Lohnt der Einsatz eines Grünfilters? Tests an Nitzschia sp.

Begonnen von Klaus, Februar 23, 2011, 00:05:48 VORMITTAG

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Klaus

Liebe Kollegen,

vielen Dank für die gute Diskussion und die Tipps. Ich teile die Meinung von G. Chmela, dass es nicht gut ist, Interferenzfilter am Rande zu bearbeiten und werde mir einen eingefassten Filter zulegen.

Noch eine Frage: Ist meine Beobachtung korrekt, dass es sinnvoll sein kann, ein einfaches Grünfilter zu nutzen, um die Bildqualität weniger gut korrigierter Objektive durch "Entfärben" mittels einer Fotosoftware zu verbesern? Den Effekt konnte ich ganz gut beobachten, ist das allgemeingültig?

Gruß

Klaus


peter-h

Liebe Grenzauflöser  ;)

man kann selbst mit einer blauen LED @455nm eine ganze Menge an Auflösung gewinnen. Zugegeben, das Medium ist nicht für alle verfügbar, aber auch in ZRAX eingebettete Amphipleura lassen sich mit heutiger Technik ausgezeichnet abbilden.



Viele Grüße
Peter H.


Gunther Chmela

Lieber Herr Lebeda,

leider erfahren wir in beiden Links nichts über die Halbwertbreite dieser Filter. Diese ist für optimale Ergebnisse aber sehr wichtig (siehe mehrere Beiträge weiter oben)!

Nach allem, was ich weiß, würde ich von übertrieben billigen Filtern abraten, wenn man an den Ergebnissen wirklich Freude haben will.

Beste Grüße!
Gunther Chmela

Bernhard Lebeda

#19
Lieber Herr Chmela

...o.k., dann müsste man diese Aussage:

Zitat
in dem zitierten Artikel ging es nicht um irgendeinen Grünfilter, sondern ganz speziell um den schmalbandigen Interferenzfilter O III (z.B. von Baader). Dieser hat ein Durchlass-Maximum bei ca. 500 nm mit einer Bandbreite von nur 8,5 nm.

in der Tat auf den Baader Filter beschränken, wenn der Wert der Halbwertbreite hier so kritisch ist. Der Wert von 8nm wird in diesem Preisegment bis 100€ nämlich von keinem Konkurrenzfilter erreicht!

Die preiswerten Filter kommen unserem Astrofreund Sven Wienstein gemäß soo schlecht nicht weg, liegen aber bei 20nm

http://www.svenwienstein.de/HTML/seben_orbinar_uhc_und_oiii.html


Und selbst die teureren Astronomik O III erreichen nur 18nm.


http://www.vtsb.eu/Astronomik-OIII-Filter-125-Zoll



Diese Streuung bei den Nebelfiltern hat übrigens nicht zwingend was mit Qualität zu tun, sondern sollen auch Besitzern kleinerer Teleskopöffnungen die Nutzung von Kontrastfiltern für Planetarische Nebel jenseits von UHC ermöglichen-aber das nur am Rande


Viele Mikrogrüsse

Bernhard
Ich bevorzuge das "DU"

Vorstellung

TPL

Zitat von: Klaus in Februar 23, 2011, 19:24:51 NACHMITTAGSIst meine Beobachtung korrekt, dass es sinnvoll sein kann, ein einfaches Grünfilter zu nutzen, um die Bildqualität weniger gut korrigierter Objektive durch "Entfärben" mittels einer Fotosoftware zu verbesern? Den Effekt konnte ich ganz gut beobachten, ist das allgemeingültig?

Hallo Klaus,
diese Eigenschaft nutzten die Hersteller bis weit in die Zeit der Farbfotografie schon viele, viele Jahrzehnte. Das übliche Zubehör zu einer Aufsetzkamera war... ein Grünfilter (natürlich für s/w-Aufnahmen ;)). Und zwar aus eben diesem Grunde: aus einfachen Achromaten wurden dadurch "Monochromaten".
Grünstichige Grüße, Thomas

Gunther Chmela

Zitat von: Bernhard Lebeda in Februar 23, 2011, 20:31:44 NACHMITTAGS
...in der Tat auf den Baader Filter beschränken, wenn der Wert der Halbwertbreite hier so kritisch ist. Der Wert von 8nm wird in diesem Preisegment bis 100€ nämlich von keinem Konkurrenzfilter erreicht! Die preiswerten Filter kommen unserem Astrofreund Sven Wienstein gemäß soo schlecht nicht weg, liegen aber bei 20nm
http://www.svenwienstein.de/HTML/seben_orbinar_uhc_und_oiii.html
Und selbst die teureren Astronomik O III erreichen nur 18nm.
http://www.vtsb.eu/Astronomik-OIII-Filter-125-Zoll
Diese Streuung bei den Nebelfiltern hat übrigens nicht zwingend was mit Qualität zu tun, sondern sollen auch Besitzern kleinerer Teleskopöffnungen die Nutzung von Kontrastfiltern für Planetarische Nebel jenseits von UHC ermöglichen-aber das nur am Rande

