Autor Thema: HISTOLOGIE: Podozyten in eine Rattenniere  (Gelesen 21029 mal)

Ronald Schulte

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HISTOLOGIE: Podozyten in eine Rattenniere
« am: Dezember 19, 2010, 16:47:07 Nachmittag »
Zuerst ein kleines Stückchen Theorie;

Zitat: Sobotta Lehrbuch Histologie

Die Nierenkörperchen (Malpighi-korperchen, ihre Zahl wird auf bis zu 2,4 Millionen in beiden Nieren geschätzt) liegen am beginn des Nephrons. In den Nierenkörperchen erfolgt die Ultrafiltration des Blutes. Lediglich Blutzellen und Proteine verbleiben im Blut, Wasser und alle anderen gelosten Stoffe werden hier bis zu einem Molekulargewicht von ca. 5KD frei filtriert. Pro Tag werden in den Nieren ca. 140-180 Liter Flüssigkeit abfiltriert, das heißt, die Extrazellularflussigkeit passiert 10-mal, das Blutplasmavolumen fast 60-mal am Tag die Nierenkanälchen. Die täglich filtrierte Flüssigkeit geht nicht verloren, sondern wird in den Tubuli zu 99% ruckresorbiert.
Das Nierenkörperchen besteht aus der Bowman-Kapsel und einem Blutkapillarknauel, dem Glomerulus, der sich in die Kapsel einstulpt. Die Kapsel gliedert sich dadurch in ein viszerales (inneres) und ein parietales (äußeres) Blatt. Das viszerale Blatt liegt dem Kapillarknauel auf und besteht aus Podozyten. Das parietale Blatt bildet die äußere Begrenzung der Nierenkörperchen. Zwischen den beiden Blättern befindet sich der Kapselraum (Filtrationsraum, Harnraum), der das Ultrafiltrat, das auch Primarharn genannt wird, aufnimmt.


Definition:
Die Podozyten bilden das innere (viszerale) Blatt der Bowman-Kapsel in den Nierenkörperchen. Sie umgreifen die Glomeruluskapillaren.
 
Histologie:
Die Podozyten sind sternförmige Zellen. Mit ihren primären Fortsätzen umgreifen sie eine Glomeruluskapillare. Von diesen primären Fortsätzen gehen feine sekundäre Fortsätze ab. Diese sekundären Fortsätze verzahnen sich mit den benachbarten Podozyten. Sie lassen dabei einen kleinen Spaltraum von 20-30 nm frei. Durch diesen Spaltraum ist der Durchtritt des Ultrafiltrats möglich.








Der Schnitt ist Susa Fixiert also müssen unbedingt vor das Farben die Quecksilber Kristalle mit Lugol entfernt werden. Gebleicht wird dann wieder mit Natriumthiosulfat.
Die nachfolgende Färbung ist eine einfach aus zu fuhren Mallory 1900 Färbung.
Mit ein 2,5x achromatisches Objektiv sind 46 Bilder gemacht die ich mit Autostitch zusammen gefügt habe.




Färbung AZAN, Objektiv Leitz Fluotar 25x, Kamera: Moticam 2300
 




Färbung AZAN, Objektiv Leitz Plan Apo 40x, Kamera: Moticam 2300
 




Färbung AZAN, Objektiv Leitz Plan Apo 63x, Kamera: Moticam 2300
 




Färbung Weigert Eisenhaematoxylin, Objektiv Leitz Fluotar 16x, Kamera: Moticam 2300
 




Färbung Weigert Eisenhaematoxylin, Objektiv Leitz Fluotar 25x (stitch von Zwei Bilder), Kamera: Moticam 2300
 




Färbung Weigert Eisenhaematoxylin, Objektiv Leitz Plan apo 63x, Kamera: Moticam 2300
MD=Macula Densa
 




Färbung Weigert Eisenhaematoxylin, Objektiv Leitz Plan apo 63x, Kamera: Moticam 2300
 




Färbung Weigert Eisenhaematoxylin, Objektiv Leitz Plan apo 63x, Kamera: Moticam 2300
Kleine quer geschnitten Arterie




Viel Spaß beim anschauen, Grüße Ronald
« Letzte Änderung: Januar 13, 2011, 17:54:05 Nachmittag von Ronald Schulte »
Mikroskope:
Leitz Orthoplan (DL, AL-Fluoreszenz und Diskussionseinrichtung).
Leica/Wild M715 Stereomikroskop.
Mikrotome:
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Holger Adelmann

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Re: HISTOLOGIE: Podozyten in eine Rattenniere
« Antwort #1 am: Dezember 19, 2010, 18:40:40 Nachmittag »
Absolut top, lieber Ronald - und nun auch mit einer schönen Kamera fotografiert  ;)

Dein exzellenten Bilder machen viel Spass und Deine Erläuterungen sind spitze. Vielen Dank für die Mühe, es hat sich gelohnt !

Herzliche Grüsse aus einem total verschneiten Köln.

