Autor Thema: Botanik: Der Rosenbaum oder das Rhododendron *  (Gelesen 8073 mal)

Hans-Jürgen Koch

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Botanik: Der Rosenbaum oder das Rhododendron *
« am: Februar 02, 2011, 21:29:08 Nachmittag »
Liebe Pflanzenfreunde,

einjähriger Spross , Quer.- und Längsschnitt

Systematik
Ordnung: Heidekrautartige (Ericales)
Familie: Heidekrautgewächse (Ericaceae)
Unterfamilie: Rhododendroideae
Gattung: Rhododendren
 Wissenschaftlicher Name : Rhododendron

Es gibt weltweit ca. 1.000 Arten. Davon sind in Deutschland fünf Arten heimisch.
In Südamerika und Afrika fehlen sie völlig, jedoch in Nordaustralien treten sie auf.
Sein Verbreitungsgebiet reicht von der Meeresküste bis ins Hochgebirge, vom tropischen Regenwald bis in die subpolare Tundra: das Rhododendron oder, wenn man die griechische Vokabel wörtlich übersetzt, "der Rosenbaum".
In West- und Mitteleuropa sind Rhododendren wegen ihrer großen roten, lila oder weißen Blütenstutze als Ziersträucher beliebt. In Südwestirland finden sich ganze Wälder aus verwilderten Rhododendren (Rhododendron ponticum).
Veraltete grobe Einteilung:
Charakteristisch ist die Zahl (und Form) der Schuppen an den Blättern, die den Kern der großen Unterteilung in Lepidote (beschuppte, das sind meist die alpinen, kleinblättrigen Typen wie unsere heimischen) und Elepidote (schuppenlose) bildet.
Die Gärtner folgen meist noch der alten Einteilung in Azaleen (laubabwerfend, d. h. sommergrün).
Da sich vorwiegend die Engländer durch frühe Importe aus USA (Rhododendron catawbiense) und später aus Ostasien mit den Rhododendren beschäftigt haben, da vielen auch das feuchte Klima in England sehr behagt, folgt man meist noch der englischen Einteilung in „Series“ und „Subseries“ (so zum Beispiel Davidian in seinem Standardwerk).
1998 erfolgte im Rhododendron Handbook der britischen Royal Horticultural Society (RHS) unter Zugrundelegung einer überarbeiteten Sleumer-Klassifikation (diese stammt aus 1949) die Gliederung in sieben Subgenera, die ihrerseits weiter in Sektionen und Untersektionen erfolgt. An diese halten sich die meisten nationalen Rhododendrongesellschaften.
Es werden meist endständige traubige oder doldentraubige Blütenstände gebildet. Die zwittrigen, meist fünfzähligen, überwiegend radiärsymmetrischen bis schwach zygomorphen Blüten sind glocken-, röhren-, schalen- oder trompetenförmig. Die fünf Kelchblätter sind verwachsen. Staubblätter sind fünf bis zehn (bis 27) vorhanden. Es werden Kapselfrüchte gebildet mit zahlreichen Samen, die meist geflügelt sind. Die Blütezeit der Rhododendren reicht von Januar bis August, die meisten blühen im April/Mai. In dieser teilweise sehr prachtvollen, intensiven Rhododendrenblüte ist die Ursache ihrer Beliebtheit und des großen gärtnerischen Interesses zu sehen.

Die beiden einheimischen Arten (in Österreich und Deutschland) wurzeln wie alle Rhododendren sehr flach (unsere alpinen kaum spatentief), können aber auch – sehr selten – höher als die durchschnittlichen 1,20 m werden. Sie benötigen unbedingt saure Böden.
Viele Rhododendren sind giftig; die giftigen Inhaltsstoffe, Grayanotoxine (u.a. Grayantotoxin I, Andromedotoxin) aus der Klasse der Diterpene, befinden sich nicht nur in Blättern, sondern auch im Nektar und im Pollen. Es sind auch Vergiftungen beim Menschen durch den übermäßigen Genuss des Honigs aus dem Nektar von Rhododendron ponticum bekannt geworden. Bei schweren Vergiftungen kann verlangsamte Herztätigkeit, schwacher Puls bis hin zum Koma und Tod durch Atemstillstand eintreten. Auch bei Weidetieren sind Vergiftungen durch den Verzehr der Blätter aufgetreten
Falsche Standortbedingungen können bei Rhododendren zu Erkrankungen führen. Unterschiedliche Arten der Erkrankung sind: Pilzbefall, Braunwerden der Blätter, Vertrocknen der Knospen. Schädlingsbefall, beispielsweise durch Rüsselkäfer, führt ebenfalls zur Beeinträchtigung der Pflanze.