Lieber Herr Lebeda,

es ist richtig, vor allem mein Beobachtungsprotokoll bezog sich ausdrücklich auf die Baader-Filter. Dass dies nicht ausdrücklich erwähnt ist, liegt daran, dass das Protokoll nicht für die Veröffentlichung hier bestimmt war, sondern für Jörg Piper. Und wir beide wussten ja, worum es geht.

Ob der Wert der Halbwertbreite so (!) kritisch ist, das vermag ich nicht zu beurteilen. Ich weiß nur, dass er eine nicht zu unterschätzende Rolle spielt. Ich denke, Peter Höbel könnte darüber vielleicht mehr sagen.

Was die Beurteilung solcher Filter durch die Astronomen angeht - wir reden hier über die Verwendung der Filter in der Mikroskopie, über nichts anderes.

Ich wollte nur grundsätzlich darauf hinweisen, dass, wenn es schon um das "Herausholen" der letzten Feinheiten an Auflösung und Kontrast in der mikroskopischen Beobachtung geht, man sich nur mit dem (in diesem Sinn) Besten zufriedengeben sollte. Die Unterschiede sind ohnehin im Extremfall grenzwertig - da kann ein (in diesem Sinn) schlechterer Filter schnell zu der Überzeugung führen: Nützt ja doch nichts! Und das wäre schade.

Beste Grüße!
Gunther Chmela

Gunther Chmela

Zitat von: Klaus in Februar 23, 2011, 19:24:51 NACHMITTAGS
Ist meine Beobachtung korrekt, dass es sinnvoll sein kann, ein einfaches Grünfilter zu nutzen, um die Bildqualität weniger gut korrigierter Objektive durch "Entfärben" mittels einer Fotosoftware zu verbesern? Den Effekt konnte ich ganz gut beobachten, ist das allgemeingültig?

Dass dem so ist, hat Thomas ja bereits bestätigt. Ich möchte hier noch eigene Erfahrungen bei der visuellen Beobachtung hinzufügen.

Bei der Betrachtung rein schwarzweißer Strukturen (Diatomeenschalen), aber u.U. auch anderer Objekte bringt auch ein "einfacher" Grünfilter durchaus Vorteile. Neben den genannten ("Entfärben" der farbigen Ränder bei Verwendung von Achromaten) sind vor allem noch zwei andre zu nennen:

1. Der Kontrast bei schwarzweißen Strukturen wird deutlich erhöht. Bei Verwendung von Glasfiltern (z.B. VG 9) führt das aber nicht zu einer sichtbaren Verbesserung der Auflösung, sondern es wird lediglich der besseren Empfindlichkeit unserer Augen in diesem Spektralbereich Rechnung getragen. Nebenbei: Das Grünlicht nimmt man nach einer gewissen Zeit bei der Betrachtung von Diatomeenschalen gar nicht mehr wahr.

2. Gewisse Färbungen (z.B. Hämatoxylin) werden ebenfalls mit stärkerem Kontrast wiedergegeben. So erscheinen etwa mit Hämatoxylin gefärbte Zellkerne in Pflanzengeweben schwarz, was bei sich optimaler Färbung sehr günstig auswirken kann. (Vergleiche dazu auch: GERLACH, Das Lichtmikroskop, Thieme, 1985)

Beste Grüße!
Gunther Chmela

peter-h

Liebe Filterspezialisten,

ich bin gerne bereit einen "Bandbreitenvergleich" anzustellen, jedoch ich weiß nicht wie !
Das klingt sicher etwas merkwürdig, aber :

1. welche Lichtquelle ?
2. welche Kamera , monochrom oder color ?
3. welches Objekt , Diatomeenschale oder doch besser eine hell/dunkel Kante ?
4. wie auswerten ?
5. bei color , wie auswerten ? Nur den Grünkanal bewerten, oder rot-grün-blau als Mix (wird grauenhaft)
6. welches Objektiv , Achromat , Plan-Achro , Apo , PlanApo , UV-Optik ?
7. welche Auflösung soll sichtbar sein ? XYZ Pixel / µm ?

Und je länger ich nachdenke, um so länger wird die Liste mit vielen Fragen.

Am Ende dann .............. was kann Amateur X daraus für sich ableiten ?