Holger

Ronald Schulte

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Re: HISTOLOGIE: Podozyten in eine Rattenniere
« Antwort #2 am: Dezember 19, 2010, 20:10:28 Nachmittag »
Holger,

Hier oben in Friesland ist liegt nur Zwei oder Drei Zentimeter Schnee aber ist es wohl Kalt.

Die Moticam gefallt mir mehr und mehr. Mit meine Coolpix war es scheinbar einfacher zu fotografieren aber wenn man die Software besser versteht gewinnt die Moticam.
Es hat sicher gelohnt den Meister mal zu besuchen  :) .
Das wichtigste für gute aufnahmen ist: alles muss stimmen! Anfangen mit gut Kohlern, gute Objektive usw. und natürlich muss das Präparat perfekt sein.

Grüße Ronald
Mikroskope:
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Jürgen H.

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Re: HISTOLOGIE: Podozyten in eine Rattenniere
« Antwort #3 am: Dezember 20, 2010, 17:21:44 Nachmittag »
Lieber Ronald,

wieder einmal bewundere ich Deine Schnitte und Färbungen. Wunderschön, wie gerade bei den grauen Hämatox.färbungen Details die Mikrovilli herauskommen.

Sind das noch Paraffinschnitte? In 1µ Stärke? Hast Du das Paraffin gekühlt?

Was mich verblüfft, ist die Ähnlichkeit der lichtmikroskopisch erkennbaren Strukturen der Nierentubuli mit denen der Malpighischen Gefäßen meiner Insekten: In beiden Fällen eine deutlich anfärbbare Basalmembran, große Zellkerne, ein einschichtiges Epithel und ein Mikrovillibesatz im Tubulus. Nun übernehmen ja auch die Malpighischen Gefäße gewissermaßen bei den Insekten Teile der Nierenfunktionen, haben u.a. die Aufgabe, Urate aus dem Hämolymphraum auszuscheiden. Um so wichtiger ist es wohl, die Unterschiede herauszustellen.

Wenn ich es recht als biologisch interessierter Laie verstanden habe, dienen die Nierentubuli der Filterung des Primärharns, wobei die Filterung von innen nach außen erfolgt. Wasser und lösliche Stoffe werden nach Bedarf resorbiert bzw.rückresorbiert, verbleibende Reste an die Blase abgegeben. Die Malphigischen Gefäße hingegen transportieren aus dem Hämolymphraum Harnsäure, Wasser, Kalium und Natrium und andere Stoffe von außen nach innen. Die aus der Hämolymphe gewonnenen stoffe werden dem Darm zugeführt. Die Resorption bzw. Rückresorption von Wasser und niedermolekularen Stoffen  in die Hämolymphe wird dann von den soeben von mir dargestellten Rectalpapillen erledigt. Funktional homolog wären  den Nierentubuli daher vielleicht trotz der lichtmikroskopischen Ähnlichkeit nicht die Malpighischen Gefäße, sondern die Rectalpapillen, während die M.Gefäße eher den Glomeruli entsprechen würden???

Dem näher nachzugehen wäre wohl eine interessante Aufgabe.

Mikrogrüße und Dank für die schönen Bilder, Ronald!

Jürgen

Ronald Schulte

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Re: HISTOLOGIE: Podozyten in eine Rattenniere
« Antwort #4 am: Dezember 20, 2010, 17:56:17 Nachmittag »
Jürgen,

Dank für dein Lob.

Das Block ist ein Gans Normales Paraffin-Block aber wird vorher gekühlt nach Rezept von Carsten Dittmayer. Ich kühle es nicht so tief aber so bis 1-2 Grad.
Dann alles fertig stellen und sofort schneiden. Neues Messer gebrauchen. Nicht alles kann ich so dünn schneiden. Warum nicht weise ich auch nicht. Manchmal schrumpfen die Schnitte so gewaltig das sie sich nicht mehr faltenfrei strecken lassen. Dann wirkt oft 3µm wohl und 4µm kann ich jetzt immer schneiden. Die Schnitte sind immer gut und flach aber die Details werden dann auch rasch schlechter aber ist immer noch gut. Auch die Luftfeuchtigkeit ist sehr wichtig. Wenn es zu trocken ist wird es schnell eine 'faltenhaufen' und ist es besser ein Kaffee zu trinken wie Mikrotomschneiden.

Die AZAN Färbung ist schon zu sehen aber ich liebe mehr die Eisenhaematoxyline oder HE weil sie viel mehr Details zeigen. Nächstes Verzug wird eine Heidenhains Eisenhaematoxylin werden. Sollte auch sehr detailreich sein.

Grüße Ronald
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Jan Kros

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Re: HISTOLOGIE: Podozyten in eine Rattenniere
« Antwort #5 am: Dezember 21, 2010, 12:31:24 Nachmittag »
Hallo Ronald

Wunderschöne Schnitte und sehr gut dokumentiert
Die Aufnahmen sind spitze

Herzlichen Gruss
Jan