Auffallend an den beiden Alpenrosen-Arten sind oft rote, gallertartige Wucherungen, sogenannte Alpenrosen-Äpfel. Eine weitere Krankheit ist die Knospenfäule. Sie kann durch die Rhododendronzikade übertragen werden. Diese Zikade schlitzt die jungen Knospen auf, um dort ihre Eier abzulegen. Durch diese Schlitze kann dann der Pilz Pycnostysanus azaleae leichter in die Pflanze eindringen und sich vermehren.

Dujardin-Grün
Abgewandelte Dujardin-Färbung mit Alciangrün von Rolf-Dieter Müller
Emmanuel P. Dujardin, der seinerzeitige Präsident des Mikrografen-Vereins in Antwerpen, hat diese schöne Färbung entwickelt und in Mikrokosmos 53 (1964), S. 94 beschrieben:

Dujardin, Emmanuel P. verwendet für seine Färbung Acridinrot, Chrysoidin und Astrablau. Hierbei wird mit Astrablau vorgefärbt und eine Nachfärbung erfolgt simultan mit einem Farbgemisch aus Acridinrot/Chrysoidin

Acridinrot/Alciangrün/Chrysoidin-Färbung

Arbeitsablauf :

Einjähriger Spross -  Querschnitt

Reichert - Jung Schlittenmikrotom Hn 40 - Schnittstärke beträgt 40 µm.

Probe lag seit Mai 2009  in AFE – Gemisch
Fixiergemisch auswaschen in 70 % Ethanol  5 Minuten
1. (Schneiden) mit 70 % Ethanol
2.  Alkoholreihe bis zum 30%igen Ethanol
3 Wasser entmin. 3x  wechseln je 1 Minute
4.  Vorfärbung  Acridinrotlösung      5 Minuten
5.  kurz spülen mit Aqua dest.  15 Sek.
6.  Nachfärbung  Alciangrün     8 Minuten
7. kurz spülen mit Aqua dest.  15 Sek.
8. Chrysoidin      8 Minuten
Chrysoidin evtl. während des Färbeprozesses auf ca. 50 ° erhitzen
9.  Auswaschen mit Aqua dest. bis keine Farbstoffreste auf dem Objektträger verbleiben
10.  Entwässern mit 3x  gewechseltem Isopropylalkohol   ( 99,9 % )
11.  Als letzte Stufe vor dem Eindecken Xylol einzusetzen
12.  Einschluss  in Entellan

 Ergebnis :
Die verholzten Zellwände werden äußerst differenziert in Farbtönen von Gelb bis Magenta angefärbt.
Fotos erstellt mit Nikon D5000.

Bild 01   Illustration Rhododendron

Zeichnung

Bild 02   Übersicht  Rhododendron

Die Übersichtsaufnahme wurde mit „MagniFlash“ erstellt.

Bild 03  Sekundäres Dickenwachstum Rhododendron


Bild 04   Sekundäres Dickenwachstum Rhododendron mit Beschriftung

Lignin
organischer Stoff, der in die pflanzliche Zellwand eingelagert wird und dadurch die Verholzung der Zelle bewirkt .
Lignin ist eine dreidimensional vernetzte, aromatische Kohlenwasserstoff-Verbindung. Es ist in der Zellwand von verholzten Pflanzen wie Gräsern, Stauden, Sträuchern und Bäumen eingelagert und dient dort als Festigungselement. Neben der Zelluose ist Lignin der häufigste organische Stoff der Erde.

Bild 05   Epidermis (gelb) mit Rindenparenchym  Rhododendron


Bild 06   starke Vergrößerung  Rhododendron


Einjähriger Spross -  Längsschnitt
Reichert - Jung Schlittenmikrotom Hn 40 - Schnittstärke beträgt 40 µm.
W-3A-Färbung nach Wacker (Acridinrot-Acriflavin-Astrablau) modifiziert.

