Leitz ORTHOLUX ll, Renovierung und Auf- Umbau, HILFE!

Begonnen von Arthur, Januar 13, 2011, 15:14:13 NACHMITTAGS

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olaf.med

#30
Hallo Wolfgang,

.... Tatort war ganz OK!

Dein Bild zeigt eindeutig und schön DIK im reflektierten Licht (DIK-R), also das was wir hier sehen wollten! Danke :)

Erklärung: auch beim Fluorit wird ein Teil des Lichts bei senkrechtem Lichteinfall reflektiert, der Rest geht durch. Der Anteil des reflektierten Lichts mag bei 3-4% liegen (kann man aus der Beerschen Formel berechnen ;D). Dieser Anteil macht dann DIK-R, und das sieht man hier sehr gut. Im Falle des Fluorit Experiments wird der Transmissions-Anteil irgendwo im System geschluckt. Bei Deinem ersten Bildbeispiel hast Du  jedoch eine hochreflektierende Fläche unterhalb der Oberfläche, die senkrecht zum Lichteinfall orientiert ist und daher von den 96-97% des Lichts (dem Transmissions-Anteil) fast alles reflektiert. Diese Strahlen durchlaufen die Probe zweimal (hin- und zurück). Gibt es an verschiedenen Objektstellen unterschiedliche Brechungsindizes oder unterschiedliche Wegstrecken, resultiert daraus eine Phasenverschiebung, die natürlich auch zu einem Interferenzkontrast führt, allerdings der Durchlichtvariante. Wegen der ungleich höheren Intensität überlagert diese natürlich den DIK-R-Effekt und führt damit zu dem völlig ungewohnten Bild.

@ Arthur: siehst Du den phantastischen Informationsgewinn durch DIK? Wolfgang hat die Oberfläche abgewischt und dabei Kratzer oder Dreckstreifen zurückgelassen, die man im normalen Verfahren garnicht sieht ;D

Ich will nicht schulmeistern, aber erkläre gerne für die Jungs in der ersten Reihe  ;D (lasse mich aber auch gerne belehren).

Herzliche Grüße, und nimm Dich vor Fischen in Acht, daran kann man ersticken.... :D

Gute Nacht, Olaf
Gerne per Du!

Vorstellung: http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=4757.0

... und hier der Link zu meinen Beschreibungen historischer mineralogischer Apparaturen:
https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=34049.0

Arthur

Hallo Zusammen,
Sagenhaft die Bilder, einen DIK sollte man haben! Hab gestern mal meine Jansjö Lampe reingehängt und wie Wolfgang geschrieben hat, man kann etwas erkennen. Was ich da sah war schon mal das Vielfache was mir jemals mit Lupe oder Handmikroskop vors Auge kam. Und es bestätigt, dass die Komponenten grundsätzlich noch funktionieren. Ich betrachte das mal als ersten Schritt auf meinem bevorstehenden Marathon. So wie sich mein Bild darstellt und wenn ich meinen Revolver innen betrachte musste mein Gerät sein Dasein in einer Zementfabrik oder ähnlichem fristen. Die nächsten Schritte sind also 1. Lampenhaus reparieren, Teile sind organisiert. 2. Reinigen der Optischen Komponenten. Ich dachte ich orientiere mich bei der Reinigung an dem Werk: Die Mikrofibel, von Klaus Henkel". Habe auch gelesen, dass mit "Bostik Blu Tack" Kleber der erste Staub schonend von den Glasoberflächen entfernt werden kann ohne Rückstände zu hinterlassen. Habt ihr damit Erfahrungen?

olaf.med

#32
Hallo Arthur,

an ein solch verdrecktes Stativ kann man hochphilosophisch oder pragmatisch herangehen - ich bevorzuge die pragmatische Lösung und werde hier sicher in Kürze gesteinigt oder erleide das Schicksal Salman Rushdies ;D. Zur Erklärung: ich nutze Polarisationsmikroskope beruflich und nicht nur als Lustobjekte. Im Gegensatz zur biologisch-medizinischen Anwendung spielt bei unserer Arbeit das Auflösungsvermögen nur eine sehr untergeordnete Rolle. Sollte also irgendwo einmal ein Kratzerchen entstehen - so what..... Übrigens hat kürzlich erst ein interessanter Thread gezeigt, das selbst grobe Schäden viel weniger Qualitätseinbußen erzeugen als man annehmen sollte. Bitte nicht falsch verstehen: ich rede nicht dem Vandalismus das Wort, sondern denke nur, daß man auch an diese Arbeiten locker und unverkrampft herangehen kann.

1. Abnehmen der nicht fest eingebauten optischen Komponenten, Ausblasen mit Druckluft, Reinigen mit Wasser (evtl. sogar mit Seife versetzt) und Waschenzin. Wasser ist ein polares Lösungsmittel und entfernt schonend jede Menge Dreck, Waschbenzin löst die Fette ohne Lacke anzugreifen.

2. Bei den Komponenten im beleuchtenden Strahlengang bin ich auch ziemlich rigoros, höchste Vorsicht ist nur bei den Umlenkspiegeln geboten, die sind oft Oberflächen-beschichtet und sehr kratzempfindlich: zuerst Staub durch Blasen und Pinseln völlig entfernen, dann gleichfalls Wasser und Benzin, als letzter Schritt Chloroform und weicher Pinsel. Der Pinsel wird in Chloroform eingetaucht, dann leicht ausgeschüttelt, damit er nicht zu satt getränkt ist und anschließend mäandrierend über die Glasfläche gezogen. Das braucht ein wenig Übung damit nicht beim Wegnehmen des Pinsels ein Tropfen zurückbleibt, sonst gibt es Ränder von gelösten Fetten oder Dreck. Um empörten Aufschreien vorzubeugen: Chloroform schadet weder den Beschichtungen noch der Verkittung wenn man es wie oben beschrieben anwendet. Diese Verfahren habe ich bei Leitz genau so gelernt!

3. Bei den optischen Komponenten im abbildenden Strahlengang ist größere Vorsicht geboten, da Schäden hier die Abbildung am nachhaltigsten beeinflussen. Zu Details im Verfahren gibt es hier 1001 Threads, die Du über die Suchfunktion findest. Gefühlsmäßig würde ich keine Klebefolien benutzen, sondern eher die klassischen Mittel: Wattestäbchen mit Lösungsmitteln benetzt (reines Benzin, Chloroform), Wildlederscheibchen auf Holzstäbchen geleimt, den berühmten 1000x gewaschenen Leinenlappen etc.

So, jetzt bin ich gespannt ob ich wegen Ignoranz zwangsexmatrikuliert werde....

Gruß, Olaf
Gerne per Du!

Vorstellung: http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=4757.0

... und hier der Link zu meinen Beschreibungen historischer mineralogischer Apparaturen:
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