Eingerostete Schrauben lösen - aber wie? Am besten?

Begonnen von Willi Manns, Dezember 23, 2010, 00:05:39 VORMITTAG

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Willi Manns

An alle mechanisch Versierten...
eine Frage: ich muss in einem Binokulartubus Schrauben lösen (aus Gründen, die nichts zur Sache tun). Aber diese feinen Schrauben sitzen fest und wollen nicht heraus, sie sehen auch schon angerostet aus, zumindest der Kopf, und sie sind es wahrscheinlich auch.
Ich vermute, dass für jeden einigermaßen vernünftigen Mikroskopiker die Idee von Kriechöl, d.h. "Silikonspray" oder "WD 40", das sind die beiden Sprays. die ich im Moment zur Hand hab, dass diese Idee angstschweisstreibend ist (wg Verdunstungen und Beschlag etc.).
Wenn nicht das, was dann? Wenn aber doch so eine Art Kriechöl, welches ist das allerallerbeste?

Ich wäre für die Lösung dieses meines Vorweihnachtsrätsels ergebenst weihnachtlich dankbar!

wm

Nomarski

Hallo,

du sollst ja auch nicht den ganzen Tubus mit dem Zeugs einnebeln, sondern nur ein Tröpchen auf den festsitzenden Schraubenkopf tupfen und eine Zeit einwirken lassen, bis es durchgezogen ist.
Wenn die Schraube fest sitzt, sollte der die Schraubenzieherklinge auch die Breite des Schraubenkopfes habe und vorne nicht zu spitz angeschliffen sein.
Aber nicht zu viel Gewalt anwenden, sondern lieber noch etwas Nachtupfen und einwirken lassen.

HDD

#2
Hallo Willi,

Bitte um Gottes Willen nichts mit WD 40 oder ähnlichem einnebeln.
In schwierigen Fällen gib einen Tropfen Bremsflüssigkeit mit einer Nadel
oder einem Zahnstocher auf den Schraubenkopf und lass es ein paar Stunden
einwirken, das wirkt garantiert. Ballistol Waffenöl geht auch!

Bedenke aber: weniger ist mehr !

Ansonsten befolge unbedingt die Tips von Bernd

Viele Grüße

Horst-Dieter

Peter V.

#3
Hallo!

Ein mir bekannter Mikroskoptechniker verwendet eigentlich immer WD 40. Der "Wirkstoff" an sich kann also nicht verkehrt sein. Das Problem ist die große "Sprühpulle", die zu grenzenlosen Überdosierung verführt. Das Geheminis ist - wie schon von Horst-Dieter erwähnt - nichts einzunebeln, sondern ein winziges Tröpfen gezielt zu applizieren.
Dazu vorsichtig etwas WD 40 in ein kleines Döschen etc. sprühen, mit einer Spritze 1/2 ml etc. aufziehen und mit einer Kanüle vorsichtig in kleiner Menge ( 1 Tröpfchen! ) an den gewünschten Wirkort bringen.

Herzliche Grüße
Peter
Dieses Posting ist frei von kultureller Aneigung, vegan und wurde CO2-frei erstellt. Für 100 Posts lasse ich ein Gänseblümchen in Ecuador pflanzen.

Werner Jülich

Im Grunde genommen geht es mehr um die Methode, nämlich nicht Sprühen, sondern vorsichtig ein Korrionslösungsmittel auftragen.
Alternativ kann man vorsichtig mit Kältespray versuchen, ob die unterschiedliche Wärmeausdehnung nicht zum gwünschten Ziel führt.

Werner Jülich

Stefan_O

Zur Erinnerung: die erwähnte Bremsflüssigkeit frisst auch gerne den Lack, also vorsichtig anwenden und nicht tropfen...

Kontakt 60 wäre noch eine Idee, gibts in jedem Elektronik Shop und ist ein guter Oxidlöser:
http://www.crcind.com/csp/web/ProdDisp.csp?lng=4&country=GE&product=KONTAKT%2060&brand=KOC

Bei sehr kleinen Schrauben braucht es schon sehr gut Kriech-Wirkung, damit der Oxidlöser überhaupt sein Ziel erreicht. Lässt sich der Teil mit den Schrauben ausbauen und einlegen?

Gruss,
Stefan

Nomarski

#6
Das ganze Teil in ein WD40- oder Kontakt 60 -Bad einzulegen dürfte von Fall zu Fall auch schwierig werden, insbesondere, wenn die Optik noch eingebaut ist.
Deswegen sprühe ich etwas von dem WD40 in ein Näpchen und hole mir von dort das Tröpchen mit dem kleinen Tuschpinsel, um ihn auf die Bohrung oder den Spalt der Verschraubung aufzutragen.
Wenn es "nur" verschraubt wurde, läßt sich die Schraube normalerweise nach kurzer Einwirkzeit schon lösen,
aber wenn bei der Montage mit Sicherungslack gearbeitet wurde, das Spiel kenne ich immer von den Inkos, bedarf es einer längeren Einwirkzeit und vor allem gutes formschlüssiges Werkzeug beim Lösen.
Und vor dem Wiederzusammenbau das Säubern mit Waschbenzin nicht vergessen, damit das WD40 nicht da hinwandert, wo es evtl. noch Schaden anrichten kann!

Viele Grüße
Bernd

Klaus Dönnebrink

Neben Kälte hat sich auch Wärme in einigen Fällen bewährt.
Z.B. ein kleiner Lötkolben mit 10 -30 W und einer dünnen schlanken Spitze ( kann man zur Not selber machen) und damit nur den Schraubenkopf anwärmen. (gut handwarm in der Umgebung ) Natürlich nicht stundenlang damit herumbruzzeln.Es geht auch dabei nur darum,  die anfangs unterschiedliche Ausdehnung  zwischen Schraube und Gehäuse auszunutzen. Ein mit Petroleum oder WD 40 befeuchteter Zahnstocher reicht dann meist. Selten muß die Prozedur wiederholt werden
Viele Grüße und viel Erfolg! K.D.

Siggi O.

Hallo liebe Mikrofreunde,

bei WD40 handelt es sich um ein Multifunktionsöl
und somit nicht der ideale Rostlöser, obwohl in den meisten
Fällen ausreichend.

Ein richtiger "Kracher" ist folgendes Produkt.
http://www.weicon.com/de/produkte/technische-sprays/loesen-und-trennen/rost-schock.php

Und wie man an den Anwendungsbeispielen sieht,
genau das richtige für filigrane Arbeiten am Mikroskop ;D

Viele Grüße und
schöne Weihnachten
Siggi
Gerne per Du!
Vorstellung: Hier klicken!

Nomarski


HCLange

Hallo Mikrobastler,

bitte auf keinen Fall für irgendetwas am Mikroskop Bremsflüssigkeit verwenden : Es gibt keinen Lack auf dieser Welt, der dagegen beständig ist, und von allen Kunststoffen auch nur Polypropylen und Polyamid !

Frohe Weihnachten wünscht
Christoph

Willi Manns

An alle Ratgeber und Helfer,
es hat leider nichts geholfen: die beiden Schrauben haben sich trotz WD40 und trotz 'Silikonspray' (was immer das sein mag) nicht lösen lassen. Noch mehr Zeit will ich in das Teil nicht investieren -> zurück zum Absender, der glücklicherweise paypal angeboten hat. Das Ganze war übrigens ein Transportschaden, wie hier in letzter Zeit ausführlich diskutiert. Allerdings war die Verpackung mustergültig, nur der Transport offensichtlich exemplarisch brutal.

Vielen Dank nochmal

w.m.