Bild 07  Übersicht  Rhododendron

Das rot markierte Feld zeigt im nächsten Bild einen Blattansatz mit Leitbündel

Bild 08 Blattansatz Rhododendron


Bild 09 Epidermis (gelb) mit Rindenparenchym  Rhododendron


Bild 10 Vergrößerung  Mark  Rhododendron


Bild 11 Vergrößerung aus der Übersicht  Rhododendron


Dank an Detlef für die Hilfe bei der Anatomie dieser Pflanze.


 Mit freundlichem Gruß
Hans-Jürgen
« Letzte Änderung: November 07, 2014, 22:21:10 Nachmittag von Fahrenheit »
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Re: Der Rosenbaum oder das Rhododendron
« Antwort #1 am: Februar 03, 2011, 10:45:45 Vormittag »
Lieber Hans-Jürgen,

sehr schöne Bilder! Besonders der Längstschnitt, von dem Du uns bestimmt auch noch ein Bild in höherer Auflösung zeigen kannst, und das Netzartige Rindenparenchym in den Querschnitten.

Herzliche Grüße und Danke fürs Zeigen!
Jörg
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Jan Kros

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Re: Der Rosenbaum oder das Rhododendron
« Antwort #2 am: Februar 03, 2011, 13:54:59 Nachmittag »
Hallo Hans-Jürgen

Schöne Bilder und gut dokumentiert.
Ich habe alles ausgedruckt.

Herzlicehn Gruss
Jan

Hans-Jürgen Koch

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Re: Der Rosenbaum oder das Rhododendron
« Antwort #3 am: Februar 03, 2011, 15:33:38 Nachmittag »
Lierber Jörg, lieber Jan,

danke für das Interesse.

Mit Hilfe der Fluoreszenz – Technik möchte ich hier noch zwei Aufnahmen der Schraubengefäße mit  Windungen verschiedener Weite zeigen.

Rosenbaum Rhododendron
Spross Längsschnitt 35 µm; W-3A - Färbung

Bild 12 Schraubengefäß – Tracheiden  Rhododendron

Am Aufbau des Xylems (griech.: xylos  Holz) sind verschiedene Zellelemente beteiligt. Tracheiden und Tracheen.
Ich vermute es handelt sich um Tracheiden ( langgestreckte, englumige, an den Enden schräg zugespitzte Zellen).
Tracheen und Tracheiden dienen dem Ferntransport von Wasser, das von der Wurzel aufgenommen wird.

Bild 13  Schraubengefäß – Tracheen Rhododendron

Die Gefäße liegen nicht streng parallel.

Mit freundlichem Gruß

Hans-Jürgen

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Re: Der Rosenbaum oder das Rhododendron
« Antwort #4 am: Februar 03, 2011, 15:47:48 Nachmittag »
Lieber Hans-Jürgen,

ich denke, bezüglich der Tracheiden hast Du Recht - bis auf das Gefäß ganz links im ersten Bild, das ist wohl auch eine Trachee. Und danke für die zusätzlichen Bilder.  :)

Kannst Du uns auch die Art des gezeigten Rhododendrons verraten?

Herzliche Grüße
Jörg
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Hans-Jürgen Koch

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Re: Der Rosenbaum oder das Rhododendron
« Antwort #5 am: Februar 03, 2011, 18:55:04 Nachmittag »
Hallo Jörg,

die Pflanze  habe ich aus dem Rhododendron Park in Bremen.

http://194.95.254.61/botanika/sixcms/detail.php?template=unterseitedetail&id=240

Es ist eine Wildart:   Rhododendron spinuliferum

Gruß
Hans-Jürgen
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Re: Der Rosenbaum oder das Rhododendron
« Antwort #6 am: Februar 04, 2011, 09:14:47 Vormittag »
Lieber Hans-Jürgen,

danke für den Artnamen. Ich habe mal ein wenig gegoogelt, die Art stammt aus der Chinesischen Provinz Yunnan (Kleinere Bestände auch in Sichuan und Guizhou), wo sie in 800 bis 2400 Meter Höhe gefunden wird und schattige, geschützte Standorte bevorzugt. Die Pflanze ist frostfest bis etwa -15°C.

Wenn die Art immergrün ist (eine konkrete Aussage für R. spinuliferum habe ich leider nicht gefunden), dient die luftige Struktur des Rindenparenchyms vermutlich der Wärmeisolation.

Interessant sind übrigens auch die röhrenförmigen Blüten dieses Rhododendrons, die so ganz anders aussehen, als bei den üblichen Arten.

Herzliche Grüße
Jörg
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