Leitz ORTHOLUX ll, Renovierung und Auf- Umbau, HILFE!

Begonnen von Arthur, Januar 13, 2011, 15:14:13 NACHMITTAGS

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Arthur

Hallo Mikroskopierfreunde,
Ich bin neu im Forum und hoffe auf euren Beistand bei meinen Fragen. Meine Kenntnisse der Materie sind noch sehr laienhaft und beschränken sich auf Erfahrungen mit einem Schülermikroskop vor 25 Jahren, sowie dem Knowhow was ich in den letzten Monaten ergugeln oder in diesem Forum nachlesen konnte.
In meiner Freizeit beschäftige ich mich mit geätzten oder elektropolierten sowie galvanisierten oder geschliffenen metallischen Oberflächen und hier speziell mit dem Kantenauf- Abbau und Schliffbildern an Teilen ähnlich Rasierklingen. Zur Kontrolle verwendete ich bisher diverse Lupen und ein kleines chinesisches Handmikroskop. Die Ergebnisse der Betrachtungen sind bisher doch mehr schätzen und vermuten als echtes prüfen der Kanten.
Mein Ziel wären Beobachtungen in ähnlicher Art wie in dem schönen Bericht: ,,Abenteuer Klingen schärfen" http://www.juelich-bonn.com/pdf/Abenteuer_Klingen_Schaerfen.pdf nur das meine Plättchen und Proben dünner, zwischen 30 – 70µ stark und sehr viel kleiner sind und ich mit höheren Verstärkungen Mikroskopieren möchte. Ich möchte zunächst nicht fotografieren sondern nur mal betrachten.

Hab lange gestöbert und auch schon an billige Neugeräte wie etwa BRESSER gedacht. Hier im Forum hatte ich aber einen Erfahrungsbericht dazu gelesen welcher mich von Chinesischem Edelschrott warnte. Nach langem Suchen habe ich im Ebay USA ein Leitz ORTHOLUX 2 ersteigert. Das Gerät kam Letzte Woche an und obwohl es bis zur perfekten Funktion noch ein Stück Arbeit sein dürfte hoffe ich, dass mit diesem Gerät mein Vorhaben, solche Beobachtungen durchzuführen grundsätzlich möglich ist.







Die aktuelle Bestückung: ORTHOLUX 2, Okulare = GF 10X, 1 Stück, Objektiv = FI 50X / 0,85 (B45604), Opak Illuminator? (Bin nicht sicher ob die Bezeichnung ok. ist und ob das teil für mein Vorhaben geeignet ist). Dazu habe ich noch ein Lampenhaus 102 Z.
Was ich annehme was als Minimum fehlt, für Auflicht Hellfeld Beobachtungen:
a.   Fassung für Lampe, Lampe, Regelung für Lampe.
Welche Leistung benötige ich? Wo bekomme ich eine Fassung? Könnte mir jemand, zum Nachbau eine Fassung oder Skizzen zur Verfügung stellen? Regelung der Lampe ist kein Problem, bin von der Elektronischen Gilde.
b.   Verbindungsrohr ? zwischen Lampenhaus und Opak Illuminator.
(Muss da ein Verbindungsstück rein? Nur ein Rohr oder ist dort Optik integriert? Kann dieses Bauteil selber angefertigt werden, CNC Bearbeitung ist vorhanden. Könnte mir jemand eine Skizze zur Verfügung stellen oder hat jemand so ein Teil zum kaufen oder zum kopieren.)
c.   Objektive für Auflicht Hellfeld 10X, 20X, 40X............
(Müssen für Auflicht Hellfeld spezielle Objektive benutzt werden, wenn ja nach welchen Bezeichnungen muss ich suchen?

Was benötige ich eurer Meinung nach noch? Oder hab ich mich total vergaloppiert? Je mehr ich lese desto unsicherer werde ich.
Vielen Dank an jede und jeden der mir mit Rat beistehet, Grüße aus dem Allgäu,
Atze

olaf.med

ZitatOder hab ich mich total vergaloppiert

Ganz und gar nicht! Das Gerät ist für diesen Zweck perfekt. Bin zur Zeit etwas behindert durch Rekonvaleszenz, melde mich aber in Kürze mit Details.

Gruß, Olaf
Gerne per Du!

