Autor Thema: HISTOLOGIE: Verschließbares Nasenloch der Kaulquappe  (Gelesen 8331 mal)

Florian Stellmacher

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HISTOLOGIE: Verschließbares Nasenloch der Kaulquappe
« am: Dezember 30, 2010, 13:08:23 Nachmittag »
Liebe Freunde der Histologie,

beim Durchmustern älterer Paraffinschnitte, die ich vor etlichen Jahren einmal gemacht habe, fielen mir auch Schnittserien einer Kaulquappe in die Hände. Hierbei fiel mir ein interessanter Mechanismus auf, über den ich bislang noch gar nicht weiter nanchgedacht hatte.

Wir Menschen müssen stets mit dem Problem leben, dass wir sowohl zum Atmen als auch zur Nahrungsaufnahme bestimmte Teile unseres Körpers gemeinsam nutzen und wir uns daher verschlucken können. Dass wir sowohl durch den Mund als auch durch die Nase atmen können, hat natürlich unbestreitbare Vorteile, nicht nur wenn man erkältet ist. Unter Wasser sind unsere Nasenlöcher jedoch ungeschützt. Bestimmte Tierarten, die sich oft im Wasser aufhalten, haben anatomische Strukturen ausgebildet, die es ihnen ermöglichen, die Nasenlöcher zu verschließen. So ist .B. bei Seehunden der auch beim Menschen angelegte Musculus levator labii superioris alaeque nasi (den vergisst kein Medizinstudent so leicht, wenn er ihn erstmal auswendig gelernt hat!) so ausgebildet, dass die Nasenlöcher beim Tauchen verschlossen werden können.

Bei der Kaulquappe ist offenbar ein recht effektives Ventil in der Nase realisiert, dessen Funktionsweise mir jedoch bislang nicht vollständig klar ist.

Das Bild 1 zeigt einen Sagittalschnitt der vorderen Kopfpartie mit Maul und Nase:


AZAN, Zeiss Planachromat 2,5x am Phomi III

Die Bilder 2 - 4 zeigen jeweils das Nasenloch mit der "Verschlussklappe":


AZAN, Zeiss Planapochromat 10x am Phomi III


Hämatoxylin nach Delafield - Eosin, Zeiss Planapochromat 10x am Phomi III


Hämatoxylin nach Harris - Polychrom EA50, Zeiss Planapochromat 10x am Phomi III

Man erkennt das im Knorpel ausgesparte Nasenloch, das von respiratorischem Flimmerepithel ausgekleidet ist. Das Nasenloch geht direkt in die Mundhöhle über, wobei es zur Seite (nicht auf den Fotos angeschnitten) offenbar eine kleine Kieferhöhle (Sinus maxillaris) gibt. Das Nasenloch lässt sich durch eine kleine Klappe, die gleichfalls aus Knorpel besteht, verschließen. Ein Muskel, der dieses Ventil offnet oder schließt, ist mir nicht aufgefallen. Möglicherweise wird das Ventil durch Druck von innen wie ein Fahrradventil geschlossen und öffnet sich beim Einatmen passiv.

Vielleicht ja interessant.

Herzliche Grüße,
Florian
« Letzte Änderung: Dezember 30, 2010, 13:14:15 Nachmittag von Florian Stellmacher »
Vorwiegende Arbeitsmikroskope:
Zeiss Axioskop 40 (DL, Pol, AL-Fluoreszenz)
Olympus BHS (DL, Pol, Multidiskussionseinrichtung)
Leitz Orthoplan (DL, DF, Pol, AL-Fluoreszenz)
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Ronald Schulte

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Re: HISTOLOGIE: Verschließbares Nasenloch der Kaulquappe
« Antwort #1 am: Dezember 30, 2010, 20:29:54 Nachmittag »
Florian,

Sehr interessante Materie. Beim Menschen wird sie doch angesteuert durch den 'Musculus uvulae' glaube ich. Der Maus hat auch eine Muskel.
In deinen Schnitt ist keine zu sehen aber konnte doch sein das es kein Größen/umfangreichen Muskel ist doch nur einige Muskulatur in z.B. der Mitte des Klappen. Die Menschliche Haare ist auch nicht ausgestattet mit reichlich muskelgewebe und sieht Mann nur zufällig im Schnitt.

Ins Dritte Bild ist gefärbt mit Haematoxylin nach Delafield und wie ist es gegengefärbt? Eosin oder Azophloxin? Frage weil es mir so Rotlich Rosa erscheint.

Aber noch was: "bin sehr neugierig was dies vor ein Tier ist". Wenn es ist was ich vermute, Delfin oder Seehund, dann bin ich gespannt wie dein Mikrotom aussieht und mochte sehr gerne wissen wie es sich schneiden lies  ;).


Mache bitte weiter mit was Histo-arbeit hier ins Forum. Ist so schön und wird, meine Meinung, viel zu wenig gezeigt.

Grüße Ronald   
Mikroskope:
2x Leitz Orthoplan (DL, AL, AL-Fluoreszenz und Diskussionseinrichtung).
Leica/Wild M715 Stereomikroskop.
Mikrotome:
A&O 820 Rotationsmikrotom.
LKB 2218 Historange Rotationsmikrotom.

Jürgen H.

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Re: HISTOLOGIE: Verschließbares Nasenloch der Kaulquappe
« Antwort #2 am: Dezember 30, 2010, 20:34:46 Nachmittag »
Hallo Florian,

Vielleicht ist das bei der Kaulquappe schon die Vorbereitung der Froschatmung? Luft ins Maul, Maul und Nasenlöcher zu, dann "Verschlucken" der Luft, weil der Frosch keine Rippen hat um einen Brustkorb zu heben?

Interessante Schnitte... Verwunderlich wäre die fehlende Muskulatur beim Verschlussmechanismus schon. Insekten können solche an ihren "Nasenlöchern" bzw. Stigmen haben.

Wo setzt denn der Muskelstrang am oberen Ende an, der in Richtung halb zwei nach oben rechts aus dem Bild herausläuft? Ist das überhaupt ein Muskel?

Schöne Grüße

Jürgen
« Letzte Änderung: Dezember 30, 2010, 20:39:58 Nachmittag von Jürgen Harst »

Florian Stellmacher

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Re: HISTOLOGIE: Verschließbares Nasenloch der Kaulquappe
« Antwort #3 am: Dezember 30, 2010, 20:45:30 Nachmittag »
Lieber Ronald,

die Uvula liegt zwischen dem Mund und dem Rachen und nicht am Nasenloch. Hier liegt ein Verschluss des äußeren Nasenloches vor.

Hämatoxylin nach Delafield ist mit Eosin gegen gefärbt.

Eine Kaulquappe ist die Larve vom Frosch/Kröte/Unke (das Online-Wörterbuch meint "dikkopje"). Ich besitze zwar einen Tetrander, mit dem man zur Not auch einen halben Seehund schneiden könnte, dieses Objekt ist aber kaum 2 cm groß.

Herzliche Grüße,
Florian

P.S.: Ich brauche dringend eine vernünftige Kamera...
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Florian Stellmacher

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Re: HISTOLOGIE: Verschließbares Nasenloch der Kaulquappe
« Antwort #4 am: Dezember 30, 2010, 20:48:15 Nachmittag »
Lieber Jürgen,

der Muskel, den Du meinst, liegt schon am Rücken, es dürfte ein M. semispinalis sein. Mit dem Nasenloch hat er nichts zu tun.

Herzliche Grüße,
Florian
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