war.

Dies ist ja auch eine der Ursachen, weshalb die Bieter bei größeren Mikroskopen meistens vorsichtig sind und man halt doch ein Schnäppchen machen kann - also weiter gezockt. Wenn nie was passiert, ist es ja kein Zocken mehr und wo bleibt dann der Adrenalinausstoß?

Viele Grüße

Rolf

PS. Probehalber habe ich mal die Autokorrektur laufen lassen. Alles richtig - nur Zeiss sollte entweder gegen Zerriss oder Zeus ausgetauscht werden!


derda

Hallo Peter,

ich habe mal ein ähnliches Gerät, welches einfach nur aufrecht in einen Karton gestellt wurde, zugeschickt bekommen. Bloß gut, daß die Post den Karton immer genauso aufrecht transportiert hat.

Ganz schön viele m:

Zitat"... ,,Deutliche Vorwölbung der Bauchdecke mit großem, bereits tastbarem hartem Tumor" ..."

ist das richtig so?  ;D

Viele Grüße

Erik


A. Büschlen

Hallo Peter,

da kann man nur wünschen: Schmerz, lass nach! :(

Trotzdem wünsche ich dir einen guten Abend! Arnold
Schwerpunkt z.Z.:
- Laub- und Lebermoose.
- Ascomyceten als Bryoparasiten.

Jürgen Boschert

Hallo Erik,

ZitatZitat
"... ,,Deutliche Vorwölbung der Bauchdecke mit großem, bereits tastbarem hartem Tumor" ..."

ist das richtig so?  Grinsend

bin mir jetzt nicht ganz sicher, ob die Frage ernst gemeint ist oder nicht. Falls nein, vergiss´ bitte alles jetzt Folgende.

Die vielen m´s sind absolut korrekt, die Endung des fehlenden Artikels wird in die Adjektive hereingezogen - ich erwähne das nur, weil das viele falsch machen, da kommen keine n´s hin, nur, wenn ein Artikel vorrangestellt wird, z.B. ... mit einem großen, bereits tastbaren, harten Tumor ".

Entschuldigung für die Dippeles-Schisserei.


Beste Grüße !

JB
Beste Grüße !

JB

Peter V.

ZitatGanz schön viele m:


Zitat
"... ,,Deutliche Vorwölbung der Bauchdecke mit großem, bereits tastbarem hartem Tumor" ..."

ist das richtig so?  

Viele Grüße

Erik

Lieber Erik,

jooooo - denke schon!
Wie sollte es denn sonst sein?

Hätte ich geschrieben: "Mit einem großen, harten Tumor...", dann kämen da selbstverfreilich "n's" hin. Aber so hat dort meiner orthographischen und grammatikalischen Kenntnis nach überall jeweils ein "m" zu stehen.

Obwohl...Du verunsicherst mich jetzt, wenn ich es zwei- / dreimal lese.
Ja was denn nun  ??? Haben wir hier irgendwo echte Germanisten an Bord?

Verunsicherte Grüße
Peter
Dieses Posting ist frei von kultureller Aneigung, vegan und wurde CO2-frei erstellt. Für 100 Posts lasse ich ein Gänseblümchen in Ecuador pflanzen.

Werner Jülich

Sowas sehen wir regelmäßig und keineswegs nur bei alten Schätzchen.
Da werden 2-3 Mikroskope in einen Karton geworfen, natürlich ohne Polsterung.
Da werden Mikroskope zusammen mit schweren Trafos verschickt, das Mikroskop gut verstaut in der Holzkiste, der Trafo passte dann noch dazu.
Objektive werden herausgeschraubt und zusammen in ein kleines Kästchen gesteckt.
HBO-Lampen verbleiben im Gehäuse usw. usw.

Unser Meister meint, es müßte ein Unterrichtsfach Einpacken geben, wo doch die ganze Welt ständig Sachen verschickt.
Werner Jülich

Klaus Herrmann

Liebe Germanisten,
das mit den m´s  ;D ist schon richtig;

aber hier würde ich beim Schwenk auf die n´s aus ästhetischen Gründen für eine Variation plädieren:

ZitatMit einem großen, harten Tumor
das m im letzten Wort würde ich durch ein n ersetzen und dann müsste man allerdings auch das u gegen ein e tauschen  ;D ;D

Wo man singt, da lass Dich nieder... ;)
Mit herzlichen Mikrogrüßen

Klaus


ich ziehe das freundschaftliche "Du" vor! ∞ λ ¼


Vorstellung: hier klicken

Holger Adelmann

Oha Peter, da wäre ich vermutlich ausgerastet ob soviel Ignoranz / Dummheit des Versenders.