Vorstellung: http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=4757.0

... und hier der Link zu meinen Beschreibungen historischer mineralogischer Apparaturen:
https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=34049.0

Arthur

Alles gute Olaf!!!
Ich wünsche dir die schnellste Genesung, dass du wieder fit wirst wie ein Fisch im Wasser!
Vielen Dank für deine positive Antwort, ich bin wirklich erleichtert. Muss schon zugeben das mir die Dame bereits ans Herz gewachsen ist. Die Technik kann schon begeistern!. Nicht auszudenken, sollte da Funktion auch noch hinzu kommen!
Grüße, Atze

Jürg Braun

Guten Abend Atze

a. Du benötigst ein Leitz Lampenhaus. Diese sind regelmässig auf ebay zu finden. Für die ersten Versuche reicht auch eine Jansjö von der Ikea. Einfach schön hinter das Loch Zentrieren.
b. Du benötigst kein Verbindungsrohr, das Licht findet auch so den Weg in die Auflichtbeleuchtung. Dieser Teil scheint von aussen komplett zu sein, da fehlt nichts.
c. Ja, für das Auflicht werden spezielle Objektive verwendet, denn da wird oft ohne Deckglas gearbeitet. Ich habe sehr alte Leitz Auflichtobjektive, die stecken in einer Zentrierhülse, ich kann somit nicht sagen, was da drauf steht.
Wie ich gesehen habe, kriegt man hier sehr günstig einen Satz Auflichtobjektive. (Die Qualität wird dem Preis entsprechen.) http://cgi.ebay.de/M-Objectives-4x-10x-20x-40x-for-Metallurgy-Microscope-/110635769035?pt=LH_DefaultDomain_0&hash=item19c267dccb#ht_3785wt_762 Doch für den Beginn sollten sie reichen.

Gruss

Jürg


olaf.med

Hallo Atze,

hier eine erste etwas ausführlichere Antwort. Ich hatte eine Hand-OP, die mich beim Schreiben behindert, daher nicht ganz so episch.....

Deine Wahl des Ortholux war prima. Ich arbeite seit 1978 täglich beruflich mit diesem Gerät und bin immer wieder überzeugt. Modernere Mikroskope haben z.T. bessere Optik, aber die mechanische Qualität und das Modul-System beim Ortholux II ist einfach Klasse. Lediglich das Orthoplan wäre noch besser für Deine Zwecke, nicht weil die Qualität besser wäre (sie ist identisch); sondern weil davon einfach mehr verkauft wurden und daher das Angebot auf dem "Gebraucht-Markt" breiter ist.

Sobald ich wieder im Institut bin werde ich Dich mit Infos (Gebrauchanleitung etc.) und evtl. Teilen füttern. Ein absolut neuwertiges Lampenhaus 50 W Halogen zentrierbar (möglicherweise nie benutzt) habe ich sogar hier und kann es Dir sofort anbieten. Den Trafo dazu finde ich wahrscheinlich auch noch irgendwo/irgendwann. Leider kann ich von zuhause keine Bilder auf meinem ftp-server ablegen - wenn Du welche möchtest, schreib mir doch Deine mail-Adresse (meine findest Du links oben unter meinem Logo).

Für Auflicht-Untersuchungen benötigst Du ∞-Optik für diesen speziellen Zweck (und bitte nur von Leitz! ;D). Glücklicherweise ist der Opak-Illuminator ja bereits vorhanden. Hier kann Dich "Ortholux" im Forum bestens beraten - ich kenne mich nur bei den Pol-Optiken gut aus.

Bei Deiner Aufgabenstellung wirst Du langfristig sicher einen Interferenzkontrast-R (DIC) mögen, aber bis dahin ist's noch ein weiter Weg (finanziell, da Pol-Komponenten nötig sind). Aber davon später mehr...

Herzliche Grüße,

Olaf
Gerne per Du!

Vorstellung: http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=4757.0

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Arthur

Hallo Jörg,
Vielen Dank für die vielen, schnellen, präzisen Infos! Ich hab zwar ein Lampenhaus 102 Z, aber eben ohne Fassung. So long Jansjö. Spitzentipp, wird morgen gekauft. Die von dir beschriebenen Objektive, eben ausgefasst. Du hast völlig recht: ,,Der Beginn ist der wichtigste Teil der Arbeit."
Beste Grüsse,
Atze

Jürg Braun

Guten Tag Atze

Olaf hat soeben auf etwas hingewiesen was ich übersehen habe. Die von mir angegebenen Objektive werden mit grosser Wahrscheinlichkeit bei diesem Gerät nicht funktionieren. Denn wenn ein Objektiv hinter der Vergrösserungszahl mit einem Multiplikationszeichen versehen ist, sollte es sich um ein auf Unendlich korrigiertes Objektiv handeln. In diesem Fall können nur Leitz original Objektive verwendet werden. Ich hoffe "Ortholux" weiss mehr zu diesem Thema zu berichten.