Sehr gespannt auf die Antworten zu den einfachen Fragen 1...7, oder wird zunächst die Frageliste erweitert ?







Das Olympus IF550 Interferenzfilter könnte auch noch dabei sein, oder X, oder Y, oder Z.

Schönen Abend
Peter H.

Werner Jülich

Hallo Herr Höbel,
Sie schreiben genau das, was ich auch denke, wer das allgemeingültig beantworten will, der hat eine Menge Arbeit vor sich. Speziell Farbkameras sind noch einmal ein zusätzliches, individuelles Problem.

Werner Jülich

peter-h

Liebe Filtergemeinde,

nun habe ich doch eine Versuchsreihe gefahren um zu sehen, ob sich und wie plausibel sich eine Kontrast- und Auflösungssteigerung durch Grünfilter mit unterschiedlicher Bandbreite und unterschiedlicher Lichtquelle erkennen lassen. Da das Thema zu meinen Filtermessungen paßt, habe ich die Beispiele mit der Auswertung auf meine HP gepackt.
Auf der HP  http://www.mikroskopie-ph.de/  ganz unten zu Messungen an Farbfiltern gelangt man zur Grünfilterauswertung. Keine Überraschungen, nur sehr schön erkennbar wie klein oder groß der Einfluß ist.

Viel Spass
Peter H.

Bernhard Lebeda

Zitat von: peter-h in Februar 24, 2011, 17:20:36 NACHMITTAGS

Auf der HP  http://www.mikroskopie-ph.de/  ganz unten zu Messungen an Farbfiltern gelangt man zur Grünfilterauswertung. Keine Überraschungen, nur sehr schön erkennbar wie klein oder groß der Einfluß ist.


Hallo Peter

Vielen Dank für den Test!!

Du schreibst von "meßtechnisch nachweisbarer Verbesserung" beim Vergleich der HBW 120nm und 8nm.

Für mich sieht der Unterschied aber doch hinreichend klein aus. Könnte man sich zu der Aussage versteigen, dass zwischen den OIII mit 20nm (den ich besitze) und dem Baader 8nm (den ich nicht neu anschaffen möchte) kaum Unterschiede festzustellen sein dürften?


Viele Grüsse

Bernhard
Ich bevorzuge das "DU"

Vorstellung

peter-h

Hallo Bernhard,

natürlich habe ich befürchtet, dass nun die Fragen kommen, ob nicht ein 2nm HWB Filter noch besser sein könnte, oder ein 25,8nm HWB Filter auch noch reicht. Der Unterschied ist verdammt gering ! Oder mein Meßaufbau und die Auswertung schlampig  :o
Ein dunkeles Grünfilter bingt in jedem Fall etwas oder noch besser man geht zu 500nm oder sogar 450nm in der Zentralwellenlänge. Nur für das Auge ist blau garnicht so gut !!! Blauschädigung , bitte nachlesen.

Viele Grüße
Peter H.

Klaus

Liebe Hochauflöser,

soeben ist mein Baader OIII Filter eingetroffen (Samstag bestellt, Mittwoch geliefert). Das 11/4" Filter hat eine Schraubfassung und passt gut in den 32mm Filterrevolver des Jenamed. Hier meine ersten Versuche:

1. Surella mit 100x/1,25 Öl ohne Filter


2. wie 1. mit Filter


3. Nitzschia mit 100x/1,25 Öl ohne Filter


4. wie 3. mit Filter


In beiden Fällen ist eine deutliche Verbesserung zu sehen, sowohl bzgl. Auflösung als auch Kontrast. Das von mir verwendete 100/1,25 Objektiv scheint jetzt ziemlich an seine Leistungsgrenze zu kommen. An die gezeigten Bilder mit Objektiven höherer Apertur komme ich nicht heran, aber der OIII Filter lohnt auf jeden Fall.

Gruß

Klaus


Reinhard

Hallo Auflösungs-Spezialisten,

darf ich diesen zwar alten (!!), aber hochinteressanten Beitrag nochmals hochziehen behufs der Frage:
Welche Su(ri)rella ist das auf dem drittuntersten Bild im letzten Beitrag von Klaus?
Ich habe diese Diatomee gerade in einem unbenannten Testpräparat und kann die Innenstrukturen (Poren?)
nur gerade so mit einem Zeiss Planapo 100/ 1,3 [Immersion des Kondensors (0,9) mit H2O] erahnbar machen,
obwohl diese Diatomee in der Göke-Liste (so es denn Surirella gemma sein sollte) als mit n.A. 0,8 auflösbar benannt ist.

Viele Grüße
Reinhard
seit wann ist Kunst ein Fehler ?



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