Aber da Du es ja mit den rheinischen Lebensweisheiten hälst, hier mein Trost als Wahlkölner:

"Wat fott is, es fott"  ;D

Herzliche Grüsse
Holger



liftboy

Hallo erstmal,
et is wie et is, und et kütt wie et kütt, und aus genau dem Grunde habe ich den verlockenden Angeboten aus dem Ostblock so wie fremdländischen Nicknames widerstanden!
Ich bin ja mal so aufs Maul gefallen mit einem wunderschönen Binokular von Meopta aus Ungarn (in Zeitung gewickelt, Briefmarke drauf und ab die Post)
Gruß
Wolfgang
http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=785.msg3654#msg3654
LOMO-Service
Das Erstaunen bleibt unverändert- nur unser Mut wächst, das Erstaunliche zu verstehen.
Niels Bohr

Mila

... oder auch §7 des rheinisch-kölschen Grundgesetzes:

"Wat wellste maache?"

Bützje,
Mila

Klaus Herrmann

na in das Horn kann ich auch tuten!

Heute bekam ich ein schönes großes Lampenhaus von Leica mit der neuen Version der 100 W-HBO der W 103.

Ein schlagender Beweis, dass man die HBO unbedingt ausbauen muss vor dem Verschicken. Das ist ja ein fest eingespannter Glasstab, der am freien Ende den Kühlkörper mit Elektrode trägt. Und die Masse des Kühlkörpers wirkt bei Querbeschleunigung als Hebel : und dann macht es knax, wenn das Paket durch die Luft fliegt und auf der Seite landet.

Heizt wenigstens die Konjunktur an! ;D Sie war noch nagelneu! :( :(



Mit herzlichen Mikrogrüßen

Klaus


ich ziehe das freundschaftliche "Du" vor! ∞ λ ¼


Vorstellung: hier klicken

liftboy

Beileid!!
Der Anblick treibt einem die Tränen in die Augen!
Gruß
Wolfgang
http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=785.msg3654#msg3654
LOMO-Service
Das Erstaunen bleibt unverändert- nur unser Mut wächst, das Erstaunliche zu verstehen.
Niels Bohr

Nomarski

#13
Hallo Klaus,

ZitatHeizt wenigstens die Konjunktur an!  Sie war noch nagelneu!  

Dort kann man übrigens eine nagelneue LED hinplatzieren, die wäre beim Transport auch nicht so bruchempfindlich. ;)

Zum Rest der ganzen Geschichte: Alles äußerst unschön und eben dumm gelaufen.
Einziger Trost: Es war kein Zeiss Standard in dem Paket. ;D

Mikroman

moin,

ist zwar kein Trost, aber ich kenne das Phänomen aus beiden Blickrichtungen. Einmal ersteigerte ich in der Buch ein älteres Nachet Stereomikroskop (80er Jahre) mit drei riesigen Objektiven, Hellfeld-/Dunkelfeldumschaltung im Fuß etc - für weniger als 200 €. Leider hat der Versender an Verpackungsmaterial gespart: großer Karton, zwei Zentimeter dicke Styroporstücke und viel Zeitungsknüll. Aus der Kiste habe ich dann Reste der Feinfokussierung und etliche Glassplitter geborgen. Tja, vermutlich hat der Verkäufer den Verpackungskurs nicht besucht, war aber voller guter Absicht. Die Transportversicherung hat mir den kompletten Verkaufspreis zurückerstattet - ärgerlich war's trotzdem. Umgekehrt ist es mir allerdings auch einmal passiert. Ich verpackte ein Reichert MeF, nahm zwei Kisten, Luftpolsterfolie und 5cm Styroporplatten. Trotzdem kam der separat verpackte Tisch ziemlich defekt an. Also ich glaube, ein Rest Glück ist immer dabei - außer einer ist ein völliger Dilettant. Wichtig scheint mir nur, beim leisesten Verdacht eines Transportschadens, den Spediteur bis zur Feststellung des Schadens quasi "festzusetzen".

Im Gedenken an alle Transportgeschädigten
Peter
Zu sehr auf sich selbst zu beharren,
ist ein unvernünftiges Vergeuden der Weltsubstanz (Juarroz, 9. Vertikale Poesie,1)