Bei meinem Opak-Illuminator am Ortholux 1 ist es eben noch die alte 160mm Optik verbaut. Ich habe auch schon die Durchlicht-Achromate dort eingeschraubt und war überrasch, wie gut das Bild wurde.

Gruss

Jürg

olaf.med

Danke Jürg, ich hätte auch gleich darauf hingewiesen.
Die $99,- nach Indien wären "in die Tonne" investiert gewesen! (reimt sich ja....)

Gruß, Olaf
Gerne per Du!

Vorstellung: http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=4757.0

... und hier der Link zu meinen Beschreibungen historischer mineralogischer Apparaturen:
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ortholux

Lieber Arthur,

mit der Ikea-Lampe machst Du nichts falsch. Ich habe das eben ausprobiert, und man kann sogar was erkennen. Eine "richtige" Lampe bietet bei gleicher Leistung eine wesentlich bessere Lichtausbeute, da das Licht eben genau da hingeführt wird, wo man es braucht. Außerdem hängt das Auflösungsvermögen der gesamten Abbildungskette mit von der Beleuchtung ab.

Zum Mikroskop selber. Das ist eigentlich ein "Metallux", auch wenn "Ortholux" draufsteht. Unterschieden haben sich die beiden ohnehin nur durch den darufgepappten Namen. Deine Wahl war auf jeden Fall richtig. Ein solides Teil mit einem großen Gebrauchtmarkt.

Beleuchtung:
Kuck mal bei Wikipedia unter "Ortholux", da siehst Du ein "angebermäßig" ausgestattetes Metallux. Zu erkennen sind die beiden Möglichleiten der Beleuchtung. Unten die Ortholux-Lampe, oben die vom Orthoplan mit ensprechendem (und regelmäßig bei ebay angebotenem) Adapter.

Objektive:
Tu's nicht! Die amerikanischen sind zwar günstig, aber so teuer sind Leitz-Objektive nun auch wieder nicht. Dein Vorteil: keiner macht Auflicht-Mikroskopie, deshalb die moderaten Preise.

Das hier:
http://cgi.ebay.de/ws/eBayISAPI.dll?ViewItem&item=260715429710&ssPageName=STRK:MEWAX:IT
ist zwar schon ausgelaufen, aber zeigt, wonach Du Ausschau halten solltest. Wie Olaf schon angedeutet hat, ist Auflicht-DIK mit ganz geringen Mitteln zu realisieren. Bei dem obigen Angebot siehst Du Wollaston-Prisma und ein kurzes 20x-Objektiv. Statt des Prismas gibt es auch rein mechanische Adapter. Wenn Du dann mal solch ein mit Prisma bestücktes Objektiv hast, brauchst Du nur noch Polarisator und Analysator und schon ist der DIK fertig.
Diese Pärchen gehen sogar manchmal für unter 100 Euro weg.

Hier noch zwei "Kurze"
http://cgi.ebay.de/ws/eBayISAPI.dll?ViewItem&item=230571515456&ssPageName=STRK:MEWAX:IT
http://cgi.ebay.de/Leitz-Pol-Objektiv-NPL-100x-0-90-/230571525613?pt=DE_Computer_Elektronik_Foto_Camcorder_Optik&hash=item35af2245ed

und ein Prisma:
http://cgi.ebay.de/Leica-Wollaston-Prisma-ICR-Objektiv-5x-/230571512850?pt=Optik_Zubeh%C3%B6r&hash=item35af221412

und nen Analysator hat er auch noch:
http://cgi.ebay.de/Leitz-Analysator-Schieber-/230571532611?pt=Optik_Zubeh%C3%B6r&hash=item35af226143

Kurze und Lange lassen sich auch ohne Prisma oder Adapter kombinieren. Nur Obacht beim Vergrößerungswechsel!
Wenn Du lieber die Langen (wie Du ja bereits eins hast) benutzen möchtest, kommst Du sehr billig davon. Ein einfaches 20x bekommt man z.B. für rund 20 Euro.

Bei Fragen, fragen!
Gerne kann ich Dir auch Fotos zur Verfügung stellen, wenn Du nach bestimmten Teilen suchst.

Wolfgang

rhamvossen

Hallo,

Wenn die Ikea Lampe gebraucht werden soll dan kan man am besten eine Matscheibe für die Lampe setzen damit eine gleichmäßigere Beleuchting bekommen wird. Und die Ikea Lampe ist sehr hell, mit die Matscheibe wird das Licht auch gedämpft. Beste Grüsse,

Rolf


Heino Lauer

Lieber Wolfgang,

wieso ist das gezeigte Ortholux "eigentlich ein Metallux"? Bisher ging ich davon aus, das beim Metallux der Durchlichtstrahlengang werkseitig verschlossen ist. Beim gezeigten Gerät ist er aber offen, man sieht die Leuchtfeldblende und das Gerät hat auch den üblichen Durchlichtkondensor. Das spricht  m. W. für ein Ortholux. Bin für Aufklärung dankbar.

Gruß

Heino

ortholux

#11
Lieber Heino,

beim Ortholux I, also dem schwarzen mit dem gebogenen Hals war das so, wie Du es beschreibst. Manche Stative waren gar nicht erst ausgefräst, andere mit Deckeln verschlossen.
http://www.leitz-ortholux.de/komponenten_stative.php

Beim Ortrholux II entschied offensichtlich die Ausstattung über die Namensgebung. Mir ist noch kein Metallux II untergekommen, das nicht den kompletten Durchlicht-"kram" hatte. Was nicht heißt, daß es das nicht evtl. gegeben hat.

Das Ortholux von Arthur hat neben dem Opakilluminator sogar dem Metallux-Tisch mit Glasplatte (hier ohne).

Ob das der übliche Durchlichtkondensor ist, muß Arthur klären. Normalerweise gehört zu diesem Tisch der Kopf 005 mit 4 mm Schnittweite (Achr. 0,70/L4).

Viele Grüße
Wolfgang

Heino Lauer

Lieber Wolfgang,

vielen Dank! Das ist sehr interessant. Noch eine weitere Frage: Thomas (TPL) hat vor einigen Monaten dargelegt, das die Bezeichnung Ortholux 2 nicht erst für das eckige (70er Jahre) Ortholux gilt (was ich bis zum damaligen Zeitpunkt angenommen hatte), sondern  von Leitz schon für die schwarze, runde Version mit den zwei getrennten Strahlengängen verwendet wurde. Das Ortholux 1 ist demnach das ursprüngliche Stativ, bei dem zwischen Durch- und Auflicht mit dem einschaltbaren Spiegel im hinteren Stativfuß gewechselt wurde. Für die eckige Variante wurde die Bezeichnung Ortholux 2, trotz nicht gerade unerheblicher Änderungen am Phänotyp, demnach so weitergeführt. Kannst Du dazu noch etwas sagen?

Leider weiss ich immer noch nicht, wie man Beiträge verlinkt, sonst hätte ich dies mit Thomas Beitrag hier getan.

Gruß 

Heino

olaf.med

Zitatmit der Ikea-Lampe machst Du nichts falsch. Ich habe das eben ausprobiert, und man kann sogar was erkennen. Eine "richtige" Lampe bietet bei gleicher Leistung eine wesentlich bessere Lichtausbeute, da das Licht eben genau da hingeführt wird, wo man es braucht. Außerdem hängt das Auflösungsvermögen der gesamten Abbildungskette mit von der Beleuchtung ab.

Eben! Man schraubt doch auch keinen Trabbi 2-Takter in eine Ferrari-Karosse  ;D ;D ;D... Vor allem hat ja Arthur offensichtlich ein tolles Lampenhaus, das er nur noch komplettieren muß:

ZitatIch hab zwar ein Lampenhaus 102 Z, aber eben ohne Fassung.

Also bitte Erleuchtung, aber richtig ;)

Gruß, Olaf
Gerne per Du!

Vorstellung: http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=4757.0

... und hier der Link zu meinen Beschreibungen historischer mineralogischer Apparaturen:
https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=34049.0

Heino Lauer

Lieber Wolfgang,

habe gerade Deine Website besucht und dort die Antwort auf meine Frage gefunden! Erst lesen, dann schreiben...

Eine wirklich fabelhafte Seite! Vielen Dank!

Gruß

Heino